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Samstag, 10. Januar 2026

Der Aussichtsturm Josephskreuz

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Einer der markantesten Aussichtstürme Deutschlands ist das Josephskreuz im Südharz. 
Das technische Denkmal ist das größte eiserne Doppelkreuz der Welt.
 

Ausgangspunkt ist der zentrale Parkplatz am Forsthaus Auerberg  beim Zusammentreffen der Straßen L235 und L236. Die GPS-Koordinaten vom Parkplatz sind
51°35'17"N, 11°0'44"E 
Dann geht man bequem die Alte Auerbergstraße und die Straße zum Josephskreuz (= Wanderweg Blaues Kreuz):
1,6 Kilometer mit 60 Höhenmetern in 35 Minuten
oder den etwas kürzeren Wanderweg (Roter Punkt): 1,1 Kilometer mit 60 Höhenmetern in knapp 30 Minuten
 

Nur noch ein knapper Kilometer! 
Hier biegt die Straße zum Josephskreuz von der Alten Auerbergstraße ab.
 

500 Meter weiter erreicht man die „Straße der Lieder“. Von 1995 bis 2008 lief im TV die gleichnamige ARD-Unterhaltungssendung. Bis zum Kreuz sind das folgende Stationen:
   Hoch auf dem gelben Wagen
   Kein schöner Land
   Wem Gott will rechte Gunst erweisen
   Die Gedanken sind frei
   Lola
Unter jedem Schild mit dem Titel findet man Noten und Text zum Mitsingen.
 

Das Josephskreuz erkennt man schon aus größerer Entfernung.
 

Der folgende Text aus dem Flyer 
„Josephskreuz – Ein begehbares technisches Denkmal bei Stolberg (Harz)“ 
ist fett + kursiv dargestellt:
Geschichtliches
Seit jeher stand auf dem 579 m ü. NN hohen Großen Auerberg ein Turm zur Wald- und Wildbeobachtung und Einsicht in die Heeres- und Handelsstraßen. Bereits im 17. Jahrhundert befand sich hier ein backsteingemauerter Fachwerkturm mit vier Aussichtsluken. 1769 wurde dieser von Bergleuten unterhöhlt, weil er baufällig war, und dadurch zum Einsturz gebracht.
1833 beschloss der damals regierende Graf Joseph zu Stolberg-Stolberg, einen neuen Turm errichten zu lassen. Er beauftragte den berühmten Baumeister Karl-Friedrich Schinkel mit der Planung, und der Zimmermeister Schatz aus Stolberg führte den Bau aus. Am 24.09.1833 fand das Richtfest des hölzernen Doppelkreuzes statt. Die feierliche Einweihung folgte am 21.06.1834 zum Geburtstag des Grafen Joseph, dessen Namen das Kreuz bis heute trägt.
Zu jener Zeit entstanden außerdem zwei Häuser auf dem Auerberg nach Plänen Schinkels. In einem befindet sich heute die Ausflugsgaststätte Bergstüb'l. Das andere Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1952 schließlich abgerissen.
Stich von 1842
 

In der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1880 tobte wie so oft auf dem Auerberg ein schweres Gewitter, wobei das Josephskreuz so großen Schaden nahm, dass es abgerissen werden musste. Obwohl bereits 1881 Pläne zur Neuerrichtung eines Turms aufkamen, konnte erst 1896 nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen den fürstlichen Kammern zu Stolberg und dem Harzklub der Bau aufgenommen werden. Am 20. April 1896 erfolgte die Grundsteinlegung durch die Dampfkessel- und Gasometerfabrik aus Braunschweig (spätere Wilke-Werke).
Die Einweihung des größten eisernen Doppelkreuzes der Welt nach Plänen Schinkels und des fürstlichen Baurats Otto Beißwänger konnte am 9. August 1896 gefeiert werden.
Die bis heute erhaltene Stahl-Niet-Konstruktion ruht auf einer riesigen Betonplatte und wiegt ca. 125 Tonnen. Die oberste Plattform befindet sich in 38 m Höhe, und wer den Rundumblick über den Südharz bis hin zum Brocken erleben möchte, muss 194 Eisenstufen erklimmen.
Lithographie von 1898 
 

Der Zahn der Zeit nagte jedoch auch an dieser Konstruktion. 1987 wurde der baufällig gewordene Aus-sichtsturm von der staatlichen Bauaufsicht der DDR für den Besucherverkehr gesperrt. Glücklicherweise gelang es den damaligen Denkmalschützern, den Abriss abzuwenden. In Vorbereitung des Gedenkens an den in Stolberg geborenen Reformator und Bauernkrieg-Revolutionär Thomas Müntzer zu dessen 500. Geburtstag wurde das Josephskreuz Restaurierungsmaßnahmen unterzogen. Im August 1990 konnte es wiedereröffnet werden.
2003 wurde eine Materialauffrischung dringend nötig - eine gleichzeitige Personenaufnahme von mehr als 100 Gästen war nicht länger gewährleistet. Mehr als 8 Tonnen Stahl wurden ausgewechselt, 3,4 Tonnen Zink aufgebracht und ca. 5,7 Tonnen 2-Komponenten-Anstrich Meergrün aufgetragen. Nach einem halben Jahr konnten die Besucher den Aussichtsturm in neuem Glanz erleben. Die Restaurierung kostete 750.000 Euro.
Nach dem 122. Geburtstag des Josephskreuzes wurden schließlich Betonsockel und -treppen aufwändig saniert, um es auch weiterhin für die vielen Gäste im Harz zu erhalten. Ende 2019 waren diese Sanierungsarbeiten abgeschlossen.
Josefskreuz-Jubilaeumskarte von 1921
 

Das Josephskreuz im September 2024 von Norden gesehen
 

Das Josephskreuz von Süden gesehen
 

Gleich nebenan: Das Restaurant „Bergstüb'l am Josephskreuz“
 

Die Terrasse unterm Kreuz beherbergt in der warmen Jahreszeit einen Teil der Freiluftgastronomie, schön im Schatten. Die Löwen am Treppenaufgang kehrten 2021 restauriert an ihren alten Platz zurück.
 

Über dem Eingang von der Zufahrt im Norden:
Bekröntes Monogramm J&L für den Namensgeber des 1834 errichteten Holzdoppelkreuzes Graf Joseph zu Stolberg-Stolberg und seine Gemahlin Luise.
Darunter die Wappenschilde des Hauses Stolberg:
Wappen der Grafschaft Lauterberg (Harz), 
2x das Stammwappen der Grafschaft Stolberg (Harz)  
und das Wappen der Grafschaft Rochefort (Wallonien) 
 

Wappen des Hauses Mark und
Wappen der Grafschaft Klettenberg (Harz)
 

Über dem Eingang von der der Gaststätte auf der Westseite:
Das Medaillon mit dem Logo des Harzklubs, der 1886 die treibende Kraft für den Wiederaufbau des Turmes war.
 

Baujahr und  Erbauerfirma des Turmes auf der gusseisernen Plakette 
 

Eingangsbereich mit einem dem Unterteil des Eiffelturms nachempfunden stählernen Rundbogen und dem neuen Kassenhäuschen
 

Die (ermäßigte) Eintrittskarte für den Turm
 

Das Treppenauge von unten
 

Die untere Aussichtsebene ist heute in Baumwipfelhöhe.
 

Aber es geht ja höher!
 

Blick durch das Kreuz nach Westen
 

Blick durch das Kreuz nach Norden
 

Blick durch das Kreuz nach Osten
 

Blick durch das Kreuz nach Süden
 

Zur Spitze des Doppelkreuzes führt eine Wendeltreppe.
 

Das Doppelkreuz von oben
 

Die 38 Meter hohe Aussichtsplattform ist erreicht!
 

Auch zwei Fernrohre mit Münzeinwurf stehen zur Verfügung.
 

Auf dem Geländer ist die Richtung zu Sehenswürdigkeiten eingeprägt.
 

Die asphaltierte Straße zum Josephskreuz (= Wanderweg Blaues Kreuz) ist der übliche Weg zum Josephskreuz, der rechte Weg (Roter Punkt) ist der kürzere, aber steilere Wanderweg.
 

Blick nach Süden zum Kyffhäuser– leider war die Fernsicht trotz schönem Wetter nur mäßig.
 

Der 123 Meter hohe Sender Kulpenberg im Kyffhäuser
 

Das Kyffhäuser-Denkmal aus 33 Kilometer Entfernung
 

Der nördliche Teil vom Doppelkreuz – senkrecht von oben, links der Biergarten vom Bergstüb'l.
 

Der Schatten vom Doppelkreuz
 

Es geht wieder 200 Stufen abwärts (194 Eisenstufen + 6 Steinstufen).
 

Die Josephshöhe ist eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel.
 

Das Josephskreuz ist ein sehr beliebtes Wanderziel – Aussichtsturm und technisches Denkmal zugleich.
Ein Ausflug hierher gehört zu jedem Harzurlaub.
 

Die WANDER CARD vom Josephskreuz

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