Montag, 10. September 2012

Chudyhradek ("Schlechte Burg") bei Sebitsch im Gründeltal (Daubaer Schweiz, Nordböhmen)


Chudyhradek um 1840

Nur wenig bekannt ist, daß sich auf einem hohen Sandsteinfelsen im Gründeltal zwischen Sebitz  (Dřevčice) und Dürchel die durchaus noch sehenswerten Reste einer alten Burg befinden, die früher einmal "Buska", später nur noch Chudyhradek (ja, das ist der deutsche Name, tschechisch Chudý Hrádek) genannt wurde. Sie ist quasi auf einem auf zwei Seiten steil ins Tal abfallende Sandsteinfelsen erbaut und war nur über eine, wahrscheinlich stark befestigte, "Landbrücke" erreichbar. 

Quelle: Google Maps :  Gründelmühle und gegenüber (durch Bäume halbverdeckt) Chudyhradek

Diese Felsenkante wurde während der letzten Eiszeit durch zwei kleine Bäche, die einmal das Gründeltal ("Sebitscher Grund") und zum anderen den Dürchler Grund durchfließen, canonartig aus dem hier anliegenden kreidezeitlichen Sandsteinplateau herausgearbeitet. Schon deshalb - wegen der mächtigen Sandsteinfelsen rechts und links des bewaldeten Tales - lohnt es sich, eine kleine Wanderung zur "Gründelmühle" zu unternehmen, die ziemlich genau am Fuße des Burgfelsen liegt (zuletzt vor dem Krieg eine gern besuchte Ausflugsgaststätte). Ob man den Einstieg von Sebitsch aus wählt oder den etwas längeren Weg von der Hohlener Seite her nimmt, ist eigentlich egal. Man wird auf jeden Fall durch einen schön ausgebauten Weg entlang des außergewöhnlich klaren Gründelbaches belohnt. Dort, wo der Bach etwas breiter wird und deshalb etwas langsamer fließt, ist er allenthalben von Matten von Wasserstern (Callitriche) bedeckt, in denen sich im Frühjahr, nach der Schneeschmelze, massenhaft Bachflohkrebse (Gammarus pulex) tummeln - ein Zeichen für die Reinheit des Wassers. 


Im 18, und 19. Jahrhundert, als die 1709 erbaute Wassermühle noch in Betrieb war, wurde der Bach durch seinen Reichtum an Forellen weit und breit gerühmt. Heuer konnte ich jedoch keine mehr entdecken...


Steigt man von Sebitsch in das Tal hinab, gelangt man sehr schnell zum sogenannten "Teufelsborn" (Čertova studánka), einer durch eine Mauer eingefaßten Quelle, wo aus dem Untergrund stetig klares Wasser hervorquillt. Im oberen Teil der Einfassung ist eine offenbar sehr alte Kreuzigungsdarstellung, die in einen Sandsteinblock eingearbeitet wurde, erhalten geblieben.


Wandert man weiter, gelangt man zu einer weiteren Quelle, dem Tanneborn. Auch sie ist - hier durch ein kleines Holzhäuschen - eingefaßt und man kann mittels des dort immer bereitstehenden Bechers das Wasser durchaus einmal probieren...Apollinaris light, möchte man sagen.



Da der Bachgrund nach ergiebigen Regen an manchen Stellen sehr sumpfig und matschig wird, wurde der Weg teilweise mit Holzbohlen befestigt, Auch die Brücken über den Gründelbach wurden in den letzten Jahren von Grund auf erneuert. Auch die Wegmarkierungen sind renoviert und an einigen Stellen (so am Teufelsborn) wurden Informationstafeln - leider nur in tschechisch - aufgestellt.


Den Ort, von wo man auf den Burgfelsen gelangt, ist sehr leicht zu finden, da der Aufstieg genau gegenüber der "Gründelmühle" durch einen in den Felsen gehauenen Keller markiert ist. Man hat hier zwei Möglichkeiten - entweder rechts den "offiziellen" Weg hinauf (steil und anstrengend) oder links den "inoffiziellen" (sehr steil und sehr anstrengend, mit klettern verbunden). Der Erstere ist zu empfehlen, da er zumindest grob ausgebaut ist. Auf jeden Fall ist "hinauf" einfacher als "herab". In halber Höhe kann man dann schon die Reste der Mauer des Burgpalastes durch die Fichten und Buchen hindurch erkennen. 


Noch ein Stückchen weiter gelangt man auf die schon erwähnte "Landbrücke", die ehemals den Vorhof zur Burg bildete und die durch einen Palisadenwall geschützt war. Wo dieser Wall verlaufen ist, läßt sich allenthalben höchsten nur noch erahnen. Es ist überliefert, daß sich hier einst auch die Meierei befunden haben soll.


Von hier aus sind es dann nur noch wenige Schritte zur Ruine des Burgpalastes, dessen meterdicke Grundmauern noch ungefähr bis in eine Höhe von ca. 4 Meter erhalten geblieben sind. Sie umschließen einen nicht allzu großen Raum mit mehreren Fensteröffnungen, in den man durch einen weitausgebrochenen Eingang gelangt. Anhand der Balkenlöcher an den Innenwänden kann man erkennen, wo einst die erste Decke verlaufen ist. 




Eine weitere Reihe von Balkenlöchern gehören wahrscheinlich zur Befestigung eines ehemals auf der Außenseite des Palastes entlang geführten hölzernen Wehrganges. Auf der Westseite ist die Palastwand im unteren Bereich durchbrochen und wenn man möchte, kann man dort hindurch in den nur noch rudimentär erhalten zweiten Teil des ehemaligen Palastes gelangen. 


Begibt man sich nun auf die Nordseite des Gebäudes, dann findet man genau darunter ein geräumiges, in den weichen Sandstein gehauenes, kellerartiges Gewölbe. Etwas abseits davon, in östlicher Richtung zum Abrund des Dürchler Grundes hin, führt ein Trampelpfad zu einer weiteren ähnlich großen Höhle. In ihr ist noch die aus den Felsen herausgearbeitete steinerne Sitzbank vorhanden.




Weitere Mauerreste, die nicht zum Palast gehören, sind nur noch an wenigen Stellen auszumachen. Wenn man eine notdürftige Absperrung auf der Burgnordseite überwindet und den Trampelpfad folgt (er kennzeichnet den Einstieg zur Burg, sollte man zum Aufstieg den beschwerlicheren Weg gewählt haben), dann kommt man zum sicher heute noch über 10 m tiefen und unten vollkommen verschütteten Burgbrunnen. Er ist mit annähern runden Querschnitt mühevoll aus dem gestandenen Felsen herausgearbeitet worden. Die Meiselspuren an seiner Wand sind noch heute deutlich zu erkennen.


Neuere Forschungen gehen davon aus, daß die "Schlechte" Burg auf einem Areal errichtet wurde, die zuvor schon als slawische Siedlung gedient hat. Erstmalig erwähnt wurde sie in einer Urkunde aus dem Jahre 1391, als Heinrich (der Ältere) Berka von Duba, der auf der nahegelegenen Burg Hauska residierte, seinen Landbesitz auf seine (drei ?) Söhne aufteilte. Sein jüngster Sohn Heinrich Wenzel von Duba, soll danach dieses "Schloß" und die Dörfer darum erhalten haben. Er starb im Jahre 1413. Von ihm wiederum erbte die Burg sein Sohn Johann Berka von Duba, von dem es dann - wahrscheinlich durch Verkauf - an Johann von Cimburg und dessen Ehefrau Barbara von Kolowrat, gelangte. Nach dem Tod Barbaras fiel die Burg entsprechend der böhmischen Erbfolgeregelung zusammen mit der umliegenden Herrschaft an Heinrich Berka von Duba zurück (genau am 14. März 1454). 


Ungefähr um das Jahr 1462 ging dann die Herrschaft samt Burg aus nicht mehr eruierbaren Gründen an die Herren von Wartenberg, die sie mit der Herrschaft Böhmisch-Leipa vereinigte. Um 1519 war Georg Ostersky Kaplirz zu Sulewicz (dessen Vorfahren bekannte Anhänger der Hussiten waren) Besitzer der Burg. Um 1532 gelangte sie dann über die Herrschaft Neuschloß wieder als Lehen an die Wartenberger. Diese Lehensherrschaft existierte bis 1575, als sie durch Kaiser Maximillian II den Wartenbergern als freies Eigentum übergeben wurden - wobei Chudyhradek explizit erwähnt worden ist. Die Burg muß also zu diesem Zeitpunkt noch bewohnt gewesen sein. Die letzte geschichtliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1622 in Zusammenhang mit Georg von Wartenberg, der am Ständeaufstand in Prag (1618) teilgenommen hatte und der deshalb zur Strafe enteignet wurde. Dabei findet sich auch Chudyhradek auf der Liste der konfiszierten Eigentumswerte. Zu dieser Zeit dürfte die Burg aber bereits dem Verfall preisgegeben worden sein. Im Volksmund wurde sie nur noch "Wüstes Schloß" genannt und diente wahrscheinlich nur noch als Aufenthaltsort von irgendwelchem Gesindel. 


Freitag, 7. September 2012

Kosmogonie von Planetensystemen - oder "wie entstehen eigentlich Planeten wie unsere Erde im Kosmos?"

Band VIII der Reihe "Astronomie und Astrophysik" in ca. 2 Wochen auch bei AMAZON, Google Books oder ganz allgemein im Buchhandel...


Softcover | DIN A5 hoch | 303 Seiten s/w | ISBN: 978-3-8442-3231-8 

E-Book-Ausgabe (pdf):    Kosmogonie von Planetensystemen  (4.99 €)


Mit der Frage, wie aus dem feinverteilten Staub, der  in kühlen Wolken aus molekularen Wasserstoff in unserer Galaxie mit einem Anteil von 1 bis 2% enthalten ist, einmal Planeten wie die Erde (oder wie Jupiter) entstehen, beschäftigt sich die Planetenkosmogonie.  Heute weiß man – so wie es bereits Immanuel Kant 1755 vermutet hat – daß die Planetenentstehung eng mit der Entstehung massearmer Sterne wie der Sonne verbunden ist. Mit diesem Paradigma, welches eindrucksvoll durch Beobachtungen protoplanetarer Scheiben mit modernen Teleskopen bestätigt wird, beschäftigt sich dieser Band aus der Reihe „Astronomie und Astrophysik“ sowohl in theoretischer als auch in beobachterischer Hinsicht. In einem abschließenden Kapitel wird auf alte und neue Theorien zur Entstehung des Sonnensystems eingegangen, eine Chronologie der Bildung der Erde entwickelt und versucht aus Sherlock Holmes Spuren etwas über den Geburtsort der Sonne in der Milchstraße in Erfahrung zu bringen.



Stichpunkte:
Planetenkosmogonie, interstellare Materie, Molekülwolken, Sternentstehung, Gravitationskollaps, Jeans-Kriterium, protoplanetare Scheiben, Proplyds, junge stellare Objekte, Herbig-Haro Objekte, T-Tauri-Sterne, bipolare Ausflüsse, Akkretion, Akkretionsscheiben, Scheibenmodelle, Scheibenevolution, Drehimpulsproblem, interstellarer Staub, Staubbildung, Planetesimale, Staubkondensation, Staub-Koagulation, Agglomeration, Hit and Stick –Wachstum, Goldreich-Ward-Mechanismus, Planetenbildung, core-accretion-Modell, Meteorite, kohlige Chondrite, Alter des Sonnensystems, Isotopenanomalien, Geburtssternhaufen der Sonne, Supernova-Trigger-Hypothese

Ausblicke von der Bastei im Elbsandsteingebirge

Ein Gastbeitrag von Prof. M.Dopleb, Zittau

Panoramablick auf die Elbe, aufgenommen von der Bastei - und hier in groß...


Bizarre Felsenwelten, aufgenommen von der Bastei - und hier in groß...


Und an dieser Felswand klettern manche Leute hoch - und hier in groß...


Schon wegen diesem Blick lohnt es sich, die Sächsische Schweiz  zu besuchen - und hier in groß...


Ein Geologe kann hier von unten bis  oben die halbe Kreidezeit überblicken - und hier in groß...


Warum unbedingt nach Mallorca?  - und hier in groß...

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Mittwoch, 5. September 2012

Grundbausteine des Mikrokosmos (1) - Einführung



Mein Vorlesungsmanuskript "Mikrowelt (1)" können Sie über folgenden Link als PDF-Datei herunterladen:

Mikrokosmos



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Dienstag, 4. September 2012

Wanderung um den Irichtberg (Spravedlnost) bei Daubitz in Nordböhmen

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau

Der Irichtberg (Verballhornung von "Gerichtsberg" - auf ihm stand in der frühen Neuzeit der Galgen der Herrschaft Kreibitz - wahrscheinlich wegen der schönen Aussicht) ist der Hausberg von Daubitz (Höhe 533 m). Um ihn herum gibt es für den Naturfreund ein paar hübsche Ziele, wie z.B. die Marschnerwiese oder die Brodsky-Wiese in Niederkreibitz.


Marschners Wiese ist eines der botanisch wertvollsten Gebiete des Landschaftsschutzgebietes Lausitzer Gebirge. Es kommen hier viele bedrohte und seltene Arten vor, auch Orchideen wie der Sumpf-Sitter bzw. die Sumpf-Stendelwurz, das Breitblättriges Knabenkraut und das Fuchssche Knabenkraut. Aber auch Pflanzen wie der Fieberklee, die Torf-Segge, der Sumpf-Hornklee, die Spitzblütige Binse und die Pechnelke kann man hier finden.

Im Sommer und Spätsommer blüht dort überall an feuchten Stellen in großer Zahl die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica):


Bei dem winzig kleinen Insekt handelt es sich um einen Fransenflügler...


Interessant sind neben ihren wirklich schönen Blüten schon einmal die wundersamen Bezeichnungen, die ganz sicher z.T. auch mit rätselhaften Sagen verbunden sind.

-"Weißer Dorant"
-"Andorn"
-"Bertramsgarbe" auch "Deutscher Bertram"
-"Blitzkraut"
-"Sumpfgarbe" auch "Sumpfschafgarbe"

So fand ich unter "Sumpfgarbe" auch tatsächlich in der Sagenwelt einige Antworten. Also wer möchte, für den gibt es im nachfolgendem Link wenigstens ein paar Erklärungen zu den weitergehenden Namen:

http://www.sagen.at/doku/hda/sumpfgarbe.html

Aber auch in der Küche findet diese Pflanze ihre Verwendung. So werden die jungen Blätter vor allen Dingen in Salaten gern mit verarbeitet.

http://www.salat-ideen.de/gewuerze/sumpfgarbe-weisser-dorant.php
http://www.kuterland.net/Heilpflanzen/weisser_dorant.shtml

Bei meiner Wanderung entlang der Marschnerwiese sind auch noch ein paar andere Schnappschüsse gelungen:


Hier ein noch "übriggebliebener" weiblicher Dukatenfalter (Lycaena virgaureae). Seine Flugzeit ist Juli bis Anfang August. Aber auch Anfang September kann man noch einzelne Exemplare mit etwas Glück beobachten. Er ist um den Irichtberg herum nicht selten.


Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) beim Nektar-Tanken. 


Das Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima) ist im Sommer eine sehr häufige Laubheuschrecke auf unseren Gebirgswiesen. Es klettert gern auf hochgewachsene Sumpfkratzdisteln, wo sie versucht, Insekten zu erbeuten.



Bei dieser Blattwespe könnte es sich um Tenthredo notha handeln. Mit absoluter Bestimmtheit läßt sich das aber anhand eines Fotos nicht sagen, da es noch eine Anzahl weiterer, sehr ähnlicher Arten gibt. Tenthredo notha ist jedoch sehr häufig und man findet sie deshalb oft im Hochsommer als Blütenbesucher auf allen möglichen Doldengewächsen. 


In der Hinterleibszeichnung sehr variabel, aber an den vier "Flecken" nicht allzu schwer zu erkennen, ist die Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus). Sie ist eine typische Feuchtwiesenbewohnerin, die ihr Netz meist relativ dicht am Boden platziert. Auch ist sie nur selten in der Mitte des Radnetzes (wie die Gartenkreuzspinne) zu sehen. Meist sitzt sie etwas versteckt abseits wobei sie aber immer mittels eines gespannten Signalfaden Kontakt mit dem Netz hält.



Unweit der Straße von Teichstatt nach Daubitz - auf der Daubitzer Seite des Irichtberges, findet man die schön renovierte Dreifaltigkeitskapelle unter einer mächtigen Linde...


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Sonntag, 2. September 2012

Burg Kempnitz bei Böhmisch-Kamnitz



Das kleine Städtchen Böhmisch-Kamnitz wird landschaftlich durch seinen Hausberg, wegen seiner Burgruine auf dem Gipfel kurz „Schloßberg“  (Zámecký vrch) genannt, geprägt. Der 530 m hohe Basaltberg – die Reste eines ehemaligen Vulkans aus dem Miozän – fällt durch seine weiche ebenmäßige, oben abgerundete Kegelform schon von weitem auf und man erkennt – besonders in der Zeit, wo die Laubbäume, die den Berg zieren, ihre Blätter abgeworfen haben – daß sich auf seinem Gipfel eine mächtige Ruine befinden muß. Das allein sollte schon Grund genug sein, diesen Berg einmal zu besteigen.


Der Anstieg gestaltet sich – je nach dem, welchen der beiden Aufstiege man wählt, mehr oder weniger beschwerlich. Die Hänge des recht steilen Berges bedecken ausgedehnte Blockfelder, die durch Verwitterung der überall anstehenden Basaltsäulen in der letzten Eiszeit entstanden sind. Sie bilden jedoch keine geschlossenen, baumfreien Flächen wie auf dem nicht weit entfernten Kaltenberg, sondern sind  locker von Laubbäumen und vereinzelt auch Kiefern durchsetzt. Der Gipfelbereich besteht aus mächtigen Gipfelklippen , die aus massiven Blöcken horizontal liegender Basaltsäulen bestehen und die dazumal die Ostseite der Burg besser schützten als die mittlerweile fast verschwundene Ringmauer um den Gipfel.


Sobald man den ehemaligen Burghof auf dem Gipfel erreicht hat, steht vor einem wie ein mächtiger Klotz das ehemalige Palais. Man kann heute noch anhand der Fensteröffnungen der über 1 m starken Mauern auf mindestens 4 Etagen schließen. Ein kurzer Weg führt dann die letzten Meter bis zur Türöffnung, über die man in das Innere des Palais gelangt. Dort erscheint einen der Innenraum dann gar nicht mehr so groß. Man erkennt noch zwei Eisenträger, die die dort ehemals eingerichtete Gaststätte getragen haben, sowie den neuen Holzturm, deren 56 Stufen man unbedingt besteigen sollte, um von oben die freie Sicht auf die Orte und Berge der Umgebung zu genießen.


Über die Geschichte dieser mittelalterlichen Wehranlage hat sich interessanterweise nur relativ wenig überliefert. So ist nicht einmal bekannt, wann sie genau errichtet wurde. Man kann aber indirekt auf ein ungefähres Alter von ~570  Jahre schließen, wenn man davon ausgeht – und es gibt begründete Hinweise darauf – daß es sich um einen Ersatzbau für die anläßlich einer Strafexpedition der Oberlausitzer Sechsstädte im Jahre 1440 zerstörte, unweit auf einen hohen Felsen am Kamnitzbach erbaute Burg Fridewald gehandelt hat. Ein paar wenige Mauern von ihr kann man noch heute besichtigen…

Quelle Google-Maps

Die damals sicherlich schon fast 100 Jahre alte Burg Fridewald (oder Fredewald, heute nur noch „Wüstes Schloß“ genannt) gehörte zuletzt Siegmund I von Wartenberg und seinen Söhnen, die in jener unruhigen Zeit landesüblich als „Raubritter“ in Erscheinung traten. Währen Sigmund I von Wartenberg in den blutigen Hussitenkriegen von sich reden machte und bereits 1438 im Kerker des Schlosses Neuhaus (Jindřichův Hradec)  als noch rüstiger Krieger sein Leben ließ, begannen seine Söhne von Tetschen aus Raubzüge in die Oberlausitz zu unternehmen, was zu der genannten Strafexpedition der Sechsstädte geführt hat. Deshalb ist es sicherlich nicht falsch anzunehmen, daß von den Tetschener Wartenbergern die Initiative ausging, auf dem nahe gelegenen Kamnitzer Berg eine neue, noch stärker befestigte Burg anzulegen. Das könnte so in den Jahren 1441 bis 1442 gewesen sein, denn bereits im Jahre 1442 wurde auch diese Burg von den Oberlausitzern belagert – aber nur mit mäßigem Erfolg, wie man den Annalen entnehmen kann. Man spricht darin von dem „newen hus kamnitz“, was sicherlich auf einen Ersatzbau für die Burg Fridewald hinweisen sollte.  Aber bereits 2 Jahre später, im Jahre 1444, erschienen die Oberlausitzer wieder vor deren Mauern und nahmen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch glücklich ein. Es ist anzunehmen, daß dabei die Burg großen Schaden  nahm, vielleicht sogar völlig zerstört wurde. Auf jeden Fall wurde aber die Stadt Böhmisch-Kamnitz bei dieser Gelegenheit abgebrannt, die damals bis auf ganz wenige Ausnahmen aus Holzbauten bestand (das seit 1380 bestehende Stadtregister erwähnt erst seit 1411 Steinhäuser). Es ist aber auch anzunehmen, daß Stadt und Burg im Anschluß an diese Katastrophe schnell wieder aufgebaut wurde. Darüber haben sich jedoch keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten. Erst im Jahre 1515 wird die Burg in einer Kaufurkunde wieder erwähnt. Man kann vermuten, daß bis zu diesem Zeitpunkt Mitglieder der Famile Wartenberg das „Schloß“ bewohnt hatten, es ihnen aber zu unbequem wurde und sie deshalb ein komfortableres Schloß in Kamnitz selbst erbauen ließen. Als deren Bauherr wird Heinrich I von Wartenberg genannt.


Es kann gut sein, daß seitdem dem Zerfallsfortschritt der Gebäude auf dem Schloßberg nur noch halbherzig begegnet wurde. Jedenfalls wird es im Jahre 1614 als „wüst“ bezeichnet, was bedeutet, daß es damals schon ziemlich heruntergekommen und nicht mehr bewohnt war.


Eine gewisse Bedeutung erlangte die Burg Kempnitz noch einmal als Schutzburg für die umgebende Bevölkerung sowie als militärische Festung der kaiserlichen Truppen während des Dreißigjährigen Krieges. Dieser für die deutschen Landen verheerendste Krieg aller Kriege besiegelte auch das Schicksal der Gemäuer auf dem Böhmisch-Kamnitzer Schloßberg: Sie wurden im Jahre 1639 von den Schweden belagert, mit Kanonen beschossen (bei Nachgrabungen im 19. Jahrhundert hat man noch Steinkugeln, die von dieser Belagerung künden, gefunden) und schließlich niedergebrannt. In den folgenden Jahrhunderten wurden nach und nach die Burgmauern zur Steinegewinnung abgetragen, so daß sich davon nur noch wenige und an vielen Stellen überhaupt keine sichtbaren Reste mehr erhalten haben. Es läßt sich weder die Position des ehemaligen Burgtors noch diverser Nebengebäude rekonstruieren. Nur der mächtige, heute noch vier Stockwerke hohe Palast mit seinen meterdicken Fassadenmauern hat die Zeiten überdauert. Er stellt im Grundriß ein Rechteck dar, dessen Mitte wahrscheinlich durch eine Quermauer einst in zwei Hälften geteilt wurde. Südlich und östlich von diesem Gebäude sind noch einige spärliche Reste der Ringmauer, die einst die stattliche Burg umgeben hat, auszumachen.


1881 gründete sich in Böhmisch Kamnitz ein „Burg-Verschönerungsverein“, deren Ziel es war, die Burgruine für Besucher wieder zugänglich zu machen. Sie setzte den Aufstieg auf den Berg instand, initiierte Erhaltungsmaßnahmen an der Burgruine und erbaute im Jahre 1891 direkt im Palais aus Holz eine Gaststätte mit einem 16 m hohen Aussichtsturm sowie 1910 einen Prunkraum, den man Rittersaal nannte und der gern für Familienfeiern genutzt wurde.  


Nach dem zweiten Weltkrieg zerfiel die Restauration, so daß bis auf zwei großen Eisenträger zwischen den Palast-Innenwänden nichts mehr an sie erinnert. 


Aber 1998 bauten Enthusiasten aus der Umgebung zusammen mit dem „Freundeskreis Böhmisch-Kamnitzer Schloßberg“ einen neuen geschlossenen und überdachten Aussichtsturm, von wo man – geführt mit beschrifteten Bildtafeln an den Fenstern – die Berge und Orte der nahen und fernen Umgebung kennenlernen kann.





Ein Kleinod meines Gartens: Die Gartenkreuzspinne

Gartenkreuzspinne

Gestern Abend konnte ich in den langen Werbepausen des Films "Kopfgeld" auf VOX (ja, ich habe mal Fernsehen geschaut statt Büchel zu schreiben - nicht nur die Nachrichten) bei mir im Garten diese hübsche Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) beobachten. Sie kann noch viel größer werden (bis fast 2 cm) als dieses knapp 1 cm große Exemplar, welches zwischen den Blüten im Gartenblumentopf ihr Radnetz gebaut hat. Kreuzspinnen ernähren sich bekanntlich von allen möglichen Insekten, die sie in ihren Netzen fangen. Selbst stachelbewehrte Wespen, Bienen und Hummeln sind vor ihr nicht sicher. Die im Netz gefangene Beute wird von der Spinne gebissen (keine Angst, Kreuzspinnen können keine Menschen beißen, dazu ist unsere Haut viel zu zäh) und mit Spinnenfäden umwickelt, durch Verdauungsenzyme zersetzt und schließlich als Proteincocktail ausgesaugt. Wenn die Spinne satt ist, spinnt sie ihre Beute ein und hängt sie als Vorrat in ihr Netz. Also achten Sie mal drauf. Die beste Zeit zur Kreuzspinnenbeobachtung ist die Abenddämmerung, wenn sie ihre Netze neu bauen oder alte Netze ausbessern - sowie die Nacht, wenn sie in der Mitte ihres Netzes auf Beute lauern...

Gartenkreuzspinne

Gartenkreuzspinne

Gartenkreuzspinne




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