Mittwoch, 3. Juni 2026

Der Aussichtsturm vom Clementinum Prag

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Prag wird als die „Stadt der hundert Türme“ bezeichnet. Einer davon ist der Astronomische Turm vom Clementinum (oder auch Klementinum).
Foto vom Stadtglockenturm aus
 

Das Clementinum liegt im Zentrum der historischen Prager Altstadt. 
Zu erreichen ist das Clementinum mit der Metro A, grüne Linie, Haltestelle Staroměstská. Dort halten auch Straßenbahnen und Busse. (Fußweg etwa 300 Meter = 4 Minuten).
Für einen längeren Aufenthalt in der Altstadt empfiehlt sich das Parkhaus Palladium (náměstí Republiky 1079/1a, 11000 Prag 1. GPS  50°5'23"N, 14°25'41"E). 
Von dort gelangt man nach einem Kilometer Fußweg (etwa 15 Minuten) zum Clementinum.
 

Das Clementinum (ein ehemaliges Altstädter Jesuiten-Kollegium) ist nach der Prager Burg der ausgedehnteste Gebäudekomplex der tschechischen Hauptstadt. Er besteht aus fünf Höfen, drei Kirchen, Wohntrakten, Schule, Bibliothek, Sternwarte, Druckerei und Theater.
Der Bau aller Gebäude dieser etwa 2 Hektar großen Anlage dauerte fast 170 Jahre.
Lithographie von 1945
 

Der Astronomische Turm entstand 1722 bei der Erweiterung des Clementinums. 
Bis 1938 diente er als Sternwarte, heute als Aussichtsturm.
Ansicht von Nordosten
 

Der 68 Meter hohe Astronomische Turm von Südosten - mit der Linde der Republik (Wurde am 5. November 1968 zum 50. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakischen Republik gepflanzt).
 

Vom 52 Meter hohen Umgang des Turmes bietet sich ein toller Ausblick auf das historische Zentrum Prags.
 

Auf dem Astronomischen Turm des Clementinums thront Atlas mit der Himmelskugel.
 

Das Clementinum ist seit 1995 Nationales Kulturdenkmal
 

Auf der Suche nach dem Astronomischen Turm findet man überall Hinweisschilder in tschechischer und englischer Sprache.
 

Die barocke Bibliothek und der Astronomische Turm können nur bei einer geführten, etwa dreißig Minuten dauernden Tour besichtigt werden. Die Gruppengröße pro Führung ist auf 20 Personen begrenzt. Deshalb sind Wartezeiten denkbar. Eine  Reservierung per E-Mail an klementinum@prague.eu ist zu empfehlen.
An der Kasse der (frei übersetzte) Leitspruch:
Kehren wir zurück von der Zerstreuung zur Einheit,
von der Verwirrung zur Ordnung,
von der Vermutung zur Wahrheit.
 

Die Eintrittskarte ist nur gültig für einen festgebuchten Termin, 
Führungen finden nur in Tschechisch oder Englisch statt, für alle anderen Sprachen gibt es ein Info-Blatt zum Rundgang.
 

Erster Höhepunkt der Besichtigung ist ein Blick in die 1727 fertiggestellte Barockbibliothek. Sie wird oft als die schönste der Welt bezeichnet. Sie ist 41 Meter lang, 12 Meter breit und umfasst derzeit 27 000 Bände. Der erste Teil der Bücher wurde aus der Bibliothek des aufgelösten Cölestinerklosters in Oybin (Oberlausitz) hierhergebracht. Im Saal befinden sich außerdem mehrere historisch wertvolle Globen und Uhren.
 

Danach geht es ab dem 3. Stock in den  ASTRONOMISCHEN TURM.
Seit 1752 wurden hier astronomische und meteorologische Messungen durchgeführt. Die von 1784 bis heute aufgezeichneten Temperaturwerte bilden die längste kontinuierliche Messreihe der Welt!
Bis 1928 war das Observatorium des Clementinums die wichtigste Sternwarte in Böhmen.
 

Der Aufstieg erfolgt über teilweise sehr enge Wendeltreppen.
 

Kopie des Manuskripts ASTRONOMIE INSTAURATEA MECHANICA von Tycho Brahe (1546–1601): Wandquadrant mit einem Porträt von Tycho Brahe (Original-Holzschnitt von 1598, später koloriert).
Er verfeinerte die astronomischen Messwerte in der vorteleskopischen Zeit durch präzisere Instrumente erheblich. Sie wurden erst Jahrzehnte später durch die Erfindung und Entwicklung des Fernrohrs übertroffen.
 

Sextant von Erasmus Habermel, Mechaniker am Hofe Kaiser Rudolfs II., Prag 1600 - auf einem barocken Sockel
 

Der Meridiansaal im 4. Stockwerk
Durch ein kleines Loch in der Wand fiel zur Mittagszeit der Sonnenstrahl auf eine auf dem Boden gespannte Schnur, um den Sonnenmittag zu bestimmen. Dieser Zeitpunkt wurde seit 1842 durch Schwenken einer Fahne, ab 1891 zusätzlich durch einen Kanonenschuss verkündet. Seit 1925 wurde die genaue Uhrzeit vom Clementinum über den Rundfunk übertragen.
 

Ausstellung historischer Instrumente:
Theodolit – Josef & Jan Frič, Prag, um 1900
Mikroskop – Prag, ca. 1850
Polarimeter – Jan Frič Prag, 1900
 

Spektrometer und Goniometer – Houdek und Hervert, Prag, ca. 1880
Sextant aus Messing
Astronomisches Linsenfernrohr – nach 1840
 

Die letzte Treppe, dann hat man die insgesamt 257 Stufen geschafft.
 

Die Dachkonstruktion von unten
 

Auf der 52 Meter hohen Aussichtsplattform
 

Auf dem Geländer wurden zur Orientierung beschriftete Reliefs angebracht.
 

Der Rundumblick beginnt im Südosten in Richtung Žižkov
 

Im Süden reicht der Blick bis zu den Wolkenkratzern von Prag
 

Der Laurenziberg (Petřín, 327 Meter) im Südwesten
 

Die Prager Burg im Westen
 

Der Letná-Park im Norden
 

Die Türme der historischen Altstadt im Nordosten
 

Mit dem Blick nach Osten schließt sich die Rundumsicht.
 

Jetzt größer:
Der  Žižkov-Fernsehturm und die Türme der St. Gallus-Kirche (Kostel sv. Havla)
 

St.-Ägidius-Kirche (Kostel sv. Jiljí)
 

Die „Wolkenkratzer“ von Prag, davor der Turm vom Neustädter Rathaus (Novoměstská radnice)
 

Das Nationaltheater (Národní divadlo) 
 

Die Türme der Salvatorkirche (Kostel Nejsvětějšího Salvátora), der Altstädter Wasserturm (Staroměstská vodárenská věž) und die (im Bau befindliche) Strecke der Standseilbahn auf den Laurenziberg (Petřín, 327 Meter)
 

Der Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž), darüber der Petřín-Turm auf dem Laurenziberg (Petřín, 327 Meter)
 

Die markante Turmspitze des Clementinum-Bibliothekskomplexes, dahinter die Kuppel der Kreuzherrenkirche (Kostel sv. Františka z Assisi),
 

Das Kloster Strahov
 

Der Kleinseitner Brückenturm ist durch einen gemauerten Bogen mit dem niedrigeren Judith-Turm verbunden.
 

Touristenströme auf der Karlsbrücke (Karlův most)
 

Glockenturm und Kuppel der Stadtkirche St. Nikolaus (Kostel sv. Mikuláše)
 

Die Prager Burg (Pražský hrad)
 

Der Hanau-Pavillon (Hanavský-Pavillon ) im Letná-Park
 

Der Prager Metronom (Metronom na Letné)
 

Die Türme der Teynkirche (Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn) und der Aussichtsturm des Altstädter Rathauses (Staroměstská radnice)
 

Eine Führung im Clementinum mit Bibliothek und Aussicht vom Astronomischen Turm ist ein Highlight bei jedem Besuch der Goldenen Stadt Prag. Das Warten auf eine freie Einlasszeit lohnt sich – oder man bucht vorher online!
Foto vom Aussichtsturm des Altstädter Rathauses
 

Noch 2 Touristische Visitenkarten (mit Übersetzung):
TOURISTISCHE VISITENKARTE
Klementinum
Der größte Barockkomplex in Prag (2 ha), Sitz der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik
 


TOURISTISCHE VISITENKARTE
Barockbibliothek des Klementinums
Ein einzigartiger Bibliothekssaal mit Fresken zu den Themen Wissenschaft und Kunst, der 27.000 Bände beherbergt.

 

Dienstag, 2. Juni 2026

Ein Blick zur Sonne...

 Foto: Peter Bergmann, Berthelsdorf



Mittwoch, 27. Mai 2026

Der Aussichtsturm der Petrikirche Freiberg

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


An der höchsten Stelle vom mittelalterlichen Stadtkern erhebt sich die  Stadtkirche St. Petri. Ihr weithin sichtbarer Hauptturm, der Petriturm, ist das Wahrzeichen der Stadt Freiberg. Er ist auch als Aussichtsturm begehbar.
 

Parken kann man in Freiberg auf einem der zahlreichen Parkplätze in oder auch außerhalb der Altstadt. 
Die Petrikirche ist nur wenige Schritte vom Obermarkt entfernt. Der Eingang zum Turm befindet sich auf der Südseite vom Petriplatz.
 

Die Kirche St. Petri wurde Anfang des 13. Jahrhunderts für die Bewohner der aufstrebenden Bergbaustadt Freiberg gegenüber vom Rathaus errichtet. Die ursprünglich romanische Basilika wurde nach mehreren Stadtbränden wieder im gotischen Stil aufgebaut.
Alte Postkarte um 1900
 

Nach einem Brand im Jahr 1728 erhielt der Petriturm seine barocke Gestalt.
Alte Postkarte um 1910
 

Die Petrikirche 2026
Der Petriturm hat bis zur Windrose eine Höhe von 71 Metern und ist damit das höchste Bauwerk in der historischen Altstadt von Freiberg. Im benachbarten 36 Meter hohen Faulen Turm befindet sich der für Besucher nicht zugängliche Glockenstuhl der Kirche.
 

Das Bruchsteinmauerwerk reicht bis in eine Höhe von knapp 42 Metern. Unter der mit Kupfer eingedeckten hölzernen Barockhaube befindet sich die ehemalige Türmerwohnung.
 

Aus dieser Wohnung kann man nach drei Seiten, aber leider nur durch verschlossene Fenster blicken.
 

Einzige Ausnahme: Auf der Ostseite ermöglicht ein Balkon einen beeindruckenden Blick über die Stadt.
 

Bis zum oberen Abschluss der Turmkrone beträgt die Höhe heute 74,10 Meter.
Die Jahreszahl 1822 erinnert an eine umfassende Erneuerung der Turmspitze und 1894
stieg der Mechaniker Hugo Meeser 
„am 11. August 1894 ohne Gerüst bis auf die Turmspitze, steckte die Wetterfahne wieder auf und grüßte, frei auf der Windrose stehend, durch Hutschwenken die auf dem Obermarkt ängstlich zuschauenden Bürger"
Walter Schelhas 1941 MfA Heft 70 S. 90
 

Die Skulptur „Türmer“ auf der Südseite der Kirche ist Teil des Freiberger Silberwegs.
 

Der Eingang zum Petriturm befindet sich im Sockel des Faulen Turmes - gleich neben dieser Skulptur.
Der Aufstieg ist nur im Rahmen einer Führung (3 Euro) möglich. 
Sie finden von Februar bis Dezember fast täglich statt. Genaue Zeiten findet man im Schaukasten nebenan oder im Internet
 

Der erste Treppenaufgang liegt noch innerhalb vom Faulen Turm.
 

Der Ausstellungsraum im Quergang zwischen dem Faulen und dem Petriturm
 

Der weiterführende Aufstieg erfolgt jetzt im Petriturm über Holztreppen.
 

Dann erreicht man die Türmerbereich, der sich über mehrere Etagen erstreckt.
Vier Fenster in alle Himmelsrichtungen ermöglichten eine gute Sicht über die gesamte Stadt.
Im Falle eine Brandes informierte der Türmer durch wiederholtes ein-, zwei- oder dreimaliges Anschlagen der Glocke über die Entfernung und durch das Anbringen einer roten Fahne über die Richtung des Feuers.
 

Nach über 300 Jahren verließ der letzte Türmer im Jahre 1905 den Petriturm.
 

Eine Treppe höher gelangt man links zur Turmstube und rechts zum Balkon.
 

Der jeweils für ein Jahr fest angestellte Turmwächter wurde durch einen nebenamtlich tätigen Scharwächter unterstützt. Ihm stand während seiner Tätigkeit die Scharwächterwohnung zur Verfügung.
 

Dann kommt der Höhepunkt des Turmaufstiegs:
Der Austritt zum 42 Meter hohen offenen Balkon!
Zur besseren Orientierung wurde ein beschriftetes Panoramafoto am Geländer angebracht.
 

Der Ausblick beginnt im Nordwesten mit den Kreuzteichen und dem Schloss Freudenstein.
 

Im Nordosten: Der Freiberger Dom
 

Obermarkt und Rathaus im Osten
 

Im Südosten endet der Ausblick vom Balkon.
 

Jetzt größer:
Schloss Freudenstein mit der Mineralienausstellung terra mineralia 
 

Die neue Universitätsbibliothek
 

Der Dom St.Marien, hinten der Gewerbepark Deutsches Brennstoffinstitut
 

Das Silberbergwerk Reiche Zeche
 

Die Nikolaikirche, dahinter das Kreiskrankenhaus
 

Die Ratsapotheke am Obermarkt
 

Das Freiberger Rathaus
 

Der Rathausturm mit Glockenspiel
 

Der Donatsturm, links hinten die Porzelline
 

Die Jakobikirche
 

Der 32 Meter hohe Hahnenturm der Petrikirche
 

Die Turmspitze trägt seit 1749 einen Wetterhahn
 

Das Industrie- und Gewerbegebiet Muldenhütten
 

Die Burg Frauenstein
 

Vom Balkon kann man einen Sektor von rund 180 Grad einsehen.
Um den Rest zu sehen muss man den Balkon verlassen.
 

Es geht noch eine Holztreppe höher.
 

Auf jeder der vier Turmseiten gibt es Fenster zum Ausblick. Leider sind diese stark verschmutzt und lassen sich auch nicht öffnen. Deshalb sind in den folgenden Fotos trübe Stellen unvermeidbar.
 

Blick nach Süden mit den Windkraftanlagen Freiberg-Zug und Weißenborn
 

Bebelplatz und Kaufland
 

Im Südwesten: Das Johannisbad
 

Im Westen: Amtsgericht und Unigebäude
 

Das Parkhaus Tivoli und der Mittlere Kreuzteich
 

Mit dem Blick über die roten Dächer zu Schloss und Dom schließt sich die Rundumsicht.
 

Dann geht es wieder 220 Stufen abwärts.
 

Der Petriturm ist das Wahrzeichen von Freiberg, eine weithin sichtbare Landmarke und ein hervorragender Aussichtspunkt. 
Der Aufstieg lohnt sich!
 


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