Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Auf dem Wege in die Daubaer Schweiz tauchen plötzlich hinter
Niemes (Mimon) aus dem flachen Land zwei Hügel auf. Das sind der
Kleine- und der Große Buchberg (Malá
/ Velká Buková). Man kann sich diesen von Kummer (Hradčany)
oder von Hühnerwasser (Kuřívody) nähern, muss aber ein ganzes
Stück durch langweiligen Nadelwald dahin pilgern. Aber das lohnt
sich. Von Kummer haben wir uns schon mehrfach zu den Bergen auf
den Weg
gemacht, so dass wir es heute einmal von Hühnerwasser versuchen
möchten. Hühnerwasser habe ich aus früheren Tagen als Nest in der
Hundetürkei in Erinnerung und so war ich über das heutige
Erscheinungsbild erstaunt. Bekannt ist Hühnerwasser durch das
„Gefecht bei Hühnerwasser“ im „Deutschen Krieg“ 1866
zwischen Österreich und Preußen.
„Am 26. Juni 1866 vormittags fand
in Hühnerwasser eines der ersten
grösseren Gefechte in jenem
unseligen Kriege statt; und zwar waren
daran beteiligt: preußischerseits 5
Bataillone, 5 Eskadrons und
2 Geschütze unter General Schoeller
(Vorhut der von Niemes her vorrückenden
Elbarmee unter Herwarth
v. Bittenfeld), österreichischerseits
2 Kompagnien vom 38. Inf.-Reg.
Haugwitz und eine
Halb-Eskadron Nikolaus
Husaren (Vorhut der Brigade Leiningen
vom 1. Armeekorps unter dem Grafen
Clam-Gallas), welch
letztere nach heftigem Widerstande
die
arg mitgenommene Stadt
räumen mußten; drei eingemauerte Kanonenkugeln
am ehemaligen Hirschenwirtshause
an der Niemeser Straße
rühren von damals her. Um den Besitz
des Waldes gegen Münchengrätz entspann sich an
dem Abende, welcher der Einnahme von
Hühnerwasser folgte,
ein
anderthalbstündiger Kampf zwischen
den vielfach überlegenen Preußen
und dem österreichischen
Jägerbataillone Nr. 32, welches die
Haugwitz-Infanterie abgelöst hatte.
Der
Tag von Hühnerwasser
hatte
den Österreichern 13 Offiziere und 264
Mann, den Preußen 4 Offiziere und
56
Mann gekostet. Für die damals gefallenen
Krieger veranstaltet die Stadt in Gemeinschaft
mit dem Veteranenvereine alljährlich Ende
Juni eine Feier, verbunden mit
einem Festzuge zum großen
Kriegerdenkmale.“ (Heimatkunde
des
politischen Bezirkes Böhmisch Leipa, Dr. F. Hantschel, 1911)
Von Hühnerwasser geht es durch tröge Waldung an den Fuß des
Großen Buchberg in der Nähe der Straßdorfer Flur.
„Die höchsten Punkte der Gegend sind der 2 km
nördlich vom Dorfe, im Tiergarten gelegene, 474 m
hohe
große Buchberg und der mit ihm westlich
zusammenhängende, 420 m hohe kleine Buchberg, die
beide aus Basalt bestehen. Aus dem letzteren, der
eine
schöne Rundsicht übers angrenzende Kummergebirge und die
dasselbe
umlagernden Teiche bietet steht ein kleines Häuschen.
Die Umgebung dieser beiden Berge, welche
tatsächlich
sehr reich an Buchen ist, war noch vor wenigen Jahren durch die
großartige Schwarzwildzucht bemerkenswert; jetzt gibt es im
Tiergarten außer Edel- und Damhirschen noch wilde Schafe.
In dem weiten Waldgebiete gibt es noch einige
andere,
kleinere Erhebungen, so der Goldberg (322 m)
südlich, der Eichelberg und der Weiße Stein
westlich,
der Wischkenberg (316 m) nördlich.“ (ebenda)
Der lockere Buchenwald gewährt schöne romantische Durchblicke zu
den Bösigen (Bezdězy),
den Schlattenbergen (Slatinné
vrchy), dem Heidemühl Teich (Břehyňský
rybník), dem Macha See (Máchovo
jezero) und der Daubaer Schweiz, vom Gipfel eingeschränkt
zum
Roll (Ralsko).
Wir entdecken einen Trampelpfad, der in Richtung Kleiner Buchberg
vom
Gipfel abgeht und an dem Sattel zwischen den beiden Bergen wieder
auf
den Hauptweg trifft. Der Anstieg zum Kleinen Buchberg ist heftig
steil, oben kann man ein wenig verschnaufen und,
leicht eingeschränkt, noch einmal über die erwähnte Landschaft
blicken. Vorteilhaft ist für die Begehung eine Jahreszeit, in der
die Bäume noch kein volles Laubdach tragen.
Der Rückweg streift die Flur des nicht mehr vorhandenen Weilers
Straßdorf (Strážov),
dem das gleiche Schicksal widerfuhr, wie 22 weiteren ehemals
deutschen Dörfern, die einem Militärgelände weichen mussten,
welches nach dem Zweiten Weltkrieg hier eingerichtet wurde und
zwischen 1968 – 1991 von der Sowjetarmee okkupiert war. Am Rand
des
ehemaligen Dorfes erhebt sich der Eichelberg (Dubová hora), dessen
Begehung keinen Sinn macht, weil neu aufgewachsener Wald jegliche
Aussicht verunmöglicht. Am östlichen Fuße des Berges aber sorgt
eine geheimnisvolle Höhle im Sandstein für Gaudi beim Besucher. In
Stein gemeiselte skurrile Fantasieskulpturen zieren den
Eingangsbereich.
Der Weg zurück nach Hühnerwasser ist dann nur noch eine
unspektakuläre Fleißaufgabe.
Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.


Im Gipfelbereich des Großen Buchberges
Im Gipfelbereich des Kleinen Buchberges
Auf der Flur des Weilers Straßdorf
Merkwürdige Installation am Gipfel des Eichelberges
Höhle am Eichelberg
Hommage an unseren Meisterforografen Bernd. Schnappschüsse
während der Wanderung