Mittwoch, 21. Juli 2021

Der Aussichtsturm auf dem Proschwitzkamm

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Auf dem langgestreckten Proschwitzkamm zwischen Reichenberg (Liberec) und Gablonz (Jablonec nad Nisou) befindet sich in 593 Meter Höhe dieser Aussichtsturm.


Man erreicht ihn leicht mit dem Fahrzeug von der Fernstraße 14. Man verlässt die neu ausgebaute und begradigte Straße beim Kreisverkehr an der höchsten Stelle in Luxdorf (Lukasov) über die dritte Ausfahrt. Dann biegt man links in die Straße Pod Proseci ein. Im Wald ist sie sehr schmal, erst recht bei Gegenverkehr! 104
Der Parkplatz liegt unmittelbar am Turm.


Im Jahr 1932 wurde nach  nur viermonatiger Bauzeit dieser 24 Meter hohe Turm aus Granitblöcken eröffnet.



Ende des 19. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle ein erster Holzturm errichtet, der aber nur 7 Jahre existierte. Sein 12 Meter hoher Nachfolger, ebenfalls aus Holz, wurde 1921 bei einem verheerenden Sturm  vollständig zerstört.
Historisches Bild des Turmes von 1908 - 1921


Erst 1932 entstand sein steinerner Nachfolger. Die Proschwitzkamm-Warte Wiesnerbaude nebenan erfreute sich eines großen Zuspruchs.
Historisches Foto um 1940


Diese Baude ist am 2. Juli 2003 einer Brandstiftung zum Opfer gefallen. Der Turm blieb fast unbeschädigt, wurde aber trotzdem geschlossen.
Foto aus der Broschüre „Die Aussichtstürme der Region Jablonec“


Nach der Rekonstruktion wurde der Turm  am 1. Mai 2009 wieder geöffnet.


Der Zugang zum freistehenden Turm


Der Briefkasten ist die Kasse des Vertrauens:
Bitte zahlen Sie den Eintritt in den Turm in Höhe von 20 Kronen pro Person


Der Treppenaufgang hat 105 Stufen.


Der obere Teil ist eine Wendeltreppe.


Der Auftraggeber für den Bau des Turmes war der Deutsche Gebirgsverein für Gablonz und Umgebung. Daran erinnert diese Granittafel. Völlig schmerzfrei hat man das Geländer davor montiert.


In 20 Meter Höhe erreicht man die obere Plattform.
Den übersetzten Text auf dem dekorativ ins Fenster geklebten Zettel finden Sie im Anhang.


Von der runden offenen Aussicht hat man einen weiten Ausblick, hier nach Reichenberg (Liberec) …


… oder da nach Gablonz (Jablonec nad Nisou).


Einmal am Horizont entlang:
Im Südwesten der Kaiserstein (Cisaruv kamen, 637 Meter), dahinter der Jaberlich (Javornik, 684 Meter).



Es schließt sich der Raschener Kamm (Rasovsky hrbet) an.


Im Westen dominiert der Jeschken (Jested, 1012 Meter).


Schwarzer Berg (Cerna hora, 811 Meter), Rozsocha (767 Meter), Kalkberg (Vapenny vrch, 790 Meter) und Langer Berg (Dlouha hora, 748 Meter).


Im Dunst: Die Gipfel vom Lausitzer Bergland
Ganz rechts: Gickelsberg (Vyhledy, 569 Meter)


Königshöhe (Kralovka, 859 Meter), Schwarzer Berg (Cerna hora, 1085 Meter) und Siechhübel (Jizera, 1122 Meter)


Siechhübel (Jizera, 1122 Meter), Severak (803 Meter), Seibthübel (Slovanka, 820 Meter) und Bramberg (Krasny, 797 Meter)


Über Gablonz (Jablonec nad Nisou): Der Kamm vom Riesengebirge


Von den Bäuen teilweise verdeckt: Der Schwarzbrunnkamm (Cernostudnicni hrbet)


Jetzt noch einmal größer:
Vorn der Kaiserstein (Cisaruv kamen, 637 Meter), dahinter der Jaberlich (Javornik, 684 Meter)


Der 23 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Kaiserstein (Cisaruv kamen, 637 Meter) wurde 2018 erbaut.


Der 88 Meter hohe Turm auf dem Jeschken (Jested, 1012 Meter), davor die obere Seilbahnstation.


Über Reichenberg (Liberec):  Kalkberg (Vapenny vrch, 790 Meter) und Langer Berg (Dlouha hora, 748 Meter)


Töpfer (582 Meter), Wolfsberg (Vlci hora, 581 Meter), Plissenberg (Plesivec, 597 Meter), Pirsken (Hrazeny, 610 Meter), Breiteberg (510 Meter), Wildschütz (Vlcice, 512 Meter) und Warnsdorfer Spitzberg (Spicak, 544 Meter)


Links der Kottmar (582 Meter), rechts der Gickelsberg (Vyhledy, 569 Meter)

Der Reifträger (Szrenica, 1361 Meter)


Schneegrubenbaude (Schronisko nad Snieznymi Kotlami, 1489 Meter) und Hohes Rad (Vysoke Kolo, 1509 Meter), vorn der Tannwalder Spitzberg (Tanvaldsky Spicak, 810 Meter)


Vor der Kesselkoppe (Kotel, 1435 Meter) liegen die Abfahrtspisten am Kahlen Berg (Lysa hora, 1344 Meter).
Vorn der Buchenstein (Hvezda, 959 Meter) mit dem Aussichtsturm Stephanshöhe (Stepanka)


Der Hochwiesenberg (Lucni hora, 1555 Meter)


Aussichtsturm und Sendemasten auf der Schwarzbrunnkoppe (Cerna Studnice, 869 Meter)


Die neue Baude von oben


Abstieg


Das 20 Meter hohe Treppenhaus von oben


Panorama vom Turmeingang aus
Die neue Baude wurde 2016 am Ort der abgebrannten Hütte erbaut und auch fertig gestellt. Durch den Neubau der begradigten Fernstraße 14 wurde aber die Zufahrtsstraße zum Proschwitzkamm unterbrochen. Deshalb konnte die neue Baude der erst 2018 eröffnet werden.


Die Touristische Visitenkarte:

Hütte am Proschwitzkamm 580 m
Modernes Ferienhaus mit Restaurant, Außenterrasse und herrlichem Blick auf die Umgebung



Der Turm wirkt vom felsigen Abhang auf der westlichen Seite aus gesehen eher etwas schmucklos.


Die ältere Touristische Visitenkarte:
Vor der Rekonstruktion hatte der Turm eine andere Treppe als Zugang.


Die neue Touristische Visitenkarte:
Nach der Rekonstruktion bekam der Turm die heutige Zugangstreppe

Übersetzter Text auf beiden Visitenkarten:

Proschwitzkamm 593 m
Ein Aussichtsturm aus Granitblöcken, 24 m hoch, eröffnet am 21. August 1932
Höhe der Aussichtsplattform 20 m, insgesamt 105 Stufen


Der Aussichtsturm auf dem Proschwitzkamm ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Radfahrer oder auch einfach schnell mal mit dem Auto. Gute Erreichbarkeit, herrliche Aussicht und nicht zuletzt die ansprechende Gastronomie sind eine Empfehlung wert.


Anhang:

Der übersetzte Text auf dem an das Fenster der Aussichtsplattform geklebten Zettel:

Der Aussichtsturm auf dem Proschwitzkamm

Zwischen den Orten Reichenberg, Proschwitz und Gablonz liegt ein langer Hügel namens Proschwitzkamm.  In der Mitte dieses Grats befindet sich ein Aussichtsturm.  Die Baugeschichte auf diesem Gipfel reicht bis ins Jahr 1892 zurück, als der Deutsche Bergverein an dieser Stelle einen 6 m hohen Holzturm stiftete.  Am 25. September 1892 wurde er feierlich eröffnet und diente weniger als 9 Jahre der Öffentlichkeit, danach musste er jedoch noch mit schlechtem Wetter um sein Überleben kämpfen.  1901 wurde er definitiv durch einen Sturm zerstört.  Dann gab es Streit, ob die Restaurierung des Aussichtsturms an dieser Stelle fortgesetzt werden sollte, bis der Bergverein Gablonz die Aktivitäten übernahm und in Zusammenarbeit mit dem Architekten Hemmrich einen günstigen Aussichtsturm errichten ließ.  Er war ebenfalls aus Holz, aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger rundum bedeckt.  Er war 12 m hoch und bei der Eröffnung am 31. Mai 1908 erhielt er eine beispiellose Resonanz und damit genügend Mittel für seinen Unterhalt.  Dieser Turm hielt nur 4 Jahre länger und wurde am 21. August 1921 durch einen starken Wind zerstört.  Dann blieb der Proschwitzkamm lange Zeit ohne Aktivität, bis 1928 der Privatmann Karel Hübner hier eine Hütte baute und der Bergverein Gablonz  den Auftrag an den Architekten Hemmrich für den jetzigen 28 m hohen Steinturm vergab.  Die feierliche Eröffnung fand am 21.08.1932 statt.  Wir steigen die 117 Stufen hinauf und haben einen fast kreisrunden Blick, der nur teilweise von altem Baumbestand reduziert wird.  


Mäusebussard

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf 





Mittwochs-Akademie: Sonnenflecken

Dienstag, 13. Juli 2021

Wanderung auf den Aarhorst und durch die Prutschelschlucht

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Gern erinnern wir uns an die Tour durch die Ritinaschlucht (Soutěska Rytina), die uns auch aussichtsreiche Momente bescherte. Diese Gegend gibt es einfach her. Eine noch viel imposantere Klamm durchfurcht die steilen Hanglagen des zur Elbe abfallenden Böhmischen Mittelgebirges unweit davon. Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der kleine Wanderparkplatz unterhalb des Aarhorst (Varhošť) am Sattel zwischen Kundratitz (Kundratice) und Tschersing (Čeřeniště). Der Aarhorst ist unser erstes Ziel. Ich liebe es, wenn es aus dem Auto heraus sofort in einen Steilaufstieg hinein geht und wenn einem gleich beim Start die Puste ausgeht. Allerdings wird man von der Aussicht vom Turm auf dem Berg wahrlich grandios entschädigt, besonders natürlich bei der heute gegebenen Fernsicht. An 8 verschiedenen Stellen, wird dem Touristen in der Literatur (Wikipedia) versprochen, bekäme er hier die Elbe zu Gesicht, deren gekrümmter Lauf an verschiedensten Stellen hinter den Bergen des Mittelgebirges hervortritt. Na gut, wir haben nur sieben gezählt, aber darauf kommt es in der Gesamtschau nicht an und außerdem wissen wir, dass ohnehin nicht alles stimmt, was in Wikipedia erzählt wird.

Wir steigen nun ab nach Birnai (Brna). Steil geht es an den Hängen des Fauleberg (Lenoch) zu Tal. Seitlich führt ein schmaler Pfad zu den Aussichtspunkten der Mache (Macha). Die große Mache ist der südwestliche Felsvorsprung...

„... eines steil zur Elbe abfallenden Hochplateaus. Frei wie auf einem Balkone steht man über dem, eine weite sichtbare Strecke des Elbestromes und genießt eine entzückende Aussicht. … Nach etwa 100 Schr. weiter kann man links einen Abstecher auf die kl. Mache, den nö. Vorsprungs desselben Plateaus, machen. Von hier übersieht man insbes. die wildromantischen Schluchten des Kollebner Thales.“ (Franz Hantschel)

In steilen Serpentinen geht es nun hinab nach Kolleben (Kolibov), von hier weiter (in nicht erwartetem Auf und Ab) nach Birnai. Nach kurzer Stärkung an der (geschlossenen) Kneipe „U Kapličky“ steigen wir nun in die steile, malerische Prutschelschlucht ein. Die beste Beschreibung dieser Klamm liefert die Sächsischen Zeitung, Ausgabe vom 20.05.2014

Auf 629 Meter Höhe, dem Gipfelpunkt der Tour, folgen wir nun drei Kilometer der grünen Markierung hinunter durch Nemci und die Prucelska rokle (Prutschelschlucht) nach Brna (Birnai) an die Elbe. Nach dem Ortsende geht es relativ steil auf schmalem Pfad abwärts in die Schlucht – empfehlenswert bei trockenem Wetter und in der laubfreien Zeit, wegen der Sicht ins landschaftlich schöne Tal. Es geht nun immer an der Berglehne des südlich liegenden Skrivanci vrch (Lerchenberg) mit der sogenannten Certova jizba (Teufelsstube) entlang hinab. Der Prutschelbach hat seine Talschlucht bis zu 150 Meter tief aus dem rechten Elbtalhang herausgewaschen. Vom Weg aus ist sein Verlauf im oberen Teil der Schlucht teilweise überhaupt nicht auszumachen – nur sein Rauschen aus der Tiefe ist zu vernehmen. Wild wie der Bergbach ist auch die Schlucht. Am nördlichen Hang bauen sich gewaltige Steinwände, Waldhänge und Felsen mit dem Namen Trpaslici kameny (Zwergensteine) auf, welche hier am Elbtalhang auf alten Karten auch als „Quarklöcher“ bezeichnet werden wegen ihrer eigenartigen Struktur. Manche Steine zeigen sich auch als zackige Gebilde, die man die „drei Jungfrauen“ nannte. Weiter unten, wo der Weg seine Steilheit verliert, begleiten die Ausläufer der Kleinen Wostrei das schluchtenartige Tal. Wie eigentlich Bach und Schlucht zu dem Namen Prutschel gekommen sind, lässt sich nicht nachweisen - aber bekannt sind beide, weil sie in ihrer Gesamtheit eine eigenartige Naturschönheit bilden, die von aufmerksamen Wanderfreunden besonders bewundert werden sollte. Dem Naturliebhaber erschließt sich dabei das Geheimnis, dass das Tal mit seiner schluchtenartigen Form in sich birgt: mit den seltsam geformten Steingebilden, mit den Höhlungen und Löchern in den Felswänden, mit den rauschenden Wasserstürzen, mit dem dichten Strauch- und Buschwerk, welches sich ungehindert von Menschenhand hier entwickeln kann. Das Prutscheltal gilt unter Kennern als Geheimtipp.

Auch wir hätten uns bei der Hitze heute gewünscht, die Prutschelschlucht von Nemschen (Nemci), also von oben nach unten zu durchwandern. Von den beschriebenen Felsformationen haben wir kaum etwas gesehen, teils, weil sie sich jetzt im Sommer hinter dem Laub der Bäume verbergen, teils, weil jeder genug mit sich selbst beschäftigt war, um die Steilanstiege bei der Hitze zu bewältigen. Von Nemschen aus wandern wir nach Tschersing und auf das Hochplateau zwischen Babina I und Welbine (Lbin), von wo sich noch einige schöne Ausblicke auf die Kegelberge bei Leitmeritz bieten. Von hier ist es nicht mehr weit bis zu zu unserem Parkplatz.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.



Der Aussichtsturm auf dem Aarhorst und einige Blicke in die Runde








Auf dem Weg zur Mache und Aussichten von daselbst







Auf dem Weg hinunter nach Birnai an der Elbe












Aufstieg durch die Prutschelschlucht nach Nemschen







Über Tschersing zurück zum Aarhorst










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