Mittwoch, 20. Mai 2026

Wanderung zu den Kuhschellen am Kahlenberg

 

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


An einem 1. Mai vor mehr als 10 Jahren besuchten wir den Kahlenberg (Lysá hora) bei Kundratitz (Kundratice) im Böhmischen Mittelgebirge in der Hoffnung, die Kuhschellen blühen zu sehen. Darüber hinaus blühten der Ginster,  das Steinkraut und im Tal die Obstbäume. Es wäre also wieder einmal Zeit, jetzt Anfang Mai nach den Kuhschellen zu sehen. In Pohorschan (Pohořany) machen wir uns auf, zunächst den Kreuzberg (Křížová hora) zu erklimmen. Mir war erinnerlich, dass es bis zum Rabenstein (Laffitova vyhlidka) ein ganz schön happiger Anstieg ist. Und so tröste ich die Wanderfreunde, dass es dann aber recht gemütlich weitergeht. Wie man sich täuschen kann. Der Aufstieg geht alsbald ein gutes Stück herzlos krachend weiter bis zum Gipfel des Kreuzberges. Von da erst entspannt sich die Lage. Während am Rabenstein noch eine schöne Aussicht über die Leitmeritzer (Litomerice) Gegend genossen werden kann, besteht vom Gipfel des Kreuzberges kaum eine Chance auf Ausblicke. Weiter des Wegs geht es über den Langen Berg, bis endlich der Abzweig nach Welbine (Lbin) ausgeschildert ist. Durch eine herrliche Heckenlandschaft bahnt sich der Weg zum Dorf hinunter, während langsam die Kegelberge jenseits der Elbe sichtbar werden. Anstelle des angekündigten Regens knallt nun die Sonne auf den Tetz. Es ist heiß geworden und die Getränke knapp. Wir erreichen den Kahlenberg und genießen während einer längeren Pause erst einmal den grandiosen Anblick der Kegelberge des Böhmischen Mittelgebirges. Die Schilderung des Naturerlebnisses überlasse ich einem älteren Zeitgenossen, dem ist nichts hinzuzufügen:

Ich pflege jedes Jahr um die Mitte des Monats April von Leitmeritz aus über Mentau auf die beiden Radischken und von da über den Kahlenberg bei Hlinai nach Kundratitz zu wandern. Womöglich an einem prächtigen, sonnenhellen und milden Tage. Was für ein wunderbares Schauspiel sich da, von dem Gipfel des Großen Radischken angefangen bis über die Ostabhänge des Kahlenberges hinaus dem Auge darbietet, ist gar nicht zu beschreiben. Hunderttausende Blütenglocken der herrlichen Pulsatille patens Mill. (Große oder Ausgebreitete Kuhschelle) wiegen sich sanft in der lauen Frühlingluft, breiten weit ihre lilafarbigen Kronenblätter aus und strecken ihre gelben Staubgefäßbündel der goldenen Sonne entgegen. Ach, das ist ein Anblick, der sich nicht mit Worten schildern läßt! Und man ist so mutterseelenallein auf der weiten Flur! Das macht den Genuß erst vollkommen. Nur einige unermüdliche Bienen ans dem Dorfe eilen geschäftig von Glocke zu Glocke mit heimlichem Summen. Am schlimmsten treibt es der Ostabhang des Kahlenberges! Wohin man sieht, nichts als blaue Glocken und wieder große blaue Glocken! Tausende, zehntausende, hunderttausende! Manchmal 50, zu einem herrlichen Strauße vereinigt, an einem Stock. Dazu ist das ganze Gelände zu dieser Jahreszeit einfarbig grau, nichts blüht sonst ringsum als einige gewöhnliche Kuhschellen. Darum sind die außergewöhnlich großen hellen Blütenglocken der p. Patens umso ausfallender und das allgemeine Florenbild umso eindrucksvoller. Wer das in einer Farbenphotographie festhalten könnte! Hie und da bemerkt man auch eine Staude mit rosenroten oder milchweißen Blüten. Auch die Hybride P. Hackelii Pohl ist nicht selten anzutreffen. Im Interesse des Pflanzenschutzes ist es nur gut, daß der großen Masse der Sonntagsausflügler dieses schöne Gebiet soviel wie unbekannt geblieben ist. Dagegen wünschte ich, daß dasselbe recht vielen wahren Naturfreunden bekannt würde, aber nur solchen. Das geschilderte Gebiet gewährt einen Naturgenuß, wie ich nur wenige in meinem Leben kennen gelernt habe, wenigstens wüßte ich in unseren Gegenden diesem Naturschaustück nichts Ähnliches an die Seite zu stellen. Für mich ist dieser Pulsatiller-Ausflug immer ein hehres Frühlingsfest.“ (Josef Anders, „Ein Pulsatilla-Ausflug“, Mittheilungen des Nordböhmischen Vereines für Heimatforschung und Wanderpflege, 1916)

Einen Unterschied gibt es jedoch: fast alle Kuhschellen sind mit einem Drahtgeflecht ummantelt, so dass sie kaum zur Geltung kommen. Das gab es vor Jahren noch nicht. Herr Anders kam aus Richtung Radischken (Hradiště)  herauf zum Kahlenberg. Wir gehen jetzt in umgekehrter Richtung zum Radischken, dessen Felsstirn man vom Kahlenberg bereits gut sehen kann. Wieder breitet sich ein tolles Panorama vor unseren Augen aus, in der Ferne der Sankt Georgsberg (Říp). In der Nähe des Gipfels fallen uns lange Steinwälle auf, deren Herkunft noch nicht geklärt zu sein scheint. Es deutet einiges darauf hin, dass sie zu einer bronzezeitlichen oder keltischen Befestigung gehörten.

Die gute Nachricht: es geht nun bis Pohorschan, dem Ausgangspunkt unserer Tour, nur noch na dolů (bergab) – fast. Zwischen Skalitz (Skalice) und Schüttenitz (Žitenice) erhebt sich ein kleiner Hübel namens „Na Křížku“, den es sich lohnt, schnell noch zu erklimmen, denn oben steht ein schönes Kreuz mit Aussicht, Beim Abgang finden wir stattliche Exemplare des Großblättrigen Knabenkrauts sowie ganz unerwartet die stattliche, aber renovierungsbedürftige Loretakapelle. Direkt neben der schönen barocken Kirche St. Peter und Paul rettet uns dann noch eine urige Kneipe vor dem Verdursten, denn unsere Vorräte sind aufgebraucht.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.






Hinauf zum Rabenstein 









Am Gipfel des Kreuzbergs




Durch die Heckenlandschaft bei Welbine







Auf dem aussichtsreichen Kahlenberg 















Auf dem Radischken












„Na Křížku“




Die Loreta.Kapelle




In Schüttenitz








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