Dienstag, 14. Juli 2026

Wanderung zur Burg Schreckenstein und der Hohen Wostrey

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Ein weißer Fleck in unserem Wanderverzeichnis ist noch die Gegend um Aussig (Ústí nad Labem), hier insbesondere die Burg Schreckenstein (Střekov) und die Hohe Wostrey (Vysoký Ostrý). Dass wir uns für diese Wanderung ausgerechnet einen Tag ausgesucht haben, der die Temperaturgenze von 30° überschreitet, ist etwas schicksalhaft, aber nicht abschreckend, da nach der Erfahrung das schützende Blätterdach der Wälder die Hitze absorbiert.

Von Nemschen (Němčí) aus wandern wir zunächst durch die steile Prutschelschlucht (Prucelska rokle) hinunter nach Birnai (Brná), denn in der Prutschelschlucht möchte man nun wirklich nicht in der Nachmittagshitze aufwärts steigen. Birnai zieht sich nun ein paar Kilometer an der Elbe entlang bis zur Burg Schreckenstein. Wir gehen auf Sträßchen durch die oberen Ortsteile, als plötzlich die Burg vor uns auftaucht.

Aus dem endlosen Hasten und Treiben, aus dem nimmer ruhenden Leben, wie es die großartige Verkehrsentwicklung im deutschen Elbetale Böhmens mit sich gebracht hat, erhebt sich in stolzer Ruhe der gewaltige Klingsteinfelsen, der aus seiner einsamen Höhe dereinst die mächtige Burg Schreckenstein getragen hat.

Eine halbe Stunde südwärts von Aussig entsteigen die schroff und steil emporstrebenden Höhen unmittelbar den Fluten der Elbe, die hier mit besonderer Schnelle dahingehen.

Trotzig und kühn steht die Felsmasse da, losgelöst durch eine Senke von den umgebenden Höhen, wie ein Wächter, von der Natur hochgestellt und wie ein Beherrscher des Elbestromes.

Freilich liegt die ehedem so stolze Veste seit Jahrhunderten in Schutt und Trümmern, doch bietet das, was heute noch als Ruine da ist, ein treues Bild von vergangener Macht und Größe. Der Schreckenstein ist nicht nur die bedeutendste unter den Ruinen des Elbetales, er ist auch die schönste, ausgezeichnet durch die unvergleichliche Lage und durch die interessante Gestaltung des Felsens. Dichter und Maler haben ihr unzählige Huldigungen dargebracht, sie haben die Schönheit gepriesen und sie den berühmtesten Ruinen des Rheinlandes an die Seite gestellt.

Man kann das Bild des Schreckensteins vom Tale und von den Höhen aus betrachten, von Norden oder Süden her, es macht stets einen entzückenden Eindruck, weshalb man auch mit Fug und Recht die alte Burg als eine Perle des Elbetales bezeichnen kann.

Vom Schreckenstein aus gesehen, gleicht der breite Talboden, der sich elbeauf erstreckt, einem üppigen Obst- und Weingarten. Er wird einerseits von den bewaldeten Hängen des Wostreystockes und des Lerchenberges begrenzt, während anderseits die eichengekrönte Staudenspitze und die Felsengruppen des Matzensteines erscheinen. Im Mittelpunkte baut sich die schöngeformte Waldkuppe des Aarhorstes aus. Aus dem Grün der Fluren grüßen die Dörfchen Schreckenstein, Birnai und Wannow.

In der Nähe des letzten Ortes befindet sich der berühmte Ostabsturz des Ziegenrückens, welcher durch seine strahlenförmig angeordneten Basaltsäulen das Interesse der Geologen und Laien in Anspruch nimmt. Auch ein Wasserfall fehlt dem Bilde nicht: in der an den Ziegenrücken grenzenden Schlucht stürzt der Padloschiner Bach über eine hohe, senkrechte Felsenwand.

Diesem Bilde des Friedens steht nach Norden zu ein Bild reger Tätigkeit und lebhaften Verkehrs gegenüber. Im Vordergrunde erscheint der große Bahnhof Schreckenstein, dahinter folgen Krammel und Obersedlitz mit zahlreichen Fabriksanlagen, auf der Elbe herrscht ein buntes Durcheinander von Personen- und Kettendampfern, von Zillen, Kähnen und Flößen, an den Ufern eilen Züge hin und her und in der Einsenkung zwischen Ferdinandshöhe und Marienberg breitet sich die bedeutsamste Elbestadt Böhmens, der nördliche Seehafen der Monarchie, Aussig, aus. Den Hintergrund bilden die besiedelten Höhen des Mittelgebirges und weit draußen der dunkle Wall des Erzgebirges mit dem historisch berühmten Passe von Nollendorf, an dem freistehenden Kirchlein leicht zu erkennen.“ („Österreich-Böhmen: Das Elbetal von Leitmeritz bis Herrnskretschen“, Eduard Wagner)

Ergänzend ist hinzuzufügen, dass im Angesicht der imposanten mittelalterlichen Ruine des Schreckensteins Richard Wagner die Inspiration zu seiner Oper „Tannhäuser“ fand. Einen umfassenden Überblick über die Burg erhält der Leser in Band II unseres Buches „Burgen in der Oberlausitz und Nordböhmen“.

Unterhalb der Burg begrüßt ein Kiosk die Gäste. Auf einer schönen Terrasse, kann der Wanderer gemütlich sein Bierchen schlürfen und den Ausblick über das Elbtal genießen, bevor er zur Burgbesichtigung hinauf steigt. Der Burgbesuch ist lohnenswert, der Gesamteindruck wird nur durch die Ansicht der nördlich gelegene Industriestadt Aussig etwas gedämpft, aber nach Süden kommt die Schönheit des Elbtales eindrucksvoll zur Geltung. Der weitere Weg zur Hohen Wostrey beginnt dann unmittelbar am Parkplatz unterhalb der Burg.

Vom Schreckenstein aus kann man leicht zur Hohen Wostrey emporsteigen. Am Fuße der Burg zweigt ein Weg ab, welcher anfangs am Hange des Schanzenberges längs des Waldes hinaufführt und dann in weiten Windungen die Höhe von Neudörfel erreicht. Dieser Waldpfad gehört zu den schönsten Bergsteigen des Mittelgebirges, zeigt reizende Tiefblicke und berührt ein Gebiet, welches in floristischer Beziehung viel Interessantes bietet. In Neudörfel trifft er mit der Straße zusammen, die vom Aussig her über die industriereichen Orte Krammel und Obersedlitz die Höhe gewinnt, und zwischen den Obstbäumen hindurch Aussig, das Vokauer Tal und die Kulmer Ebene sehr schön übersehen läßt. Die Aussicht von der hohen Wostrey wird mit Recht sehr gerühmt, auch Alexander von Humboldt und Goethe haben sich an derselben erfreut. Sie zeigt vor allem den Elbestrom, der schon in weiter Ferne oberhalb Leitmeritz aufblitzt, dann in den Bergen verschwindet, aber immer wieder in seinen Windungen den glänzenden Spiegel dem Auge darbietet. Sieben solcher Flußwindungen können wir von der Höhe der Wostrey aus erblicken. Den Vordergrund bilden die zahllosen Berge des Mittelgebirges in prächtiger Gruppierung, den Hintergrund begrenzen die dunklen Massen des Erzgebirges, der hohe Schneeberg, der Wilsch, der Geltschberg, der Georgsberg, die Hasenburg und der Biliner Borschen.“ (ebenda)

Auf dem Weg über Neudörfl (Nová Ves) kann man die Hohe Wostrey tatsächlich mühelos erreichen, abgesehen einmal von dem Sonderweg, den wir gewählt haben. Zwecks Verkürzung der Wanderstrecke lassen wir uns dazu verleiten, einem unmarkierten Pfad etwas nördlich vom Wanderweg zu folgen, der direkt zur Aussicht hinaufführen soll. Dem gemeinen Wandervolk ist die Benutzung dieses Weges dringend abzuraten, denn es wird am Ende so steil, dass man nicht mehr weiß, wo man sich festhalten kann und ob man überhaupt den Aussichtsfelsen noch erreichen wird. Wir haben es gerade so geschafft. Die gemauerte Aussicht entschädigt dann aber für dieses Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Der Abstieg auf dem ausgeschilderten Weg ist dann vergleichsweise gesittet. Der Rückweg nach Nemschen bietet keine Abwechselung mehr, verläuft dafür aber unter geschütztem Blätterdach, jedoch mit dauerndem Anstieg.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.





Von Nemschen durch die Prutschelschlucht nach Birnai an der Elbe





Die Burg Schreckenstein
























Die Hohe Wostrey










Zurück in Nemschen


Montag, 13. Juli 2026

Der Aussichtsturm auf dem Pfaffenstein

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Auf dem 435 Meter hohen Pfaffenstein, einem der interessantesten Tafelberge vom Elbsandsteingebirge, steht dieser steinerne Aussichtsturm.


Man gelangt auf der B 172 (Pirna – Bad Schandau) nach Königstein. Am Kreisverkehr fährt man 2,3 Kilometer über die Bilatalstraße und Cunnersdorfer Straße nach Pfaffendorf zum Parkpatz am Pfaffensteinweg. 
GPS-Koordinaten vom Parkplatz:
50°54'22"N, 14°04'55"E
Der rote Wanderweg führt zum Pfaffenstein.
 

Blick vom gebührenpflichtigen Parkplatz zum Pfaffenstein (435 Meter).
 

Auf dem roten Wanderweg gelangt man nach 350 Metern zum Waldrand (45 Höhenmeter in10 Minuten). 
 

Hier muss man sich entscheiden:
Durch das Nadelöhr:  500 Meter mit 110 Höhenmetern in 25 Minuten oder
Bequemer Weg:  1,2 Kilometer mit 110 Höhenmetern in 30 Minuten
 

Der Plan von einer Info-Tafel (Bequemer Weg = Normalaufstieg)
 

Vom Waldrand auf dem bequemen Weg hat man hervorragende Sicht zur Festung Königstein.
 

Dann geht es einen rustikalen Pflasterweg nach oben.
 

Der Jäckelfels 
 

Die Inschrift lautet:
Dem Erschließer und Hüter
des Pfaffenstein's
Herrn Karl Gottlob Jäckel
gewidmet
vom
Vaterländ. Gebirgsv. Saxonia.
den 2. October 1881
 

Der weitere Aufstieg führt über Steintreppen …
 

… und schmale Holzstufen.
 

Dann taucht über den Bäumen der Aussichtsturm auf.
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
 
Der hölzerne Aussichtsturm von 1894
1894 … wurde der erste Aussichtsturm auf dem Pfaffenstein errichtet. Dieser aus Holz gebaute Turm wurde am 2. September 1894 feierlich eingeweiht.
Ausschnitt von einer alten Postkarte auf der Info-Tafel
 

Dem Bau des Aussichtsturmes war die Einrichtung einer Restauration vorausgegangen:
1852 richtete Karl-Gottlieb Kliemann eine Sommerrestauration ein, die allerdings nur bis 1854 bestand
1880 errichtete der Besitzer des Pfaffendorfer Erbgerichtes, Ernst Ulbrich, eine einfache Restauration, die sogenannten Rindenhütten.
Alte Postkarte von 1898
 

1891 erfolgte der Bau eines Fachwerkgebäudes am heutigen Standort des Berggasthauses.
1895 verkauft Frau Ulbrich ihr Anwesen an Hermann Keiler, der vorher Kellner auf der Bastei war. 
Zeitgenössische Werbung um 1900 von der Info-Tafel
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
 
Der steinerne Aussichtsturm von 1904
Da der Holzturm baufällig wird, lässt Hermann Keiler neben dem Gasthaus im Winter 1903/04 Steine brechen um einen neuen Aussichtsturm zu errichten. 
Nach dem Brechen der Steine wurde im Frühjahr 1904 unter der Leitung von Baumeister Naumann aus Königstein mit dem Bau begonnen. Der Turmbau, bei dem fünf Männer und eine Frau beschäftigt waren, erfolgte ohne Gerüst. Das Baumaterial für den 28 Meter hohen Turm wie Kalk, Fenster, Türen und Eisengeländer musste auf den Berg getragen werden. Das Berggasthaus hatte zum damaligen Zeitpunkt die heutigen Ausmaße erreicht.
Bereits am 7. August 1904 wurde der neue Turm dann von Pfarrer Hoyer aus Königstein feierlich geweiht.
Abbildung von einer alten Postkarte auf der Info-Tafel
 

 „ … Der wild zerklüftete Felsen, der sich majestätisch gegenüber dem Lilienstein bei Königstein erhebt, hat durch den Bau und die nunmehrige Vollendung des neuen 30 m hohen Aussichtsturmes einen neuen hervorragenden Anziehungspunkt erhalten. Der prachtvolle Turm, der vollständig in Sandsteinrohbau gehalten ist und gleichsam aus den vier Meter hohen Felsen, auf dem er errichtet ist, herauswächst, ist mit Balkons, Rundgängen und einer Plattform versehen und gewährt eine entzückende und vollständig umfassende Rundsicht über das gesamte Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz. Er wurde vom Baumeister Naumann (Königstein) nach eigenen Entwürfen errichtet. 123 bequeme steinerne Stufen führen zur Höhe empor. …“
Aus: Pirnaer Anzeiger, 4. August 1904.
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
Impressionen
Die Errichtung der Aussichtstürme und der Gaststätte auf dem Pfaffenstein fällt in eine Zeit der touristischen Entwicklung der Sächsischen Schweiz insgesamt. Insbesondere die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Bodenbach im Jahre 1851 brachte eine deutliche Zunahme des Fremdenverkehrs.
Spazierengehen und Wandern wurde Mode. Man bestaunte die imposante Natur. Für einen Aufenthalt im Sommer quartierte man sich gern als "Sommerfrischler" in den umliegenden Orten, aber auch auf dem Pfaffenstein selbst ein. Postkarten aus der Jahrhundertwende geben Zeugnis von der damaligen Landschaft, den Besuchern und der touristischen Ziele.
Alte Postkarte um 1920
 

Der Aussichtsturm im Jahr 2025 ist von vielen Bäumen umgeben. 
Ansicht von Süden
 

Der Balkon ist weitgehend zugewachsen.
 

Der 29 Meter hohe Sandsteinturm hat zwei Aussichtsplattformen – Fehlt nur noch: „Rapunzel, lass dein Haar herunter!“
 

Die Öffnungszeiten vom Turm entsprechen denen der benachbarten Berggaststätte.
 

Kasse des Vertrauens für den symbolischen Eintritt von 1 Euro.
 

Wichtiger Hinweis für späte Besucher
 

Der Treppenaufgang mit 123 Stufen wurde 1995 saniert.
 

Auf der oberen Aussichtsplattform
 

Im Geländer sind die Himmelsrichtungen angezeigt. Leider gibt es keine weiteren Orientierungshilfen.
 

Die Aussicht beginnt im Nordosten mit Ungerberg (537 Meter), Gerstenberg (502 Meter) und Tanzplan (Tanečnice, 597 Meter)
 

Der Papststein (451 Meter) im Osten 
 

Im Südosten: Lasenstein (398 Meter), Rosenberg (Růžovský vrch, 619 Meter) und Zschirnstein
 

Von den Bäumen verdeckt: Der Katzfels (474 Meter) im Süden
 

Der Süden mit den Felsen vom Pfaffenstein
 

Im Südwesten: Die bewaldeten langgestreckten Anhöhen vom Bernhardstein (425 Meter) und vom Napoleonstein (413 Meter) 
 

Im Westen endet der einsehbare Bereich.
 

Jetzt größer:
Kleinhennersdorfer Stein (392 Meter), dahinter Hohe Liebe (401 Meter) und Hausberg (396 Meter), rechts der Hohe Torstein (426 Meter)
 

Der Papststein (451 Meter)
 

Vorderer Lasenstein (398 Meter), Mittlerer Lasenstein (383 Meter) und Hinterer Lasenstein (374 Meter), dahinter der Zirkelstein (385 Meter)
 

Vorderer Lasenstein (398 Meter), Mittlerer Lasenstein (383 Meter) und Hinterer Lasenstein (374 Meter), dahinter der Zirkelstein (385 Meter)
 

Rosenberg (Růžovský vrch, 619 Meter), rechts davor der Kleine Zschirnstein (473 Meter)
 

Kleiner Zschirnstein (473 Meter) und Großer Zschirnstein (562 Meter)
 

Es geht  wieder 123 Stufen abwärts.
 

Der Pfaffenstein ist einer der beliebtesten Ausflugsfelsen in der Sächsischen Schweiz.
Der Aussichtsturm bietet weite Blicke und die Berggaststätte nebenan sorgt für die gastronomische Versorgung. Die Mühe des Aufstiegs lohnt sich.
 

Die WANDER CARD vom Aussichtsturm Pfaffenstein
 

Die WANDER CARD vom Berggasthof Pfaffenstein

 
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