Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz
Während einer früheren Wanderung auf den Geltsch (Sedlo) stießen wir auf eine Informationstafel mit Erläuterungen zur Burgruine Litaisch (Litýš). Da wir aber keine Überreste gesehen hatten, drehten wir um und ließen die Burg links liegen. Durch weitere Recherchen erfuhr ich, dass doch noch wahrnehmbare Anzeichen alter Gemäuer vorhanden sind. Damit hätten wir also ein lohnendes Wanderziel, zu welchem wir uns in Ober Tenzel (Horní Týnec) aufmachen. Auf dem Weg zum Litaisch streifen wir noch den Kleinen Geltsch (Malé Sedlo), der irgendwann auch noch bestiegen werden möchte. Dann stehen wir vor dem Litaisch.
„Der Litaisch (mundartlich: Litainsch) liegt westlich unweit vom Geltschberge und schließt mit dem Mühlberge den Sattel von Geltschhäuseln ein, welches Walddörfchen malerisch zwischen diesen drei Bergen liegt. Der Litaisch hat nur eine Höhe von 487 m, gewährt aber trotzdem eine reizende Fernsicht und ist von der Südseite leicht zn besteigen. Allerdings muss man erst von dieser so weit gegen Norden wandern, bis man zur Grenze des undurchdringlichen Niederwaldes kommt. Dort angelangt, führt ein schmaler Steig südöstlich, dann ein breiter Weg nördlich und später nordöstlich empor. Wir stehen nun unmittelbar unter dem nördlichen, hohen und senkrecht abfallenden Felsen, Es währt aber nicht lange, haben meine zwei Begleiter, die das Klettern besser treffen als ich, eine Lücke entdeckt, durch welche wir zur Burgstätte gelangen können. Da sind nun allerdings weder Thurm, noch sonstige Gebäudereste anzutreffen. Wir sehen auf dem unebenen, dünn bewachsenen Platze nichts anders als einige kesselartige Vertiefungen, welche vielleicht von eingestürzten Kellerräumen herrühren können. Endlich haftet unser Blick aus einem Mauerreste gegen Südwesten, der an einer Stelle durchhöhlt ist, und dessen Geröll in die Tiefe gestürzt ist. Wir blicken über eine Art Brustwehr hinab und haben einen tiefen Graben vor uns, welcher wieder durch eine Schanzmauer eingefaßt ist. Man erkennt an ihr auch noch in verschwommenen Linien die ehemaligen Mauerzinnen. Wir müssen hinunter, es gehe so schlecht als es wolle. Glücklich unten angelangt, können wir nun deutlich die riesige Mauer überblicken, welche als oberste Schanze die Burgstätte schützte. Wir schauen hinab über die Einfassung und sehen eine gleichstarke Befestigung wieder tief unten von einer Schanze umgeben. Wir bahnen uns mühevoll durch Gestrüpp und Geröll einen Weg nach rechts und links, so weit es eben geht und, was wir geahnt, bestätigt sich; die Burgstätte war von hohen Mauern und dazwischen liegenden Gräben terrassenförmig umgeben bis zu jener nördlichen, bzw. nordöstlichen Stelle, wo hohe, steile Felsen und tiefer Abgrund den Zugang unmöglich machten. Ja, auf dem nördlichen unteren Felsen sitzt noch ein großes Stück Mauerwerk, welches zur zweiten Schanze gehört haben mochte. Nun wußten wir, was die großen, kahlen, schwarzgrauen Flecken an der südöstlichen Seite des Bergkegels, die man schon von ferne erblickt, aber am Fuße desselben nicht mehr bemerken kann, zu bedeuten haben. Mühsam kletterten wir wieder empor zur Burgstätte, denn bisher hatten wir vergeblich nach jener Vertiefung gesucht, welche der Volksmund als den ehemaligen Burgbrunnen bezeichnet. Endlich waren wir unvermuthet dabei. Ein ungleichseitiges, von Felsenwänden begrenztes Loch fanden wir, in welchem bis hoch herauf Schutt und Geröll wenig mehr erkennen lassen, was es damit eigentlich für eine Bewandtnis hatte. Nachdem wir uns noch an der reizenden Aussicht, die dieser Kegel gegen Norden, N.-Westen und S.-Westen gewährt, erfreut hatten, setzten wir, befriedigt von dem Gesehenen, unsern Weg über Nieder-Tenzel nach Triebsch fort bis an die Rübendörfler Straße, denn meine Begleiter wollten auch das Kelchgesicht sehen. „Ja", sagte ich, „das kann schon geschehen, ich kann Euch heute sogar noch ein zweites zeigen." Neben dem Riesengesicht, das nach Westen seinen Blick wendet, schaut nämlich vom südwestlichen Felsen auch noch ein kleiner Schalk hervor. Und meine Begleiter hatten nicht wenig Freude über den Schelm, der lächelnd wie ein kleiner Kobold herabzublicken scheint.“ (Joh. Haudek, „Der Litaisch und seine Burgreste“, Mittheilungen des Nordböhmischen Excursionclubs, 1890)
Wir wählen den direkten Aufstieg zum Areal der Burg Litaisch, eine kurze, aber heftige Kraxelei. Im offenbar alten Burghof haben sich Wanderfreunde eine Feuerstelle mit Sitzen eingerichtet, sonst gibt es hier nichts mehr zu sehen. Beim alternativen Abstieg treffen wir auf die Mauerreste der Burg. Der weitere Weg nach Triebsch bietet herrliche Aussichten auf die Jungfrau (Panna) und den Kelch (Kalich), unserem nächsten Ziel.
„Die Kelchburg hat vielleicht schon Ende des 13. Jahrh. bestanden. Ebenso wie die Jungfrau scheint sie seit ihrer Gründung Eigentum der deutschen Ritter gewesen zu sein, deren Hauptsitz Pitschkowitz war. 1421 eroberte der Hussitenführer Ziska die Kelchburg; als er seinen Rückzug nach Prag antrat, ließ er hier eine Besatzung zurück. Siegmund v. Wartenberg erhielt die Burg 1422 vom Kaiser geschenkt, konnte aber trotz ernster Belagerung derselben die Hussiten nicht daraus vertreiben. Nach der Schlacht bei Lipan (1434) kam der Kelch in die Hände des Wilhelm v. Ilburg, der nun von hier aus die Umgegend brandschatzte und seine Raubzüge bis Zittau ausdehnte; dort wurde er aber mit seinem Anhange empfindlich geschlagen. Die fortgesetzten Plackereien hatten zur Folge, daß im Jahre 1437 königliche Truppen, durch Leitmeritzer Mannschaften verstärkt, vor der Kelchburg erschienen und dieselbe nach kurzer Belagerung erstürmten und niederbrannten. 1470 war die Burgstätte im Besitz des Jeschek Swojanowsky v. Bozkowitz. Von da ab verlautet nichts mehr über ihre Schicksale.“ (Theodor Schäfer, ME1NHOLDS FÜHRER NordBöhmen mit Eingangstouren durch die Sächsische Schweiz, das Erzgebirge und das Lausitzer Gebirge, 1912)
Das riesige Areal der ehemaligen Burg wurde aufwändig saniert, wodurch die alten Grundmauern sichtbar wurden. Man verlangt heute Eintritt, den man verschmerzen kann, denn es lohnt sich. Von dem Plateau genießt man herrliche Aussichten, gute Sichtverhältnisse vorausgesetzt. Ein Wanderfreund packt eine Drohne aus und fertigt herrliche Panoramaaufnahmen. Wir vertrödeln uns ein wenig durch ein Gespräch mit dem Burgwart, der die Eintrittskarten verkauft. Er läuft ganz heiß, als wir ihm erzählen, dass wir ein zweibändiges Buch über die Burgen in der Oberlausitz veröffentlicht haben, in welchem auch die Kelchburg Erwähnung findet. Wer also Näheres über die Kelchburg, sie Jungfrauenburg sowie die Litaischburg erfahren möchte, der lese Band 2 dieser Edition, zu erhalten sind die Bücher hier. Die Kelchburg und die Burg Litaisch werden im Übrigen vom Goldenen Burgensteig durch das Böhmische Mittelgebirge (Zlatá stezka Zemí hradů) tangiert.
Der Rückweg nach Obertenzel ist reine Formsache.
Die GPS-Daten zu dieser Wanderung findet man hier.







































