Mittwoch, 1. April 2026

Wanderung zum Dürrberg und der Ruine Mühlstein

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz



Die Tour beginnt stressreich, weil die Sorge um das Auffinden eines geeigneten Parkplatzes die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer überwiegt. Ich bin recht entspannt, weil ich die Parkmöglichkeiten vorher besichtigt habe (da es hier tatsächlich an geeigneten Abstellflächen mangelt). Es kann also losgehen in Juliusthal (Juliovka). Wir wandern zunächst entlang einer Waldstraße, die von einigen hübschen Grundstücken gesäumt wird, in Richtung Hammer (Hamr). Besonders auffällig ist dabei ein schön gepflegtes Waldgrundstück, in welchem sich früher eine Badeanstalt befand.

An der ein Stück entfernten Hammermühle bot bis vor nicht zu langer Zeit noch eine kleine Restauration dem Wanderer Speis' und Trank an. Wie es aussieht, hat die Kneipe bis auf weiteres ihren Betrieb eingestellt. Für uns beginnt hier der aussichtsreiche Anstieg zum Dürrberg (Suchý vrch). Der Aufstieg ist etwas mühsam, weil es zu den Aussichtspunkten und Felsformationen an seinem langgestreckten Gipfel keine, bzw. kaum noch vorhandene Wege gibt.

Gleich daneben beginnt der markierte Ausstieg zum „Fürstensitz", einer herrlichen Felsenwarte (639 m) auf der südlichen Hochfläche des viergipfligen Dürrbergs. Die Aussicht gegen Ost und Süd ist an besonders glücklichen Abenden wahrhaft köstlich.


Menschenkind und hast du noch so wenig,
Weil' hier am Fürstensitz und du bist König!

Noch drei schöne Punkte des Dürrberges erweitern die Fernsicht nach anderen Seiten: Der Heidlstein schaut gegen die Lausche, Andriesens Koppe ins Hammertal, der Eislochstein über die Waldbereiterwiese und Finkenkoppe nördlich ins Niederland.

Aber die Aussichten sind sehr lohnenswert, besonders vom Heidlstein, weshalb man die Mühen gern auf sich nimmt, da hinauf zu steigen.“ (Heimatkunde der Gerichtsbezirke Deutsch-Gabel und Zwickau i.B., Daniel Koch)

Der Fürstensitz scheint keine Aussicht mehr zu bieten, aber vom Heidlstein genießt man herrliche Ausblicke auf die Gegend zwischen Lausche und Hochwald. Beim Abstieg vom Dürrberg eröffnen sich dann unerwartete Aussichten auf die Landschaft zwischen Roll (Ralsko) und Kleis (Klic). Der Wald wurde großflächig gerodet, so dass sich ein schönes Panorama entfaltet. Nächstes Ziel ist die Burgruine Mühlstein (Milštejn), bzw. deren Reste. Es ist immer wieder faszinierend, zu welchen Leistungen die Burgenbauer im 13./14. Jahrhundert fähig waren.

Die interessanteste Stätte auf Hoffnunger Gebiet ist wohl die Ruine Mühlstein. Sie erhebt sich westlich vom Dorfe aus einem hohen Felsen. Hier wurden schon in uralten Zeiten Mühlsteine gebrochen, lange vor Erbauung der Feste. In den abgetragenen Burgtrümmern fand man ganze Mühlsteine und deren Bruchstücke vermauert; davon stammt wohl der Name Mühlstein, früher Molstein, Milstein, Malstein. Die Gebrüder Israel in Dresden pachteten 1873 den Mühlsteinbruch und beschädigten damals fast 100 Arbeiter. Das Material war zu Mühlsteinen besonders geeignet; sie wurden aus mehreren Stücken zusammengekittet und nach ganz Europa verschickt. Noch heute sieht man im Walde die Reste der einstmaligen Schmiede, wo die Werkzeuge gehärtet wurden. Ich hörte 1888 oft Hornsignale bei der Burgstätte ertönen. Sie stammten aber nicht von alten Rittern und Reisigen her, sondern von den Arbeitern des großen Mühlsteinbruches, die vor Sprengschüssen warnten. Wegen Erschöpdung des Felsens wurde die Fabrikation 1910 eingestellt. Sie war keine gesunde Arbeit, Mutter und Kinder verloren durch Lungenkrankheiten oft ihren Ernährer.

Der Mühlstein ist heute ein beliebter Ausflugsort. Die Ruine liegt mitten im Walde. Durch ein natürliches Felsentor von 3 m Höhe und 6 m Breite betritt man den ehemaligen Burgplatz, den eine riesige, 300-jährige Buche beschattet. Wie lauschten meine Schüler, als ich ihnen hier an Ort und Stelle die Geschichte der Burg erzählte.“ (ebenda)

Heute erfährt man die wahre Geschichte der einstigen Burg in unserem Buch „Burgen in der Oberlausitz und Nordböhmen“ (Band 2).

Auch beim folgenden Abstieg in das Tal des Hammerbachs bieten sich aufgrund der Waldrodung umfassende Ausblicke auf die umliegende Bergwelt (Lausche, Weberberg, Finkenkoppe). Kurze Verschnaufpause an der Hammertalsperre, dann geht es wieder hinauf nach Jägerdorfel (Myslivny). Die Lauschebaude, die wir für eine Einkehr im Visier haben, hatte nicht immer den besten Ruf. Das hat sich nach unserem Empfinden erfreulich geändert. Neben dem Speisenangebot gilt unsere Anerkennung der aufmerksamen Bedienung.

Ab geht es ins Tal nach Niederlichtenwalde (Dolní Světlá), auf der anderen Talseite hinauf zu der Flanke des Plissens (Plešivec). Hier finden wir den Weg zurückn nach Juliusthal. Oh Wunder, nach Austritt aus dem Wald stehen wir unmittelbar vor unseren Fahrzeugen.


Die GPS Daten zu dieser Tour findet man hier.






Aufstieg zum Dürrberg





Aussicht vom Heidlstein









Aussichten von der Südflanke des Dürrbergs














Ruine Mühlstein









Die Lauschebaude





Am Hang des Plissen zurück nach Juliusthal








Sonntag, 29. März 2026

Mittwoch, 25. März 2026

Die Aussichtsplattform an der Babisnauer Pappel

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Südlich von Dresden steht auf dem flachen Zughübel (337 Meter) eine freistehende Baumgruppe, die schon von weitem sichtbar ist: Die Babisnauer Pappel.
Dicht daneben befindet sich eine Aussichtsplattform.
 

Man verlässt die Autobahn A 17 (Dresden – Prag an der Abfahrt 4 (Dresden-Prohlis) und fährt 2,4 Kilometer über Goppeln und Golberode die Straße „Zur Pappel“ bis zum Parkplatz.
Die GPS-Koordinaten vom Parkplatz:
50°58‘42“N, 13°45‘00“E
 

Der Babisnauer Gutsbesitzer Johann Gottlieb Becke pflanzte 1808 zur Grenzmarkierung eine Schwarz-Pappel.
Während des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 soll ein Gerüst in der Pappel als Beobachtungspunkt gedient haben. Später haben die Ausflügler diese Plattform noch einige Jahre als Aussichtspunkt benutzt.
1885 wurde vom Gebirgsvereins für die Sächsisch-Böhmische Schweiz ein etwa 4 Meter hohes Aussichtsgerüst eingeweiht.
Daneben wurde 1890 die Bismarck-Eiche gepflanzt, die bis heute existiert.
Alte Postkarte, gelaufen 1908
 

Dieses Aussichtsgerüst verrichtete seinen Zweck bis etwa 1920.
Die Bismarck-Eiche ist in der Zwischenzeit deutlich gewachsen.
Alte Postkarte um 1915
 

Im Jahr 1922 wurde ein neues, ebenfalls 4 Meter hohes Aussichtsgerüst eingeweiht.
Es existierte bis Ende der 1950er Jahre.
Erst 1963 wurde wieder eine drei Meter hohe eiserne Aussichtsplattform gebaut. Sie wurde 1997 wegen Korrosionsschäden abgerissen, bevor 1999 eine neue nach nur 4 Wochen Bauzeit eingeweiht wurde.
Altes Foto von 1938
 

Die Babisnauer Pappel im Jahr 2025.
Sie verlor 1967 den ersten, 1996 den zweiten von drei Hauptästen bei heftigen Stürmen.
Ihre Höhe hat sich von einst 26 Metern (1957) um circa 10 Meter verringert.
 

Gleichzeitig ist die mittlerweile 135 Jahre alte Bismarck-Eiche zum Blickfang aus der Ferne geworden.
 

Schild:
Babisnauer Pappel
Schwarzpappel
1808 von Bauer Johann Gottlob Beck als Grenzzeichen gepflanzt.
Höhe des Standortes 330 m über NN
 

Irgendwann wird die schon über 200 Jahre alte Pappel ihr natürliches Ende erreichen. Doch man hat vorgesorgt:
Im April 2008 wurde eine junge Pappel (im Foto ganz links vorn) gepflanzt, die ein Steckling vom alten Baum ist. So wird auch in Zukunft die Babisnauer Pappel weiter existieren.
 

Im Mai 2009 wurde der Rastplatz mit Bänken und einem steinernen Tisch eingeweiht.
 

Der Treppenaufgang hat 28 Stufen.
 

Im Juli 2020 musste die Aussichtsplattform wegen dem Zustand der hölzernen Trittbohlen gesperrt werden.
Die Öffnung erfolgte erst zwei Jahre später im Juli 2022, nachdem verzinkte Lichtgitterroste eingebaut wurden.
 

Der Panoramablick beginnt im Nordwesten, rechts vorn der Wanderparkplatz.
 

Die Stadt Dresden mit dem Fernsehturm im Nordosten
 

Der Blick über Babisnau nach Osten zum Elbsandsteingebirge
 

Die mittlerweile 17 Jahre alte Jungpappel im Südosten
 

Im Süden geht der Blick zwischen der neuen und der alten Pappel bis zum Osterzgebirge.
 

Die Sicht nach Westen verhindern die alte Pappel und die Bismarck-Eiche.
 

Jetzt größer:
Wasserturm Radebeul und Berggasthof Friedensburg
 

Bismarckturm und Spitzhaus über den Weinbergen von Radebeul
 

Die Altstadt von Dresden mit Kreuzkirche, Rathausturm und Frauenkirche
 


Die Standseilbahn Dresden verbindet die Stadtteile Loschwitz und Weißer Hirsch.
 

Die drei Elbschlösser, rechts Schloss Eckberg
 

Schloss Albrechtsberg
 

Das Lingnerschloss (oder Villa Stockhausen)
 

Das Blaue Wunder, vorn das Panometer
 

Der leider immer noch geschlossene Fernsehturm, rechts dahinter der Schwedenstein (420 Meter).
 

Großer Bärenstein (327 Meter), Kleiner Bärenstein (338 Meter) und Lilienstein (409 Meter)
 

Der Lilienstein (409 Meter)
 

Der Königstein (361 Meter)
 

Pfaffenstein (435 Meter), Rosenberg (Růžovský vrch, 619 Meter) und Kleiner Zschirnstein (473 Meter)
 

Großer Zschirnstein (562 Meter)
 

Hoher Schneeberg (Děčínský Sněžník, 723 Meter)
 

Die Wetterfahne mit dem Baujahr der Aussichtsplattform
 

Ein Ausflug zur legendenumwobenen Babisnauer Pappel, einem der bekanntesten Bäume in Sachsen, ist sehr zu empfehlen. Die Aussichtsplattform bietet trotz der geringen Höhe eine ausgezeichnete Fernsicht.
 

Anhang:

Der folgende Text bezieht sich auf ein Ereignis im Mai 1943

Viktor Klemperer: LTI – Notizbuch eines Philologen
Reclam-Bibliothek Band 278 14. Auflage, 1996, S. 71:



Die Babisnauer Pappel. Sie steht, merkwürdig isoliert, überragend und bedeutend, von merkwürdig vielen Punkten aus sichtbar, auf dem Höhenzug im Südosten der Stadt. Anfang Mai berichtete meine Frau das erstemal, in den Trambahnen habe sie schon wiederholt die Babisnauer Pappel nennen hören; sie wisse nicht, was es mit ihr auf sich habe. Ein paar Tage darauf hiess es auch bei mir in der Fabrik: Die Babisnauer Pappel! Ich fragte, weshalb man sie nenne. Ich bekam zur Antwort: weil sie blühe. Das kommt selten vor; 1918 sei es der Fall gewesen, und 1918 sei dann der Friede geschlossen worden. Sofort verbesserte eine Arbeiterin: Nicht nur 1918, ebenso sei es 1871 eingetreten. «Und in den anderen Kriegen des Jahrhunderts auch», setzte eine Vorarbeiterin hinzu, und der Hausdiener verallgemeinerte: «Immer wenn sie geblüht hat, ist Friede geschlossen worden.» Am nächsten Montag sagte Feder: «Das war gestern eine wahre Völkerwanderung zur Babisnauer Pappel hinaus. Sie blüht wirklich aufs Prächtigste. Vielleicht wird doch Friede — ganz von der Hand zu weisen ist Volksglaube nie.»
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