Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz
Wir waren schon in Gegenden, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt. Zum Beispiel heute. Die Landschaft nennt Eisenbroder berge (Železnobrodská vrchovina). Es handelt sich um ein reliefartiges, aber dennoch sehr abwechslungsreiches Hügel- und Bergland. Typisch sind tief eingeschnittene Flusstäler und bewaldete Hänge. Die Region liegt im Einzugsgebiet der Flüsse Iser (Jizera) und Kamnitz (Kamenice). Sie bildet den nordwestlichsten Zipfel des Riesengebirgs-Vorlandes (Krkonošské podhůří) und wird durch markante Täler und Nachbargebirge eingegrenzt. Im Norden stößt sie direkt an die steileren Hänge des Isergebirges an. Im Westen und Südwesten geht sie als Hügellandschaft fließend in das Jeschkengebirge (Ještědsko-kozákovský hřbet) über und im Süden bricht die Ebene zum Becken von Turnau (Turnov) ab, welches bereits zum Böhmischen Paradies (Český ráj) gehört. Schon die Anreise ist eine Augenweide, wenn man die Höhen bei Marschowitz (Maršovice u Jablonce nad Nisou) und Pintschei (Pěnčín u Jablonce nad Nisou) passiert hat und sich der Blick (bei der ziemlich kurvenreichen Fahrt) auf die Hügel- und Berglandschaft richtet.
In Jablonetz (Jablonec nad Jizerou) beginnen wir unsere Wanderung, zunächst durch das Tal der Iser. Die üppig blühenden Azaleen in den Gärten begleiten uns während der gesamten Tour. Der Weg wendet sich nun von der Iser weg und führt steil ansteigend hinauf nach Pasek (Paseky nad Jizerou). An der Kirche zum hl. Wenzel macht sich erst einmal eine Verschnaufpause erforderlich. Der Ort ist gut gewählt, weil sich über die Gräber des romantischen Bergfriedhofs ein erster schöner Blick auf das Riesengebirge bietet.
Ober Pasek überlebte mit seinen verstreuten Häuschen bis ins 20. Jahrhundert fast im gleichen Aussehen so, wie es in alten Schriften beschrieben wurde. „Einödpatrioten“ nannte man die Häusler, deren Leben hier vor hundert Jahren noch aus mühsam schwerer Arbeit bestand, um ein bitteres Brot zu erwerben. Mit einem etwas moderateren Anstieg führt uns der Weg jetzt über blühende Frühlingswiesen hinauf bis zur Minibrauerei Na Perlíčku – Prdek. Der gleichnamigen Baude wollen wir die sehr mäßige Verköstigung nur deswegen nachsehen, weil beim Verzehr des selbstgebrauten Bieres uns der Blick unablässig auf dem Kamm des Riesengebirges ruhen lässt. Dieses Panorama begleitet uns jetzt unablässig während des weiteren Weges nach Hochstadt (Vysoké nad Jizerou). Man spaziert dahin wie auf einer Balustrade zunächst bis Glaserdorf (Sklenařice) und dann hinauf nach Hochstadt mit dauerndem Fernblick.
„Schon der Name der Stadt oberhalb der Iser beinhaltet alles, was für dieses herrliche Fleckchen Erde in Böhmen so typisch ist. Er erinnert an die steilen Hänge der rauhen Gebirgsgegend, durchleuchtet von klarem Sonnenschein in durchsichtiger Höhenluft, oder zu anderen Zeiten halb in wallende Nebel gehüllt oder auch sich in rauhen Wintertagen fast impressionistisch im treibenden Schnee verlierend. Und die Iser im Tal vertritt im zweiten Teil des Namens mit ihren unruhig über unzählige Felsblöcke und rund geschliffene Steine dahineilenden Wassern all die kristallklaren, eiskalten Gebirgsbäche und Quellen im Gebiet von Starkenbach (Jilemnice)
Hochstadt ist unvorstellbar
ohne die örtliche, berühmte Tradition
des Laientheaters, die bis zum Jahre 1768 zurückreicht.
Vom Theater
war es nicht weit zu den Laienschriftstellern, an denen
gerade diese
Gegend außerordentlich reich war. Wir wollen an die
verzweigte
Familie der Metelkas erinnern, die ihre Wurzeln in
Sklenařice/Glasersdorf hatte, deren Vertreter aber im
ganzen
Riesengebirgsvorland und an vielen weiteren Orten zu
finden waren.
Das
Gebiet um Hochstadt zählt zum Riesengebirgsvorland. Schon
die ersten
Wege im Mittelalter neigten sich von hier auf natürliche
Weise vor
allem gegen Starkenbach
und Semil
(Semily)
zu.“
(Album
alter Ansichtskarten vom Riesengebirgsvorland)
Hochstadt trägt seinen Namen nicht ganz unbegründet, es ist eine kleine, malerische Bergstadt. Sie liegt idyllisch auf einer Höhe von 703 Metern und wird wegen ihrer Höhenlage oft liebevoll als „Städtchen des schönsten Winters“ bezeichnet. Es soll sich dabei um die höchst gelegene Stadt Tschechiens handeln. Wie schon in dem Bergkessel um Pasek gibt es hier zahlreiche Skipisten, auf denen man im Winter ins Tal brettern kann (falls mal wieder Schnee liegt). Welche Höhe man hier erklommen hat, merkt man erst beim Abstieg zurück nach Jablonetz. Der geht ganz schön in die Knochen und man ist froh, wieder unten angekommen zu sein.
Die GPS-Daten zu dieser Tour gibt es hier.


























