Montag, 4. Mai 2026

Der Aussichtsturm der Burgruine Kumburk

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Im Böhmischen Paradies (Český ráj), etwa 9 Kilometer nordöstlich von Jitschin (Jičín), liegt der 639 Meter hohe Basaltberg Kumburk.


Auf dem Gipfel befindet sich die gleichnamige Burgruine. Vom Turm aus bietet sich ein weiter Ausblick auf die Umgebung bis zum Riesengebirge (Krkonoše).


Von Jitschin (Jičín) fährt man auf der Straße 286 nach Norden. Vor Eisenstadtel (Železnice) biegt man rechts ab und fährt 5 Kilometer bis zum Restaurant Na Klepanda. Dort fährt man rechts auf den Fahrradweg 4142 (rote Markierung) und erreicht nach 1,8 Kilometern das Ende des befestigten Weges. Hier kann man parken.
 

Ab dem kleinen Rastplatz geht es zu Fuß den Weg nach der Schranke steil bergauf.
 

Bis zum Eingang der Burganlage sind es reichlich 300 Meter (55 Meter Höhenunterschied), bis zum Turm weitere 200 Meter (+20 Höhenmeter).
 

Die Reste vom Eingangstor und der erste Turm der gotischen Burg Kumburk 
 

Die Burg Kumburk wurde wahrscheinlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch die Markwartinger (Markvartici) gegründet – erste schriftliche Erwähnung im Jahr 1325. Auch der Name Goldenberg (Zlatá hora)
war üblich.
Abbildung von der Info-Tafel:
Mögliches Aussehen der Burg Kumburk während der zweiten Bauphase nach 1370 nach Tomáš Šimůnek. Ansicht von Südosten.
 

Elisabeth Katharina Smiřická von Smiřice  (Eliška Kateřina Smiřická von Smiřice), eine tschechische Adlige aus einer der reichsten Familien in Böhmen, war hier viele Jahre inhaftiert.
Die Besitzer, zu denen auch Albrecht von Wallenstein gehörte, wechselten oft.
Im Dreißigjährigen Krieg war Kumburk von den Schweden besetzt. 1658 wurde die Burg auf Beschluss von Kaiser Ferdinand III. zerstört, damit sie nie wieder ein Stützpunkt für die feindliche Armee werden konnte. 
Die Steine wurden später als Baumaterial genutzt.
Nach 1840 versuchte Ferdinand von Trautmannsdorf, der damalige Besitzer, Kumburk als vollständige Ruine für touristische Zwecke zu erhalten. 
„Kumburg im Bidschower Kreis. Kumburk w Bydżowském kragi“. 
Original-Kupferstich aus: K. Rainold. „Damals und Heute“, Prag, Pospíšil, 1830. 
Mit tschechisch-deutschem Titel unter dem Bild. 

Der Weg führt um den zweiten Turm herum.
 

Auf diesem massivsten Turm befindet sich heute der Aussichtspunkt.
 

Das zweite Tor
 

Das urige Blockhaus ist eine Bar (Šenk), aber geschlossen.
 

Auch geschlossen: 
Správa hradu = Verwaltung des Schlosses
 

Das „Gipfelbuch“ für die Besucher der Burgruine
 

Dobrovolné vstupné = Freiwilliger Eintrittspreis 
- mit QR-Code für Zahlungen
 

Auf einem fast ebenen Pfad kann man die Burgruine halb umrunden und sieht die untere Aussichtsplattform …
 

… den Aussichtsturm … 
 

… und den ersten Turm aus einer völlig anderen Perspektive.
 

Wenn man die Treppen emporsteigt erreicht man zuerst die kleine untere Aussichtsplattform.
 

Auf dem Plateau gibt es einen Eingang zu der Unterwelt vom Schloss Kumburk.
Wegen Bauarbeiten ist er aber geschlossen.
 

Das Schloss wird seit 1992 vom Verein zur Erhaltung der Burg Kumburk verwaltet.
Zum Zeitpunkt meines Besuchs wurde Baumaterial an einem Seil durch diesen Gang befördert.
 

Der Verein errichtete 2003 eine hölzerne Aussichtsplattform, die 2018 durch eine neue freistehende Holz-Metall-Konstruktion ersetzt wurde.
 

Legenden zufolge besuchte auch der Dichter Karel Hynek Mácha diese Ruinen. Eine Gedenktafel befindet sich im Raum unter dem neuen Aussichtsturm.
 

Die Rundumsicht  beginnt über dem ersten Turm nach Südwesten.
Leider war die Fernsicht trotz schönstem Wetter nur sehr mäßig.
 

Im Westen: Die kleine Aussichtsplattform, dahinter Bradlec (542 Meter) und Tábor (678 Meter)
 

Der Nordwesten mit dem Kosakov (Kozákov, 744 Meter)
 

Im Norden liegt das Isergebirge (Jizerské hory) im Dunst.
 

Im Nordosten zwischen den Baumwipfeln: Das Riesengebirge (Krkonoše)
 

Der Osten mit dem Switschin-Berg (Zvičina, 671 Meter)
 

Im Süden wird die Landschaft immer flacher.
 

Jetzt größer:
Bradlec (542 Meter), links dahinter Přivýšina (464 m) und die Prachauer Felsenstadt (Prachovské skály)
 

Der Ort Schdiar bei Kumberg (Žďár u Kumburku) mit dem Tábor-Berg (678 Meter), links dahinter Trosky (514 Meter) 
 

Die Burg Trosky (514 Meter) mit Panna (Jungfrau) und Baba (Altes Weib)
 

Aussichtsturm und Sendemast auf dem Tábor-Berg (678 Meter)
 

Lomnitz an der Popelka (Lomnice nad Popelkou) und der Sender auf dem Skuhrovský vrch (592 m), hinten der Berg Kosakov (Kozákov, 744 Meter)
 

Die Kesselkoppe (Kotel, 1435 Meter)
 

Der Kamm vom Riesengebirge (Krkonoše), davor der Schüsselberg (Medvědín, 1235 Meter) mit Skipiste
 

Rechts hinten der Schwarze Berg (Černá hora, 1299 Meter), vorn der Berg Stráž (630 m) bei Studenec
 

Die Stadt Jitschin (Jičín), vorn der Hügel Zebín (399 Meter) mit Kapelle, hinten der Welisch (Veliš, 429 Meter) mit trigonometrischem Punkt
 

Noch vier Touristische Visitenkarten (übersetzt):
TOURISTISCHE VISITENKARTE 
Kumburk
Ruinen einer gotischen Burg, die im frühen 14. Jahrhundert von den Markwartingern gegründet wurde, dem Ort der Gefangenschaft von E. K. Smiřické
 

Touristische Visitenkarte mit gleichem Text
 

TOURISTISCHE VISITENKARTE 
Kumburk
Ruinen einer gotischen Burg, die im frühen 14. Jahrhundert von den Markwartingern gegründet und 1658 abgerissen wurde.
 

Touristische Visitenkarte mit gleichem Text

Mittwoch, 29. April 2026

Der Bismarckturm in Burg (Spreewald)

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Auf dem nur 62 Meter hohen Schlossberg bei Burg im Spreewald steht dieser Bismarckturm. Er ist einer von 173 heute noch auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erhaltenen gebliebenen Bismarcktürmen.
 


Von der Autobahn A15 (= E36) nimmt man die Abfahrt 3 (Vetschau).
Vom Bahnhof Vetschau aus fährt man 6,4 Kilometer auf der L54 bis Burg, danach 2,6 Kilometer auf der L51 (Hauptstraße + Byhleguhrer Straße) durch Burg bis zum Parkplatz gegenüber der Bismarckschänke.
Adresse vom Parkplatz:  Schmogrower Straße 1, 03096 Burg-Dorf 
GPS:  51°50'43"N, 14°9'22"E
 



Der Text vom Faltblatt 
Bismarckturm Das Wahrzeichen von Burg (Spreewald)
Ist im Folgenden fett+kursiv dargestellt:
Der Bismarckturm wurde auf dem Schlossberg - einer vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsstätte - errichtet. Die Burganlage Schlossberg stellt nach gegenwärtigen Kenntnissen die größte und bedeutendste Befestigung der Lausitzer Kultur dar.
Der Aussichtsturm wurde von 1915-1917 erbaut. Ursprünglich war die Einweihung des Turmes schon für 1915 geplant, wurde aber durch den 1. Weltkrieg verhindert. Er wurde zwei Jahre später, am 02. September 1917, zu Ehren des 1. Deutschen Reichskanzlers, Otto von Bismarck, eröffnet und nach ihm benannt.
Der Turm wurde vom Architekten Hauke nach Plänen und unter Leitung des Berliner Professors Möhring erbaut. Der 27 m hohe Turm wurde auf einem 1 m hohen quadratischen Sockel errichtet. Er ist von einer Pfeilerhalle umgeben.
Alte Postkarte um 1920
 

Dem Turm sind 2 Freitreppen vorgelagert. Diese führen auf das schmiedeeiserne Eingangstor. Im Innenbereich befindet sich ein achteckiger, kuppelüberdachter Mittelraum, der sich in seinen 4 Hauptachsen apsidenartig öffnet. Die Gedenkhalle wird durch eine Halbkreisnische abgeschlossen. Eingangsbereich und Mittelraum werden vom Grün großformatiger Majolikaplatten dominiert. Dazu bildet die reich ornamentierte Umrahmung der Nische mit blauem Grundton und kräftigem Gelb einen farblichen Kontrast. Die Inschrift des Granitsockels wurde vermutlich nach 1945 vollständig unleserlich gemacht, so dass heute eine schlichte Tafel mit gleich lautendem Text vor den Sockel gestellt wurde. Im hinteren Teil des Turmkörpers sind links und rechts steinerne Wendeltreppen mit 111 Stufen untergebracht, die zu den beiden Plattformen führen. Es schließen sich 26 Eisenstufen an, die das Begehen der achtseitigen Feuerpfanne ermöglichen. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick in die Spreewaldlandschaft.
Alte Postkarte um 1920
 


Der Turm wurde 1950 anlässlich des Deutschlandtreffens der Jugend in „Jugendturm" umbenannt. Am 03. Oktober 1990 erhielt der Turm seinen ursprünglichen Namen „Bismarckturm" wieder. Er ist einer von 236 Bismarcktürmen und -säulen, die in der Zeit zwischen 1869 bis 1933 gebaut wurden. Bis 1970 durchquerte die Spreewaldbahn den Schlossberg und wurde vom Bismarckturm begrüßt.
Heute ist der Bismarckturm als Wahrzeichen des Kurortes Burg (Spreewald) ein beliebtes Ausflugsziel und Austragungsort außergewöhnlicher Veranstaltungen.
Alte Postkarte um 1927
 


Der Bismarckturm im Jahr 2025
Über zwei vorgelagerte Freitreppen mit 7 und 6 Stufen gelangt man zur Eingangshalle. 
Darüber befinden sich in 5 und 21 Metern Höhe zwei Aussichtsplattformen. Der 26 Meter hohe begehbare Turmkopf trug früher die Feuerschale.
 


Die Eingangs- und Gedenkhalle wird von 28 Säulen umgeben.
Der Turm besteht aus 1,5 Millionen roten Klinkersteinen aus der Calauer Ottilienhütte.
Die Gesamtkosten für den Turmbau einschließlich Honorar für den Architekten Hermann Hauke betrugen damals 70.000 Mark.
 


Das Rundbogenportal mit einer schmiedeeisernen Gittertür
 


Die Wände der Eingangshalle sind mit glatten grünen Majolikaplatten aus Meißen ausgekleidet. Eintrittskarte, Infomaterial und Souvenirs können hier erworben werden.
 


Die Eintrittskarte
 


Die Nische gegenüber vom Haupteingang (Nordostseite) mit der eisernen Bismarck-Büste von Hermann Hosaeus (Berlin)
 


Die nach 1945 unleserlich gemachte Inschrift wurde durch eine davorgestellte einfache Tafel mit gleichem Text ersetzt.
 


Über 26 Stufen gelangt man zur ersten Plattform.
 


Die vier Pfeiler des Turmes sind mit gewaltigen, etwa 10 Meter hohen Rundbögen verbunden.
Weitere 15 Stufen führen zu der kleineren Plattform zwischen den Eckpfeilern.
 


Das Kreuzgewölbe von dieser Zwischenplattform aus gesehen 
 


Blick von der mit Granit abgedeckten Brüstung zum Parkplatz
 


In den Säulen sind die Treppen (getrennt für Auf- und Abstieg) integriert. 
 


Bis zur großen oberen Plattform sind es weitere 70 Stufen.
 


Im Innenraum dieser Ebene zeigt eine Ausstellung mit mehreren Schautafeln die Geschichte des Bismarckturmes, das Wirken von Fürst Otto von Bismarck und Deutschland unter Bismarck.
 


Der Umgang der oberen großen Besucherplattform in 21 Meter Höhe
 


Die größere Höhe ist beim Blick zum Parkplatz deutlich zu spüren.
 


Aber es geht ja noch höher!
 


Über diese eiserne Wendeltreppe mit 26 Stufen …
 



… und eine Steinstufe beim Austritt erreicht man die oberste achteckige Plattform.
Wo einst die Feuerschale stand wurde 1999 ein Glas-Stahl-Austritt errichtet. Dadurch erhöhte sich die Gesamthöhe des Turmes auf 28 Meter. 
 

Der Blick zum Parkplatz von ganz oben – mit der weißen Fahnenstange.
 


Die Aussicht bietet vor allem Wald, soweit das Auge blickt, im Herbst schöne Laubfärbung und als Zugabe den Schatten vom Turm.
 

Einzelheiten sind nur mit dem Fernrohr zu erkennen.
 


Vier Tafeln erklären, was man in den Haupthimmelsrichtungen erkennen kann.
 


Hinter dem Horizont: Das 55 Kilometer entfernte Kraftwerk Boxberg
 


Kraftwerk Schwarze Pumpe aus 37 Kilometer Entfernung
 


Evangelische Kirche Burg
 


Überreste vom stillgelegten Kraftwerk Vetschau
 

Der Fernmeldeturm Calau
 


Die Windkraftanlagen Märkische Heide - Biebersdorf und Neu Zauche
 


Der Marienberg (110 Meter) mit dem Sender Märkische Heide
 


Tropical Islands aus 35 Kilometer Entfernung
 


Das Kraftwerk Jänschwalde
 


Zwischen Windkraftanlagen: Der 20 Kilometer entfernte Aussichtsturm Teichland    


138 Stufen abwärts


Der Bismarckturm bei Burg im Spreewald ist ein geschichtlich und architektonisch interessantes Bauwerk mit weiter Aussicht. Ein Besuch ist empfehlenswert.
 


Die WANSER CARD vom Turm – leider mit falscher Anzahl der Stufen
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Interessante Blogs Blog-Webkatalog.de - das Blogverzeichnis