Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf
Die Stadt Sobotka liegt im Böhmischen Paradies (Český ráj). Im dortigen Stadtpark wurde 1991 die Skulptur La casa sotto la luna = Haus des Mondes/Haus unter dem Mond (Mondsichel) des italienischen Bildhauers Claudio Parmiggiani enthüllt.
Die Skulptur mit einem kreisförmigen Grundriss symbolisiert ein
Auge, das nach allen Seiten der Welt blickt. Durch das Fenster sieht man
die Burg Humprecht mit ihrer Mondsichel.
Sobotka liegt an der Fernstraße Nr. 16 von Jungbunzlau (Mlada Boleslav) nach Jitschin (Jičín).
In Sobotka folgt man vom Friedensplatz (náměstí Míru) im Stadtzentrum der Straße Boleslavská.
Nach 200 Metern gibt es auf der rechten Seite einen Parkplatz am Stadtpark.
Der Text von diesem deutschsprachigen Faltblatt wurde fett + kursiv zu den folgenden Fotos beigefügt:
Das Haus unter dem Halbmond ist ein Werk des italienischen Bildhauers Claudio Parmiggiani.
Die
Skulptur befindet sich im zauberhaften Dekansgarten (Stadtpark) mit
einem unvergesslichen Blick auf das barocke Jagdschloss Humprecht mit
dem goldenen Halbmond auf der Dachspitze.
Das Schloss erinnert mit seinem Grundriss an den
byzantinischen Galataturm und wurde nach dem Entwurf des italienischen
Architekten Carlo Luragho erbaut.
Das Haus unter dem Halbmond wurde am 19. Oktober 1991 als der letzte Teil des Projektes Una Scultura enthüllt.
Das Werk besteht aus zwölf in drei konzentrischen
Kreisen angeordneten Ziegelmauern, die von einer Öffnung in Form des
Malteserkreuzes durchschnitten sind. Auf dem Gipfel der Skulptur ist die
Aufschrift Siate Misteriosi (Seid mysteriös).
Entstehungsgeschichte des Denkmals
Unweit
von Sobotka hatte der ehemalige Botschafter und spätere Außenminister
Jaroslav Šedivý ein Wochenendhaus. Auf dessen Einladung kam der
italienische Bildhauer und Maler Claudio Parmiggiani nach Sobotka.
Sobotka
und die Stelle im Garten gegenüber dem Schloss mit dem Halbmond haben
ihn so gefangengenommen, dass er sich entschloss, dieses Werk als
letztes Stück seines Raumprojektes in Sobotka auszuführen - ein
Bauwerk, welches in der heutigen Zeit geheimnisvoll wirkt und zu einem
neuzeitigen Symbol der Stadt wurde.

Claudio Parmiggiani
wurde 1943 in der italienischen Stadt Luzzara geboren. Er studierte
Malerei in Bologna unter der Leitung des Malers Giorgio Morandi. In
seinem Schaffen widmet er sich vor allem der Konzeptkunst, seine Werke
druckt er beispielsweise auf Papier, Leinwand ab und nutzt auch
vergängliches Material wie Asche, Feuer, Schatten. Der Autor besuchte
auf seinen Reisen Tschechien, wobei er gerade in Sobotka dauerhafte
Spuren hinterließ.

Vergils Weg zu Weisheit
Das
Projekt Una Scultura besteht aus vier künstlerischen Bauwerken aus
unverputzten, in allen vier Himmelsrichtungen angeordneten Ziegeln. Die
erste Skulptur entstand 1975 im italienischen Collebeato, der Heimat des
Künstlers. Dieser Bau erinnert an einen Schlüssel, weshalb er „Clavis"
genannt wurde. 1983 entstand der nächste Bau in Ägypten auf einer der
Inseln im Nil unter dem Titel „La grande pietra" (Großer Stein).
Französische
Freimaurer ließen den dritten Bau des Projektes im Schlosspark
Saint-Géry bei Albi errichten. Dieses Werk mit dem Titel „La Torre"
(Turm) wurde 1989 vom Autor selbst unter einem Rauchvorhang eingeweiht.
Das letzte Bauwerk ist das Haus unter dem Halbmond „La casa sotto la luna" in Sobotka.

Die Bauten sind weit voneinander entfernt, weshalb man
das Werk des Künstlers nie komplett sehen und sich somit auch nicht
aneignen kann. Parmiggiani sieht den Sinn seines Werkes als eine
„Pilgerreise", als Vergils Weg zu Weisheit, einen Weg, den der
Beobachter des Werkes absolvieren soll, wenngleich selbst dann das Werk
nicht verstanden werden kann, weil ein Kunstwerk laut Parmiggiani eine
Frage und keine Antwort ist. Seine Werke verlassen daher Galerien und
Museen, wo - wie der Autor sagt – „heutzutage keiner mehr die
ausgestellten Werke wirklich betrachtet. So dass das Verhüllen
vielleicht die wirkliche Wahrnehmungskraft wieder zurück geben kann..."
Und so ist der Autor auf der Suche nach naturnahen, oft von der
Zivilisation weit entfernten Orten.
Und Sobotka war für ihn ein solcher Ort.

Zum Schluss kurz zur Rekonstruktion der Skulptur
Wie
alle seine Bauten ließ der Autor die Skulptur aus gebrannten
Ziegelsteinen erbauen. Das Werk sollte mit seiner Umgebung verschmelzen.
Bedingt durch unser Klima verfiel der Bau jedoch (die übrigen waren in
südlichen Gefilden). Es wurde sogar eine Debatte geführt, ob man den Bau
seinem Schicksal überlässt und sich nicht weiter kümmert. Zum Schluss
gewann die Variante einer Rekonstruktion, die 2015 bis 2016 durchgeführt
wurde. Der ursprüngliche Bau wurde abgerissen und an seiner Stelle
wurde ein neuer Bau aus besserem Material auf neuen Fundamenten
errichtet. Um den Effekt des Werkes zu erhöhen, wurde eine
Nachtbeleuchtung installiert.
Die Touristische Visitenkarte
TOURISTISCHE VISITENKARTE
Parmiggianis Skulptur in Sobotka
Skulpturenhaus unter dem Halbmond, Teil des Projekts „Eine Skulptur“ von 1991
Der automatisch übersetzte Text dieser Infotafel im Stadtpark:
Cassa Sotto La Luna
Haus unter der Mondsichel
Claudio Parmiggiani
Die Skulptur „Cassa sotto la luna“ aus dem Jahr 1991 ist Teil des Gesamtkunstwerks „Una Scultura“.
Das
Projekt besteht aus insgesamt vier Bauwerken aus gebrannten Ziegeln in
vier Ländern – Frankreich, Ägypten, Italien und Tschechien. Claudio
Parmiggiani platzierte die Gebäude bewusst in großen Abständen, um beim
Besucher den Wunsch zu wecken, die anderen Teile des Werks zu erkunden.
Der Autor legt großen Wert auf die Himmelsrichtungen und die Formen der
einzelnen Werke, deren Interpretation er dem Besucher überlässt. Das
erste Bauwerk, Clavis (Schlüssel), symbolisiert den Norden, wurde in
Italien platziert, das Bauwerk Pietra (Stein) im Süden in Ägypten und
der westliche Turm La Torre (Turm) in Frankreich. Die Skulptur „Cassa
sotto la luna“ (Haus unter der Mondsichel) aus Sobotka repräsentiert den
Osten und beschließt das Gesamtwerk mit der Inschrift „Siate misteriosi
– Sei geheimnisvoll“.
„Wenn wir uns einem Teil nähern, entfernen wir uns
gleichzeitig vom anderen, und selbst wenn wir die gesamte Pilgerreise
unternommen und alle vier Teile gesehen haben, ist die Reise nicht zu
Ende. Wir kennen das Werk nie und verstehen es nicht vollständig, wir
können es nicht vollständig und perfekt erklären, interpretieren. Es ist
eine Art allegorischer Ausdruck der nie endenden Reise unserer Suche,
unseres Wissens, unseres menschlichen Lebens.“
Claudio Parmiggiani
Nach fast einem Vierteljahrhundert seines Bestehens wurde das Werk
sowohl durch Witterungseinflüsse als auch durch ungeeignete
Baumaterialien beeinträchtigt. Anfang 2015 war das Haus unter der
Mondsichel ein trauriges, verfallendes Gemäuer, das seinen Charme
verloren hatte und nur auf eigene Gefahr betreten werden konnte. Der
Stadtrat von Sobotka beschloss daher, die Skulptur, die zur modernen
Stadtgeschichte gehört, zu retten. Im Juni 2015 wurde das alte Bauwerk
abgerissen, und in den folgenden Monaten entstand an gleicher Stelle
eine exakte Kopie. Ende 2015 wurde die Beleuchtung der Skulptur
installiert, und die Landschaftsgestaltung rund um das gesamte Werk
wurde im Frühjahr 2016 abgeschlossen.
Für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Werks danken wir der Wienerberger cihlářský průmysl, a. s.