Mittwoch, 27. Mai 2026

Der Aussichtsturm der Petrikirche Freiberg

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


An der höchsten Stelle vom mittelalterlichen Stadtkern erhebt sich die  Stadtkirche St. Petri. Ihr weithin sichtbarer Hauptturm, der Petriturm, ist das Wahrzeichen der Stadt Freiberg. Er ist auch als Aussichtsturm begehbar.
 

Parken kann man in Freiberg auf einem der zahlreichen Parkplätze in oder auch außerhalb der Altstadt. 
Die Petrikirche ist nur wenige Schritte vom Obermarkt entfernt. Der Eingang zum Turm befindet sich auf der Südseite vom Petriplatz.
 

Die Kirche St. Petri wurde Anfang des 13. Jahrhunderts für die Bewohner der aufstrebenden Bergbaustadt Freiberg gegenüber vom Rathaus errichtet. Die ursprünglich romanische Basilika wurde nach mehreren Stadtbränden wieder im gotischen Stil aufgebaut.
Alte Postkarte um 1900
 

Nach einem Brand im Jahr 1728 erhielt der Petriturm seine barocke Gestalt.
Alte Postkarte um 1910
 

Die Petrikirche 2026
Der Petriturm hat bis zur Windrose eine Höhe von 71 Metern und ist damit das höchste Bauwerk in der historischen Altstadt von Freiberg. Im benachbarten 36 Meter hohen Faulen Turm befindet sich der für Besucher nicht zugängliche Glockenstuhl der Kirche.
 

Das Bruchsteinmauerwerk reicht bis in eine Höhe von knapp 42 Metern. Unter der mit Kupfer eingedeckten hölzernen Barockhaube befindet sich die ehemalige Türmerwohnung.
 

Aus dieser Wohnung kann man nach drei Seiten, aber leider nur durch verschlossene Fenster blicken.
 

Einzige Ausnahme: Auf der Ostseite ermöglicht ein Balkon einen beeindruckenden Blick über die Stadt.
 

Bis zum oberen Abschluss der Turmkrone beträgt die Höhe heute 74,10 Meter.
Die Jahreszahl 1822 erinnert an eine umfassende Erneuerung der Turmspitze und 1894
stieg der Mechaniker Hugo Meeser 
„am 11. August 1894 ohne Gerüst bis auf die Turmspitze, steckte die Wetterfahne wieder auf und grüßte, frei auf der Windrose stehend, durch Hutschwenken die auf dem Obermarkt ängstlich zuschauenden Bürger"
Walter Schelhas 1941 MfA Heft 70 S. 90
 

Die Skulptur „Türmer“ auf der Südseite der Kirche ist Teil des Freiberger Silberwegs.
 

Der Eingang zum Petriturm befindet sich im Sockel des Faulen Turmes - gleich neben dieser Skulptur.
Der Aufstieg ist nur im Rahmen einer Führung (3 Euro) möglich. 
Sie finden von Februar bis Dezember fast täglich statt. Genaue Zeiten findet man im Schaukasten nebenan oder im Internet
 

Der erste Treppenaufgang liegt noch innerhalb vom Faulen Turm.
 

Der Ausstellungsraum im Quergang zwischen dem Faulen und dem Petriturm
 

Der weiterführende Aufstieg erfolgt jetzt im Petriturm über Holztreppen.
 

Dann erreicht man die Türmerbereich, der sich über mehrere Etagen erstreckt.
Vier Fenster in alle Himmelsrichtungen ermöglichten eine gute Sicht über die gesamte Stadt.
Im Falle eine Brandes informierte der Türmer durch wiederholtes ein-, zwei- oder dreimaliges Anschlagen der Glocke über die Entfernung und durch das Anbringen einer roten Fahne über die Richtung des Feuers.
 

Nach über 300 Jahren verließ der letzte Türmer im Jahre 1905 den Petriturm.
 

Eine Treppe höher gelangt man links zur Turmstube und rechts zum Balkon.
 

Der jeweils für ein Jahr fest angestellte Turmwächter wurde durch einen nebenamtlich tätigen Scharwächter unterstützt. Ihm stand während seiner Tätigkeit die Scharwächterwohnung zur Verfügung.
 

Dann kommt der Höhepunkt des Turmaufstiegs:
Der Austritt zum 42 Meter hohen offenen Balkon!
Zur besseren Orientierung wurde ein beschriftetes Panoramafoto am Geländer angebracht.
 

Der Ausblick beginnt im Nordwesten mit den Kreuzteichen und dem Schloss Freudenstein.
 

Im Nordosten: Der Freiberger Dom
 

Obermarkt und Rathaus im Osten
 

Im Südosten endet der Ausblick vom Balkon.
 

Jetzt größer:
Schloss Freudenstein mit der Mineralienausstellung terra mineralia 
 

Die neue Universitätsbibliothek
 

Der Dom St.Marien, hinten der Gewerbepark Deutsches Brennstoffinstitut
 

Das Silberbergwerk Reiche Zeche
 

Die Nikolaikirche, dahinter das Kreiskrankenhaus
 

Die Ratsapotheke am Obermarkt
 

Das Freiberger Rathaus
 

Der Rathausturm mit Glockenspiel
 

Der Donatsturm, links hinten die Porzelline
 

Die Jakobikirche
 

Der 32 Meter hohe Hahnenturm der Petrikirche
 

Die Turmspitze trägt seit 1749 einen Wetterhahn
 

Das Industrie- und Gewerbegebiet Muldenhütten
 

Die Burg Frauenstein
 

Vom Balkon kann man einen Sektor von rund 180 Grad einsehen.
Um den Rest zu sehen muss man den Balkon verlassen.
 

Es geht noch eine Holztreppe höher.
 

Auf jeder der vier Turmseiten gibt es Fenster zum Ausblick. Leider sind diese stark verschmutzt und lassen sich auch nicht öffnen. Deshalb sind in den folgenden Fotos trübe Stellen unvermeidbar.
 

Blick nach Süden mit den Windkraftanlagen Freiberg-Zug und Weißenborn
 

Bebelplatz und Kaufland
 

Im Südwesten: Das Johannisbad
 

Im Westen: Amtsgericht und Unigebäude
 

Das Parkhaus Tivoli und der Mittlere Kreuzteich
 

Mit dem Blick über die roten Dächer zu Schloss und Dom schließt sich die Rundumsicht.
 

Dann geht es wieder 220 Stufen abwärts.
 

Der Petriturm ist das Wahrzeichen von Freiberg, eine weithin sichtbare Landmarke und ein hervorragender Aussichtspunkt. 
Der Aufstieg lohnt sich!
 


Mittwoch, 20. Mai 2026

Wanderung zu den Kuhschellen am Kahlenberg

 

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


An einem 1. Mai vor mehr als 10 Jahren besuchten wir den Kahlenberg (Lysá hora) bei Kundratitz (Kundratice) im Böhmischen Mittelgebirge in der Hoffnung, die Kuhschellen blühen zu sehen. Darüber hinaus blühten der Ginster,  das Steinkraut und im Tal die Obstbäume. Es wäre also wieder einmal Zeit, jetzt Anfang Mai nach den Kuhschellen zu sehen. In Pohorschan (Pohořany) machen wir uns auf, zunächst den Kreuzberg (Křížová hora) zu erklimmen. Mir war erinnerlich, dass es bis zum Rabenstein (Laffitova vyhlidka) ein ganz schön happiger Anstieg ist. Und so tröste ich die Wanderfreunde, dass es dann aber recht gemütlich weitergeht. Wie man sich täuschen kann. Der Aufstieg geht alsbald ein gutes Stück herzlos krachend weiter bis zum Gipfel des Kreuzberges. Von da erst entspannt sich die Lage. Während am Rabenstein noch eine schöne Aussicht über die Leitmeritzer (Litomerice) Gegend genossen werden kann, besteht vom Gipfel des Kreuzberges kaum eine Chance auf Ausblicke. Weiter des Wegs geht es über den Langen Berg, bis endlich der Abzweig nach Welbine (Lbin) ausgeschildert ist. Durch eine herrliche Heckenlandschaft bahnt sich der Weg zum Dorf hinunter, während langsam die Kegelberge jenseits der Elbe sichtbar werden. Anstelle des angekündigten Regens knallt nun die Sonne auf den Tetz. Es ist heiß geworden und die Getränke knapp. Wir erreichen den Kahlenberg und genießen während einer längeren Pause erst einmal den grandiosen Anblick der Kegelberge des Böhmischen Mittelgebirges. Die Schilderung des Naturerlebnisses überlasse ich einem älteren Zeitgenossen, dem ist nichts hinzuzufügen:

Ich pflege jedes Jahr um die Mitte des Monats April von Leitmeritz aus über Mentau auf die beiden Radischken und von da über den Kahlenberg bei Hlinai nach Kundratitz zu wandern. Womöglich an einem prächtigen, sonnenhellen und milden Tage. Was für ein wunderbares Schauspiel sich da, von dem Gipfel des Großen Radischken angefangen bis über die Ostabhänge des Kahlenberges hinaus dem Auge darbietet, ist gar nicht zu beschreiben. Hunderttausende Blütenglocken der herrlichen Pulsatille patens Mill. (Große oder Ausgebreitete Kuhschelle) wiegen sich sanft in der lauen Frühlingluft, breiten weit ihre lilafarbigen Kronenblätter aus und strecken ihre gelben Staubgefäßbündel der goldenen Sonne entgegen. Ach, das ist ein Anblick, der sich nicht mit Worten schildern läßt! Und man ist so mutterseelenallein auf der weiten Flur! Das macht den Genuß erst vollkommen. Nur einige unermüdliche Bienen ans dem Dorfe eilen geschäftig von Glocke zu Glocke mit heimlichem Summen. Am schlimmsten treibt es der Ostabhang des Kahlenberges! Wohin man sieht, nichts als blaue Glocken und wieder große blaue Glocken! Tausende, zehntausende, hunderttausende! Manchmal 50, zu einem herrlichen Strauße vereinigt, an einem Stock. Dazu ist das ganze Gelände zu dieser Jahreszeit einfarbig grau, nichts blüht sonst ringsum als einige gewöhnliche Kuhschellen. Darum sind die außergewöhnlich großen hellen Blütenglocken der p. Patens umso ausfallender und das allgemeine Florenbild umso eindrucksvoller. Wer das in einer Farbenphotographie festhalten könnte! Hie und da bemerkt man auch eine Staude mit rosenroten oder milchweißen Blüten. Auch die Hybride P. Hackelii Pohl ist nicht selten anzutreffen. Im Interesse des Pflanzenschutzes ist es nur gut, daß der großen Masse der Sonntagsausflügler dieses schöne Gebiet soviel wie unbekannt geblieben ist. Dagegen wünschte ich, daß dasselbe recht vielen wahren Naturfreunden bekannt würde, aber nur solchen. Das geschilderte Gebiet gewährt einen Naturgenuß, wie ich nur wenige in meinem Leben kennen gelernt habe, wenigstens wüßte ich in unseren Gegenden diesem Naturschaustück nichts Ähnliches an die Seite zu stellen. Für mich ist dieser Pulsatiller-Ausflug immer ein hehres Frühlingsfest.“ (Josef Anders, „Ein Pulsatilla-Ausflug“, Mittheilungen des Nordböhmischen Vereines für Heimatforschung und Wanderpflege, 1916)

Einen Unterschied gibt es jedoch: fast alle Kuhschellen sind mit einem Drahtgeflecht ummantelt, so dass sie kaum zur Geltung kommen. Das gab es vor Jahren noch nicht. Herr Anders kam aus Richtung Radischken (Hradiště)  herauf zum Kahlenberg. Wir gehen jetzt in umgekehrter Richtung zum Radischken, dessen Felsstirn man vom Kahlenberg bereits gut sehen kann. Wieder breitet sich ein tolles Panorama vor unseren Augen aus, in der Ferne der Sankt Georgsberg (Říp). In der Nähe des Gipfels fallen uns lange Steinwälle auf, deren Herkunft noch nicht geklärt zu sein scheint. Es deutet einiges darauf hin, dass sie zu einer bronzezeitlichen oder keltischen Befestigung gehörten.

Die gute Nachricht: es geht nun bis Pohorschan, dem Ausgangspunkt unserer Tour, nur noch na dolů (bergab) – fast. Zwischen Skalitz (Skalice) und Schüttenitz (Žitenice) erhebt sich ein kleiner Hübel namens „Na Křížku“, den es sich lohnt, schnell noch zu erklimmen, denn oben steht ein schönes Kreuz mit Aussicht, Beim Abgang finden wir stattliche Exemplare des Großblättrigen Knabenkrauts sowie ganz unerwartet die stattliche, aber renovierungsbedürftige Loretakapelle. Direkt neben der schönen barocken Kirche St. Peter und Paul rettet uns dann noch eine urige Kneipe vor dem Verdursten, denn unsere Vorräte sind aufgebraucht.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.






Hinauf zum Rabenstein 









Am Gipfel des Kreuzbergs




Durch die Heckenlandschaft bei Welbine







Auf dem aussichtsreichen Kahlenberg 















Auf dem Radischken












„Na Křížku“




Die Loreta.Kapelle




In Schüttenitz








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