Montag, 13. Juli 2026

Der Aussichtsturm auf dem Pfaffenstein

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Auf dem 435 Meter hohen Pfaffenstein, einem der interessantesten Tafelberge vom Elbsandsteingebirge, steht dieser steinerne Aussichtsturm.


Man gelangt auf der B 172 (Pirna – Bad Schandau) nach Königstein. Am Kreisverkehr fährt man 2,3 Kilometer über die Bilatalstraße und Cunnersdorfer Straße nach Pfaffendorf zum Parkpatz am Pfaffensteinweg. 
GPS-Koordinaten vom Parkplatz:
50°54'22"N, 14°04'55"E
Der rote Wanderweg führt zum Pfaffenstein.
 

Blick vom gebührenpflichtigen Parkplatz zum Pfaffenstein (435 Meter).
 

Auf dem roten Wanderweg gelangt man nach 350 Metern zum Waldrand (45 Höhenmeter in10 Minuten). 
 

Hier muss man sich entscheiden:
Durch das Nadelöhr:  500 Meter mit 110 Höhenmetern in 25 Minuten oder
Bequemer Weg:  1,2 Kilometer mit 110 Höhenmetern in 30 Minuten
 

Der Plan von einer Info-Tafel (Bequemer Weg = Normalaufstieg)
 

Vom Waldrand auf dem bequemen Weg hat man hervorragende Sicht zur Festung Königstein.
 

Dann geht es einen rustikalen Pflasterweg nach oben.
 

Der Jäckelfels 
 

Die Inschrift lautet:
Dem Erschließer und Hüter
des Pfaffenstein's
Herrn Karl Gottlob Jäckel
gewidmet
vom
Vaterländ. Gebirgsv. Saxonia.
den 2. October 1881
 

Der weitere Aufstieg führt über Steintreppen …
 

… und schmale Holzstufen.
 

Dann taucht über den Bäumen der Aussichtsturm auf.
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
 
Der hölzerne Aussichtsturm von 1894
1894 … wurde der erste Aussichtsturm auf dem Pfaffenstein errichtet. Dieser aus Holz gebaute Turm wurde am 2. September 1894 feierlich eingeweiht.
Ausschnitt von einer alten Postkarte auf der Info-Tafel
 

Dem Bau des Aussichtsturmes war die Einrichtung einer Restauration vorausgegangen:
1852 richtete Karl-Gottlieb Kliemann eine Sommerrestauration ein, die allerdings nur bis 1854 bestand
1880 errichtete der Besitzer des Pfaffendorfer Erbgerichtes, Ernst Ulbrich, eine einfache Restauration, die sogenannten Rindenhütten.
Alte Postkarte von 1898
 

1891 erfolgte der Bau eines Fachwerkgebäudes am heutigen Standort des Berggasthauses.
1895 verkauft Frau Ulbrich ihr Anwesen an Hermann Keiler, der vorher Kellner auf der Bastei war. 
Zeitgenössische Werbung um 1900 von der Info-Tafel
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
 
Der steinerne Aussichtsturm von 1904
Da der Holzturm baufällig wird, lässt Hermann Keiler neben dem Gasthaus im Winter 1903/04 Steine brechen um einen neuen Aussichtsturm zu errichten. 
Nach dem Brechen der Steine wurde im Frühjahr 1904 unter der Leitung von Baumeister Naumann aus Königstein mit dem Bau begonnen. Der Turmbau, bei dem fünf Männer und eine Frau beschäftigt waren, erfolgte ohne Gerüst. Das Baumaterial für den 28 Meter hohen Turm wie Kalk, Fenster, Türen und Eisengeländer musste auf den Berg getragen werden. Das Berggasthaus hatte zum damaligen Zeitpunkt die heutigen Ausmaße erreicht.
Bereits am 7. August 1904 wurde der neue Turm dann von Pfarrer Hoyer aus Königstein feierlich geweiht.
Abbildung von einer alten Postkarte auf der Info-Tafel
 

 „ … Der wild zerklüftete Felsen, der sich majestätisch gegenüber dem Lilienstein bei Königstein erhebt, hat durch den Bau und die nunmehrige Vollendung des neuen 30 m hohen Aussichtsturmes einen neuen hervorragenden Anziehungspunkt erhalten. Der prachtvolle Turm, der vollständig in Sandsteinrohbau gehalten ist und gleichsam aus den vier Meter hohen Felsen, auf dem er errichtet ist, herauswächst, ist mit Balkons, Rundgängen und einer Plattform versehen und gewährt eine entzückende und vollständig umfassende Rundsicht über das gesamte Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz. Er wurde vom Baumeister Naumann (Königstein) nach eigenen Entwürfen errichtet. 123 bequeme steinerne Stufen führen zur Höhe empor. …“
Aus: Pirnaer Anzeiger, 4. August 1904.
 

Text von der Info-Tafel (Fett + kursiv):
Impressionen
Die Errichtung der Aussichtstürme und der Gaststätte auf dem Pfaffenstein fällt in eine Zeit der touristischen Entwicklung der Sächsischen Schweiz insgesamt. Insbesondere die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Bodenbach im Jahre 1851 brachte eine deutliche Zunahme des Fremdenverkehrs.
Spazierengehen und Wandern wurde Mode. Man bestaunte die imposante Natur. Für einen Aufenthalt im Sommer quartierte man sich gern als "Sommerfrischler" in den umliegenden Orten, aber auch auf dem Pfaffenstein selbst ein. Postkarten aus der Jahrhundertwende geben Zeugnis von der damaligen Landschaft, den Besuchern und der touristischen Ziele.
Alte Postkarte um 1920
 

Der Aussichtsturm im Jahr 2025 ist von vielen Bäumen umgeben. 
Ansicht von Süden
 

Der Balkon ist weitgehend zugewachsen.
 

Der 29 Meter hohe Sandsteinturm hat zwei Aussichtsplattformen – Fehlt nur noch: „Rapunzel, lass dein Haar herunter!“
 

Die Öffnungszeiten vom Turm entsprechen denen der benachbarten Berggaststätte.
 

Kasse des Vertrauens für den symbolischen Eintritt von 1 Euro.
 

Wichtiger Hinweis für späte Besucher
 

Der Treppenaufgang mit 123 Stufen wurde 1995 saniert.
 

Auf der oberen Aussichtsplattform
 

Im Geländer sind die Himmelsrichtungen angezeigt. Leider gibt es keine weiteren Orientierungshilfen.
 

Die Aussicht beginnt im Nordosten mit Ungerberg (537 Meter), Gerstenberg (502 Meter) und Tanzplan (Tanečnice, 597 Meter)
 

Der Papststein (451 Meter) im Osten 
 

Im Südosten: Lasenstein (398 Meter), Rosenberg (Růžovský vrch, 619 Meter) und Zschirnstein
 

Von den Bäumen verdeckt: Der Katzfels (474 Meter) im Süden
 

Der Süden mit den Felsen vom Pfaffenstein
 

Im Südwesten: Die bewaldeten langgestreckten Anhöhen vom Bernhardstein (425 Meter) und vom Napoleonstein (413 Meter) 
 

Im Westen endet der einsehbare Bereich.
 

Jetzt größer:
Kleinhennersdorfer Stein (392 Meter), dahinter Hohe Liebe (401 Meter) und Hausberg (396 Meter), rechts der Hohe Torstein (426 Meter)
 

Der Papststein (451 Meter)
 

Vorderer Lasenstein (398 Meter), Mittlerer Lasenstein (383 Meter) und Hinterer Lasenstein (374 Meter), dahinter der Zirkelstein (385 Meter)
 

Vorderer Lasenstein (398 Meter), Mittlerer Lasenstein (383 Meter) und Hinterer Lasenstein (374 Meter), dahinter der Zirkelstein (385 Meter)
 

Rosenberg (Růžovský vrch, 619 Meter), rechts davor der Kleine Zschirnstein (473 Meter)
 

Kleiner Zschirnstein (473 Meter) und Großer Zschirnstein (562 Meter)
 

Es geht  wieder 123 Stufen abwärts.
 

Der Pfaffenstein ist einer der beliebtesten Ausflugsfelsen in der Sächsischen Schweiz.
Der Aussichtsturm bietet weite Blicke und die Berggaststätte nebenan sorgt für die gastronomische Versorgung. Die Mühe des Aufstiegs lohnt sich.
 

Die WANDER CARD vom Aussichtsturm Pfaffenstein
 

Die WANDER CARD vom Berggasthof Pfaffenstein

 

Freitag, 10. Juli 2026

Wanderung zu den Guckeln

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Die Zahl der unentdeckten landschaftlichen Glanzlichter in unserer Wanderregion nimmt immer weiter ab. Zu den unbekannten gehören aber zum Beispiel die Guckeln (Malá u. Velká kvočna) bei Bösching, die aus diesem Grund schon lange auf der Warteliste stehen. Vor Jahren sahen wir die Felsformation einmal von Sestronowitz (Sestroňovice) über die Baumwipfel ragen. Ganz alte Aufnahmen zeigen sie aber als besondere Attraktion in baumloser Umgebung. Wir möchten heute einmal schauen, wie sich die Guckeln aus der Nähe darstellen.

Wir beginnen unsere Wanderung in Reichenau (Rychnov u Jablonce nad Nisou) und steuern zunächst den beliebten Bienertberg (Bienerthův vrch) an. Die Sicht ist gut und mit dem Gewinn an Höhe entfaltet sich ein grandioses Panorama vom Jeschken über das südliche Isergebirgsvorland bis zu der fernen Ruine der Burg Trosky im Böhmischen Paradies. Auf den Wiesen blühen üppig die Frühlingsblumen. Während sich am Fuß des Berges die "Pusteblumen" ausbreiten, hüllt der blühende Löwenzahn die Hänge um den Gipfel herum in ein sattes Gelb.  Der Abstieg auf der Südseite des Berges in Richtung Radonowitz (Radoňovice) ist dann etwas gewagt. Extrem steil geht es talwärts auf rölligem Untergrund. Alle sind froh, unfallfrei heruntergekommen zu sein. Gemütlich geht es weiter zu der bizarren Felsformation der Guckel, die als Teil der Lausitzer Verwerfung angesehen werden.

Jener zackige, ausgeschartete Felskamm, welcher, vor dem Bahnhofe in Liebenau mit dem plumpen Sandsteinblock des Katzesteins beginnend, über die Ruine Friedstein und das Felsenpantheon bei Kleinskal sich mit kurzen Unterbrechungen bis zur Iser herabsenkt, um jenseits derselben in den abenteuerlich geformten Orgel- oder Dürrenfelsen seine Fortsetzung zu finden, birgt für den Kletterer zwischen den Dörfern Radonowitz und Luhsen (30 Minuten vom Bahnhof Liebenau entfernt) zwei stolze Felsenriffe die beiden «Guckeln«. Als ich vor zwei Jahren das erstemal an einem trüben Sonntagnachmittage in der bachdurchrauschten Schlucht zwischen den beiden Riesen stand, deuchte es mir, als ob die altersgrauen Kämpen, die einst mit den Naturgewalten einen harten Strauß ausgefochten haben mußten, wieder zu neuem Leben erwacht seien und nur noch jenes Augenblickes harrten, wo einer von ihnen mit blitzendem Schlachtschwerte sich wieder zu frischem Kampfe auslegen werde. So zerfurcht und zerrissen auch die »zahme Guckel« erscheint, so schlank und wild, ja geradezu furchteinflößend reckt die „wilde Guckel« ihren glatten Riesenleib keck empor in die blauen Lüfte. Tief und lang sind die Wunden in dem Steinpanzer der zahmen Guckel welche einst der feindliche Speer geschlagen, der selbst den harten Schädel in der Mitte gespalten hat, unversehrt dagegen sieht der wilde Nachbar aus, dessen linke Stirnseite nur wenige hohe, parallele Quarten sich als dauernd Andenken an wütenden Kampf mitgenommen hat. Während die Besteigung der zahmen, zweizinkigen Guckel von der Bergseite keinen sonderlichen Schwierigkeiten begegnet, kann das freie Erklimmen „Der wilden Guckel mit Recht den schneidigsten heimatlichen Klettertouren beigezählt werden. …

Auch hier errang sich die Siegespalme jener furchtlose Felsenpionier Rudolf Kauschka. Dieser war es, der in jenem denkwürdigen Gipfelsturme im Herbste 1904 in Gesellschaft der Oktavaner Fritz Stempes und Max Tischer am 23. Oktober genannten Jahres als Erster das bis dahin noch jungfräuliche Felshorn bezwang.“ (M.U.C. J.König, „Heimatliche Kletterfahrten“, Jahrbuch des Deutschen Gebirgsvereines für das Jeschken- und Isergebirge 1908)

Die Guckeln sind vollständig von Wald umgeben. Tritt man an den Fuß der Felsen, kann man von unten die Spitzen der Türme sehen. Ein Besteigen der Felsen ist aber bis 30. Juni untersagt, da Vögel darin brüten. Darauf weisen Aushänge ausdrücklich hin.

Durch das Böschinger Tor geht es wieder hinauf auf den Kamm, der den Bienertberg mit dem Kopainberg (Kopanina) verbindet. Dieser Weg ist dem Gedenken des Ehepaares Jana und Josef V. Scheybal, gewidmet, die sich als Regionalhistoriker, Volkskundler und Ethnografen verdient gemacht haben. Leider ist der Weg asphaltiert. Radler wird das erfreuen.

Wie schon vermutet, ist der Turm auf dem Kopainberg verschlossen, wer hinauf steigen möchte, muss sich den Schlüssel zum Eingang unten im Dorf Kopain besorgen. Diesen Umweg sparen wir uns, obwohl der Turm eine umfassende Aussicht verspricht. Eine andere Freude wird uns aber zuteil. Bei der verlassenen Chata Kopanina steht ein kleiner Kiosk, dessen Türe offen steht. Unseren ungläubigen Augen entgehen nicht der Zapfhahn und die Becher die hier herumstehen. Es handelt sich doch tatsächlich um eine Selbstbedienungseinrichtung, in der man sein Bier selber zapfen kann. Auch an Wein und anderen Köstlichkeiten kann man sich bedienen. Bezahlt wird in eine Kasse des Vertrauens, eine Preisliste hängt aus. Die unverhoffte Offerte (die wir gern annehmen) verhilft zu guter Laune und so geht uns der Rückweg hinunter nach Reichenau heiter und locker von der Hand (beziehungsweise von den Füßen).


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.





Von Reichenau hinauf zum Bienertberg ...















 … und wieder hinunter nach Radonowitz

















Bei den Guckeln










Auf dem Weg zum Kopainberg











Die Art der Zapfkultur, die wir so lieben







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