Montag, 12. Januar 2026

Wanderung zur Fellerwand

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Die Wanderung absolvieren wir in der näheren heimatlichen Umgebung, das Ziel ist bekannt, nicht aber einige Wege die dahin und von dort weg führen. Wir starten in Dönis (Donin) und wandern hinauf nach Spittelgrund (Dolní Sedlo). Vor uns die Höhen der letzten östlichen Ausläufer des Lausitzer Gebirges – Pfaffenstein (Popova skála), Passer Kamm (Hřebeny), Trögelsberg (Ostrý vrch) – immer noch umrahmt von der Laubfärbung, die in höheren Lagen längst vergangen ist. Mit zunehmendem Anstieg liegen hinter uns das Neißetal mit Grottau (Hrádek nad Nisou) und die Ausläufer des Isergebirges. Die Aussicht ist heute durch das schöne, aber dunstige Herbstwetter etwas beeinträchtigt.

Unser Ziel sind die Rabensteine (Vraní skály) mit den bekannten Klettergipfeln Fellerwand (Fellerova věž) und Schachttürme (Šachtové věže).

Diese Gruppe von Sandsteintürmen mit ihren auffälligen Konglomeratschichten wirkt, wenn man von Süden, also von den Oberwegsteinen oder dem Welsbergsattel herkommt, nicht sonderlich beachtenswert: scheinbar unbedeutende Felszacken ragen aus einem Sandhügel hinter Kiefernkronen empor. Steigt man jedoch zu diesen Felsklippen an, sieht man erstaunend, wie tief diese seltsam geformten Gebilde jenseits in eine Schlucht abstürzen, sieht, wenn man nun gar auf den leicht erklimmbaren „Hohen Rabenstein“ geklettert ist, daß diese tiefe Schlucht eigentlich ein dunkler Schacht ist, aus dem, abgesondert von den übrigen Felsen und fast ebenso hoch als diese, ein lotrechter Fels emporstarrt, und entdeckt sogar ein hnchen auf seines Gipfels herrlicher Krone, daß man seinen Auqen kaum zu trauen glaubt. Dieser so von der Hauptmasse abgetrennte Fels, unglaublich kühn, ist die „Fellerwand“.

Den zweifellos schönsten Anblick bietet die Gruppe dem Wanderer, der von Paß kommt oder von Spittelgrund ansteiqt. Da sieht er die grauen Türme, ein zackiges Gemäuer, über einer jungen Schonung hoch und scharf in die Luft stolzen; und wenn einst der alte Wald, der noch zu ihren Füßen rauscht, fallen wird, dann wird der Anblick dieser Felsen überltigend sein. Von hier erscheint die Fellerwand nicht mehr als zerrissene Wand, sondern als überaus kecker Felszahn, deren stolzer, unnahbarer Schönheit der Form unter den Felsen der Heimat nicht seinesgleichen hat. Ähnlich, nur nicht so hoch, wirkt der Turm, von feinem Westgrate betrachtet; dagegen stellt die Nordseite eine breite, muldige, oben überhängende Wand dar, die sich von ihrem tiefsten Punkte 35 m hoch aufreckt. Ausgenommen einige kleine Gesimse in der Mitte der Wand, zeigt hier der Sandstein durchaus rundliche, abgewaschene Formen; die südseitige, nahezu lotrechte Schachtwand erscheint hingegen aus vielen eckigen Quadern aufgetürmt.(Rudolf Kauschka, „Wandern und Klettern“, 1923).

Normalerweise geht der Wanderer nun artig entlang des grün markierten Weges weiter zu den Oberwegsteinen (Horní skály), die eine weitere bergsteigerische Herausforderung darstellen. Wir zweigen jedoch kurz zuvor ab und wählen einen Weg über den Rücken des Passer Kammes, von dem an einigen Stellen über den aus einem Holzeinschlag heranwachsenden Jungwald immer noch eine Aussicht in Richtung Grottau/Isergebirge besteht. Von Pass (Horní Sedlo) wandern wir hinunter nach Nieder Berzdorf (Dolní Suchá). Erwähnenswert ist hier eine Ranch, zu der große Weideflächen gehören, auf den selten Pferde zu sehen waren. Zu Jahresbegínn 2025 eröffnete in dem Ressort eine ausgesprochen kulinarische Gaststätte, die aber bereits am Ostersonntag des gleichen Jahres wieder schließen musste. Die Wirtin erzählte mir, dass zwischenzeitlich ein Eigentümerwechsel an dem Grundstücks erfolgt sei und der neue Investor der Gaststätte die sofortige Kündigung ausgesprochen habe. „Komische Geschäftsgebaren“ nenne ich das. Heute sieht man neben den bestehenden Gebäuden eine große Fundamentplatte und man fragt sich, was darauf demnächst entstehen mag. Knete scheint jedenfalls ausreichend im Spiel zu sein. Wir wandern indes hinunter nach Ketten, wo wir die Neiße überqueren und entlang des Flusses zurück nach Dönis schlendern.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.





Unterwegs von Dönis zu den Rabensteinen





Fellerwand und Rabensteine








Über den Passer Kamm nach Pass











Aus der Ferne grüßt Burg Grafenstein


Entlang der Neiße zurück nach Dönis








Die Felsenaussicht Fuchskanzel

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Im Zittauer Gebirge, einem der kleinsten Mittelgebirge Deutschlands, gibt es viele lohnenswerte Aussichtspunkte. Einer davon ist die Fuchskanzel (531 Meter) mit einer Triangulationssäule.
 

Von Zittau fährt man auf der S132 über Eichgraben in Richtung Lückendorf. Am Forsthaus Lückendorf, dem höchsten Punkt der Straße, gibt es einen großen Parkplatz. Dann folgt man dem Wanderweg (Markierung: Roter Punkt) zur Fuchskanzel. Für die 1,2 Kilometer mit 37 Meter Höhenunterschied benötigt man etwa 20 Minuten.
 

Schon nach wenigen Schritten hat man von dieser Bergwiese einen tollen Blick zum Hochwald (749 Meter).
 

Etwa 200 Meter nach dem Parkplatz biegt der rote Wanderweg vor der großen Infotafel links ab.
Den Text der Tafel „Historische Triangulationssäule Strassberg – ein geschütztes Kulturdenkmal“ finden Sie im Anhang.
 

Die Wegführung ist gut ausgeschildert.
 

Durch die Abholzung der vom Borkenkäfer befallenen Fichten hat man schon auf dem Hinweg ganz neue Ausblicke: Pfaffenstein (Popova skála, 565 Meter), Lange Berg (Dlouhá hora, 748 Meter), Kalkberg (Vápenný, 790 Meter) und Jeschken (Ještěd, 1012 Meter).
 

Der Pfaffenstein (Popova skála, 565 Meter) kurz hinter der Grenze in Tschechien.
 

Der Fernsehturm auf dem Jeschken (Ještěd, 1012 Meter)
 

Der Zugang zum Aussichtsfelsen wurde 2023 erneuert.
 

Daran erinnert das Zittauer Stadtwappen am Geländer der Brücke. 
 

Vor dem Umbau war der Laufsteg mit Betonplatten ausgelegt.
Alte Postkarte um 1965
 

Hier wurde 1864 ein Triangulationspunkt errichtet. Es ist die Station II. Ordnung mit der Nummer 39 (von 122).
An der Säule aus Sandstein vom Hochwald hatte in anderthalb Jahrhunderten nicht nur der Zahn der Zeit genagt.
Foto von 2007
 

Sie wurde im Jahr 2014 restauriert. Dabei wurde die entfernte Zeile 
Kön: Sächs:
wieder hergestellt.


Die Aussicht beginnt Richtung Norden: 
Links von den Bäumen der Heideberg (549 Meter), rechts davon die Stadt Zittau
 

Drei Länder auf einem Foto:
Links Zittau (D), in der Mitte Kraftwerk und Tagebau (PL), rechts Grottau (Hrádek nad Nisou, CZ)
 

Der einsehbare Bereich endet im Osten beim Görsdorfer Spitzberg (Sedlecký Spicak, 544 Meter), dahinter das Isergebirge (Jizerské hory).
 

Jetzt größer:
Der Sonnenhübel (Königsholz, 469 Meter), dahinter der Rotstein (455 Meter), vorn ein Stück vom Olbersdorfer See
 

Großer Berg (438 Meter) und, darüber die Kämpferberge (415 Meter), vorn Zittau.
 

Schwarzer Berg (393 Meter), Landeskrone (419 Meter) und Knorrberg (379 Meter)
 

Das Stadtzentrum von Zittau, hinten Schönbrunner Berg (428 Meter) und Friedersdorfer Berg (395 Meter)
 

Die Altstadt von Zittau
 

Die Türme von Zittau:
Johanneum (Christian-Weise-Gymnasium) und Johanniskirche
 

Hintereinander: Rathausturm, Klosterkirche und Katholische Kirche
 

Kreuzkirche (Fastentuch-Museum), links davor das historische Salzhaus
 

Das Kraftwerk Türchau (Elektrownia Turów) hinter der Neiße
 

Der pölnische Tagebau, davor das Industriegebiet in Grottau (Hrádek nad Nisou)
 

Der Kristýna-See bei Grottau (Hrádek nad Nisou)
 

Vorn Grottau (Hrádek nad Nisou), hinten Reichenau (Bogatynia)
 

Die Windkraftanlagen auf dem Kahleberg (Lysý vrch, 643 Meter) und Steinberg (Kamenný vrch, 412 Meter), dazwischen der Gickelsberg (Výhledy, 569 Meter).
 

Die Tafelfichte (Smrk, 1124 Meter)
 

Vogelkuppen (Ptači vrchy, 1013 Meter) und Taubenhaus (Hulobnik, 1070 Meter)
 

Noch ein Blick nach unten zum Weißbachtal:
Die vom Borkenkäfer befallene Fichten wurden bis auf einen kleinen Rest großflächig abgeholzt. 
Rechts: der Görsdorfer Spitzberg (Sedlecký Spicak, 544 Meter)
 

Die Fuchskanzel ist ein sehr beliebter Aussichtsfelsen. Die wissenschaftsgeschichtlich interessante Triangulationssäule gibt es noch als Zugabe. Ein Besuch lohnt sich.
 

Die WANDER CARD von der Fuchskanzel mit einem Foto vor der Restaurierung der Säule. 
 

Anhang:
 
Historische Triangulationssäule Strassberg
- ein geschütztes Kulturdenkmal
 
Die Vermessungsstation wurde im Mal 1865 auf dem Strassberg bei Lückendorf errichtet. Von der Stadtgemeinde Zittau erwarb man dafür bereits im Oktober 1664 ein Baurecht. Die auf einem isolierten Sandsteinfelsen gegründete Station aus Sandstein vom Hochwalde besteht, im Gegensatz zu anderen Stationen, nur aus dem 1,0 m hohen Pfeiler. Dessen Oberfläche war ursprünglich mit einer Sandsteinplatte geschützt. Eine hölzerne Signalpyramide machte den Punkt weithin sichtbar. Dar Bau wurde unter Leitung von Prof. Nagels Assistenten Friedrich Robert Helmert ausgeführt und kostete 155 Mark.
Die Station Strassberg auf der heute „Fuchskanzel“ genannten Aussichtsplattform gehört zu den frühzeitig errichteten Vermessungspfeilern der Königlich Sächsischen Triangulirung, da der Aufbau der Stationen II. Classe von Osten nach Westen erfolgte. Der ehemalige Festpunkt der Landesvermessung war über Jahrzehnte ein Bezugspunkt für örtliche Detailvermessungen und Kartenherstellungen. Die Restaurierung der Säule wurde von Christian Kürzel aus Niederoybin initiiert, vom Zittauer Forstbetrieb und der Naturparkverwaltung Zittauer Gebirge gefördert und durch den Zittauer Steinmetz Roland Fribolin 2014 ausgeführt.
 
Gradmessung und Triangulierung im Königreich Sachsen 
Bei der Landesvermessung 1862 bis 1890 wurden zwei Dreiecksnetze geschaffen, das Netz für die Gradmessung im Königreich Sachsen (Netz I. Classe) mit 36 Punkten und die Königlich Sächsische Triangulirung (Netz II. Classe) mit 122 Punkten. Damit verfügte Sachsen auf dem Gebiet der Landesvermessung über eines der modernsten Lagenetze in Deutschland. Für den Maßstab der beiden Netze wurde bei Großenhain eine knapp 9 km lange Basislinie gemessen. Im restaurierten Basishaus bei Quersa erinnert ein kleines Museum an diese Arbeiten. Neben der Triangulation erfolgten auch astronomische Messungen zur Orientierung des Dreiecksnetzes und es wurde ein erstes Landesnivellement zur Bestimmung von Höhenfestpunkten ausgeführt. 
Die Mitteleuropäische Gradmessung wurde schon bald durch den Beitritt von vielen Staaten zur Internationalen Erdmessung erweitert, die eine der ersten wissenschaftlichen Vereinigungen der Welt war.
Die vielfältigere Nutzung von geodätischen Festpunkten und Fortschritt in den Messtechnologien in der Mitte des 20. Jahrhunderts erforderten die Schaffung von neuen, besser zugänglichen Trigonometrischen Punkten. Diese waren während der Vermessung oft mit hölzernen Hochsignalen überbaut. Historische Vermessungssäulen verloren damit ihre praktische Bedeutung. In der Gegenwart sind dreidimensionale Koordinatenbestimmungen mit satellitengestützten Navigationssystemen, wie dem GPS, in hoher Genauigkeit und in kürzester Zeit an fast jedem Ort möglich.
 
Christian August Nagel 
geb.:      17.05.1821 in Grünbergs
gest.:    23.10.1903 in Dresden
Nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften u. a. bei Prof. Andreas Schubert, wurde August Nagel der erste ordentliche Lehrer (1852) und Professor (1858) für Geodäsie an der Königlich Sächsischen Polytechnischen Schule in Dresden. Es war der maßgebliche Gestalter der Gradmessung im Königreich Sachsen und Initiator und praktischer Betreuer bedeutender geodätischer Projekte, wie der Königlich Sächsischen Triangulierung, der Vermessung des Erzgebirgischen Kohlebassins oder der Stadtvermessungen von Dresden und Leipzig. Ab 1888 war er gleichzeitig Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger.

 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Interessante Blogs Blog-Webkatalog.de - das Blogverzeichnis