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Mittwoch, 13. Januar 2016

Lesestoff: Das Hummel-Paradoxon...


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Wenn das der Fall ist, dann gibt es für das Flugzeug nur noch eine Flugrichtung, und zwar nach unten, immer der Schwerkraft folgend… Deshalb ist es für den Piloten äußerst wichtig, dass ihm in jeder Fluglage die Fluggeschwindigkeit bekannt ist. Dazu muss man sie irgendwie messen. 

Fluggeschwindigkeitsmessung mit dem Staurohr

Und das macht man gewöhnlich mit einem Staurohr, welches von dem deutschen Physiker und Mitbegründer der Strömungsmechanik Ludwig Prandtl (1875-1953) erfunden wurde. Wenn es ausfällt, z. B. weil es in großen Höhen vereist, dann kann das einen Flugzeugabsturz provozieren. Und dafür gibt es in der Geschichte der Luftfahrt einige Beispiele. Eines der Folgenschwersten war der Absturz eines Airbusses A330-203 der Air France über dem mittleren Atlantik am 31. Mai 2009, bei der alle 228 Insassen ums Leben kamen. Die Strömungsmechanik ist ein sehr wichtiges Teilgebiet der Physik mit einem extrem großen Anwendungspotential. Trotzdem scheint es Phänomene zu geben, wo sie nicht zu funktionieren scheint. 

Das Hummel-Paradoxon

Ich denke dabei an die Hummel, die nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen können dürfte, wie es Ludwig Prandtl (1875-1953) einst in seinen Vorlesungen immer wieder mit Augenzwinkern behauptet hat. Sie tut es aber trotzdem, wie man es im Sommer an jedem Kleefeld oder Wiesenrain mit eigenen staunenden Augen beobachten kann. Scherzhaft meinte der große deutsche Strömungsforscher einmal, dass es daran liegt, dass ihr die Gesetze der Strömungsmechanik völlig schnuppe sind. Das mag sicherlich stimmen. Aber es erklärt natürlich nicht ihr mehr oder weniger elegantes Flugvermögen. Aber den Hummelforschern ließ dieses Problem natürlich keine Ruhe und den Strömungsforschern erst recht nicht. Und es zeigte sich schnell, dass dieses „Hummelparadoxon“ doch kein Paradoxon ist. Berechnet man nämlich für die technischen Ausgangsdaten einer Hummel (Gewicht, Flügelfläche, Schlagfrequenz) deren aerodynamisches Verhalten unter Berücksichtigung des richtigen Wertes einer Größe, die der Physiker Reynoldszahl nennt und beachtet dabei noch die beim Flug auftretenden Verwirbelungen, dann wird es schnell klar, dass eine Hummel durchaus fliegen kann. Aber das war ja längst durch Augenschein bewiesen und somit nichts Neues. Jetzt weiß man aber endlich auch warum. Alle diese Untersuchungen stärken natürlich das Vertrauen in die Aerodynamik ungemein, und so kann man heute mit noch größerer Beruhigung in ein modernes Flugzeug steigen – der kleinen Hummel sei Dank. Und noch etwas, bevor ich es vergesse: eine Hummel erreicht immerhin eine Fluggeschwindigkeit von über 10 km/h und bei Rückenwind sogar noch etwas mehr…  

Die Erdhummel als Nagetier

Die ersten Erdhummeln (Bild) lassen sich ungefähr ab Ende März beobachten, wenn sie aus ihrem Winterschlaf erwacht sind und z. B. am Rande eines Laubwaldes die Blüten des Lerchensporns besuchen. Nur leider ist ihr Rüssel nicht gerade lang, um aus deren langen Kelch den süßen Nektar zu saugen. Aber eine Hummel mag zwar klein sein, aber dumm ist sie deswegen noch lange nicht. Sie nagt einfach ein Loch in das Ende des Blütenkelchs und kommt auf diese Weise problemlos an den süßen Saft. Schauen Sie sich einfach bei einer kleinen Frühlingswanderung einmal Lerchenspornblüten (oder auch die Blüten der Frühlings-Platterbse) etwas genauer an. Sie werden garantiert fündig werden und Blüten mit einem kleinen Loch im Kelch finden. 

Frühlingsaspekt

Der Frühling ist eh eine gute Zeit, um einen lehrreichen Waldspaziergang zu unternehmen. Den Laubbäumen fehlen noch die Blätter und das Sonnenlicht kann problemlos den Waldboden erreichen.

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Samstag, 2. Januar 2016

Etwas Lesestoff zum neuen Jahr... Gold, Gold, Gold...

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Carlsberg und Tuborg waren übrigens die Lieblingsbiere der Mitglieder der „Olsenbande“ Egon, Kjeld und Benny. Stabile Schäume sind aber nicht nur beim Gerstensaft erwünscht. 

Nicht immer sind Träume Schäume - Jane Everson

Einer amerikanischen Lehrerin aus Chicago mit Namen Carry Jane Everson (1843-1914) fiel um 1885 beim Waschen von ölverschmierten Säcken, die zuvor zerkleinerten Kupferkies enthalten hatten, etwas Interessantes auf. Schlämmt man nämlich eine Mischung von Erz und „Gangart“ (d. h. nicht genutzte Begleitminerale des Erzes) in einer schäumenden Ölemulsion auf, dann bleiben die Erzpartikel an den Schaumblasen hängen und können so leicht abgeschöpft werden. Der Grund für diesen Effekt liegt darin, dass sich Schaumblasen leicht an hydrophobe, d. h. schwer benetzbare Oberflächen anlagern und auf der Aufschlämmung von Erz und Gangart oben schwimmen. Daraus entwi-ckelte sich das Trennverfahren der Flotation, welches u. a. auf das Patent von Mrs. Everson zurück geht und das in abgewandelter Form noch heute in den dem Bergbau nachgeordneten Stofftrennungsschritten angewendet wird. 

Goldgewinnung

Goldsand lässt sich auf diese Weise jedoch nicht in „Gold“ und „Sand“ auftrennen. Hier heißt das Zaubermittel der Wahl Quecksilber. Und da Quecksilber bekanntlich ein gefährliches Umweltgift ist, führt dieses Verfahren an verschiedenen Stellen der Welt, insbesondere am Amazonas und seiner goldreichen Nebenflüsse, zu einer Vielzahl von Umweltschäden. 


Am bequemsten ist bekanntlich noch die Suche nach Goldnuggets. Aber meistens findet man in seiner „Goldpfanne“ nur Goldflitter, denn sogenannte „Seifen“ (dort, wo die Nuggets nur so rumliegen) sind nicht allzu häufig. Und diese Goldflitter auszulesen, ist auch nicht gerade eine ergiebige Beschäftigung. Besser wäre es, man könnte das Gold an irgendetwas „binden“, was sich leichter vom Sand trennen lässt und von dem sich später das Gold zurück gewinnen lässt. Und solch ein Stoff ist Quecksilber. Es ist leicht handhabbar, da flüssig, es ist leicht vom „Sand“ zu trennen, da sich viele kleine Quecksilbertröpfchen aufgrund ihrer extrem großen Oberflächenspannung leicht zu großen Tropfen vereinigen lassen und es bindet, was in diesem Zusammenhang das Wichtigste ist, Gold zu Amalgam. Außerdem vergiftet es noch Mensch und Tier, was aber eher als nachteilig empfunden wird, da es oftmals die Freude an Goldfunden beim Goldsucher nachhaltig vergällen kann. Und nun braucht man nur noch (z. B. mit einer Lötlampe) das Amalgam zu erhitzen, damit das Quecksilber verdampft und das Gold übrig bleibt. Man schätzt, dass auf diese Weise im Laufe der Geschichte der Goldsucherei allein im Amazonasgebiet mehr als 2000 Tonnen dieses flüssigen Metalls in die Umwelt gelangt sind, was aufgrund von dessen extremer Giftigkeit eine Umweltkatastrophe ohne gleichen darstellt. 

„Biogold“ und das Goldene Vlies

Dagegen ist das „Vorgängerverfahren“, welches in der Antike im Bereich des Kaukasus Anwendung fand, ökologisch völlig unbedenklich, da es nur mit Naturstoffen (alles Bio, oder was?) arbeitet. Heute würde man sicherlich in manchen Kreisen sagen, dass damit echtes und reines „Bio-Gold“ gewonnen wurde. 

Aber alles der Reihe nach. Es geht hier um den realen Hintergrund der Geschichte vom Fell des Chrysomeles, eines von Poseidon gezeugten Widders, dessen Körperbehaarung als „Das Goldene Vlies“ in die griechische Mythologie eingegangen ist, da es „gülden“ glänzte. Nicht ganz so golden glänzend findet man diesen Widder auch am Sternhimmel, und zwar als dasjenige Sternbild, welches das Tierkreiszeichen Aries repräsentiert. 

Argonautensaga

Zur Zeit der Argonauten war der Widder (übrigens auf eigenem Wunsch) bereits dem Kriegsgott Ares geopfert und das abgezogene Fell (Vlies) in Kolchis im Hain des Ares aufgestellt worden. Und auf dieses Fell waren die Argonauten mit ihrem Anführer Iason von Argos ganz wild, weshalb sie mit ihrem Boot „Argo“ über das Schwarze Meer schipperten, bis sie schließlich nach vielen Abenteuern die Mündung des Flusses Rioni (der damals noch Phasis hieß) im heutigen Georgien erreichten. Dort verlangten sie vom König die Herausgabe des Vlieses, doch der machte es von einer schwierigen Aufgabe abhängig, die entfernt etwas mit der Tätigkeit des „Pflügens“ zu tun hatte. Iason bewältigte die Aufgabe mit Bravour, da er Tipps von Medea, der Tochter des Königs, bekommen hatte. Sie hatte sich nämlich in Iason verguckt und half ihm unter Verrat eines üblen, von ihrem Vater Äetes ausgeheckten Plans das goldene Fell zu stehlen. Was auch gelang. Nach einer kurzweiligen Rückfahrt, von dessen Verlauf mehrere Versionen überliefert sind, landeten Iason und Medea irgend-wann in Korinth, wo sie einige Zeit zusammen lebten, bis sie Iason verstieß, um die Tochter des Königs Kreon mit Namen „Glauke“ zu ehelichen. 

Medeas Rache

Aber Medea wusste sich Rat (nomen est omen), und ersann einen furchtbaren Racheplan, dem der genannte König, seine Tochter „Glauke“, aber auch ihre beiden, also Medeas leibliche Kinder, zum Opfer fielen. 


Seitdem ist der Mord an den eigenen Kindern untrennbar mit Medea verbunden, unvergleichlich dargestellt in der gleichnamigen Tragödie des Euripides. Aber auch Franz Grillparzer (1791-1872) hat um 1820 eine interessante Theaterfassung als Teil einer Trilogie herausgebracht. Und natürlich darf auf keinem Fall die Verfilmung durch Pier Paolo Pasolini (1922-1975) aus dem Jahre 1969 mit Maria Callas (1923-1977) in der Hauptrolle (die hier nicht zu singen brauchte) vergessen werden. Doch was ist nun der „wahre“ Hintergrund des „Goldenen Vlieses“? Um Gold aus Gebirgsflüssen zu gewinnen, genauer feine Goldfussel und Goldkörner, legte man Schaffelle in die Strömung. Zwischen dessen Haare setzte sich der schwere Goldstaub fest und konnte so konzentriert werden. Auf diese Weise wurden in der Antike auch Goldvorkommen ausgebeutet, die zwar reich an Goldstaub, aber arm an Nuggets waren. Und Historiker glauben, dass dieses Verfahren der Hintergrund für die Sage vom goldenen Widderfell ist. 

Gold, Gold, Gold...

Man schätzt, dass die gesamte Goldmenge, die bis heute auf der Erde gefördert worden ist, ungefähr 166.000 Tonnen beträgt. Das entspricht einem goldenen Würfel von gerade einmal 20 Meter Kantenlänge. Da bekanntlich das Volumen eines Würfels mit der dritten Potenz seiner Kantenlänge anwächst, ist trotz einer jährlichen Produktion von etwa 3000 Tonnen der Größenzuwachs dieses Würfels nur noch bescheiden. Gold kommt halt nicht sonderlich häufig vor, weshalb ja auch eine Keramikkrone für einen defekten Zahn meist kostengünstiger ist als eine Zahnkrone aus Gold. 

Wie entsteht Gold im Kosmos?

Die wahrlich interessante Frage aber ist, wo und auf welche Weise entsteht Gold im Kosmos und wie ist es letztendlich auf die Erde gelangt? Elemente werden gewöhnlich in Sternen gekocht, was man in der Astrophysik als „Brennen“ bezeichnet - eine andere Bezeichnung für „Kernfusion“. Nur Deuterium, Lithium (das in unseren Batterien), Beryllium und Bor stammen wie der omnipräsente Wasserstoff und der größte Teil des Heliums aus den ersten Minuten des Urknalls vor ziemlich genau 13,79 Milliarden Jahren. Die Sterne der ersten Generation bestanden nur aus Wasserstoff und Helium mit etwas Lithium und Beryllium (wobei letztere beiden Elemente in ihrer Häufigkeit im Vergleich zu H und He vernachlässigbar sind). Sie hatten eine große Masse und ein kurzes Leben (nur einige Millionen Jahre) und endeten damit schnell in Form einer speziellen Supernova, die man heute als Paarinstabilitäts-Supernova bezeichnet. 


Solch ein explodierender Stern kann übrigens kurzzeitig so hell werden wie alle Sterne einer Milchstraße zusammen – und man wünscht sich nicht, das Ereignis aus der Nähe (<100 Lichtjahre Entfernung) zu betrachten. Der „Explosionsschutt“ derartiger Sterne sammelte sich nach und nach in der interstellaren Materie an, aus der dann wiederum weitere Sterngenerationen hervorgegangen sind. Dieser „Schutt“ enthielt alle die Elemente, die im Stern fusioniert oder durch andere Prozesse (die der Astronom entweder als s-Prozesse, weil sie „slow“ – also langsam oder r-Prozesse, weil sie „rapid“, also schnell, ablaufen) entstanden sind. Dazu muss man wissen, dass ein Stern nur bis zum Element Eisen mit der Ordnungszahl 26 aus Kernfusionsprozessen Energie saugen kann, die er benötigt, um als Stern stabil zu bleiben. Und ein Stern bleibt solange stabil, wenn in jedem Punkt in seinem Inneren die nach innen gerichtete Schwerkraft durch den Gasdruck (und bei massereichen Sternen auch den Strahlungsdruck) an genau diesem Punkt ausgeglichen wird. Ist diese Bedingung erfüllt, dann befindet sich der Stern im hydrostatischen Gleichgewicht. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, dann wird der Stern das Energiedefizit durch Kontraktion seines Kerns auszugleichen versuchen. Dabei wird die sogenannte gravitative Bindungsenergie des Sterns angezapft, von dem ein Teil die Sternmaterie erhitzt und der andere Teil in den Kosmos abgestrahlt wird. Das Leben eines Sterns ist genaugenommen eine Geschichte der Kontraktion seines Kerns. Beginnend mit der Kontraktion einer Gas- und Staubwolke bleibt am Ende des Sternlebens nur ein kompakter Rest in Form eines Weißen Zwergsterns, eines Neutronensterns oder Schwarzen Lochs (und manchmal, in ganz seltenen Fällen, auch Garnichts) übrig. 

Lebensgeschichte eines Sterns mit 8 Sonnenmassen

Damit ein Stern in seinem Leben überhaupt bis zur Fusion von Eisen kommt, muss er mindestens eine Ausgangsmasse von etwa 8 Sonnenmassen haben. Ohne jetzt groß in die Einzelheiten einzugehen (die aber höchstinteressant sind!), sieht das Leben eines solchen massereichen Sterns in etwa folgendermaßen aus: Nachdem er aus kosmischen Gas (99% H und He) und Staub entstanden ist und er im Zustand der Kontraktion in seinem Kernbereich die Zündtemperatur für das „Wasserstoffbrennen“ erreicht hat (ca. 20 Millionen Grad), wird er die nächste Million Jahre gemächlich Wasserstoff in Helium umwandeln. Dieser Zustand kennzeichnet einen sogenannten Hauptreihenstern. Während dieser Brennphase sammelt sich das spezifisch schwerere Helium im Sternkern an, bis irgendwann der Wasserstoff im Kernbereich soweit aufgebraucht ist, dass der Energiebedarf zur Aufrechterhaltung des hydrostatischen Gleichgewichts nicht mehr durch Wasserstoffbrennen gedeckt werden kann. Und genau in diesem Moment wird der Sternkern instabil und kollabiert. Dabei wird Energie frei und die Temperatur des Kerns erhöht sich solange, bis mit ~200 Millionen Grad die Zündtemperatur für das Heliumbrennen erreicht und der Kernkollaps beendet wird. Mit der Fusion von Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff (Triple-Alpha-Prozess) kann der Stern die nächsten 10.000 Jahre gut auskommen. Die „Asche“, d. h. der entstandene Kohlenstoff und Sauerstoff, sammelt sich wiederum im Kern an. Das geht solange gut, wie es genügend Helium zum „verbrennen“ gibt. Aber auch dann ist irgendwann einmal Schluss und das Spiel mit Kernkontraktion, Erhöhung der Kerntemperatur bis die nächste Brennphase zündet, wiederholt sich. Dadurch, dass bei jeder neuen Brennphase der Energieausstoß immer geringer wird (was ein Physiker leicht erklären kann), wird die Dauer dieser primären Brennphasen auch immer kürzer. Und so folgt nach dem Heliumbrennen bei 800 Millionen Grad Kerntemperatur das Kohlenstoffbrennen (ca. 600 Jahre), dann bei 1,4 Milliarden Grad für ein Jahr das Neonbrennen, dann für 6 Monate bei einer Kerntemperatur von 2 Milliarden Grad das Sauerstoffbrennen, dann für einen Tag bei 3,5 Milliarden Grad das Siliziumbrennen (wobei Eisen entsteht) und dann macht es flupp (~1 Sekunde) und der Eisenkern kollabiert zu einem Neutronenstern mit einem Durchmesser von etwa 20 Kilometer – und die Außenhülle des Stern fliegt explosionsartig weg: Wir beobachten eine hydrodynamische Supernova. Und das ist die (wahrscheinliche) Geburtssekunde des Goldes, welches sich mit etwas Glück irgendwann einmal in den feinen Härchen des Vlieses verfängt… 

Schwere Elemente baut man aus Neutronen

Der Kern eines stabilen Goldatoms enthält 78 Protonen und 118 Neutronen. Wenn der Eisenkern bei einer Supernova kollabiert, treten kernphysikalische Prozesse auf, die zu einem riesigen Fluss von Neutronen führen. Da Neutronen keine elektrische Ladung besitzen, können sie sich beispielsweise an vorhandene Eisenkerne anlagern, die dadurch immer schwerer werden, d. h. es entstehen immer schwerere Isotope dieses Metalls und das innerhalb kürzester Zeit. Diese Isotope sind nicht stabil, sondern radioaktiv. 


Das bedeutet, dass einzelne Neutronen zu Protonen und Elektronen und Anti-Elektronenneutrinos zerfallen (man sagt, das Neutron erleidet einen Beta-Minus-Zerfall), was wiederum dazu führt, dass das Isotop jeweils auf der Elementeleiter (Periodensystem) eine Stufe nach oben wandert. Erst wenn auf diese Weise ein Kern 78 Protonen und 118 Neutronen in sich vereinigt, ist ein stabiles Goldatom (wenn auch noch ohne Elektronenhülle) entstanden. Natürlich bilden sich auch andere schwere Elemente auf diese Art und Weise, so z. B. Uran mit einer Protonenzahl von 92 und selbst Plutonium mit einer Protonenzahl von 94. Plutonium ist übrigens das letzte Element im Periodensystem, welches auf der Erde noch natürlich vorkommt. Alle Elemente im Periodensystem mit einer noch größeren Ordnungszahl wurden künstlich erzeugt. Ihre Lebensdauer (Halbwertszeit) ist aufgrund ihrer Radioaktivität jedoch ziemlich begrenzt. Da es nun mal Menschen mit Goldzähnen gibt, es Leute gibt, die es sich leisten können, von goldenen Tellerchen zu essen und, nicht zu vergessen, auch weil es „Kernkraftgegner“ gibt, die aus nicht immer rationalen Gründen etwas gegen die „Kernkraft“ haben (Uran), muss man zwingend davon ausgehen, dass an der Entstehung der Erde vor mehr als 4,56 Milliarden Jahren irgendwie eine Supernova beteiligt gewesen sein muss. Und allein aus dieser Tatsache lässt sich einiges über die Frühgeschichte der Sonne und der Planeten herausbekommen. 

Eine Supernova und die Frühgeschichte des Sonnensystems

Die grundlegenden Informationen in diesem Zusammenhang sind Folgende: Die Supernova muss ursprünglich ein Stern mit mehr als 25 Sonnenmassen gewesen sein, dessen Leben höchstens fünf Millionen Jahre währte. Solche massereichen Sterne bilden sich nur sehr selten. Ein aus einer interstellaren Gas- und Staubwolke entstandener Sternhaufen (die Wolke fragmentiert bei ihrem Kollaps in viele Einzelwolken, aus denen dann bei weiterer Kontraktion Protosterne entstehen) muss schon ungefähr 2000 Mitglieder haben, damit unter ihnen wenigstens ein Objekt dieses Kalibers dabei ist. Da die Entstehung der Sonne und ihrer Planeten auch nur wenige Millionen Jahre in Anspruch nahm, muss dieser Stern noch in der Bildungsphase der Protosonne in nicht allzu großer Entfernung (man schätzt ~1 Lichtjahr) seinen Kernkollaps erlitten und ein Teil seines Explosionsschutts in die Materie, aus der dann später die Planeten entstehen sollten, penetriert haben. Und da war zu unserem Glück auch etwas Gold und Uran dabei. Es kann sogar sein – und es gibt ernsthafte Gründe dafür – dass es uns ohne diese Supernova gar nicht geben würde. Denn die radioaktiven Elemente, die von ihr stammen, helfen durch ihren Zerfall mit, den Erdmantel plastisch zu halten. Aber ohne konvektiven Erdmantel keine Plattentektonik, ohne Plattentektonik keine Kontinente, ohne Kontinente keine Langzeit-Klimastabilisierung. Und ohne dem alles, keine Menschen. Und ohne Menschen? Ja, was dann wäre, wissen wir auch nicht, denn wenn jemand „nicht ist“, dann kann er auch nicht fragen, warum… Womit wir bei dem nicht trivialen Problem angekommen sind, ob alles das, was wir mit unseren Sinnesorganen erfassen, auch so ist, wie es ist. 

Ist die Realität real?

Es geht um die alte philosophische Frage nach der „Realität“, genaugenommen um die Frage, ob es eine Welt außerhalb unseres individuellen Bewusstseins überhaupt gibt, und wenn ja, wie sich das beweisen lässt. Denn es könnte ja sein, wie es Edgar Allan Poe (1809-1849) einmal ausgedrückt hat „All that we see or seem is but a dream within a dream…“. 


Aber auch diese Geschichte hat einen historischen Kontext: Im 18. Jahrhundert gab es bekanntlich den sogenannten "Gelehrten" als Beruf. Das waren meist mehr oder weniger wohlhabende Personen, die sich, frei von materiellen Sorgen, geistigen und wissenschaftlichen Dingen widmen konnten und damit in ihrer Gesellschaft ein gewisses Prestige aufbauten. Ich möchte hier nur kurz an Johann Burckhard Mencke aus Leipzig erinnern, der von 1674 bis 1732 lebte. Sein größter Verdienst war die Herausgabe der dreibändigen "Scriptores rervm Germanicarvm praecipve Saxonicarvm", die dem Geschichtsforscher noch heute wichtiges Quellenmaterial liefert. Das soll aber nicht das Thema sein. Es geht hier vielmehr um einen Satz aus seinem 1716 erschienenen Werk "Charlataneria eruditorum" (ja, Burckhard Mencke hat mit dem Wort "Scharlatan" den deutschen Sprachschatz nicht unwesentlich erweitert und bereichert!). Dort heißt es: 

"...Daß Sie die Einzigen in der Welt sind; jedewede anderen würden nur existieren in deren eigenen Gedanken...

Womit wir bei einem Paradox angelangt sind, welches ich nun kurz beschreiben möchte. Also von vorn. Jeder von uns besitzt einen Computer, und Forschungsinstitute Supercomputer, deren Rechenleistung mittlerweile die 1,8 Gigaflop-Grenze überschritten hat. Und diese Rechenleistung wird (entsprechend dem Moor'schen Gesetz) in der Zukunft weiter steigen. Mit ihrer Hilfe kann man auf der Grundlage bekannter Naturgesetze und leistungsfähiger mathematischer Verfahren hochkomplexe Vorgänge simulieren, die einem experimentellen Zugang nur schwer oder gar nicht zugänglich sind. Ich denke hier an die Wettervorhersage, an die Simulation von Atombombenexplosionen oder sogar an die Simulation des "Urknalls" und der sich daraus ergebenden kosmischen Strukturbildungsprozesse. Offensichtlich können Naturerscheinungen in beliebiger Komplexität mathematisch simuliert werden, wenn die dazu benötigte Rechenleistung zur Verfügung steht (dieser Satz ist so nicht ganz richtig, da sowohl die Mathematik (Gödels Theorem) als auch die Physik (Quantenmechanik) dem prinzipielle Grenzen setzt, aber wir wollen das mal außer Acht lassen). 

Das Gehirn in der Nährbrühe

Und nun ein weiterer Schritt. Uns Menschen macht unser Gehirn aus. Alles, was wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen, gelangt in Form elektrischer Impulse in unser Gehirn und lässt darin die Welt entstehen, von deren von uns unabhängigen Existenz wir zutiefst überzeugt sind. Licht der Sonne, welches eine Rose reflektiert, gelangt durch die Linse unserer Augen auf die Netzhaut, wo ein verkehrt herum angeordnetes, verzerrtes und verkleinertes Bild dieser Rose entsteht, welches von Rezeptoren in Form von Stäbchen und Zäpfchen über komplexe biochemische Vorgänge in elektrische Signale umgewandelt wird. Diese Signale laufen in Nervenbahnen in das Gehirn, wo es das Bild der Rose entzerrt und in einen dem Bewusstsein zugänglichen Sinneseindruck umwandelt. Weitere elektrische Nervenimpulse treffen gleichzeitig von den Zellen der Nasenschleimhaut ein und wir vernehmen einen feinen Rosenduft zu spüren. Und wenn unsere Finger sich am Stachel der Rose verletzen, so registriert auch das unser Gehirn in Form wohldefinierter schwacher Nervenimpulse. Alle diese elektrischen Pulse können heute gemessen werden. Und nur diese elektrischen Impulse sind es, die in unserem Gehirn eine Welt entstehen lassen, die uns "Denken" und "Handeln" lassen und unser gesamtes Gefühlsleben bestimmen. Und jetzt stellen wir uns vor, dass unser Gehirn in einem Laboratorium in einer delikaten Nährbrühe („Bouillon“) schwimmt und alle einlaufenden Nerven an einen Supercomputer angedockt sind, welcher die "Außenwelt" simuliert und zwar so, dass jede einzelne der Millionen einlaufenden Nerven mit dieser Maschine verbunden ist und diese Maschine genau die gleichen Impulse produziert, wie es gewöhnlich die Sinnesorgane tun. Und dass diese Maschine gerade eine Rose simuliert mit ihrer typischen Form, ihrer satten roten Farbe, den wohlfeilen Duft und den Stacheln an ihrem Stängel sowie auch die Hand, die sie hält.


Und dass diese Maschine dabei genau die gleichen schwachen Impulse produziert, wie sonst die Sinnesorgane. Und dass sie diese Impulse diesmal an keinen Monitor und auch an keinen Lautsprecher sendet, sondern über die angeschlossenen Nervenbahnen an ihr Retortengehirn in der delikaten Nährbrühe. Dann entsteht in diesem "Retortengehirn" die eindeutige Illusion einer Rose in ihrer satten roten Farbe, ihrem Duft und den Stacheln an ihrem Stängel. Und wenn Sie (d. h. ihr Gehirn in der delikaten Nährbrühe) dabei noch Vogelgezwitscher hören und sie im Hintergrund blaue Berge sehen und über sich weiße Wolken an einem blauen Himmel, dann ist das auch nur eine Illusion und Folge der Simulation. Selbst wenn Sie spüren (und das scheinbar willentlich veranlasst haben), wie ihre Hand durch ihre Haare streicht, so ist das nur Simulation. Und das verstörende daran ist, es gibt für Sie (und für mich etc.) keine Möglichkeit, unsere reale Existenz und die einer Existenz als "Retortengehirn" irgendwie zu unterscheiden. 

Gibt es eine Außenwelt?

Und die große philosophische Frage, die daran hängt (siehe Eingangszitat von Johann Burckhard Mencke), ist die: Durch was können wir sicher sein, dass so etwas wie eine "Außenwelt" wirklich existiert? Die Quintessenz dieser Überlegungen ist die, dass wir keinesfalls sicher sein können, dass eine Außenwelt existiert, dass sich unser Bewusstsein in einem Gehirn befindet und dass sich dieses Gehirn in einem Körper befindet. Es handelt sich um ein prinzipielles Problem, welches mit den Mitteln der Wissenschaft offensichtlich nicht zu lösen ist (jede wissenschaftliche Erkenntnis, die wir in uns aufnehmen, kann natürlich in dem hier beschriebenen Sinn auch "simuliert" sein). Sie halten das alles für Unsinn? Ich auch. Aber denken Sie einmal darüber nach. Und schauen Sie sich gelegentlich wieder mal den Film "Matrix" an... Von diesem durchaus interessanten Film gibt es übrigens noch zwei Fortsetzungen, jedoch mit einer Tendenz zum „schlechter werden“ („Matrix Reloaded“ und „Matrix Revo-lutions“), in denen genauso wie im ersten Teil der Trilogie eine Menge Andeu-tungen zu finden sind, wenn man sich nur etwas in Philosophie und Geschichte auskennt. 

Solipsismus

Die philosophische Idee, dass die „Welt“ nur eine vorgegaukelte Simulation ist und nur das „ich“ das einzig existierende Subjekt, nennt man Solipsismus. In einem weitergehendem Sinne bedeutet dieser Begriff (von lat. solus allein, ipse selbst), dass alles, d. h. die gesamte Welt, also das ganze "Sein", sich nur in den subjektiven Bewusstseinsinhalten eines Individuums (und zwar Ihres, lieber Leser) erschöpft. Man spricht in diesem Fall von einem „metaphysischen Solipsismus“ - und nur um ihn soll es hier gehen. Ein metaphysischer Solipsist behauptet die Nichtexistenz einer Außenwelt (genauer einer Welt außerhalb seines eigenen Bewusstseins) in dem Bewusstsein, dass sich diese These nie beweisen lassen wird. Es ist nämlich durchaus die Annahme möglich, dass alle Sinneseindrücke nur Produkte dieser Sinne selbst sind, ohne dass zwingend etwas Objektives außerhalb des Bewusstseins existieren muss – siehe die Metapher vom Gehirn in der Nährlösung. Oder um noch einmal das Zitat von Edgar Allan Poe zu bemühen „All that we see or seem is but a dream within a dream…“. 

Claudia Brücken und Propaganda

Das dazugehörige und relativ unbekannte Poem „A dream within a dream“ aus dem Jahre 1849 erlangte 1984 wieder eine gewisse Aufmerksamkeit, als es rezitativ von Claudia Brücken vorgetragen und mit einer eingehenden Musik hinterlegt, auf dem Debütalbum der aus Düsseldorf stammenden Pop-Band „Propaganda“ erschien.



Dieses Debütalbum hat den Titel „A Secret Wish“ erhalten und ist auch heute noch unter Kennern durchaus beliebt.

Dr. Mabuse

Das liegt u. a. auch an den Songs „Duell“ und natürlich „Dr. Mabuse“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Superverbrecher, der 1919 von dem Luxemburger Schriftsteller Norbert Jaques (1880-1954) erdacht wurde und der in einer Vielzahl von Verfilmungen Anfang der 1960er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Konkurrenz zu den gleichzeitig entstandenen Edgar-Wallace-Krimis eine gewisse Popularität erreichten.



Die Titel sprechen für sich: „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“, „Das Testament des Dr. Mabuse“, „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“, „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ und auf keinem Fall zu vergessen „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“. Genaugenommen handelt es sich bei dieser noch in Schwarz-Weiß gedrehten Filmreihe um eine Fortsetzung bzw. Neuverfilmung zweier Filme von Fritz Lang (1890-1976) aus dem Jahre 1922 („Dr. Mabuse, der Spieler“ – ein zweiteiliger Stummfilm) sowie 1933 („Das Testament des Dr. Mabuse“, diesmal mit Ton und unter den Nazis verboten). Das Faszinosum an der Gestalt des Dr. Mabuse liegt darin begründet, dass er seinen genialen Verstand, seine Profession als Psychoanalytiker (Freud!) und seine außergewöhnlichen hypnotischen Fähigkeiten einsetzt, um eine Verbrecherorganisation zu leiten und selbst Verbrechen zu begehen, gekoppelt mit einer Vision einer besseren und gerechteren Welt. In den genann-ten Verfilmungen kann man das „Who is who“ der deutschen Schauspielergarde jener Zeit bewundern, von denen einer, nämlich Gert Fröbe (1913-1988), der in zwei Mabuse-Verfilmungen den Kommissar Lohmann mimen durfte, weltberühmt geworden ist. Und das mit Recht, wie ich meine. Die jüngere Generation wird ihn wahrscheinlich nur aus James Bond „Goldfinger“ (1964) kennen, der ab und an im Fernsehen noch gezeigt wird. Aber das war nur einer von mehr als 40 Filmen, in denen er – meist als Charakterdarsteller – mitgewirkt hat. 

Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten

So in dem englischen Film von 1965 „Those Magnificent Men in Their Flying Machines or How I Flew from London to Paris in 25 Hours 11 Minutes”, den man für die deutschen Filmplakate auf den etwas kürzeren und einprägsameren Titel “Die Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten” eingedeutscht hat. Für jemanden, der sich für die Geschichte der Luftfahrt interessiert, war das ein ähnlich amüsanter Film wie der Film „Schussfahrt nach San Remo“ (mit André Robert Raimbourg (1917-1970), besser bekannt als „Bourvil“) für diejenigen, die sich mehr für die Geschichte des Straßenradsports interessieren. Die „tollkühnen Männer“ sind Piloten („Richt'ge Männer wie wir…“), die mit ihren aus Sperrholz und Klavierseitendraht zusammengeschusterten Fluggeräten im Jahre 1910 ein von einer Gazette ausgerichtetes Wettfliegen über den Ärmelkanal bestreiten möchten.



Und da darf natürlich eine Abordnung aus dem deutschen Kaiserreich (schließlich war unser Kaiser Wilhelm II. ein Enkel der britischen Königin Victoria!) nicht fehlen, übrigens überaus stilsicher repräsentiert durch Oberst Manfred von Holstein und seinem Adjutanten Hauptmann Rumpelstoß. 

Gert (Karl-Gerhart) Fröbe

Ersterer unvergleichlich preußisch gespielt von Gert Fröbe. Hauptmann Rumpelstoß dagegen (gespielt von Karl-Michael Vogler), der eigentlich als Pilot der kaiserlichen Luftmaschine vorgesehen war, fiel leider krankheitsbedingt aufgrund einer akuten Diarrhoe aus, weshalb Oberst Holstein mit den markigen und unvergessenen Worten „Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!“ dessen Part übernehmen musste.



Wie sich denken lässt, gelang es ihm trotz intensiven Studiums der Gebrauchsanleitung des Fluggeräts (genauer der „Heeresdienstanweisung zur Bedienung eines Flugzeugs“) nicht, dieses über den Ärmelkanal zu lenken… 1910 war ein Jahr, wo das motorgetriebene Flugzeug durchaus schon ein brauchbares Fluggerät war. Ein Jahr zuvor gelang dem Flugpionier Louis Blériot (1872-1936) die erstmalige Überquerung des Ärmelkanals. 

Warum fallen tonnenschwere Flugzeuge nicht vom Himmel?

Damals wunderten sich die Menschen noch darüber, wie sich solch ein schweres Gerät wie das Flugzeug überhaupt in der Luft halten kann, wo doch alles, was einem aus der Hand fällt, unweigerlich auf den Füßen landet. Heute wundert sich niemand mehr darüber, obwohl immer noch die Wenigsten erklären können, warum das so ist. Nun gut. ...



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Donnerstag, 17. Dezember 2015

Lesestoff: Von der Elektromobilität zum Quantenvakuum...

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Elektromobilität

Elektromobilität ist bei uns in Deutschland eh das politisch verordnete Gebot der Stunde: 1 Million Elektroautos sollen bekanntlich bis zum Jahr 2020 die deutschen Straßen bevölkern. Im Jahre 2015 hat man immerhin schon die 19.000er Marke an batteriebetriebenen geknackt (ohne Hybride). Und es sind ja noch 5 Jahre Zeit, um den gemeinen Autofahrer von den Vorteilen moderner Elektroautos zu überzeugen, selbst wenn sie mit einer Batteriefüllung weniger weit fahren als ein Diesel oder Benziner, bei Kälte schon mal den Geist aufgeben und während des „Stromtankens“ genügend Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung bleibt. 


Da macht der höhere Preis auch kaum was aus, denn Elektroautos sind bekanntlich „öko“. Pedelec-Fans sind ja bereits überzeugt, denn mittlerweile sind in Deutschland schon mehr als 2 Millionen Elektrofahrräder innerhalb kürzester Zeit verkauft worden. Nur scheint dieser Erfolg aus unerklärlichen Gründen nicht auf die Autobranche durchgeschlagen zu haben. Auf jeden Fall war es ein strategischer Fehler, als man regierungsseitig das Projekt mit den 1 Million „Elektrofahrzeugen“ bis zum Jahr 2020 aufgelegt hat, ohne die E-Bikes zu den „Elektrofahrzeugen“ hinzu zu rechnen. Denn dann hätte heute schon die Politik stolz eine enorme Übererfüllung ihrer Pläne vermelden können. Nun ja, das Hauptproblem, von dem die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bekanntlich in erster Linie abhängt, liegt in der Effizienz und den Kosten der dazu notwendigen Batterietechnik. 

Nadelöhr Batterietechnik

Denn von der verwendeten Batterietechnik hängen zwei der für den Verbraucher (neben dem Preis) wichtigsten Akzeptanzparameter eines Elektroautos ab, die Reichweite pro Ladungszyklus sowie die Dauer einer kompletten Aufladung an der Ladestation im Vergleich zum “Tankstopp“ eines herkömmlichen Automobils (dazu kommt eventuell noch die Lebensdauer der Batterie, die an der Anzahl der maximal möglichen Ladezyklen gemessen wird). Batterien, die als Primärenergiegeber für einen PKW herhalten sollen, müssen offensichtlich besonderen Anforderungen gerecht werden. Das Maß aller Dinge ist hier die Energiedichte, d. h. wieviel Energie sich pro Volumen- oder Masseeinheit speichern und zur Nutzung zurückgewinnen lässt. Dieselkraftstoff besitzt beispielsweise eine Energiedichte von 43 MJ/kg. 


Die besten Batterien erreichen heute in Experimentalanordnungen (also weitab einer praktischen Einsatzfähigkeit) gerade einmal eine Energiedichte von ungefähr 4,7 MJ/kg (Aluminium-Luftbatterien, sind aber als Akkus aus chemischen Gründen nicht zu gebrauchen). „State of the Art“ für den Einsatz im KFZ sind Lithium-Ionen-Akkumulatoren, die eine Energiedichte in der Größenordnung von 0,5 MJ/kg aufweisen. Das dürfte erklären, warum Elektroauto-Batterien so groß und so schwer - und auch so teuer sind. Um zu verstehen, warum sich das kurz- und wahrscheinlich auch mittelfristig kaum ändern wird, muss man sich mit den elektrochemischen Prozessen, die in Batterien ablaufen, beschäftigen. Batterien sind ja erst einmal nichts anderes als die Zusammenschaltung mehrerer galvanischer Elemente, in denen chemische Energie in elektrische Energie umgewandelt wird. Sie bestehen aus jeweils zwei verschiedenen Metallelektroden (Anode und Kathode) sowie einem Elektrolyten in Form eines sogenannten Redox-Systems. Die Spannung, die sie liefern, hängt neben dem Anoden- und Kathodenmaterial (die sich in der Position in der elektrochemischen Spannungsreihe möglichst stark unterscheiden sollten) von den verwendeten Elektrolyten und der Temperatur ab. Die Kunst besteht darin, die richtigen Ingredienzien für eine sogenannte Sekundärzelle zu finden (nur sie lassen sich als Akkus verwenden) und die physikalisch-chemischen Umgebungsbedingungen für deren optimalen Betrieb zu schaffen. Und das ist alles andere als trivial, wie mittlerweile zwei Jahrhunderte „Batterieforschung“ zeigen. Das Prinzip, auf dem Batterien beruhen, kennt man, seit Luigi Galvani (1737-1798) mit Hilfe eines einfachen galvanischen Elements Froschschenkel hat zucken lassen und Alessandro Volta (1745-1827) mehrere von diesen „galvanischen Elementen“ zu einer ersten Batterie zusammenschaltete („Voltasche Säule“). 


Auch heute ist das schnell getan. Man braucht dazu nur zwei verzinkte Nägel, etwas Kupferblech und Draht sowie zwei Zitronen (es müssen keine Bio-Zitronen sein) aus dem Supermarkt. Will man damit ein Lämpchen betreiben, dann benötigt man noch zusätzlich eine handelsübliche Leuchtdiode. Ansonsten reicht zum Nachweis der Spannung ein normales Voltmeter aus. Nun muss man nur noch in jede der beiden Zitronen einen Nagel und ein Stück Kupferblech stecken und mit etwas Kupferdraht das Stück Kupferblech der ersten Zitrone mit dem Zinknagel der zweiten Zitrone verbinden. Wenn man jetzt ein „Bein“ der Leuchtdiode mit dem Zinknagel der ersten Zitrone und mit dem anderen „Bein“ das Kupferblech der zweiten Zitrone verbindet, dann wird sie aufleuchten (vorausgesetzt, sie haben die „richtigen“ Beine erwischt und die Diode arbeitet in Durchlassrichtung) und damit beweisen, dass unsere einfache Batterie auch wirklich funktioniert. Durch Hintereinanderschaltung zusätzlicher Zitronen lässt sich diese einfache Batterie übrigens weiter verbessern. Was geschieht hier eigentlich? Im Saft der Zitrone ist bekanntlich Zitronensäure enthalten (einfach mal kosten), welche in diesem Fall als Elektrolyt wirkt. Wenn man in die Zitrone ein Kupferblech und einen Zinknagel steckt, dann lösen sich daraus positiv geladene Kupfer- bzw. Zinkionen, die frei durch den Elektrolyt diffundieren können. An den Elektroden bleibt dabei eine negative Ladung in Form eines Elektronenüberschusses zurück. Zinkionen lösen sich in der Säure jedoch leichter als Kupferionen, und dementsprechend sammelt sich auf dem verzinkten Nagel mehr negative Ladung als auf dem Stück Kupferblech an – es entsteht ein Potentialunterschied, den man mit einem Voltmeter messen kann. Der Nagel bildet hier einen negativen (Anode) und das Stück Kupferblech einen positiven Pol (Kathode). Wenn man nun zwischen Nagel und Kupferblech eine Leuchtdiode klemmt, wandern die Elektronen vom Nagel durch die Diode zum Kupferblech und bringen dabei die Diode zum Leuchten. Was die Elektromobilität betrifft, stellen heute Akkumulatoren auf Lithiumionen-Basis die fortschrittlichsten Energiespeicher für PKW’s dar. Es gibt sie mittlerweile in mehreren Varianten, so u. a. als Lithium-Metalloxid-Akkus, als Lithium-Polymer-Akkus mit flüssigen organischen Elektrolyten, als Lithium-Mangan-Akkus mit besonders vielen Ladezyklen sowie Lithium-Luft-Akkumulatoren, denen noch ein sehr hohes Entwicklungspotential nachgesagt wird. Bei IBM hofft man z. B. in näherer Zukunft in Lithium-Luft-Batterien eine (theoretische) Energiedichte von ~40 MJ/kg erreichen zu können, was dann ein echter Durchbruch wäre. Eine typische heutzutage verwendete Lithium-Ionen-Batterie mit insgesamt 180 MJ (=50 kWh) Energiegehalt besitzt eine Masse von rund 400 bis 500 kg und ermöglicht eine Reichweite von ungefähr 150 km. Die Reichweite lässt sich hier nur noch durch Volumenvergrößerung der Batterie signifikant erhöhen. Lithium-Luft-Batterien könnten hier aufgrund ihrer höheren spezifischen Energiedichte Abhilfe schaffen, wenn ihre Realisierung nicht so extrem schwierig wäre. Eine große Zahl von Detailproblemen verhindert bis jetzt, dass sie über das Versuchsstadium hinausgelangten. Es sieht aber so aus, dass sich vielleicht die Probleme, die überwiegend chemisch-physikalischer Natur sind, in kleinen Schritten doch noch lösen lassen. Zumindest in den IBM-Forschungslabors ist man immerhin in dieser Hinsicht bedeckt-optimistisch. Letztendlich werden die Batterietechnik und ihr Preis entscheiden, in welchem Maße Elektroautos angeschafft werden. Als Zweitfahrzeuge für kurze Distanzen haben sie heute bereits einen gewissen Kundenstamm. Damit sie aber als Alternative für heutige Mittelklassewagen am Markt bestehen können, ist noch viel Entwicklungsarbeit nötig. Doch zurück zu den heute überall zu findenden Lithiumionen-Akkus. 

Lithium

Sie haben ein chemisches Element zu Ehren gebracht, welches vor einigen Jahrzehnten fast nur für Kernwaffenbauer (als Lithiumdeuterid) von Interesse war. Man findet es bekanntlich an dritter Position (Kernladungszahl Z=3) im Periodensystem in der ersten Hauptgruppe, den Alkalimetallen. Es ist zum überwiegenden Teil während der ersten Minuten des Urknalls im Rahmen der primordialen Nukleosynthese entstanden (neben Deuterium, primordialem Helium und ein klein wenig Beryllium). Innerhalb von Sternen kann es prinzipiell nicht fusioniert, aber sehr effektiv zerstört werden. So ist es durchaus bemerkenswert, dass es in der Tabelle der Elementehäufigkeiten der Erdkruste an 27. Stelle (ähnlich Zink oder Wolfram, geschätzter Anteil ~0,006%) steht und damit beispielsweise, absolut gesehen, in größerer Menge in der Erdkruste vorhanden ist als Blei. Aufgrund dessen, dass Lithiumverbindungen jedoch nur selten gehäuft vorkommen, ist die Gewinnung dieses sehr leichten Alkalimetalls schwierig und kostenintensiv, was natürlich auf die Batteriepreise durchschlägt. In der Natur kommt Lithium in zwei stabilen Isotopen vor. Der Kern des häufigeren (92,4%) Lithium-7 besteht aus drei Protonen und vier Neutronen, während Lithium-6 nur drei Neutronen besitzt. Die Theorie der Elementeentstehung (Nukleosynthese) während des Urknalls macht recht präzise Vorhersagen in Bezug auf die Mengenverhältnisse von Wasserstoff, Deuterium, Helium und Lithium (alle anderen Elemente werden erst im Zuge der Sternentwicklung produziert), die durchaus gut mit den beobachteten Mengenverhältnissen mit Ausnahme der des Lithiums, übereinstimmen. Dessen beobachteter Mengenanteil (Lithium-7) in den Atmosphären alter, im Halo der Milchstraße angesiedelter Sterne (Kugelsternhaufen), erscheint im Lichte der primordialen Nukleosynthese überraschenderweise als zu gering, was den Inhalt des sogenannten „kosmologischen Lithiumproblems“ ausmacht. Neuere Messungen an Halosternen scheinen jedoch zu bestätigen, dass dieses „Problem“ nur vorgetäuscht ist. Es scheint vielmehr so zu sein, dass das in Bezug auf Wasserstoff und Helium spezifisch schwerere Lithium im Laufe der vielen Milliarden Jahre der Existenz dieser Sterne langsam in deren zentrale Bereiche absinkt, wo es dann bei Kernprozessen zerstört wird. Das Resultat davon ist die beobachtete Verarmung an diesem Element in den beo-bachteten Sternatmosphären, welche ungefähr 2/3 gegenüber dem primordialen Wert ausmacht. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist aber noch nicht gesprochen, denn es gibt auch noch einige andere, ernstzunehmende Erklärungsmodelle für dieses Phänomen. Auf jeden Fall ist es jedoch interessant zu wissen, dass das Lithium in unseren Lithiumionenbatterien sehr alt ist (genau 13,798±0,037 Milliarden Jahre), denn es entstand in den ersten paar Minuten nach dem ominösen Zeitpunkt Null, den wir „Urknall“ nennen. 

Urknalltheorie

Die Erkenntnis, dass „unsere“ Welt vor nicht einmal 14 Milliarden Jahren auf eine noch unerklärliche Weise aus etwas, was man als „Urknall“ bezeichnet, hervorgegangen ist, wird heute im sogenannten Standardmodell der Kosmologie im Detail dargelegt. Es ist mittlerweile so gut empirisch abgesichert, dass alternative Sichten wie beispielsweise die einst von Hermann Bondi (1919-2005), Thomas Gold (1920-2004) und Fred Hoyle (1915-2001, von ihm stammt übrigens der Begriff „Big Bang“) begründete Steady State – Theorie heute nicht mehr ernsthaft verfolgt werden. Die „Urknalltheorie“ ist, wie der Name schon sagt, ein mathematisch-physikalisches Konstrukt (Theorie), welches geschaffen wurde, um unsere Beobachtungen, soweit sie sich auf die Entwicklungsgeschichte des Kosmos als Ganzes beziehen, möglichst widerspruchsfrei zu erklären und zu begründen. 


Den theoretischen Hintergrund, was Raum, Zeit und Gravitation betrifft, liefert die Allgemeine Relativitätstheorie Einsteins. Das, was „geschah“, bestimmen in diesem Modell die Thermodynamik und die Quantentheorie in Form des Standardmodells der Elementarteilchenphysik. Beide Theorien, die Gravitationstheorie Einsteins und die Quantentheorie, beschneiden mit ihren ureigenen Gültigkeitsbereichen unser Bild „nach unten“, denn es gibt noch keine anerkannte Quantentheorie der Gravitation, höchstens einige diskussionswürdige Ansätze dazu. Das verwehrt uns einen Blick auf die wahre Ursache dieses allgemein als „Explosion“ eines singulären Zustands wahrgenommenen Vorgangs „Urknall“. Aber man kann sich dem Zeitpunkt „Null“ mit unseren physikalischen Theorien immerhin einigermaßen sicher bis auf 10^-44 Sekunden (was erstaunlich genug ist) nähern. Es ist der Zeitpunkt, ab der die „Physik, wie wir sie kennen“, zu funktionieren anfängt. In Wahrheit ist aber, wie der bekannte Kosmologe Hubert Reeves es einmal ausgedrückt hat, der Urknall lediglich unser Horizont in Zeit und Raum, den wir aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten: „Wir sind Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.“ Empirisch haben wir uns diesem Horizont bereits bis auf wenige Minuten nach dem Urknall genähert - in Form der Ergebnisse der bereits erwähnten „Produkte“ der primordialen Elementesynthese (genauer dem primordialen Wasserstoff/Helium-Verhältnis). Einen Blick auf die winzigen Inhomogenitäten, Quantenfluktuationen, im sich beim Urknall mit dem Raum ausdehnenden Plasma, liefert uns die kosmische Hintergrundstrahlung (auch 3 Grad Kelvin - Strahlung genannt), die mittels Satelliten (z. B. „Planck“) immer genauer vermessen wird und die uns Einblicke sowohl über die genaue räumliche Struktur, das Weltalter, als auch auf die frühe Strukturbildung im Kosmos gewährt. Zeitlich führt sie uns bis auf ~380.000 Jahre an den „Urknall“ heran, als der Kosmos quasi durchsichtig wurde (man nennt diese Epoche „Zeitalter der Wasserstoffrekombination“), weil sich nun das elektromagnetische Strahlungsfeld von der Materie abkoppeln konnte. Dieses Strahlungsfeld, welches heute hochgradig dem eines idealen schwarzen Körpers (Planck-Strahler) mit einer Temperatur von 2,725 K entspricht, füllt den kosmischen Raum homogen und isotrop aus und lässt sich am besten im Mikrowellenbereich beobachten. 


Es ist neben der Beobachtung der Expansion des Raumes (sichtbar an der entfernungsabhängigen Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien) eine der wichtigsten empirischen Stützen der Urknalltheorie. Beide Beobachtungen, die kosmische Expansion und die isotrope Hintergrundstrahlung, sind genaugenommen „der“ Beweis, dass unser Kosmos einen dichten und heißen Anfang genommen haben muss. Als man 1929 anhand von Beobachtungen, die zuerst von Vesto Slipher (1875-1969) und dann systematisch von Edwin Hubble (1889-1953) ausgeführt wurden, festgestellt hatte, dass sich unser Universum ausdehnt, da war sofort klar, dass es „früher“ eine geringere Ausdehnung gehabt haben musste. Und genau solch ein Verhalten hatte bereits der russische Mathematiker und Meteorologe Alexander Friedman (1888-1925) aus den Einstein’schen Gravitationsfeldgleichungen deduziert. Oder anders ausgedrückt, Theorie und Empirie weisen eindeutig auf die Existenz des Urknalls hin, in dem „unser“ Kosmos entstanden ist. Volkstümlich stellt man ihn sich gewöhnlich wie eine Explosion „im Raum“ vor, was aber falsch ist, wenn man ihn im Lichte der Allgemeinen Relativitätstheorie betrachtet. Er umfasste nämlich nicht nur den materiellen Inhalt des uns zugänglichen Kosmos (heute dargestellt durch die Hubble-Sphäre), sondern den gesamten physikalischen Raum (der wahrscheinlich unendlich groß ist). Die geometrischen Konzepte, auf denen diese Erkenntnisse beruhen, liegen leider außerhalb jedes Vorstellungsvermögens, weshalb man sich auch auf die Metapher einer „Explosion“ (aus der wir selbst hervorgegangen sind) bezieht, wenn man auf die Formelsprache der Mathematik verzichten möchte. 

Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?

Soweit wir uns aber auch der Antwort auf die Frage, was genau während des Urknalls passiert ist, annähern, die alte Frage, der Metaphysik, „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ (in der Formulierung von Gottfried Wilhelm Leibniz), bleibt dabei unbeantwortet. Eine Frage dieser Art ist der empirischen Wissenschaft unzugänglich, da sie auf einer höheren, all-gemeineren Ebene angesiedelt ist. Sie ist, kurz gesagt, philosophischer Natur. Martin Heidegger (1889-1976) bezeichnete deshalb die Frage „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ sogar als die zentrale Frage der Metaphysik, die sich allein mit logischen Argumenten nicht beantworten lässt. Ein Schlüsselbegriff ist hier der Begriff des „Nichts“. Er besitzt viele Bedeutungsaspekte, die sich im Falle der genannten Aussage auf die Nichtexistenz des Seienden reduzieren lassen. Die Ambivalenz zwischen Seiendem und Nichtseiendem ist bereits bei den Vorsokratikern (so nennt man die Naturphilosophen, die vor dem Athener Philosophen Sokrates (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) wirkten) ein zentrales Thema ihres philosophischen Denkens. 


Mit der Erkenntnis, dass das Nichtseiende weder erkennbar noch erforschbar ist, wie es Parmenides von Elea (zwischen 520 v. Chr. und 460 v. Chr.)) lehrte, konzentrierte man sich nach ihm auf die nähere Bestimmung des Seins und dessen wesentlichste Eigenschaft, der Existenz. Die damit im Zusammenhang stehenden Fragen werden in der Lehre der Ontologie, also der Lehre von allem, was es gibt, behandelt. Weitere Schlüsselbegriffe sind in diesem Zusammenhang der Begriff der Wirklichkeit (Realität), das Problem der Identität sowie das auf Platon zurückgehende Problem der Universalien (das betrifft Allgemeinbegriffe wie Zahl, Mensch, Gott, Farbe etc. und die Frage, ob sie wirklich existent oder nur „menschliche Konstruktionen“ sind – Stichwort „Universalienstreit“), an dem sich noch heute die verschiedenen „Ontologien“ scheiden. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Kommen wir lieber zum „Urknall“ zurück. 

Das ominöse „Nichts“

Man liest, wenn man sich mit Kosmologie beschäftigt, immer häufiger, dass die Welt aus dem „Nichts“ entstanden ist, ohne dass dieses ominöse „Nichts“ näher, ob nun philosophisch oder physi-kalisch, spezifiziert wird. Für dieses „Nichts“ hat sich in der modernen Physik der Begriff des quantenmechanischen Vakuums eingebürgert, welches sich, wie man heute weiß, ganz grundlegend vom mathematisch denkbaren Vakuum, quasi der absoluten Leere, unterscheidet. Bereits in der Antike hat man das „Nichts“ mit einem anderen Begriff, dem der „Leere“ identifiziert (was zwar philosophisch gesehen eine Einschränkung ist, sobald man dem „Raum“ auch eine eigenständige Existenz zubilligt). Für die Atomisten war das der Raum zwischen den Atomen. Für ihre, der Atomisten, Lehre, war dieser Raum, den man vielleicht als „Mikrovakuum“ bezeichnen kann, notwendig, um die Bewegung der unteilbaren Atome postulieren zu können. 

Das „Nichts“ als „Leere“

Da es den meisten antiken Philosophen unmöglich war, das absolut Leere zu denken, wurde es geleugnet (horror vacui) bzw. von Aristoteles mit einem „fünften Stoff“ aufgefüllt. Dieser fünfte Stoff (neben Feuer, Erde, Wasser und Luft), die „quinta essencia“, sollte immateriell, strukturlos und frei von dem in den genannten Elementen enthaltenen Gegensätzen (z. B. warm und kalt, fest und flüssig…) sein. Er soll das gesamte Universum gleichmäßig ausfüllen (Äther) und außerdem die eigentliche Ursache für die Bewegung der Himmelskörper sein. Aus diesem Grund gibt es in der Philosophie des Aristoteles keinen Platz für das Vakuum, während für die Atomisten die Existenz der Leere eine Notwendigkeit ist, um die Bewegung der Atome als inhärente Eigenschaft der Materie überhaupt postulieren zu können. Die Leugnung des Vakuums durch Aristoteles lässt sich als eine direkte Konsequenz seiner Bewegungsauffassung ansehen. Seine Dynamikkonzeption basiert auf den Schlüsselbegriffen Kraft, Geschwindigkeit und Widerstand. Dabei ist die Kraft die eigentliche Ursache für einen Bewegungsvorgang. Ein Körper bewegt sich aber nur solange, wie die Ursache, d. h. die Kraftwirkung, anhält. Ab dem Moment, wo keine Kraft mehr wirkt, sollte auch die Bewegung aufhören. Dass diese Behauptung nicht der Realität entspricht, konnte erst rund 2000 Jahre später Galileo Galilei (1564-1642) mit der Entdeckung des Trägheitsgesetzes zeigen. Nach Aristoteles ist demnach die Luft, die sich vor dem fliegenden Pfeil öffnet und sich dahinter wieder schließt, die eigentliche Ursache für dessen Bewegung. Erkennt man diese Aussage erst einmal als richtig an, dann folgt daraus zwingend, dass es ohne Luft auch keine Bewegung geben kann. Die Luft oder der „feinere“ Äther werden damit zu Medien, ohne die eine Bewegung quasi unmöglich ist. Ein völlig leerer Raum ist deshalb im Rahmen der peripatetischen Physik schon rein kinematisch undenkbar. 

Das Vakuum

Auf diese Weise wurde für die nächsten zwei Jahrtausende der Äther zu einem festen Begriff in den Naturwissenschaften. Die Frage nach der Existenz eines „Vakuums“ wurde erst wieder zu Beginn der Neuzeit aktuell, und zwar weniger aus weltanschaulich-philosophischen Gründen, sondern mehr aus rein praktischen Erwägungen. So war schon vor der Zeit Galileis den Bergleuten bekannt, dass man mit normalen Saugpumpen das Wasser nur ungefähr 9 Meter hoch anheben kann. Aus diesem Grund mussten zur Entwässerung von Bergwerken auch Kaskaden von Pumpen gebaut werden. Die Analyse dieser oft benutzten Geräte brachte das Vakuum als Synonym für den „luftleeren Raum“ wieder in das Blickfeld der Forschung. Evangelista Torricelli (1608-1647), dem wohl bekanntesten Schüler Galileis, gelang es 1644 erstmalig einen luftleeren Raum, ein Vakuum, herzustellen. Er füllte in eine rund 90 Zentimeter lange, an ihrem Ende zugeschmolzene Glasröhre Quecksilber, verschloss sie mit einem Finger und tauchte sie mit der Öffnung nach unten in ein Gefäß, welches ebenfalls Quecksilber enthielt. Nach Freigabe der Öffnung konnte er beobachten, wie sich ein rund 14 Zentimeter langer freier Raum oberhalb der Quecksilbersäule ausbildete. Torricelli äußerte die naheliegende Hypothese, dass dieser Raum völlig leer ist und somit ein Vakuum darstellt. Weitere Experimente bewiesen dann auch, dass er Recht hatte. So konnte man z. B. zeigen, dass sich der leere Raum oberhalb der Quecksilbersäule vollständig mit Wasser füllen lässt und somit wirklich leer ist. Trotz dieser offensichtlichen experimentellen Ergebnisse schieden sich aber gerade an diesem Punkt die Geister. Renè Descartes (1596-1650) war beispielsweise ein entschiedener Gegner der Auffassung, dass sich die Welt in einen „korpuskularen Teil“ und in ein Vakuum aufteilt. Mittels einer scharfsinnigen Argumentation suchte er zu beweisen, dass Raum und Substanz eine Einheit bilden. Für ihn gab es in der Welt nichts als sich bewegende Materie. Dieser Standpunkt kommt auch in folgendem Zitat zum Ausdruck: 

Darin aber scheinen mir viele zu irren, dass sie zwar im Himmel eine Flüssigkeit annehmen, aber ihn wie einen leeren Raum vorstellen, der den Bewegungen anderer Körper keinen Widerstand leistet, aber auch keine Kraft hat, sie mit sich zu nehmen. Denn eine solche Leere kann es in der Natur nicht geben, und allen Flüssigkeiten ist es gemeinsam, dass sie nur deshalb den Bewegungen anderer Körper nicht widerstehen, weil sie selbst eine Bewegung in sich haben, und weil diese Bewegungen leicht nach allen Richtungen hin mit einer derartigen Kraft geschehen, dass sie bei einer bestimmten Richtung notwendig alle in ihnen enthaltene Körper mit sich nehmen, soweit keine andere Ursache sie zurückhält, und sie fest, ruhend und hart sind, wie aus dem früheren erhellt. …“ 

Aufbauend auf der These eines flüssigkeitsähnlichen, den gesamten kosmischen Raum ausfüllenden Äthers entwickelte Descartes in seinem Werk „Principia philosophiae“ (1644) eine Wirbeltheorie, nach der die Bewegung der Himmelskörper ursächlich durch eine Bewegung des Äthers bedingt ist. 


Das Faszinierende an seiner Theorie war, dass es ihm gelang, auf plausibel wirkende Weise die Bewegung der Planeten ganz ohne Fernwirkungskräfte zu erklären. Die große Bedeutung der Cartesianischen Ideen in der Wissenschaftsgeschichte liegt weniger in ihrem sachlichen Gehalt. Wichtiger ist vielmehr, dass Descartes nicht nur die prinzipielle Gleichheit irdischer und kosmischer Gesetze betonte, sondern auch die stoffliche Einheit der gesamten Welt hervorhob. In diesem Zusammenhang kann man durchaus Analogien zwischen seinem stofferfüllten Kosmos und dem quan-tenmechanischen Vakuum der gegenwärtigen Physik sehen. In den darauffolgenden Jahrzehnten nach Descartes erfreuten sich Versuche mit dem Vakuum wachsender Beliebtheit. Vakua, die durch Auspumpen von Hohlkörpern entstehen, bezeichnet man gewöhnlich als „technische Vakua“. Sie sind von großer praktischer Bedeutung. Der berühmte Magdeburger Bürgermeister und Ratsherr Otto von Guericke (1602-1686) verbesserte beispielsweise die Luftpumpe bis zur Perfektion und konnte mit ihrer Hilfe Gefäße luftleer pumpen. Sein bekanntester Versuch ist wohl der mit den Magdeburger Halbkugeln. 


Er wurde nach seinem Vorschlag 1654 erstmalig durchgeführt und zeigte anschaulich die enorme Kraft des Luftdrucks. Aus dem Innenraum zweier aneinandergesetzter Halbkugeln aus Kupfer ließ er die Luft herauspumpen und es zeigte sich, dass selbst zwei Gespanne von jeweils acht Pferden nicht in der Lage waren, die beiden Halbkugeln zu trennen. Dieses durchaus eindrucksvolle Experiment wird heute noch oft in etwas abgewandelter Form (Pferdemangel) in Physikvorlesungen gezeigt. Weiterhin konnte man schon damals bei weiteren Experimenten feststellen, dass sich im luftleeren Raum zwar Licht, jedoch kein Schall ausbreiten kann. Auch Leben ist im Vakuum nicht möglich. Die Beobachtung, dass sich im Vakuum sowohl Licht als auch Magnetismus ausbreitet (Robert Boyle, 1627-1691) und die von Isaak Newton (1643-1727) postulierte Fernwirkungstheorie der Gravitation zeigte, dass das Vakuum doch nicht völlig eigenschaftslos ist. Denn immerhin musste man ja irgendwie erklären, wieso es möglich ist, dass sich bestimmte Wirkungen durch den leeren Raum ausbreiten. 

Der „Weltäther“

Auf diese Weise entstanden verschiedene Konzeptionen eines raumerfüllenden universellen Äthers, der den absoluten Raum Newtons statisch ausfüllen und zugleich als Medium für die Über-tragung von Fernwirkungen dienen sollte. Mit Hilfe des Äthers wollte man vordergründig die in der Physik auftretenden Fernkräfte auf die einsichtigere Nahwirkungskräfte zurückführen. Dass sich beispielsweis die Gravitation ohne Vermittlung eines Mediums durch den leeren Raum ausbreitet, erschien selbst Newton als völlig absurd. Trotzdem blieb die Ätherhypothese in seiner Mechanik völlig formal. Das Problem der Wechselwirkung konnte die Physik des 17. und 18. Jahrhunderts noch nicht lösen. Als Alternative zur Newtonschen Fernwirkungstheorie wurden solche dubiosen Stoffe wie der Wärmestoff (Phlogiston) oder die Lichtsubstanz vorgeschlagen. Sie sollten unwägbar und Bestand-teile des universellen Äthers sein. Im 18. Jahrhundert ist es dann wieder still um den Äther geworden. Viele Wissenschaftler jener Zeit hatten sich mit der Fernwirkung der Gravitation abgefunden. Die Newtonsche Mechanik, ihr axiomatischer Aufbau und ihre erstaunliche und oft bewunderte Vorhersagekraft wurden schlechthin zum Inbegriff einer wissenschaftlichen Theorie. Neben der Mechanik wurde zu dieser Zeit besonders die Optik gepflegt. Zielgerichtete Experimente und theoretische Untersuchungen führten zu einer Wiederentdeckung der von Christian Huygens (1629-1695) in seiner „trait’de lumie’re“ im Jahre 1678 niedergelegten Idee, nach der das Licht ein Wellenvorgang ist. Damit erklärte er systematisch die geradlinige Ausbreitung, die Brechung und die Reflektion von Licht. Auch entwickelte er 1690 eine scharfsinnige, aber leider nur phänomenologische Theorie der Doppelbrechung, ohne jedoch zu erkennen, dass hinter dieser Erscheinung eine neue fundamentale Eigenschaft des Lichtes steckt. Da jedoch Newton in seiner „Optik“ (1704) der Korpusku-larvorstellung den Vorzug gab, konnte sich aufgrund seiner Auto-rität die Wellenvorstellung nicht durchsetzen. Das änderte sich aber, als es 1801 Thomas Young (1773-1829) gelang, die am Doppelspalt beobachteten Interferenzerscheinungen qualitativ mit der Wellentheorie zu erklären. Die Erfahrung zeigte, dass sich das Licht sowohl durch durchsichtige Festkörper, Flüssigkeiten und Gase als auch durch das Vakuum ausbreiten kann. Damals waren den Wissenschaftlern jedoch nur elastische Wellen bekannt. So stand die Frage, warum sich Lichtwellen sowohl in Körpern hoher Elastizität als auch in Körpern geringer oder verschwindender Elastizität ausbreiten können. Um diese Frage zu beantworten, musste man einen hypothetischen Lichtäther einführen, der sowohl das Mikrovakuum als auch das Makrovakuum (d. h. den leeren Raum zwischen den Himmelskörpern) ausfüllen sollte. Diesen Lichtäther stellte man sich einerseits so extrem dünn vor, dass er die Bewegung der Planeten um die Sonne kaum beeinflussen kann. Andererseits sollte er aber auch elastisch genug sein, damit sich das Licht in Form von longitudinalen Ätherwellen in ihm ähnlich wie Schallwellen in der Luft fortpflanzen kann. Den ersten, sehr ernsten Rückschlag erhielt die Idee des elastischen Äthers durch Augustin Fresnel (1788-1827), der sich in seinen Arbeiten wieder mit der Frage der Polarisation des Lichtes auseinandersetzte. Er stellte experimentell fest, dass bei der Wechselwirkung von zueinander senkrecht polarisierten Lichtstrahlen keine Interferenz auftritt. Diese Beobachtung kann man jedoch nur erklären, wenn man annimmt, dass das Licht transversalen Charakter besitzt. Oder anders ausgedrückt: Das Licht ist keine Longitudinalwelle wie beispielsweise eine Schallwelle, sondern eher eine Transversalwelle, wie sie in Festkörpern auftritt. Der Nachweis der Transversalität der Lichtwellen bedeutet demnach, dass sich der Lichtäther ähnlich wie ein Festkörper verhalten muss. Dem widerspricht aber eindeutig die Bewegung der Planeten um die Sonne. Die Entdeckung, dass dem Licht Transversalwellencharakter zuzuschreiben ist, ist ja der eigentliche Kernpunkt des Dilemmas mit dem Äther. Dem Äther mussten Festkörpereigenschaften zugeschrieben werden, wenn er als Trägermedium für das Licht dienen soll. Um die liebgewordene Ätherhypothese zu retten, blieb nichts anderes übrig, als den Lichtäther mit neuen, sich zum Teil widersprechenden Eigenschaften auszustatten. Im Endeffekt konnte man ihm nur einige wenige mechanische Eigenschaften theoretisch widerspruchsfrei zuschreiben. Er sollte ein ruhendes, den ganzen kosmischen Raum ausfüllendes, quasistarres Substrat sein, welches die Aus-breitung von Licht ermöglicht und außerdem ein absolutes Bezugssystem darstellt. Die mechanische Äthertheorie übte jedoch einen solchen Reiz auf die Wissenschaftler aus, dass man trotz der sich immer mehr verschärfenden inneren Widersprüche an einer Präzisierung der eigentlich unhaltbaren Prämissen festhielt. Gelehrte wie Augustin Louis Cauchy (1789-1857), Franz Ernst Neumann (1798-1895) und George Gabriel Stokes (1819-1903) haben daran, wenn auch letztendlich erfolglos, gearbeitet. Noch verwirrender wurde die Situation als es galt, die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre und des Magnetismus in dieses Bild einzuarbeiten. Schon seit langem wusste man, dass die Elektrizität und der Magnetismus durch das Vakuum hindurch wirksam sind. Um diese Wirkung adäquat beschreiben zu können, führte der englische Physiker Michael Faraday (1791-1867) den Begriff des elektrischen und magnetischen Feldes ein. Er schuf die experimentellen Grundlagen für die erste große Synthese zweier Kräfte (Faraday’sches Induktionsgesetzt), die James Clerk Maxwell (1831-1879) dann auch mit seiner Theorie des Elektromagnetismus vollzog. Diese Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Seine berühmten vier Gleichungen beschreiben die Struktur des elektromagnetischen Feldes, das demnach durchaus real existiert und neben der Substanz eine neue Art von Materie (im physikalischen Sinn) darstellt. Die Maxwellsche Theorie war die erste echte Feldtheorie in der Geschichte der Physik. Eine Interpretation im Rahmen mechanischer Vorstellungen erwies sich jedoch weiterhin als sehr schwierig, wenn nicht ganz unmöglich. Da man auf die Äthervorstellung nicht verzichten wollte, war man gezwungen, ihn weiter zu modifizieren. Auf diese Weise entstanden teilweise unheimlich anmutende Modelle mit einander berührenden Ätherwirbeln und daraus resultierenden Ätherdrücken und Ätherspannungen. Diese Modelle ebneten jedoch den Weg zu der Erkenntnis, dass sich die elektromagnetischen Erscheinungen letztendlich nicht auf die Mechanik zurückführen lassen. Eine unerwartete Konsequenz der Maxwellschen Gleichungen war die Vorhersage elektromagnetischer Wellen. Aus der Theorie konnte man nämlich eindeutig ableiten, dass eine beschleunigt bewegte elektrische Ladung immer elektromagnetische Strahlung emittiert, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet und dabei Energie transportiert. Elektromagnetische Wellen in Form von Radiowellen wurden einige Zeit später von Heinrich Hertz (1857-1894) experimentell nachgewiesen. Außerdem wurde recht schnell klar, dass das Licht eine elektromagnetische Wellenerscheinung ist. Damit erhielt auch die Optik ein neues Fundament. Was nur noch ausstand, war der direkte Nachweis des Lichtäthers. Überlegungen von Maxwell, aber auch von Hermann Helmholtz (1821-1894) deuteten darauf hin, dass es möglich sein sollte, experimentell eine Bewegung der Erde gegenüber dem als ruhend angenommenen Weltäther festzustellen. Das entsprechende Experiment wurde 1881 von Albert Abraham Michelson (1852-1931) und in stark verbesserter Form 1887 zusammen mit Edward Williams Morley (1838-1923) durchgeführt. Mit Hilfe einer scharfsinnig ersonnenen und präzise aufgebauten Interferometeranordnung (man spricht von einem Michelson-Interferometer) versuchten sie die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen einem Lichtstrahl in Richtung der Erdbewegung und einem dazu senkrechten Strahl zu messen. Wenn das Licht eine Ätherwelle ist, dann sollten sich in Bewegungsrichtung der Erde die Lichtgeschwindigkeit und die Erdgeschwindigkeit addieren. Bei Existenz eines Lichtäthers hätte man demnach eine Ge-schwindigkeitsdifferenz messen müssen. Das Experiment und auch alle Folgeexperimente mit immer höherer Genauigkeit ver-liefen jedoch in jeder Hinsicht negativ. 

Die Überwindung des „Weltäthers“

Es gibt schlicht keinen „Ätherwind“ und damit auch keinen „Lichtäther“. Stattdessen ergab sich die anschaulich nur schwer zu akzeptierende Erkenntnis: Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum ist vom Bewegungszustand eines Beobachters völlig unabhängig. Während man die Nichtexistenz des Äthers mit seinen exotischen Eigenschaften durchaus verschmerzen konnte, führte die daraus abgeleitete Konstanz der Vakuumlichtgeschwindigkeit zu neuen Konflikten. Es zeigt sich, dass damit die sogenannten Galilei-Transformationen - eine der Grundpfeiler der Klassischen Mechanik - ihre Gültigkeit verlieren. Geschwindigkeiten, die nahe an der Lichtgeschwindigkeit von ~300.000 km/s liegen, lassen sich nicht mehr einfach addieren. Die „Zeit“ selbst ändert sich und hängt vom Bewegungszustand des Bezugssystems ab. Diese wahrhaft revolutionäre Erkenntnis verdanken wir Albert Einstein (1879-1955). 1905 veröffentlichte er die Spezielle Relativitätstheorie, mit der er die Raum-Zeit-Auffassungen der klassischen Physik einer grundlegenden Revision unterwarf. Damit wurden auch der Ätherhypothese endgültig die Grundlagen entzogen. Das Vakuum erwies sich im klassischen Sinn als wirklich leer. Was blieb, waren Teilchen und Felder. Die weitere Geschichte des Vakuums wird durch die ungefähr zur gleichen Zeit entstandene Quantenphysik bestimmt. 

Das Quantenvakuum

Insbesondere die Entwicklung relativistischer Quantenfeldtheorien führte zu einem neuen und völlig unerwarteten Vakuumbegriff. Es wurde quasi ein neuer „Äther“ entdeckt, der mit seinem klassischen Vorbild nichts mehr zu tun hat, nichtdestotrotz existent ist und sich in Experimenten messbar bemerkbar macht. Er entsteht dadurch, indem man aus einem Raumgebiet sämtliche realen Elementarteilchen, also Protonen, Neutronen, Elektronen, Photonen und Neutrinos (um nur einige zu nennen) entfernt. Das auf diese Weise entstandene Vakuum bezeichnet man als physikalisches Vakuum oder kurz „Quantenvakuum“. Es stellt quasi die experimentell maximal erreichbare „Leere“ dar. Vom mathematischen Vakuum unterscheidet es sich durch den Umstand, dass es weiterhin mit Feldern, die sich in ihrem energetischen Grund-zustand befinden, durchsetzt ist. Das mathematische Vakuum stellt dagegen lediglich eine Abstraktion dar. Es lässt sich prinzipiell nicht herstellen. Das „Quantenvakuum“ ist das maximal erreichbare „Nichts“ der Natur. Klassisch lassen sich ihm Eigen-schaften wie eine endliche elektrische und magnetische Feldkonstante zuordnen, deren Wurzel ihres Produktes gerade den Kehrwert der Vakuum-Lichtgeschwindigkeit ergibt. Quantenmechanisch stellt es den tiefsten stabilen Zustand dar, den ein Raumgebiet bei Durchsetzung mit physikalischen Feldern annehmen kann. Dazu muss man wissen, dass in Quantenfeldtheorien jedes Elementarteilchen durch ein Feld beschrieben wird. Ein derartiges Quantenfeld im Vakuumzustand bedeutet, dass keine realen Elementarteilchen vorhanden sind, d. h. die sogenannte Nullpunktsenergie des Feldes (sie ist immer größer Null) reicht nicht aus, um „reale Teilchen“ zu erschaffen. Sie reicht aber aus, dass ständig sogenannte virtuelle Teilchen und Antiteilchen entstehen, die aber innerhalb einer Zeitschranke, die durch die Heisenbergsche Energieunschärfebeziehung gegeben ist, wieder vergehen. Die von der Quantentheorie vorhergesagten „Nullpunktfluktuationen“ zeigen, dass das Quantenvakuum nur im Mittel „leer“ erscheint. Es verhält sich, um einmal eine Analogie zu bemühen, wie die Oberfläche des Ozeans, betrachtet aus einer Raumstation. Je mehr man sich beim Abstieg ihrer Oberfläche nähert, umso stärker treten ihre Wellen in Erscheinung. Könnte man das physikalische Vakuum bis auf eine Längenskala in der Größenordnung der Planck-Länge (~10^-35 m) auflösen, würde man so etwas wie einen „Quantenschaum“ höchster Dynamik erkennen - quasi einen brodelnden See aus Teilchen und Antiteilchen aller Art. Das Quantenvakuum enthält demnach virtuell das gesamte Teilchenspektrum aller bekannten und noch unbekannten Elementarpartikel. Schon deshalb ist zu erwarten, dass das physikalische Vakuum direkten Einfluss auf die beobachtbaren Parameter, wie beispielsweise auf die elektrische Ladung eines Elementarteilchens, nimmt. Und genau das ist auch der Fall, wie eine Vielzahl von Experimenten zeigen. Unter bestimmten Bedingungen können die virtuellen Teilchen „materialisieren“, d. h. zu realen Teilchen werden. Das geschieht beispielsweise bei Zusammenstößen von Elementarteilchen in Teil-chenbeschleunigern oder in der unmittelbaren Nähe des Ereignishorizontes eines Schwarzen Loches. Im letzteren Fall spricht man von der Hawking-Strahlung (benannt nach ihrem Entdecker Stephen Hawking), die dazu führt, dass auch Schwarze Löcher letztendlich nicht ewig leben. Eine wichtige Eigenschaft des Quantenvakuums ist, dass ihm raum-zeitliche Bezüge fehlen, oder, anders formuliert, ein Beobachter darf niemals relativ zur „Nullpunktstrahlung“ des Quantenvakuums seinen eigenen Bewegungszustand festzustellen in der Lage sein. 

Der Unruh-Effekt

Diese Forderung führt zu interessanten Konsequenzen, wie bereits 1976 der kanadische Physiker William G. Unruh festgestellt hat. Er hat sich dazu ein „Gedankenexperiment“ ausgedacht, dass ich hier, ohne zu sehr die technischen Termini zu bemühen, kurz vorstellen möchte, da es zeigt, wie man reale Wärmestrahlung aus dem Quantenvakuum erzeugen kann. Eine Aufzugskabine aus einem ideal elektrisch leitenden Material (diese Einschränkung ist notwendig, damit keine elektromagnetische Strahlung von „außen“ in den Kasten eindringen kann, Stichwort universeller Faraday’scher Käfig) befinde sich irgendwo im Kosmos weitab von störenden Gravitationsfeldern. Im Inneren wie auch außerhalb des Kastens herrsche absolutes Vakuum. Die Frage, die sich William Unruh gestellt hat, ist: „Was passiert, wenn dieser Aufzugskasten gleichmäßig beschleunigt wird?“ Wie man bereits im Rahmen der klassischen Elektrodynamik zeigen kann, emittiert genau in dem Augenblick, bei dem die Beschleunigung einsetzt, der ideal leitende Kabinenboden eine elektromagnetische Welle, die sich in Richtung Decke mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Dort wird sie reflektiert, wobei sie einen kleinen Teil ihrer Energie an die Decken-Atome abgibt. Dabei werden Photonen emittiert, deren Spektrum rein thermisch ist und damit dem Planck’schen Strahlungsgesetz gehorcht. Als Ergebnis des Beschleunigungsvorgangs erhält man im Inneren der Aufzugskabine ein stark verdünntes Photonengas aus realen Photonen. Gedanklich macht es überhaupt keine Schwierigkeiten, diese Photonen aus dem Inneren der Kabine abzusaugen und damit zu entfernen. Man muss lediglich die Kabine entsprechend abkühlen. Auf diese Weise entsteht im Kabineninneren wiederum ein Vakuum, das sich aber deutlich von dem Vakuum außerhalb des Kastens unterscheidet. Am deutlichsten erkennt man das, wenn man jeweils einen Photonen-Detektor innerhalb und außerhalb des Aufzugs anbringt und ihre Ausschläge vergleicht. Während der innere Detektor in Bezug auf das Kasteninnere in Ruhe ist, bewegt sich der außen angebrachte Detektor in Bezug auf das umgebende Vakuum beschleunigt. Er muss deshalb auf die Nullpunktfluktuationen des Quantenvakuums reagieren und zeigt deshalb die Präsenz realer Photonen an, während der Detektor im Inneren des Aufzugskastens keinen Ausschlag zeigt. Das bedeutet, dass sich das „innere“ Vakuum auch energetisch von dem „äußeren“ Vakuum unterscheiden muss. Das äußere Vakuum ist ja gerade durch den Umstand, dass seine Energie im Mittel verschwindet, definiert. Akzeptiert man diese Definition, dann ist es vernünftig, dem Vakuum im Inneren des Aufzugskastens eine negative Energie zuzuordnen. Eine Annäherung beider Vakua-Energien ist nur insofern möglich, wenn man die „abgesaugten“ Photonen wieder in den Kasten einbringt. Dann würde sich das „äußere“ Vakuum nicht mehr von dem „inneren“ Vakuum unterscheiden und beide hätten die gleiche Energie. Aus diesen Betrachtungen folgt, dass sich für einen beschleunigten Beobachter dem Spektrum der „Nullpunktstrahlung“ ein Schwarzkörperspektrum überlagert, was dazu führt, dass sich die Nullpunktfluktuationen verstärken. Er bekommt demnach den Eindruck, als ob er sich in einem Strahlungsfeld mit einer von der Größe der Beschleunigung abhängigen Temperatur bewegt. Eine interessante Übungsaufgabe für einen angehenden theoretischen Physiker ist es deshalb, auszurechnen, wie stark man den Aufzug im völlig leeren Weltraum beschleunigen muss (und zwar ohne die Photonen abzusaugen), damit sich sein Inneres in einen komfortablen Backofen verwandelt... (Lösung ~1,2*10^23 m/s²). Dieses Szenario entspricht übrigens ziemlich genau - wegen der Äquivalenz zwischen Schwerkraft und Beschleunigung - den Verhältnissen im Bereich des Ereignishorizontes eines genügend kleinen Schwarzen Lochs. Nutzt man den dortigen Wert für die Schwerebeschleunigung, dann erhält man auch eine entsprechende Unruh-Temperatur und ein damit verbundenes thermisches Strahlungsfeld, die bereits erwähnte Hawking-Strahlung. Solche und ähnliche Überlegungen zeigen, dass die kosmische Leere eine ganz spezielle „Leere“ ist, die sich im Licht der modernen Quantenfeldtheorien als ein hoch dynamischer Untergrund der Welt, als ein Quantenvakuum, entpuppt - quasi ein neuer „Äther“, der mit der klassischen Äthervorstellung nichts mehr zu tun hat. Wenn man den „Weltanfang“ verstehen möchte, muss man auf geeignete Weise das Quantenkalkül in die Beschreibung dieses „Anfangs“ (was für uns einen Anfang in der Zeit bedeutet) mit einbeziehen. Dieser Aufgabe unterzieht sich die sogenannte „Quantenkosmologie“, die sich u. a. bemüht, das Singularitätenproblem der klassischen Kosmologie zu lösen (unendlich kleiner und dichter Materiezustand zum Zeitpunkt Null). Sie ist zwar immer noch hochgradig hypothetisch, aber es scheint so, dass sie vielleicht einmal in der Lage sein wird, den „Urknall“ physikalisch zu erklären. Ihre Grundlage bildet die sogenannte Quantengravitation, d. h. eine Theorie, die auch die Schwerkraft quantenphysikalisch einbezieht und von der es gegenwärtig zwar eine ganze Anzahl verschiedener theoretischer Ansätze, aber noch keine ausgearbeitete Theorie gibt. Das ist zu beachten, wenn man etwas über Branenwelten, Schleifen-Quantengravitation, ekpyrotische Universen oder ähnliches liest. 
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Montag, 14. Dezember 2015

Was bleibt nach dem Tode, wenn nicht bleibt, wenn nicht bleibt der Ruhm?



Es gibt immer wieder auf den ersten Blick unbedeutende Ereignisse, welche die Weltgeschichte in die eine oder andere Richtung umzulenken vermögen. Eine spezielle Gruppe derartiger Ereignisse hat Stefan Zweig (1881-1942) einmal „Sternstunden der Menschheit“ genannt. Sein gleichnamiges schmales Büchlein von 1927 bzw. (die Erweiterung) von 1943 sollte eigentlich jeder einmal gelesen haben. Ich möchte hier nur drei „Sternstunden“ kurz erwähnen, die mich besonders stark beeindruckt haben: „Die Eroberung Byzanz’s“ im Jahre 1453 durch Sultan Mehmed II.; „Leo Tolstois Tod“ und der „Kampf um den Südpol“ – die tragische Geschichte des Polarforschers Robert Falcon Scott (1868-1912).

... wenn nicht bleibt der Ruhm? - Robert Falcon Scott


„Was bleibt, was bleibt nach dem Tode, wenn nicht bleibt, wenn nicht bleibt der Ruhm? – Große Tat, großes Menschentum!“ heißt es in dem Song von „Stern Meißen“ aus dem Jahre 1976, die sich von dieser Geschichte inspiriert fühlten (der Text, der leicht im Internet zu finden ist, stammt übrigens von Kurt Demmler). Robert Falcon Scott war genauso wie sein Widersacher Roald Amundsen (1872-1928) kein Anfänger in Polardingen, als er am 1. November 1911 seinen Marsch ohne Wiederkehr in Richtung Südpol antrat. Er hatte zu diesem Zeitpunkt zusammen mit Edward Adrian Wilson (1872-1912) und Ernest Shackleton (1874-1922) schon einmal den Versuch unternommen, den Südpol zu erreichen. Während der sogenannten Discovery-Expedition (benannt nach dem Schiff, welches sie in die Antarktis trug) überschritt er immerhin den 82. südlichen Breitengrad, was damals ein Rekord war. Wenn einer den Südpol erreichen konnte, dann wer, wenn nicht er. Und so bereitete er sich und seine Begleiter, darunter wieder der Ornithologe Edward A. Wilson, auf eine neue Expedition vor, die als „Terra-Nova-Expedition“ (auch hier war wieder das Schiff der Namensgeber) in die Geschichte der Polarforschung eingegangen ist. Sie verlief dahingehend erfolgreich, dass Scott und seine drei Gefährten (Edward A. Wilson, Henry R. Bowers und Edgar Evans) am 17. Januar 1912 ihr Ziel, den Südpol, erreichten. Aber dort war bereits knapp 5 Wochen zuvor der Norweger Roald Amundsen im Rahmen der Amundsen-Fram-Expedition (am 14. Dezember 1911) angekommen und hatte als Zeichen seines Erfolges die norwegische Fahne gehisst. Der Rückweg der Briten über das Ross-Schelfeis gestaltete sich danach desaströs und endete mit dem Tod der letzten drei Expeditionsteilnehmer um den 29. März 1912, nach dem Edgar Evans bereits zuvor an den Folgen eines Unfalls (er fiel in eine Gletscherspalte und erlitt eine Gehirnerschütterung, von der er sich unter den strapaziösen Bedingungen der Antarktis nicht mehr erholt hat) verstorben war. Dieser Rückmarsch über 1000 Kilometer lässt sich sehr gut rekonstruieren, da Robert Scott regelmäßig Tagebuch geführt hatte, welches man später, im November 1912, zusammen mit seinen sterblichen Überresten auffand. In der Folgezeit wurde diese Expedition als tragisches Wettrennen zwischen Scott und Amundsen verklärt und in vielerlei Art literarisch verarbeitet. „Was bleibt nach dem Tode, wenn nicht bleibt, wenn nicht bleibt der Ruhm?“, heißt es, wie gesagt, bei „Stern Meißen“. Die in das Eis des antarktischen Rosseis-Schilds eingeschlossenen Leichen von Scott, Wilson und Bowers werden durch die Gletscherdrift wahrscheinlich um das Jahr 2270 in das Rossmeer entlassen.

Der Walfänger „Terra nova“

Ihre heutige Position ist unbekannt. Interessant ist auch die Geschichte des von der Scott-Expedition verwendeten, polartauglichen Seglers „Terra nova“, eines ehemaligen Walfängers. Sie war insgesamt fast 60 Jahre in den Polarmeeren beider Hemisphären unterwegs, bis sie dann 1943 bei einer Kollision mit einem Eisberg vor Grönland sank (die 24-köpfige Besatzung konnte damals von der US-Küstenwache gerettet werden).
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