Sonntag, 27. Juli 2014

Russischer Bär Euplagia quadripunctaria



Bei unserer heutigen (27.07.2014) Wanderung auf die Burg Scharfenstein bei Bensen / Nordböhmen flog uns dieser frisch aus der Puppe geschlüpfte Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) vor die Kameralinse. Dieser Bärenfalter, der tagaktiv ist, gilt als selten. Er kommt nur noch lokal an felsigen und ausnehmend warmen Stellen vor. Ich kenne ihn nur vom Kostial bei Trebnitz im Böhmischen Mittelgebirge und vom Ronberg bei Graber unweit von Auscha, auch in Nordböhmen. 









www.wincontact32.de

Samstag, 26. Juli 2014

Ein paar Wanzenfotos der letzten Tage (Ende Juli 2014)...


Baumwanze (wahrscheinlich Arma custos)







Blindwanze  Calocoris norvegicus



Grüne Stinkwanze (Larve) Palomena prasina







Larve einer Randwanze



www.wincontact32.de

Freitag, 25. Juli 2014

Wiesenknopf-Ameisenbläuling-Schlupfwespe Neotypus melanocephalus


Die hoch spezialisierte Schlupfwespe Neotypus melanocephalus legt ihre Eier ausschließlich an die Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea nausithous). Sie fressen nur wenige Tage innerhalb der Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) und werden während dieser Zeit - wie das Foto zeigt - von der Schlupfwespe gesucht und angestochen. Die parasitierte Raupe kann ihre "normale" Entwicklung zwar zunächst fortsetzen, d.h. sie wird quasi von Garten- und Wiesenameisen adoptiert (die Bläulingsraupe gibt "süße" Sekrete ab, auf die die Ameisen ganz wild sind) und in ihre Hügelnester (sehen wie Maulwurfshügel aus, sind aber mit Gras durchsetzt) verbracht. Dort ernährt sie sich als "Mordraupe" mehrere Wochen von der Ameisenbrut und verpuppt sich später auch darin. Erst jetzt beendet der Parasit das Leben der Raupe/Puppe und aus der Puppenhülle schlüpft im Folgejahr anstatt eines Falters schließlich eine "neue" Schlupfwespe! Arten, die sich in einem solch komplexen Beziehungsgefüge entwickeln, weisen eine dementsprechend hohe Gefährdungsrate auf. Wird nur ein "Baustein" darin gestört, sind die abhängigen Arten in ihrer Existenz bedroht. Die Aufnahme dieser ansonsten sehr seltenen Schlupfwespe entstand auf den Mandauwiesen bei Zittau in der Oberlausitz.




www.wincontact32.de

Mittwoch, 23. Juli 2014

Eine Wanderung in den Ausläufern des Jeschkengebirges bei Christophsgrund (Nordböhmen)

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau


Eine Anreisemöglichkeit z.B. von Zittau besteht u.a. durch eine Zugverbindung (z.Zt. 4 Mal täglich in beide Richtungen). Da Christophsgrund (Kryštofovo údolí) lediglich 25 Kilometer von Zittau entfernt ist, steht auch einer Fahrradtour hier her nichts im Wege. Wir haben die neue Schnellstraße mit dem Auto von Zittau Richtung Reichenberg (Liberec) genutzt, die am 01. Juli 2014 eröffnet wurde. 

Bevor wir >>Schusters Rappen<< bemühen schauen wir uns in dem Bergdorf Christophsgrund noch ein wenig um. Christophsgrund gilt mit seinen malerischen Umgebindehäusern als das schönste Dorf des Jeschkengebirges, was uns etwas neugierig macht. Um es vorweg zu nehmen, unsere Erwartungen wurden bestens erfüllt. Ohne auf die Details der wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieses Bergdorfes einzugehen möchte ich sie hier einmal kurz in Wort und Bild vorstellen:


Statue des hl. Johannes von Nepomuk auf der Kirchbrücke

Holzkirche St. Christophorus mit freistehendem Glockenturm, erbaut 1683-1684

Ein Blick durch die vergitterte Glastür in das Innere dieser Holzkirche

Spieluhr von Christophsgrund in einer ehem. Transformatorenstation, sie ist der astronomischen Uhr auf dem Altstädter Ring in Prag nachempfunden


Kapelle der "Schmerzreichen Jungfrau Maria", steht unmittelbar an der Hauptstraße

Ein für die Region typisches Umgebindehaus unweit der Kirche
 
Ein Denkmal für die Gefallenen des 1.Weltkrieges dieser 3 Ortsteile

Erwähnt sei an dieser Stelle noch das sehenswerte Weihnachtskrippenmuseum im Ort, dessen ältestes Exponat der Tiroler Figuren aus dem Jahre 1846 stammt.


Die Wanderroute über 15 Km ist wegen ihrer Steigungen nicht zu unterschätzen!

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz im Zentrum von Christophsgrund im stetigen bergauf. Wir orientieren uns an der grünen Wegmarkierung, die uns zum >>Kammweg<< führen wird.


Umgebindehäuser, liebevoll erhalten und gepflegt, wie hier an der Hauptstraße

Auch die kleinen "Wanderer" nutzen das schöne Ausflugswetter
Die Route streift gleichzeitig den Ortsteil "Neuland". Unweit unserer Wegstrecke befindet sich der 818 m lange "Neuländer Tunnel" der Nordböhmischen Transversalbahn (Severočeská transverzálka). Dieser Tunnel ist Teil der Bahnverbindung zwischen Reichenberg (Liberec) und Niemes (Mimoň).


Ausschnitt aus einer Informationstafel am Tunnel in Neuland

818 m langer Tunnel zwischen dem OT Neuland (Novina) und Kriesdorf (Křižany)

Interessante Annäherung zwischen Straße und Eisenbahn

Zurück auf unseren grün markierten Wanderweg geht es nun weiter bergauf zum Kammweg. Der Kammweg (ursprünglich vom Jeschken zum Rosenberg) wurde mit einem vierzinkigem Kamm markiert. Wir erreichen den Kammweg an einem markanten Punkt, und zwar an der "Kapelle des heiligen Christophorus". Diese Kapelle entstand im Jahre 1763. Das sakrale Bauwerk liegt in einem Sattel zwischen dem Kleinen Kalkberg (Malý Vápenný) und der Scheuflerkoppe (Lom). An dieser Stelle befindet sich gleichzeitig ein schöner Rastplatz, der zu einer erholsamen Wanderpause einlädt.


Rastplatz an der Kapelle des heiligen Christophorus

Kapelle des heiligen Christophorus (Kaple sv. Kryštofa)

Kreuzung der Wanderwege am Kammweg unweit von Christophsgrund-Neuland

Die Wegmarkierungstafel für den neuen Kammweg an der Christophorus Kapelle

Unser nächstes Zwischenziel ist der Kriesdorfer Sattel (Křižanské sedlo), den wir schon nach ca. 20 Minuten erreichen. An dieser Straßen- und Wegekreuzung, wurde von den Einwohnern von Christophsgrund eine Sandsteinskulptur aus Dankbarkeit errichtet, weil ihr Dorf im Siebenjährigen Krieg verschont blieb. Dargestellt ist die Jungfrau Maria, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn Jesus beweint. Auch hier wurde ein überdachter Platz zum Verweilen eingerichtet.
 

Kriesdorfer Sattel (Křižanské sedlo) mit Pieta und Rastplatz

Sandsteinskulptur am Kriesdorfer Sattel, dargestellt die Jungfrau Maria, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn Jesus beweint

Für den weiteren Verlauf unserer Wanderung, jetzt auf dem "Kammweg", bietet sich für einen Abschnitt über 3,5 Kilometer (bis zum Dänstein (Dánské kameny)), eine Forstweg-Alternative mit geringerem Anstieg zur Originalroute (die über den 672 m hohen Bukovina führen würde) an, die wir nutzen, da sie auch einige hübsche Aussichten in die weite Landschaft bietet.

Schon nach kurzer Entfernung bieten sich herrliche Blicke in die weite liebliche Landschaft


Ganz links kann man die Bösig-Berge erkennen und rechts den Roll-Berg, in der Bildmitte liegen die Berge bei Hammer am See

Längs unserer Wanderung sollte man neben den landschaftlichen Genuß auch immer wieder einmal den Blick für Flora und Fauna schärfen.


Der Wald ist ein Eldorado für viele Insekten wie hier z.B. der Kleine Fuchs (Aglais urticae) auf eine Spiere, unweit des Kammweges


Hier eine Aufnahme vom Grünen Perlauge (Chrysopa perla) aus der Fam. der Florfliegen

Dann endlich zeigt sich der sonst weithin sichtbare Jeschken, "Hausberg" vieler Anlieger-Ortschaften, zum ersten Mal an unserem Weg


Der imposante 1012 m hohe Jeschken (Ještěd) mit seinem futuristisch anmutenden Turm, der unter seiner Hülle ein Hotel verbirgt

Nach den 3,5 Kilometern vom Kriesdorfer Sattel sind wir am Abzweig zum Dänstein (Dánské kameny) angekommen, wo sich eine kleine Wanderpause anbietet.


Neben den Hinweis zum Dänstein sieht man auch die Zeichen vom Zittauer Jakobsweg, die stilisierte Muschel in gelb auf blauem Untergrund


Der Dänstein ist ein interessanter und mächtiger Quarzit-Felsen

Durch die inzwischen hoch gewachsenen Bäume ist die erhoffte Sicht Richtung Norden leider sehr eingeschränkt

Wären wir die etwas anstrengende Originalroute über den Bukovina und die Moiselkoppe (Malý Ještěd) gegangen (ich habe es in einer vorangegangenen Wanderung gemacht), dann wären wir zu einem ehemals sehr beliebten Platz unserer Altvorderen gekommen, und zwar an die >>Jäckelbaude<<, genannt nach dem ehemaligen Finanzwächter und Eigentümer Wenzel Jäckel. Über diesen Berg führte einst auch einer der bekanntesten Schmugglerwege der Region. Hier einmal eine historische Ansichtskarte:


Die Jäckelbaude am Südhang der Moiselkoppe (Malý Ještěd), 
AK: mit freundlicher Genehmigung von >Ansichtskarten-Lexikon<
Nachdem die Deutschen nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurden, verfiel die Baude schrittweise, bis sie schließlich von der Forstverwaltung abgerissen wurde.Von der 1906 eröffneten Baude sind nur noch Fundamentfragmente zu finden. Auch der ehemals herrliche Blick in die wunderschöne Landschaft ist heute in dieser Form wegen der hoch gewachsenen Vegetation nur noch vereinzelt gegeben.
 

Blick zum Roll-Berg vom ehemaligen Standort der Jäckelbaude

Am Kammweg wird diese Jäckelbaude nicht in Vergessenheit geraten

Aber wir waren ja in unserem Wanderbericht gerade noch beim Dänstein. Nun, nach weiteren 1,5 Kilometern vom Rastplatz am Dänstein haben wir den Auerhahnsattel (Tetřeví sedlo) bzw. die Örtlichkeit Ausgespann (Výpřež) erreicht, was zugleich der Wendepunkt für unsere Wanderung ist.Wo heute ein großer Parkplatz für Fahrzeuge aller Art errichtet wurde, um den Jeschken von hier aus zu besteigen, wurden früher die Pferde gewechselt, daher der Name >>Ausgespann<<.


Der große Parkplatz am Fuße des Jeschken am >>Ausgespann<<

Wir sind dem Jeschken inzwischen deutlich näher gekommen, Blick vom >>Ausgespann<<

Vom Ausgespann (Výpřež) wären es noch 3 Kilometer bis zum Jeschken-Gipfel

So, wie in nachfolgender Ansichtskarte gezeigt, haben unsere Altvorderen den Blick zum Jeschken und dem ehemaligen Jeschkenhaus gehabt.


Blick zum Jeschken mit dem "Altem Jeschkenhaus"

Für den 4 Kilometer langen Rückweg im stetigen bergab vom Auerhahnsattel (Tetřeví sedlo) bzw. dem Ausgespann (Výpřež) nach dem OT Neuland (Novina) gilt ab hier die blaue Wegmarkierung. Unsere Wanderung führt zugleich durch das Quellgebiet des Eckersbaches (Rokýtka), der uns nach Neuland größtenteils begleiten wird. In Neuland erwartet uns, aber vor allen Dingen die Eisenbahn-Fans, ein technisches Highlight, das "Neuländer Viadukt". 

Aber bevor es soweit ist, und wie in vorangegangenen Abschnitten bereits gezeigt, haben wir auch immer wieder einen Blick für die begleitende Flora und Fauna. Hier drei weitere Beispiele:


Insekten an den unterschiedlichsten Glockenblumen

Schmetterlinge waren ständige Begleiter, so wie hier z.B. ein Admiral (Vanessa atalanta)

Das üppige Nahrungsangebot nutzt auch ein kleiner Schmalbock, der hier in großer Zahl anzutreffen ist

Nun aber zum Neuländer Viadukt, dass von den Einsenbahnfans ein häufig fotografiertes Objekt der Begierde ist.Die Besonderheit dieses Viaduktes ist, der gekrümmte Verlauf bei der Talüberquerung.


Das "Neuländer Viadukt" mit einer Höhe von 34 m und einer Länge von 198 m


Auch dieser Ansicht zeigt sehr gut die Krümmung des Viaduktes

Dieses Viadukt, entstanden um 1900 und ist ein bedeutendes technisches Denkmal der Region.


Neuländer Viadukt 
Quelle: Zeitschrift des "Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines" Nr. 9/1901, vom 1. März 1901

Der Bahnhof von Neuland (Novina)

Unsere erlebnisreiche Rundwanderung mit dem Ausgangs- und Zielort "Christophsgrund" geht am Parkplatz im Zentrum dieses Bergdorfes zu Ende.


Zentrum von Cristophsgrund, mit Informations- und Parkmöglichkeiten
Diese Tour möchte ich allen Natur- und Wanderfreunden weiter empfehlen. Gut vorbereitet kann es ein Weg der Sinne und Erlebnisfreude sein (Hinweis: Es sind ca. 740 m im Aufstieg und 740 m im Abstieg zu bewältigen!).

Für alle Naturfreunde, die diese Wanderung nicht unternehmen können, hoffe ich dennoch die Schönheiten dieser Region etwas näher gebracht zu haben.

Viel Freude
Werner
www.wincontact32.de

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Interessante Blogs Blog-Webkatalog.de - das Blogverzeichnis