Montag, 22. Oktober 2018

Brauner Feuerfalter

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf

















Sonntag, 21. Oktober 2018

Wanderung zu den Felsenburgen in der Jitschiner Region und zum Berg Tabor

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Am östlichen Rand des Lausitzer Gebirges schließt sich der Jeschkenkamm an, der sich in süd-östliche Richtung erstreckt und - geteilt durch den Lauf der Iser - seine Fortsetzung im Kosakowkamm findet. Der Jeschken-Kosakow-Kamm (Ještědsko-kozákovský hřbet) bildet zugleich die südliche Begrenzung des der Sudeten. Der Höhenzug verliert sich dann etwa im Raum Jitschin (Jičín). In dieser Gegend finden wir aber noch einige höchst interessante Wanderziele.

In Lhota Bradletz (Bradlecká lhota) beginnen wir unseren Rundkurs und steigen zunächst nach Osten zum Kamm auf. Die Äste der Apfel- und Pflaumenbäume am Wege ächzen unter der schweren Last der Früchte, die in diesem Jahr reichlich gediehen sind. Am Ende des Anstieges sehen wir zunächst im Wald ein beträchtliches Basaltmassiv. Bei näherem Hinschauen erkennen wir auf den Felsen die offensichtlichen Reste einer Burg, zu denen ein Ringweg hinauf führt. Es sind die Reste der einst mächtigen Burg Bradletz, die bereits seit 1442 wüst ist, nachdem sie aufgrund ihrer räuberischen Bestimmung von der Ritterschaft der Umgebung geschliffen wurde. Ihre Reste zeugen von beträchtlichen Ausmaßen dieser Anlage.

Wie namentlich in den Zeiten, wo's noch keine stehende Heere gab, jeder Krieg, so fand auch das Ende der Kämpfe gegen die Husiten eine Menge Söldner, die sich nicht wieder zu einer ruhigeren Lebensweise bequemen mochten. Sie rotteten sich in Banden zusammen, die mit Raub und Plünderung ihr früheres Leben auf Kosten Anderer fortsetzten und um eine sichere Zufluchtstätte zu haben, sich mehrer Burgen, besonders in der Jičíner Gegend bemächtigten. Darunter scheint auch Bradletz gewesen zu sein. Von da aus unternahmen sie ihre Raubzüge und trieben ihr Unwesen fort, bis endlich die Ritterschaft der Umgebung sich aufraffte und eines der Raubnester nach dem andern überfiel und zerstörte. Die Zerstörung von Bradletz wird in das Jahr 1442 gesetzt und seit der Zeit ward die Burg auch nicht wieder aufgebaut.“ (*)

Das eigentlich Ziel war aber die Ruine der Kumburg, von der sich ein grandioser Rundblick, vor allem auf den Kamm des Riesengebirges darbietet. Beide Burgruinen waren schon begehrte Ausflugsziele zu Beginn des aufstrebenden Fremdenverkehrs in Böhmen.

Kumburg ist einer der schönsten Punkte des dem Riesengebirge vorgelagerten Mittelgebirges, und darum ist die Aussicht von dort eine der schönsten im nordöstlichen Böhmen; nur von hier aus übersieht man auf der böhm. Seite die ganze Länge des Riesengebirges. Man kann wahrlich nicht müde werden, das Auge in dieses wundervolle Landschaftsbild zu tauchen; in seiner Art eben so großartig, wie die Bilder, welche sich von den Höhen des Kozákov, Täbor und Visker aufrollen. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Gegend hier sehr reich an mannigfachen Mineralien ist und daselbst in Begleitung von Pyropen gräulich weiße, doppelsechsseitige Quarz Pyramiden, dann Pleonast, Körner von Magneteisenstein und Bruchstücke von Chalcedon, Karneol, Jaspis und Achat vorkommen.“ ( ** E.B., Bad Wartenberg auf Groß-Skal und seine Umgebung, 1871)

Es schließt sich eine gemütliche Wanderung durch das landwirtschaftlich geprägte Riesengebirgsvorland an, welches das Gebiet zwischen Kosakowkamm und Riesengebirge wie eine Senke ausfüllt. Ein farbenfroher Teppich aus Feldern, Wiesenländereien und Gehölzstreifen breitet sich vor unseren Augen aus. Fast möchte man sich sofort auf den Weg ins Riesengebirge machen, welches etwa in einer Entfernung von 25 km gelegen ist. Aber unser Ziel ist der Berg Tabor, den wir von Chlum über aussichtsreiches Gelände erreichen. Ein Kreuzweg führt von Norden hinauf zum Gipfel und endet an der Wallfahrtskirche Verklärung Christi (Kostel Proměnění Páně). Auf dem Berg befindet sich noch eine Gaststätte mit Aussichtsturm, der zwar ebenfalls einen guten Überblick gewährt, aber nicht so umfassend wie von der Kumburg.

Der Tabor, an dessen Fusse das Dorf Chlum, ist etwa eine Stunde vom Bradletz entfernt, die Wallfahrtskapelle (Verklärung Christi) auf dessen 2050“ hohem Gipfel ursprünglich schon 1351 von Zdenko von Lomnitz erbaut, 1525 von Wilhelm von Waldstein vergrössert, 1704 von einer Gräfin Morzin im gegenwärtigen Zustande neu aufgebaut. Ein uraltes hölzernes Crucifix, das in diesem Kirchlein aufbewahrt wird, soll von dem ersten Prager Erzbischof, Ernst von Pardubitz, eigenhändig geschnitzt sein. Die Kirche wird namentlich an den beiden Hauptwallfahrtstagen, dem Pfingstmontag und dem Sonntage nach der Verklärung Christi, von frommen Pilgern zahlreich besucht (1813 auch von Kaiser Franz I, der damals in Jičjn weilte); wegen seiner herrlichen Aussicht auf das Riesengebirge und weithin ins Land wird der Tabor auch sonst fleissig von Touristen aus der Umgebung bestiegen.“ (* Franz Klutschak, Auf der Reichenberg-Pardubitzer Bahn ins Gebirge, 1860)

Von dem Berge Tabor bei Lomnitz hatte man einen umfassenden Ueberblick der blutigen Schlacht, die am Tage Petri und Pauli (29. Juni) geschlagen wurde; denn man sieht vom Tabor in die Straßen von Jičin herab, als befände man sich auf einem Thurme mitten in der Stadt. Es standen auch den ganzen Tag über Hunderte von Neugierigen auf dem Berge, an dessen Fuße der preußische Artilleriepark aufgefahren war ...“ (**E.B., Bad Wartenberg auf Groß-Skal und seine Umgebung, 1871)

Jitschin ist vom Gipfel des Berg Tabor Luftlinie ca. 8 km entfernt. Deswegen muss man natürlich an dieser Stelle wissen, dass die Menschen zu der Zeit, als dies aufgeschrieben wurde, wesentlich bessere Augen hatten, als die Menschen heute.

Der Abstieg nach Lhota Bradetz führt uns durch das idyllisch gelegene Dorf Kyje mit wiederum herrlichsten Aussichten. Auf den Fahrten durch diese Region Böhmens treffen wir häufig auf Ortsbezeichnungen mit der Wortverbindung Lhota oder Aujezd (Újezd). Wissenswert dazu ist, dass es sich dabei um Namensgebungen im Zusammenhang mit der Ortsgründung handelt. Lhota bezeichnet dabei Ansiedlungen, die befristet von Abgaben und Frondiensten befreit waren, während es sich bei Aujezd um ein durch Umritt abgegrenztes und in Besitz genommenes Land handelt.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Die Bäume biegen sich unter der Last der Früchte in Lhota Bradletz




 Ruine Bradletz





Erster Blick zum Berg Tabor


Ruine Kumburg








Zwischen Kumburg und dem Berg Tabor wandern wir durch das Riesengebirgsvorland










Herrliche Aussichten vom Berg Tabor








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