Mittwoch, 31. August 2016

Durch den Brotschkenwald auf den Ronberg

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau.Hörnitz


Es gibt Dinge, die gibt es eigentlich gar nicht. Zum Beispiel den Brotschkenwald (Bročky). Man muss schon lange in der Literatur suchen, um nur wenige Informationen zu erhalten. In der Enzyklopädie 'Das Königreich Böhmen: Bd. 1; Leitmeritzer Kreis', 1833 heißt es: 

'Das Nadelholz und Gestrüpp in den Klüften und Schluchten der das Dorf Sterndorf umgebenden Sandstein-Massen nehmen eine Fläche von 40 Joch 201 Kl. [Klafter] ein. Von hier aus zieht sich der 704 Joch 509 Kl. große Brotschkenwald, Fichten und Kiefern enthaltend, und in die drei Reviere Sterndorf, Skalken und Strann getheilt, von Nordosten nach Südwesten, bis zum Liebeschitzer Dorfe Skalken.'

Da weiß man wenigstens, wo man suchen muss. 

Ferner erfährt man noch von Rudolf Kauschka, dass bei Stran (Stranné) am Rande des Brotschkenwaldes und bei Sterndorf (Hvězda) beachtliche Kletterfelsen zu finden sind und in der Kletterdatenbank von Jörg Brutscher wird darauf näher eingegangen. Die Felsen zwischen Sterndorf und Stran hatte ich bei einer früheren Tour bereits von weitem gesehen, aber nun soll dieses unbekannte Gelände einmal unmittelbar erkundet werden. Immerhin führt sogar ein blau markierter Wanderweg in den Brotschkenwald hinein, der sich allerdings alsbald wieder Richtung Gansweg (Husí cesta) verabschiedet. Von Sterndorf aus nehmen wir Kurs darauf.

Der Brotschkenwald erstreckt sich über ein Sandsteinplateau, welches nach Norden stark abfällt und von kleineren Tälern durchzogen ist. An den Seitenwänden der Täler und an der Nordflanke tritt der Sandstein hervor und bildet sehenswerte Wände oder Felsgebilde. Die Felsen hören auf so klangvolle Namen wie Marmolata, Eldorado, Minaret, Citadela. Den Leitmeritzer Turm bezeichnet Kauschka als 'die höchste und schönste Felsgestalt des Daubaer Berglandes, dem keiner unsrer Felsen an Höhe gleichkommt, ein wahrhaft königlicher Turm'. Das Plateau hier ist bewaldet, und so sieht man den Koloss nur zwischen den Bäumen hervortreten, in einiger Entfernung dahinter den Ronberg (Ronov).

Es ist schwül-heiß geworden an diesem Sommertag und schon das folgende Wegstück zwischen Stran und dem Ronberg in offenem Gelände lässt die Wanderlust einiger Mitstreiter ins Bodenlose fallen. Da wir den direkten Weg hinauf zur alten Ronburg von Süden her gewählt haben, verbessert sich die Laune nicht, weil der Pfad total mit Brennnesseln und Brombeergestrüpp verwachsen ist, weil Insektenschwärme bei dieser feucht-heißen Witterung offenbar gerne ihren Flugtag abhalten, weil wir gut in das Beuteschema der reichlich anzutreffenden Zecken passen und weil der endlich erreichte Forstweg total verschlammt ist. Mit List gelingt es dennoch, die Truppe bis zum finalen Einstieg in das Burggelände zu führen. Da gibt es kein Zurück.

Im Burghof lässt es sich zwischen den alten Gemäuern gut lagern und Naturburschen und Romantiker übernachten hier gerne und erfreuen sich an dem Sternenzelt, welches sich darüber ausbreitet. Siegfried Weiss schwärmt davon in seinem Buch 'Meine vertrauten Landschaften'. Die Sicht ist durch Bäume und Sträucher etwas eingeschränkt, aber der Blick über die Hohlener Teichlandschaft (Holanské rybníky) und die umgebenden Höhenzüge ist fantastisch. 

Der Ausschank eines üppigen Quantums Rotwein hat dazu geführt, dass das Wandervolk die Sprache wiedergefunden hat und wie gehabt, fröhlich mit einander kommunizierend, den Abstieg über die herrlichen Sommerwiesen an der Nordseite des Berges vollbringt. Hier finden wir auch das Panorama, was am Gipfel des Ronbergs verborgen ist. Wir sehen auch die Häuser von Sterndorf, wo unsere Tour begann und wo wir sie bald beenden werden.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.


Auf den Kämmen und in den Tälern des Brotschkenwaldes











Das wird einmal ein stattlicherRiesenschirmpilz




Hier waren wir vor kurzem schon einmal (Christus am Kreuz bei Skalken)


Beim Meierhof Stran


Eingeschränkte Sicht heute auf dem Ronberg


Südlich liegt unterhalb der Ronburg der Ort Bleiswedel (Blíževedly)


Die Sommerwiesen, die sich an der Nord- und Ostflanke des Ronberg ausbreiten, sind idyllisch




Blick über die Hohlener Teiche zu den Mikenhaner Steinen und zum Kummergebirge


Letzte Grüße vom Ronberg



Montag, 29. August 2016

Eine Kurzgeschichte aus einer längst vergangenen Zeit im Sächsisch-Böhmischen Grenzgebiet...

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau

Von einem etwas anderen Erlebnis, aus dem Jahre 1967, im Sächsisch-Böhmischen Grenzgebiet, also zu tiefsten DDR-Zeiten, möchte ich hier einmal kurz berichten.

Die Bewohner der Grenzregionen fanden in dieser 'Zeit des Mangels' recht schnell heraus, dass es im Nachbarland (der damaligen Tschechoslowakei) ein paar Dinge für den täglichen Bedarf gab, für die sich eine kleine 'Spritztour' lohnte (z.B. gelegentlich Südfrüchte, Ölsardinen, Fliesen etc., vor allen Dingen aber der deutlich preisgünstigere Benzin). Voraussetzung war ein 'Passierschein und Tschechischen Kronen' (später wurde eine 'Reiseanlage' im Personalausweis eingeklebt und mit jeweiligem Stempel bei der Grenzkontrolle versehen).

Da die Beschaffung der tschechischen Währung etwas eingeschränkt war, musste man für größere Ausgaben die Kčs sammeln. Hier ein 10 Kronen-Schein aus dem Jahr 1960:



Bei einem Ausflug zum aussichtsreichen- und geschichtsträchtigen Tollenstein (Tolštejn) in Nordböhmen, wurde zunächst der Tank (und Kanister) gleich hinter der Grenze mit Benzin gefüllt. Ein schöner Zufall war es, dass an diesem Tag in Warnsdorf (Varnsdorf) im Straßenverkauf Südfrüchte angeboten wurden (wir hatten Glück, dass die Warteschlange nicht all zu lang war).



Vom Aussichtspunkt am Burgplateau auf dem Tollenstein, unserem Ausflugsziel, hat man einen wunderschönen 360° Rundblick, wie man in nachfolgendem Bild erkennen kann.


Beim gemütlichen Verzehr von ein paar der gerade erworbenen Südfrüchte, konnten wir beobachten wie sich ein "Trabi" (DDR-Auto, Typ Trabant) aus Richtung St. Georgenthal (Jiřetín pod Jedlovou) kommend, dem Fuß des Tollensteins nähert, und der Fahrer nun versuchte auf den noch leeren, aber sehr unebenen, Parkplatz ein Plätzchen zu finden.

Wie sich später herausstellte, hatte auch er gerade den Tank im Trabi randvoll gefüllt.

Aus diesem Grund hat das ältere Ehepaar mit dem Trabi, bei ausgestelltem Motor versucht die Lage des Autos noch ein wenig durch hin- und herschieben zu korrigieren, damit bei dem etwas geneigten Standort des Wagens nicht das 'kostbare' Benzin ausläuft.

Plötzlich kam der "PKW" in Rollen, die ältere Dame versuchte noch in den Wagen zu springen um die Handbremse zu betätigen, wurde aber am ersten kleinen Wiesenabsatz herausgeschleudert und so nahm der Trabi in einer Schlangenlinie talwärts fahrend Geschwindigkeit auf. Wir trauten unseren Augen nicht. Was für ein Schauspiel!

In nachfolgendem Lageplan habe ich einmal die Situation mit einem Autosymbol dargestellt, wie sie sich gezeigt hat:


Zum Vergrößern in das Bild klicken.

Der Wagen sprang fast wie ein Gummiball über die Bodenwellen und kleinen Abhänge. Einmal fuhr er nach rechts dann wieder nach links. Mit zunehmender Geschwindigkeit raste er auf die ersten Häuser zu.

Noch ein letzter steiler Abhang vor dem ersten Haus im Tal!

Glücklicherweise wurde das Auto von einem Apfelbaum gestoppt, somit wurde wenigstens ein Gebäudeschaden verhindert.

Der Trabi kam in einer recht ungewöhnlichen Lage zwischen einem Ast des Baumes und der Erde zum Stehen. Glück war auch, dass kein Benzin ausgelaufen ist, welches sich an den noch heißen Auspuff hätte entzünden können. 



Dem geneigten Leser bleibt es überlassen zu spekulieren, ob der Wagen wieder instand gesetzt wurde, oder nicht (für einen neuen Trabi musste man damals mit Wartezeiten von ca. 10 Jahren rechnen!).

Als ich eines Tages den Trabant-Besitzer zufällig in Zittau am Marktplatz traf und ihm anbot sich die Bilder von diesem Unfall anzusehen, lehnte er dies freundlich aber sehr bestimmt ab.

Natürlich sehe auch ich diese Ablehnung unter dem Motto: Wer möchte schon gerne an unliebsame Begebenheiten erinnert werden?

Mit einem netten Gruß an alle "Heilig's-Blechle"-Fahrer, >>immer schön vorsichtig<<...!

Viele Grüße Werner Schorisch

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