In den Wäldern des Lausitzer Gebirges finden sich in Stein verewigt zahlreiche Zeugen der Vergangenheit, mit denen sich die Menschen nicht nur ein künstlerisches Denkmal setzten, sondern an denen man ihre tiefe Heimatverbundenheit und ihre religiösen Vorstellungen ablesen kann. Man stelle sich gleiches Engagement heute vor: undenkbar. Obwohl überliefert ist, daß auch schon vor über 100 Jahren und vor allem nach 1945 Frevler ihr Unwesen trieben und solche Volkskunstwerke zerstörten, so ist es doch erfreulich, daß eine bedeutende Zahl dieser Werke erhalten geblieben ist. Neben den Reliefs und Kapellen, die uns auf unserer Tour begegnen, gibt es zahlreiche weitere, auf die hier nicht eingegangen werden soll und über die auf den Naturwunderseiten zum Teil schon berichtet wurde.
Wir starten in Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí), halten uns zunächst an den grünen Wanderweg, der sich über die Fluren von Groß Walten hinzieht und lassen uns den Anblick der Kämme des Lausitzer Gebirges gefallen, die über den reifen Kornfeldern posieren. Westlich von Groß Walten (Velký Valtinov) ist ein Teichgebiet in die Landschaft eingebettet. Malerisch liegt der nördlichste dieser Teiche, der Horka Teich, zwischen Feldern und dem Wald des Schmiedebergmassivs, in welches wir nun hinein steigen. An der Schulter zwischen Schmiedeberg (Kovářský vrch) und Steinberg (Kamenác) öffnet sich der Wald und es bietet sich einer dieser herrlichen Ausblicke, die für diese nordböhmische Mittelgebirgslandschaft so typisch ist. Nach Überquerung des Sattels zeigen sich am gegenüberliegenden Horizont die Berge um den Kleis (Klíč), südlich der Urteilsberg (Ortel).
In einem Seitental an den Mäandern des Zwittebaches (Svitávka) befindet sich der Totenstein (Skála smrti). Ich kannte das nach einer Sage gestaltete Relief nur von Bildern und war über seine Mächtigkeit erstaunt. In der Erklärung zu diesem Monument heißt es, dass der Lehrer i. R. Karl Beckert und der gleichfalls pensionierte Gendarmeriewachtmeister Karl Bundesmann das Werk 1919 aus Liebe zur Heimat in den Felsen meiselten. Die Liebe muss sehr groß gewesen sein oder die Zeiten waren anders, was ich eher vermute.
Auf dem weiteren Weg durch Kunnersdorf (Kunratice) begegnet uns am Dorfplatz eine schön restaurierte Büste des Kaisers Joseph II, ebenfalls erstaunlich, daß diese Skulptur nach den historischen Befindlichkeiten so liebevoll umhegt wird. Es lohnt sich, die Bedeutung dieses Kaisers einmal nachzulesen.
Wenige Kilometer nördlich davon treffen wir in einem kleinen Seitental in den Vorbergen des Limberg auf den bereits 1740 in den Fels gearbeiteten Altar der Heiligen Dreifaltigkeit. Das filigrane Relief wurde mehrfach restauriert und stellt ein Kleinod dar. Etwa 400 Meter nördlich davon befindet sich in einem Hohlweg das Relief Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, welches mit Wahrscheinlichkeit dem gleichen Künstler zugeschrieben wird. Auf dem Weg von Kunnerwitz zum Limberg hin finden sich außerdem noch einige Wegkreuze.
Auf dem Rückweg nach Gabel lenken wir unsere Schritte nach dem Ukrainischen Friedhof bei Laaden (Lada). Der Friedhof wurde für die verstorbenen Insassen eines Gefangenenlagers im 1. Weltkrieg und eines Internierungslagers für ukrainische Soldaten errichtet, die hier bis 1921 stationiert waren. 2008 wurde der Friedhof aufwendig restauriert.
Auf Groß Waltener Fluren, Hochwald und Limberg
Der Horka Teich
Tölzberg
Rollberg mit Burg
Blick vom Schmiedebergsattel
Der Urteilsberg (Ortel)
Blick zum Kleis
Totenstein
… am Flußlauf des Zwittebaches
Fachwerkhäuser in Kunnersdorf bei Zwickau
Kaiser Joseph II
Der Zwittebach auf seinem Weg zum Polzen
Altar der Heiligen Dreifaltigkeit
Flucht der Heiligen Familie
Wegekreuze
Der Limberg
Der Grünberg (Zelený vrch) im Hintergrund
Kapelle des Hl. Antonius in Hermsdorf
Blick auf den Hochwald von Hermsdorfer Flur
Ukrainer-Friedhof bei Laaden
Dom des Hl. Laurentius und der Hl. Zdislava in Deutsch Gabel und Turm der ehemaligen Stadtkirche und Brauerei
www.wincontact32.de
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen