Mittwoch, 31. Mai 2023

Der Aussichtsturm auf dem Rodigt bei Nossen

 Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


In Nossen, am Autobahndreieck zwischen A 4 und A 14, gibt es seit 2020 wieder einen Aussichtsturm.


Man verlässt die Autobahn A4 an der Abfahrt 75 (Siebenlehen). Nach 2,5 Kilometern gelangt man von der B101 über Augustusberg zum Parkplatz am Siebenlehner Weg.


Ab Parkplatz sind es nur noch etwa 300 Meter bis zum flachen Gipfel vom Rodigt (303 Meter). 
Der heutige Turm hatte schon zwei Vorgänger.


Ein 10 Meter hoher Holzturm von 1870 hatte nur eine kurze Lebensdauer. Nach dem Abriss wurden Spenden für einen eisernen Turm gesammelt. Bereits im Frühjahr 1884 erfolgt der Probeaufbau im Gelände vom Hammerwerk Obergruna an der Freiberger Mulde. 
Foto von der Infotafel


Wenige Wochen später erfolgte die Einweihung auf dem Rodigt, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelte. Damals reichte die Gesamthöhe von 14,6 Metern für einen Blick auf die gesamte Innenstadt aus.
Ausschnitt aus einer alten Ansichtskarte auf der Infotafel


Nach über hundert Jahren verfiel der Turm immer mehr und musste 2006 abgerissen werden.
Foto von der Infotafel
Den vollständigen Text der Infotafel finden Sie im Anhang.


Man bemühte sich viele Jahre um den Bau eines neuen Turmes. 80 Prozent EU-Fördermittel und 120 000 Euro Spendengelder ermöglichten das Projekt vom Architekturbüro Udo Scholz, art + craft.
Nach knapp einem Jahr Bauzeit wurde am 25. April 2020 dieser moderne Aussichtsturm eröffnet.
Er soll einem Baum nachempfunden sein. Stamm und Äste haben braune Farbe, Blätter erscheinen in sechs Grüntönen.


Die Konstruktion mit dreieckigem Querschnitt wurde aus verzinktem Stahl errichtet.


Das Bauwerk hat eine Gesamthöhe von 29,9 Metern und verfügt über 14 Zwischenpodeste. 


Der Aufgang zum Turm ist rund um die Uhr möglich. Eintritt wird nicht erhoben, jeder kann aber freiwillig einen Betrag entrichten: Die Stadt Nossen dankt für Ihre Spende


Bis zur Aussichtsplattform führen 135 Stufen.


Die Spender mit einem Betrag ab 18,84 € (erinnert an das Baujahr 1884 vom alten Turm) wurden in eine Spendentafel eingetragen. Spender ab 188,40 € bekamen die Namensplakette an einer Stufe. 


Bei Großspenden über 1.884 € erhielt der Spender die Namensplakette an einem der 14 Podeste.
Aus den grünen Geländerfüllungen wurden die „Blätter“ ausgelasert.  Es sind Walnussblätter, denn die Walnuss ist der Wappenbaum von Nossen.


Markierung bei 14,6 Metern, der Höhe vom alten Turm


Von hier geht es beim neuen Turm noch fast 10 Meter höher.


Die Aussichtsplattform in 24,3 Meter Höhe ist erreicht.


Nach der Eröffnung mussten noch zusätzliche Vorkehrungen eingebaut werden, um ein Schwanken des Turmes zu reduzieren.


Blick nach Siebenlehn im Süden


Der Ortsteil Augustusberg


Das Ortszentrum von Nossen


Über dem Kirchturm: der Ort Rhäsa, in der Mitte der bewaldete Kirschberg (285 Meter)


Nossen Kronberg


Geschwister-Scholl-Gymnasium Nossen und die Dresdner Straße / Eulaer Hauptstraße
Rechts die Freiberger Mulde


Das Tal der Freiberger Mulde


Jetzt größer:
Der 42 Meter hohe Wasserturm Siebenlehn


Möbel Mahler an der A4-Abfahrt Siebenlehen


Pestalozzi-Grundschule und Sachsenhof Nossen


Die Stadtkirche von Nossen


Dr.-Eberle-Schule, Kindertagesstätte und Reifendienst Pneuhage - Dahinter die A14 bei Gruna. 


Die Siedlung am Kronberg, links das Gelände vom Volksbad.


Das Gewerbegebiet Heynitz-Lehden an der A14, dahinter der Windpark Heynitz-Wendischbora, rechts davon der 50 Kilometer entfernte Keulenberg (Heja, 413 Meter)


Das Sportgelände an der Mulde


Der 426 Meter hohe Landberg bei Tharand


Die Autobahnbrücke Siebenlehn ist 413 Meter lang und 70 Meter hoch. Sie war beim Bau um 1935 die damals höchste Autobahnbrücke Europas. 


Vor dem Abstieg richtet sich der Blick …


… noch um weitere 5,6 Meter nach oben.


Beim Abstieg entdeckte ich noch dieses Schild:

Alte Liebe rostet nicht
Im Rodigt stand ein Turm zum Weilen, zum Schauen in die ferne Welt. 
Doch Wetter, Rost und altes Eisen ließ bald den alten Turm verwaisen. 
Ein letzter Gruß vom alten Turm steht öffentlich zur Schau gestellt, 
als wollt er sagen: Vergesst mich nicht, denn alte Liebe rostet nicht. 
Nun steht er hier, der neue Turm und dankt den edlen Spendern, 
und lädt sie ein zu einem Blick, noch höher und viel weiter.
T. Pfennig 2019
Carola Wagner & Tommy Pfennig



Der neue Turm auf dem Rodigt ist architektonisch anspruchsvoll und ein gutes Beispiel dafür, dass neu errichtete Aussichtstürme nicht einheitlich und damit langweilig erscheinen müssen.
Möge er von Vandalismus verschont bleiben, damit man noch lange die weite Aussicht genießen kann.


Anhang:

Text von der Info-Tafel

Zur Geschichte des Rodigturms

1869 gründen naturliebende Nossener einen Verschönerungsverein, dessen Mitglieder hauptsächlich Wanderwege anlegen und pflegen, Bäume pflanzen und neue Anlagen schaffen. Sie sind es auch, die in den 1870er Jahren einen kleinen hölzernen Turm auf dem höchsten Punkt des Rodigtberges errichteten.
Wind und Wetter führen rasch zu Verwitterungen, so dass er laufend repariert und schließlich abgerissen werden muss.
Durch Benefizveranstaltungen sammeln die Heimatfreunde insgesamt 1200.- Goldmark für einen eisernen Turm, der in kurzer Zeit im Hammerwerk Obergruna konstruiert und gebaut wird. Bereits im Frühjahr 1884 erfolgt der Probeaufbau im Gelände der Firma an der Freiberger Mulde.
Nur einige Wochen danach, im Sommer 1884, folgt dann bereits die feierliche Einweihung auf dem Rodigt.
Der Turm lockt fast 100 Jahre Wanderer, Schulklassen, Heimatfreunde aus nah und fern nach Nossen, die den wunderbaren Blick von der oberen Plattform genießen.
Nach beiden Weltkriegen ist viele Jahre kein Geld für Pflege und Reparaturen des Turmes vorhanden. Stück für Stück verfällt der Turm, nur kleine Restaurierungen und Sicherungsarbeiten erfolgen. Nach der Wende dann tauchen Pläne für den Neubau eines Rodigtturmes auf, die aber scheitern. Es erfolgen aber wenigstens einige Reparaturen und es werden Spenden eingeworben.
Schließlich wird, unter Nutzung eines Teiles der Rodigtturmspenden, 1995 als "Ersatz" ein wunderschöner Marktbrunnen am Rathaus gebaut. Gelder, die ausdrücklich nur für den Turm gespendet wurden, z.B. 2000 US-Dollar eines ehemaligen Nosseners aus den USA, bleiben jedoch erhalten.
Der Rodigtturm verfällt immer mehr. Durchrostungen führen zunächst zur teilweisen Sperrung, dann zu einer Gitterabsperrung und im Dezember 2006 zum Abriss.
2013 scheitert ein weiterer Versuch für den Neubau eines Turmes. 
2018 dann, Nossen gehört zum Klosterbezirk und damit ergibt sich die Möglichkeit an EU-Fördermittel zum kommen. Die Fördermittelanträge werden gestellt, weitere Spenden eingeworben, die große Spendenbereitschaft - auch aus aller Welt- erlaubt es, die Chance auf einen neuen Turm zu nutzen.
Text: Klaus Bausch

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