Samstag, 29. Juni 2013

Auf dem Kegelweg vom Jeschken zum Milleschauer - 6. Etappe

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Hörnitz und Holger Totz, Herrnhut



VON GROSS-TSCHERNOSEK AN DER ELBE NACH KOTZAUER



Die letzte Etappe unserer Tour steht an. Es könnte so schön sein : Eine Personenfähre bringt uns über die Elbe von Groß nach Klein Tschernosek. Leider müssen wir feststellen, daß der Fährbetrieb aufgrund des Hochwassers in der Vorwoche eingestellt ist, es ist keine Fähre zu sehen. Mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln das andere Ufer zu erreichen, erfordert einen ziemlichen Zeitaufwand. Freundlicherweise bietet man im Weingut an, uns per PKW bis Lobositz (Lovosice) mitzunehmen, von hier sind es nur 2 Stationen mit der Bahn bis Klein Tschernosek. So ist dieses Problem gelöst.

Von hier geht es durch das Wopparner Tal (Oparenské údolí, hier gibt es noch den seltenen Pflaumen-Zipfelfalter). Es ist schattig und das macht die Hitze noch einigermaßen erträglich. Wir lassen uns aber nicht davon abbringen, trotzdem auf den Lobosch (Lovos) aufzusteigen. Hier, jenseits der Elbe sind wir eigentlich erst so richtig inmitten der Kegellandschaft. Der Lobosch wird durch die Kette der Kegelberge umspannt wie die Bühne durch die Ränge eines Amphitheaters. So richtig zur Geltung kommt dies bei dem Dunst nicht, der sich über die Landschaft gelegt hat, aber immerhin, wir waren oben. Das Gesamtbild wird getrübt, wenn man des Monstrums von Autobahn ansichtig wird, welches die schöne Landschaft schnöde zerschneidet und wegen welchem es in der Vergangenheit heftigen Wirbel gegeben hat. Aber, es führt kein Weg daran vorbei, denn aufgemerkt Freunde: 'Von Dresden zum Frühstück nach Prag !'  Das ist die Devise.

Sehr angenehm überrascht waren wir, dass die auf dem Gipfel befindliche Touristenbaude bewirtschaftet war, obwohl an einem Wochentag und bei diesen Temperaturen kaum Besucher zu erwarten waren. Eine Gedenktafel verrät, daß die Schwarzenberghütte zwischen 1924 und 1930 durch den Lobositzer Mittelgebirgsverein erbaut wurde. Sie befindet sich in einem guten Zustand.

Über Wopparn (Oparno) geht es wieder hinunter in das Wopparner Tal und von da hinauf nach Wellemin (Velemin). Kurz vor Wellemin überspannt eine Autobahnbrücke das stille Tal. Ein letztes Mal wollen wir A. Paudler bemühen, welcher notierte : 'Zu den schönsten Ausflügen, welche aus Lobositz gemacht werden, gehört die Partie durch das Wopparner Thal auf den Milleschauer, den König des Mittelgebirges, welcher eine der schönsten Aussichten bietet, die man im Böhmerlande zu finden vermag'. Man möge sich daran erinnern, wenn der Straßenabschnitt der Autobahn freigegeben ist.

Wellemin selbst ist ein grauslicher Ort, durch den sich eine endlose Schlange von Blech und Stahl wälzt und der ersten offenen Autobahnanbindung hinter dem Gebirge zuströmt. Kann man hier überhaupt wohnen ? Wenn ich so etwas erlebe, frage ich mich immer, wie viele dafür erforderliche Ressourcen der Planet noch hergeben kann und wie viel er noch bereit ist, einzustecken, von dem, was an Gift dabei herauskommt. Die gedankliche Beschäftigung mit den Übeln dieser Welt hilft mir über die nächsten 2,5 ansteigenden Kilometer über schattenloses Gelände bis zum Waldrand des Milleschauer. Die Temperaturen dürften jetzt weit jenseits der 30 Grad gelegen haben. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Hinter dem Berg bauen sich auf einmal drohend Gewitterwolken auf. Wir eilen hinauf (soweit das noch möglich ist). Sollte es ein trauriges Finale geben? Es bleibt uns erspart, aber die Sicht von dem 836 m hohen Berg ist bescheiden. Immerhin soll Alexander von Humboldt den Milleschauer als einen der drei schönsten Aussichtsberge der Erde bezeichnet haben. Von einer früheren Begehung weiß ich, daß Humboldt dies nach einem Blick in die Kohlengruben von Brüx heute wohl anders beurteilen würde.

Das Ziel ist erreicht, der Weg vom Jeschken zum Milleschauer liegt hinter uns. Die Baude auf dem Milleschauer ist neu vorgerichtet und obwohl wir die einzigen Gäste auf dem Berg sind, erwartet uns der Hüttenwart und läßt uns ein frisches Bier ein. Wir stoßen kurz an und sind auch schon wieder weg. Die Rückbesinnung auf die Tour verschieben wir auf den Abend. Noch 6 km sind es zu unserem Quartier in Kotzauer (Kocourov).

Die Pension (http://www.kocourov.cz/?lang=de&page=home) befindet sich in einer genialen Lage an der Südlehne des Lhotta Berges (Lhota). Wir hatten schon gehört, daß das Restaurant für seine vorzügliche Küche bekannt ist. Wir können das nur bestätigen. Außerdem gibt es hier das in Varnsdorf hergestellte und nur dort lokal vertriebene Bier Kocour (Kater), welches bei Bierkennern beliebt ist. Zum Essen trinkt man natürlich Wein. Woher? Natürlich aus Groß Tschernosek. Wir setzen uns auf die Terrasse und lassen die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Dabei ruht der Blick auf der sich vor uns ausbreitenden Landschaft: vom Suttomer Berg reiht sich Kegel an Kegel bis hin zum Lippenberg, mitten drin im Hintergrund die Hasenburg. Ein schönes, dem Thema der Tour angemessenes Finale. Das war der Kegelweg.




Milleschauer Bach am Eingang des Wopparner Tales


Blick vom Lobosch auf Lobositz und Radebeule


Blick vom Lobosch auf den Milleschauer


Blick von Wopparn auf den Milleschauer


Eine Autobahnbrücke überspannt das Wopparner Tal bei Wellemin


Blechlawinen wälzen sich durch Wellemin


Bei Gluthitze unterwegs zum Milleschauer, im Hintergrund der Lobosch


Der Milleschauer vor uns


Der Milleschauer im Abendlicht


Blick vom Milleschauer in östliche Richtung


Blick vom Milleschauer nach Süden


Sendeanlagen auf dem Milleschauer, unten der Ort Milleschau und der Lhottaberg (Lhota)


Das Milleschauer Schloss


Der Kletschen (Kletečná)


Der Wostrey (Ostry)


Der Lippenberg (Lipská hora)


Kotzauer mit Lippenberg


Panorama von der Pensionsterasse gesehen. Unten: Penzion a Restaurace Kocourov, dahinter der Lhotta Berg



Prolog
Etappe 1: Vom Jeschken nach Neuland
Etappe 2: Von Neuland über Reichstadt nach Böhmisch Leipa
Etappe 3: Von Böhmisch Leipa nach Neuland bei Auscha
Etappe 4: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz
Etappe 5: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek an der Elbe
Etappe 6: Von Groß Tschernosek an der Elbe nach Kotzauer
Epilog


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