Mittwoch, 21. Januar 2026

Wanderung zu Frenzelberg und Burgsberg

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Kürzere Touren sind im Winterhalbjahr gefragt. Das heißt nicht, dass es dabei nichts Neues zu entdecken gibt. Heute starten wir an der Kirche in Seifhennersdorf und wandern durch unbekannte Gassen in Richtung Frenzelberg. Wer hätte das gedacht, dass sich Seifhennersdorf so ewig hinzieht und wie viele hübsch restaurierte Fachwerkhäuser hier anzutreffen sind, viele davon hübsch weihnachtlich geschmückt. Beim Aufstieg zum Frenzelberg könnte man auf schöne Ausblicke hoffen, aber leider nicht bei dem heutigen dunstigen Wetter. Ein unerwartet großer Steinbruch am Gipfel des Berges versetzt uns dann aber doch in Erstaunen.

„Im Westen der Seifhennersdorfer Flur erhebt sich der Frenzelsberg oder Röthigberg hart an der Staatsgrenze zur ČSSR. Seinen Nephelintephrit, ein Basaltgestein, verwendete man früher für Stütz- und Ufermauern und als Straßenschotter.

Schon 1770 entnahm das Amt Rumburg das Gestein zum Bau der jenseits der Grenze vorbeiführenden Chaussee. In dem aufgelassenen Bruch läßt sich die säulige Absonderung noch gut erkennen. Auf Grund seiner Mineralzusammensetzung dient das Gestein in der wissenschaftlichen Gesteinskunde nach internationaler Vereinbarung als Normaltypus der Nephelin-Tephrit-Gruppe des Basalts.

Zum beliebten Ausflugsziel wurde der Berg, nachdem auf dem bewaldeten Gipfel 1877 ein Schanklokal errichtet worden war. Hier hielten 1890 die Arbeiter ihre erste Maifeier ab, eine zweite folgte 1896 und eine weitere 1930. Nach dem ersten Weltkrieg baute die Ortsgruppe des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ die Baude zu einem Naturfreundehaus mit Jugendherberge aus, das 1933 beschlagnahmt wurde und dann verfiel.

Schon immer spielte der Berg in den Vorstellungen der Bevölkerung eine Rolle. Eine Sage erzählt von einer Schatzhöhle, eine jüngere von der Hebung einer Kriegskasse. Den älteren Einwohnern gilt er als Wetterberg. Sein Gestein, auch Blaue Steine genannt, verhütet nach der Volksmeinung angeblich Unglück.“ (Werte unserer Heimat, Band 16, 1975)

Über das Mandautal hinweg ist schon unser nächstes Ziel sichtbar: der Burgsberg (Hrádek) in Warnsdorf (Varnsdorf). Dahin richten wir unsere Schritte, die Kocour-Brauerei schweren Herzens links liegen lassend.

Der Name Burgsberg stammt wohl daher, weil dieser Berg als Schutz- und Aussichtsort an der von Meißen nach Böhmen führenden Landstraße gebraucht wurde. Spuren von einer Burg haben sich hier keine gefunden; auch mangeln hierüber die örtlichen Nachrichten, außer der alten Sage von dem Einsiedler Wernar.“ (Alois Palme, Warnsdorf mit seinen historischen Denkwürdigkeiten: mit zwei Ansichten, zwei Situationsplänen und vier Zeichnungen mit Denkmälern und Wappen, 1851)

Auch Amand Paudler schlich auf den Berg, um sich den Gerstensaft in der Burgsbergswarte munden zu lassen.

Wir kletterten den Berg glücklich empor und gelangten zur Warte, welche wenige Wochen zuvor - am 15. Mai 1904 - festlich eröffnet worden war. Ich will sie nicht weiter beschreiben. Nur das soll bemerkt sein, daß man, obwohl der Burgsberg (437 m) gerade nicht allzu hoch ist, doch eine schöne Aussicht hat. Über Hennersdorf hinaus liegt der Kotmar. Es folgt nach der rechten Hand der Warnsdorfer Spitzberg (539 m), jenseits von Warnsdorf der Hochwald (748 m), die Lausche (791 m), der Tollenstein (667 m), der Tannenberg (770 m), Schönborn (518 m) mit seiner Kirche, der Wolfsberg (588 m) und der Rauchberg (511 m). Wir übersehen also eine ganz namhafte Anzahl von Aussichtstürmen. Warnsdorf selbst ist beinahe nach allen Richtungen von Feldern und grünen Wiesen umgeben. Ein recht friedliches Bild!

Die Bergwirtschaft bietet je nach Geschmack eine prächtige Unterkunft, größere Räume und kleinere Winkelchen und lauschige Ecken. Es ist in dieser Beziehung für jederlei Wunsch und jederlei Bedarf wohl gesorgt. Das Essen war gut, die Bedienung aufmerksam und das Pilsner war das frischeste und beste, das ich während des verflossenen Sommers getrunken habe. Die Preise schienen mir kaum höher als in der Stadt zu sein.

Man wird sich nicht wandern, wenn ich nach diesen meinen Erfahrungen den Besuch der Burgsbergwarte und die Besichtigung des Burgsberggemäuers den Naturfreunden und Altertumskundigen empfohlen haben will.“ (Amand Paudler, Mittheilungen des Nordböhmischen Excursions-Clubs, 1905  Nummer 42)

Die Burgsbergswarte wurde über mehrere Jahre restauriert und erwartet ihre Gäste wieder seit dem Frühjahr 2025. Wir waren mit der Bewirtung ebenfalls sehr zufrieden.

Eigentümer des Burgsberges nebst Restauration ist nach Internetrecherchen der „Stiftungsfonds Hrádek-Burgsberg Varnsdorf“, gegründet von der Stadt Warnsdorf, die das Gebäude in die Stiftung einbrachte; die Stadt selbst ist also indirekt für die Verwaltung und das bekannte Ausflugsziel zuständig, das auch ein Restaurant beherbergt, das von verschiedenen Betreibern geführt wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Hotel auf dem Jeschken (Ještěd), welches von der Region Reichenberg (Liberec) 2025 erworben wurde, um die Sanierung des in die Jahre gekommenen Objekts voranzutreiben. Man kann getrost davon ausgehen, dass das in der nächsten Zeit stattfinden wird. In Deutschland läuft das natürlich genau andersherum, siehe Fichtelberghaus, welches der Erzgebirgskreis 2024 in Privathand veräußerte, weil er kein Geld zur Sanierung hatte.

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Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.



Seifhennersdorfer Ansichten









Basaltbruch auf dem Frenzelberg









Burgsbergwarte



Seifhennersdorfer Ansichten








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