Samstag, 25. Juli 2026

Ein paar Anmerkungen zu einer Italienreise

 


Warum zog es das Bildungsbürgertum und viele Künstler der Klassik so leidenschaftlich über die Alpen hinweg nach Italien? Sie waren getrieben von der Sehnsucht nach einem idyllischen, paradiesischen Leben, sie liebten das mediterrane Klima und die besondere Klarheit des südlichen Lichts und studierten die Meisterwerke der Antike und der Hochrenaissance.

Man muss kein Künstler sein, um dieses Flair selbst zu empfinden. Zu unseren ewigen Reisezielen gehörten in diesem Sinne auch Matera und das Castel del Monte – die rätselhafte weltberühmte Festung des Stauferkaisers Friedrich II – in Süditalien. Die Repressalien des Corona-Despotismus ließen uns eine gebuchte Reise 2020 platzen, sodass wir beschlossen, uns nie wieder auf solche Mätzchen einzulassen. Nun sind wir diesem Vorsatz untreu geworden und haben  diesen Traum noch verwirklicht. Fazit der Reise: die Erwartungen wurden erfüllt, allerdings war die Reisezeit schlecht gewählt, denn wir hatten nicht erwartet, dass uns im Juni bereits Temperaturen bis zu 42°C beschert würden. Während wir bei einer früheren Reise in die Nachbarregion Kalabrien (Calabria) im Mai eine blühende Landschaft vorfanden, litt die Natur in diesem Jahr doch schon heftig unter der krachenden Hitze.

Ein Quartier bezogen wir in Matera (Basilikata), ein zweites Quartier in Ostuni (Apulien) und erkundeten von dort die Gegend (im klimatisierten). Wir haben schon etliche alte Städtchen im Süden Europas besucht, aber Matera ist der Hammer! Wir zählen zu viele Erlebnisse auf dieser Reise, weswegen ich darauf nicht weiter eingehen werde. Einige Bilder sollen aber ganz losgelöst einen Eindruck vermitteln. Nur von einigen Randerscheinungen soll hier die Rede sein.

Wie schön waren die Zeiten, als man ins Reisebüro ging, ein paar Kataloge wälzte und sich für eine Reise oder ein Quartier entschied. Die gesamte Unternehmung wird heute jedoch über Internettools abgewickelt, alle zur Legitimation erforderlichen Daten sind auf dem Handy hinterlegt. Wer kann da eigentlich noch alles mitlesen? Pech hat man dann, wenn beispielsweise aus der Wallet plötzlich eine Bordkarte verschwunden ist. Aber wir lernen: auch wenn es die Servicekraft am Schalter anstinkt - sie kann das Dokument tatsächlich noch nachträglich ausdrucken, aber es gibt zusätzlich unnötigen Stress.

An Tankstellen und Parkplätzen läuft es weitgehend automatisiert, bloß die Displays sind bei der grellen Sonneneinstrahlung kaum zu lesen. Anstelle einer Speisekarte liegt in vielen Lokalen nur so eine Art Bierdeckel mit einem QR-Code auf dem Tisch. Der Code lässt man dann vom Telefon einlesen und übersetzen. Ob altersmüde Augen das Ergebnis aber noch lesen können, ist eine andere Sache.

Zu unserer Freude war es gelungen, Ferienwohnungen direkt in den historischen Stadtzentren von Matera und Ostuni zu buchen. Man wohnt in gut ausgestatteten Ferienwohnungen (denen man das von außen gar nicht ansieht) authentisch in typisch einheimischen Wohnvierteln, genauso hat man sich das vorgestellt, mit Glück auch noch mit einer schönen Dachterrasse, auf der man des Abends eine Flasche Wein genießen kann. Nicht bedacht hat man allerdings dabei, wie man den Mietwagen in die engen, winkligen Gassen hineinsteuert und dort einparkt. Das Navi versagte unter diesen Verhältnissen restlos und schickte den Fahrer zuweilen immer im Kreise und auch in gesperrte Sträßchen hinein. Diese sind, abgesehen von einigen Haupttrassen, in einem katastrophalen Zustand. Das ungewohnt forsche Fahrverhalten manch italienischer Brüder und Schwestern macht es nicht einfacher. Die zu Hause gelernten Verkehrsregeln kann man getrost vergessen, am besten man hält an Kreuzungen und Seitenstraßen den Blickkontakt zum Kontrahenten, um zu gucken, was der vorhat. Am Ende kann man froh sein, den Leihwagen ohne Kratzer und Beule wieder heim kutschiert zu haben.

Zum Glück ist bei der Hitze in Apulien das Meer nicht weit. Das nutzt allerdings nicht all zu viel, denn Abkühlung ist kaum zu erwarten, außerdem ist die Adria hier stellenweise so flach, dass man meint, nach Albanien hinüber waten zu können. Gerade in den letzten Tagen berichtete die italienische Presse, dass in Mogale, einem Stadtteil von Ostuni an der Küste der Adria unser Freund und Halbgott Bill Gates mit einem israelischen Immobilienunternehmen ein Fünf Sterne Luxusresort für ca. 100 Mio errichten möchte. Wohin auch mit der Knete? Lokale Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände wehren sich vehement gegen das Großprojekt. Sie befürchten eine irreversible Zerstörung der dortigen Sanddünen, Feuchtgebiete und des Ökosystems für Zugvögel. Zudem wird kritisiert, dass das Projekt über Sondergenehmigungen einer zentralen Wirtschaftszone regionale Umweltprüfungen umgeht. Der Fall liegt aktuell zur rechtlichen Klärung vor dem regionalen Verwaltungsgericht. Man wird sehen, wie die Sache ausgeht. Dreimal darf der Leser raten.

Das Leben in den kleinen Städten beginnt erst in den Abendstunden, wenn es sich etwas abgekühlt hat, dann wird es lebendig. Der unterkühlte Mitteleuropäer findet sich wieder in einem ausgelassenen, lebensfrohen Milieu. In den Bars und Ristorantes findet man kaum Platz, das Geschäft floriert und bedient wird man meistens von aufmerksamen, flotten jungen Kellnerinnen und Kellnern, immer heiter gestimmt und – man glaubt es kaum – bei der Arbeit zuweilen auch noch ein fröhliches Liedchen trällernd. Wann hat man das zuletzt in Deutschland erlebt? Von einer Ausnahme allerdings gilt es zu berichten. Am letzten Abend wurden wir etwas missmutig von einer älteren Servicekraft bedient, die sprach Deutsch, Schwäbisch sogar (und Italienisch). Wir kamen mit ihr ins Gespräch und wollten wissen, was sie hierher verschlagen hat. Sie sagte, sie habe Deutschland den Rücken gekehrt und auch nicht vor, jemals wieder dahin zurückzukehren. Die Erfahrungen aus der Corona-Zeit, die Zwietracht und die Spaltung der Gesellschaft mit dem damit verbundenen Hass und der abscheulichen Ausgrenzung Andersdenkender hat die Bindung zur ehemaligen Heimat zerstört. Das macht in Italien wohl den Unterschied. Wir können das gut verstehen.

P.S. Eines hat uns dann in Italien dann doch gefehlt. Also sind wir auf der Heimreise schnell noch in Mergthal (Mařenice) im Restaurant „Husky“ eingekehrt um ein Bier zu trinken nebst Klobasa und Hermelin, um die heimische Geschmacksnote wiederzufinden.


Basilikata









































Apulien











































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