Mittwoch, 24. August 2011

Kohleule


Bei diesem Eulenfalter handelt es sich um die sehr häufige Kohleule (Mammestra brassicae). Ihre Raupe ist beim Gemüsebauer äußerst unbeliebt, da sie u.a. gerne lange Gänge durch den Grünkohl bohrt... 


Planet Mars (2) - Der Mars als Planet - Innerer Aufbau

Der Mars als Planet

Mars ist in den Oppositionszeiten (die grob gesagt alle zwei Jahre auftreten) ein lohnendes und dankbares Objekt für Amateurastronomen, da man schon mit verhältnismäßig kleinen Fernrohren viele Details – helle und dunkle Flecken sowie die sich mit den Jahreszeiten in ihrer Größe ändernden Polkappen – auf der kleinen orangenen Planetenscheibe erkennen kann. Im Gegensatz zur Venus behindern hier keine Wolken die Sicht auf die Planetenoberfläche. Nur manchmal überdecken riesige Staubschwaden, die das Resultat globaler Staubstürme sind, dessen Antlitz. 

Besonders günstig, um die Oberflächenmerkmale des Mars zu studieren, sind die sogenannten Periheloppositionen, bei denen die Entfernung Erde – Mars bis auf 55.8 Millionen Kilometer schrumpfen kann. Sie wurden in der Zeit vor der Erkundung des Planeten mit Raumsonden intensiv genutzt, um sogenannte Albedokarten anzufertigen. Die Namen, die den verschiedenen darauf erkennbaren Strukturen gegeben wurden, verwendet man übrigens noch heute. 

Mars ist mit einem Poldurchmesser von 6754.6 km und einem Äquatordurchmesser von 6794.4 km bedeutend kleiner als die Erde und ist, wie die Zahlen zeigen, auch ein klein wenig stärker abgeplattet. Seine siderische Rotationsperiode ist mit der Rotationsdauer der Erde durchaus vergleichbar: 24 Stunden 37 Minuten und 22.7 Sekunden. Da die Rotationsachse gegenüber der Bahnebene um 25° geneigt ist, treten auf dem Mars analog zur Erde ausgeprägte Jahreszeiten auf. Sie sind jedoch auf beiden Marshälften unterschiedlich lang, da die Marsbahn eine 5x so große Exzentrizität aufweist als die Erdbahn.

Für einen Umlauf um die Sonne benötigt Mars 1.881 Jahre (=686.93 Tage). Die Entfernung schwankt dabei zwischen 1.38 AU (Perihel) und 1.67 AU (Aphel). Aus diesem Grund erscheint der Durchmesser der Sonnenscheibe am Marshimmel auch nur etwa ein Halb bis ein Drittel mal so groß als von der Erde aus. Entsprechend verhält sich auch die Sonneneinstrahlung im Verlauf eines Marsjahres.

Da sich Mars und Erde unterschiedlich schnell auf ihrer Bahn bewegen, beträgt der zeitliche Abstand zwischen zwei Marsoppositionen – die synodische Umlaufszeit – unter der Annahme von kreisförmigen Planetenbahnen rund 780 Tage. In Wirklichkeit schwankt die Oppositionswiederkehr aufgrund der Bahnexzentrizitäten (insbesondere der Marsbahn, e=0.0934), im Bereich zwischen 764 und 811 Tagen.

Die Masse des Planeten, die sich leicht aus den Bahndaten seiner beiden Kleinmonde ableiten läßt, beträgt 0.1074 Erdmassen oder 6.417∙10^23 kg. Die mittlere Dichte liegt damit bei 3940 kg/m³, was lediglich 72% der mittleren Dichte der Erde entspricht.

Superlative des „Roten Planeten“
Trotzdem die gesamte Marsoberfläche kaum mehr als die Fläche aller irdischen Kontinente zusammengenommen einnimmt, wartet sie mit einigen Superlativen auf.
Sie besitzt

  • die größten Einschlagbecken im Sonnensystem (Hellas und Agyre)
  • die mächtigsten Schildvulkane im Sonnensystem (Tharsis-Aufwölbung mit Olympus Mons, Arsia Mons, Pavonis Mons und Ascraeus Mons, alle über 15 km hoch)
  • die eindrucksvollsten Canyon-Landschaften, die man sich vorstellen kann (Valles Marineris, rund 4000 km lang, 240 km breit und 7 km tief – man vergleiche mit dem „Grand“ Canyon auf der Erde!)


Vergleich des Olympus Mons mit den höchsten Bildungen auf der Erde. Vor dem Zentralteil des Olympus Mons sind das größte irdische Vulkanmassiv, die Insel Hawaii mit ihrem Sockel im Pazifik, und das Mount-Everest-Massiv im Himalaya abgebildet. Zu beachten ist, daß die vertikale Skala doppelt so groß gewählt wurde wie die horizontale.


Vergleich des Valles Marineris mit dem Grand Canyon in  Arizona (kleine Kerbe in der Mitte), dem größten Canyon der Erde. Zu beachten ist, daß die vertikalen Ausmaße im Vergleich zum horizontalen Maßstab um den Faktor vier überhöht dargestellt sind 

Marsmonde
Mars besitzt zwei kleine Begleiter, die standesgemäß die Namen Phobos („Furcht“) und Deimos („Schrecken“) erhalten haben. Beide sind zwar nicht unbedingt rekordverdächtig, aber in vielerlei Hinsicht durchaus bemerkenswert. Sie werden deshalb im Abschnitt „Satellitensysteme“ noch im Detail vorgestellt.

Innerer Aufbau
Aus Analogiebetrachtungen und Gravitationsfeldmessungen, aus der Analyse von Oberflächenstrukturen sowie aus allgemeinen kosmogonischen Erwägungen folgt, daß auch das Innere des Mars in unterscheidbare Schalen differenziert ist. Über Modellvorstellungen hinaus sind die Informationen darüber aber noch recht vage, da bis heute (2011) keine seismischen Untersuchungen (bis auf die mißglückten Versuche von Viking 2) durchgeführt werden konnten. Es gibt aber durchaus indirekte Hinweise vielfältiger Art, welche dem denkbaren inneren Aufbau gewisse Beschränkungen auferlegt, die natürlich von entsprechenden Modellen reproduziert werden müssen. 

Kern
Daß der Mars eine kernartige Massenkonzentration im Zentrum besitzen muß, zeigt schon sein Trägheitsfaktor von 0.3662 (siehe II/(1.11)), der aus den Bahndaten der zahlreichen künstlichen Marssonden abgeleitet wurde. Dieser Wert steht im Einklang mit der Annahme, daß Mars einen Kern mit einem Radius zwischen 1500 und 1600 km und einer Dichte zwischen 7000 und 7500 kg/m³ besitzt, der hauptsächlich aus Eisen mit einer Beimengung von 15 – 20 Gewichtsprozenten Schwefel (und zwar in Form von Eisensulfid FeS) besteht. Dabei sei darauf hingewiesen, daß die Kerngröße stark vom Schwefelanteil und dem Tempera-turprofil entlang des Marsradius abhängt und ohne seismische Methoden nicht direkt bestimmt werden kann. Aus Messungen des Mars Global Surveyor (MGS) sowie aus dem Fehlen eines globalen magnetischen Dipolfeldes hat man weiterhin geschlossen, daß der ca. 5000 K heiße Kern entweder vollständig aufgeschmolzen ist oder sich ähnlich der Erde in einen festen inneren Kern und einen flüssigen äußeren Kern aufteilt. Letzterer Fall erscheint aber (zumindest z.Z.) eher unwahrscheinlich. 

Mantel
Über dem Marskern schließt sich, wie bei der Erde, der Mantelbereich mit einer Mächtigkeit von rund 1700 km und einer regional unterschiedlich dicken Kruste (zwischen 40 und 80 km) an. Dabei liegt die Dichte der Krustengesteine bei ungefähr 2800 kg/m³. 

Der gemessene Trägheitsfaktor befindet sich innerhalb eines Wertebereichs, der im Prinzip verschiedene mineralogische Zusammensetzungen des Marsmantels zuläßt. Da sich der Mars aber auch im inneren Bereich der protoplanetaren Wolke gebildet hat, wird er sich in den Mengenverhältnissen der einzelnen ihn aufbauenden Stoffe nicht allzusehr von der Erde unterscheiden. Es erscheint aber relativ sicher, daß der Marsmantel aufgrund seiner weniger ausgeprägten Differentation deutlich eisenreicher (in Form von FeO) als der (magnesiumreiche) Erdmantel ist und sich diese Besonderheit bis zur Marskruste durchschlägt. So etwas hat natürlich Auswirkungen auf die vertikale mineralogische Zusammensetzung des Mantels. Genau wie bei der Erde werden auch beim Mars im Mantel Phasengrenzen erwartet, an denen sich die Struktur bestimmter Minerale mehr oder weniger abrupt ändert. Das betrifft z.B. das Olivin, welches ab einer bestimmten Tiefe in β-Spinell und dieses wiederum bei weiterer Druckzunahme in γ-Spinell übergeht. In Abhängigkeit des Temperaturverlaufs kann knapp oberhalb der Kern-Mantel-Grenze u.U. noch ein weiterer Phasenübergang erfolgen, und zwar der Übergang von Spinell in Perowskit ((Mg,Fe)SiO3 ). Sollte das der Fall sein, dann kann man direkt oberhalb des Eisenkerns eine ca. 100 bis 200 km mächtige Perowskit – Magnesiowüstitschicht erwarten (Magnesiowüstit ist bekanntlich eine feste Lösung aus Periklas (MgO) und Wüstit (FeO)).


Schalenaufbau des Mars. Ob der innere Eisen-Nickel-Kern fest oder ein Teil davon aufgeschmolzen ist, kann noch nicht eindeutig gesagt werden, obwohl einige Hinweise eher dafür sprechen. © nach Bertka, Fei

Man hat auf der Erde das Phasenverhalten von verschiedenen, für den Mars angenommenen Mineralzusammensetzungen, mit Hilfe von Hochdruckexperimenten untersucht. Nach deren Ergebnissen hängt die radiale Lage der einzelnen Phasengrenzen nicht nur vom Druckgradienten (der geringer ist als bei der Erde), sondern auch sehr stark von der radialen Temperaturfunktion sowie der Position der Kern-Mantel-Grenze und deren Temperatur ab. Das führt dazu, daß die Phasenübergänge im Mars in größeren Tiefen stattfinden, die Übergangszonen breiter werden und die Diskontinuitäten weniger stark ausgeprägt sind.

Manteldynamik und Lithosphäre
Wie bei der Erde schlägt auch auf dem Mars die Manteldynamik auf die Oberfläche durch und ist somit Antriebsmechanismus für endogene landschaftsformende Prozesse. Sie sind jedoch von völlig anderer Art, als die Großplattentektonik der Erde, die über eine Zeitskala von 10^8 Jahren die Verteilung der Kontinente und Ozeane völlig verändern kann. Die Lithosphäre des Mars ist im Vergleich dazu starr und im Wesentlichen nur vertikalen Bewegungen fähig, wie die Aufwölbungen der beiden großen Vulkanprovinzen Tharsis und Elysiums zeigen. Es ist aber durchaus möglich, daß die gesamte Gesteinshülle wie eine einzige zusammenhängende Platte auf dem plastischen Mantel driftet, wobei die Drift aber auch in der Vergangenheit nicht besonders ausgeprägt gewesen sein kann, da man andernfalls auffällige Verschiebungen von hot spots auf der Oberfläche sowie auch lokale Auffaltungen hätte feststellen müssen. Was jedoch entdeckt wurde, sind magnetische Anomalien außerhalb der jüngeren Vulkanprovinzen mittels des Magnetometers von MGS. Diese streifenartige Magnetisierungsmuster, die nur im Bereich der geologisch ältesten Gebiete auftreten, dokumentieren Umpolungen des ehemals vorhandenen dipolartigen Magnetfeldes während der Zeit, als gesteinsbildendes Material aus Riftbereichen ausgetreten ist und regional neue Marskruste  ausgebildet hat (dieser Prozeß ist dem „ocean floor spreading“ analog). Diese „magnetic stripes“ findet man ausschließlich in den sehr alten südlichen Gefilden des Mars, im Bereich des Terra Sirenum und des Terra Cimmeria. Sie sind ungefähr 160 km breit und knapp 1000 km lang. Im Vergleich zu den entsprechenden Strukturen der basaltischen Gesteine der irdischen ozeanischen Kruste sind sie breiter, was auf eine größere Ausbreitungsrate der neu entstandenen Kruste hindeutet, wenn man davon ausgeht, daß die Umpolungsfrequenz des Marsmagnetfeldes mit dem der Erde vergleichbar war. Diese Art der frühen Krustenbildung kann jedoch nicht lange angehalten haben, da Mars aufgrund seiner geringen Größe relativ schnell ausgekühlt ist. Deshalb kann auch der magnetfelderzeugende Dynamoeffekt nur kurzzeitig in der frühesten Geschichte des Planeten funktioniert haben. Auf jedem Fall ähneln die von MGS beobachteten „stripes“ frappierend den magnetischen Mustern in der ozeanischen Kruste der Erde. Es erscheint deshalb durchaus möglich, daß es vor mehr als 3.5 Ga auf dem Mars eine Entwicklungsphase gegeben hat, wo Plattentektonik aufgetreten ist. Sie ist aber offensichtlich (wahrscheinlich, weil der Planet ziemlich schnell ausgekühlt ist) bereits nach kurzer Zeit wieder erloschen. 

Für die Modellierung der Manteldynamik ist besonders die Existenz zweier unterschiedlich großer vulkanischer Aufwölbungen von Bedeutung, da sie auf die Existenz von lokalen Aufströmungen im Mantel (Plumes) hinweisen. Sie sollten in einem realistischen Konvektionsmodell auf jedem Fall reproduzierbar sein.

Mantelkonvektion
Die Plattentektonik wird auf der Erde bekanntlich durch die Mantelkonvektion angetrieben, die unterhalb der Erdkruste die effektivste Methode für den Wärmetransport darstellt. Beim Mars ist das im Prinzip natürlich nicht anders. Auch hier existieren im Mantel Strömungen, die plastisches Material aus dem Bereich der Kern-Mantel-Grenze aufsteigen lassen, nur das hier die Konvektionszellen nicht so feinteilig sind wie in der Erde, sondern es wahrscheinlich nur wenige Aufströmungen gibt, die in Form von Mantelplumes die Oberfläche deformieren. Numerische Konvektionsmodelle, welche die Wechselwirkung der thermischen Konvektion mit den einzelnen mineralischen Phasengrenzen in Beziehung setzt, können so parametrisiert werden, daß die Anzahl der Aufströmungen und damit auch der Konvektionszellen im Mantel reduziert wird (Harder, Christensen, 1996). Um diesen Mechanismus zu verstehen, muß man sich die Region genauer anschauen, wo sich aus thermischen Instabilitäten Diapire (Mantelplumes) bilden (bei der Erde ist das bekanntlich die D‘‘-Schicht, die beim Mars der Kern-Mantel-Grenze entsprechen würde). Hier spielt die genaue Größe des Kernbereichs eine wichtige Rolle, weil wiederum davon abhängt, wie weit die Schalen mit den einzelnen mineralischen Phasengrenzen vom Kern entfernt sind. So kann z.B. die Phasengrenze γ-Spinell-Perowskit nur dann auftreten, wenn der (flüssige) Marskern nicht allzugroß ist (d.h. Radius < 1450 km), was im Wesentlichen von dessen Fe/S –Verhältnis abhängt. Viele Konvektionsmodelle gehen von einer ca. 100 km mächtigen Perowskit-Magnesiumwüstit-Schicht oberhalb der Kern-Mantel-Grenze aus, obwohl die Existenz dieser Schicht noch weitgehend hypothetisch ist.

Endotherme und exotherme Phasengrenzflächen
Im Gegensatz zum Erdinneren liegen die wesentlichsten Phasengrenzflächen im Mars näher an der Kern-Mantel-Grenze, was natürlich Auswirkungen auf die Manteldynamik hat, da Phasenumwandlungen immer mit der Freisetzung (exotherm) oder dem Verbrauch (endotherm) von latenter Wärme verbunden sind. Mathematisch wird dieser Sachverhalt durch die Steigung dp⁄dT der Phasengrenzkurve im Phasendiagramm (auch Clausius-Clapeyron-Kurve genannt) ausgedrückt. Ist sie größer als 0, dann handelt es sich um einen exothermen Phasenübergang. Andernfalls wird er als endotherm bezeichnet.

Zu den exothermen Phasenübergängen gehört die Transformation von α-Olivin in β-Spinell (Wadsleyit) und dessen Umwandlung in γ-Spinell. Endotherm ist dagegen die Umwandlung von γ-Spinell in eine Mischung von Perowskit und Magnesiowüstit. Wenn es über der Kern-Mantel-Zone des Mars wirklich eine Perowskit-Magnesiowüstit-Schicht geben sollte, dann hätte sie einen maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung von Mantelplumes in diesem Bereich.

Aufströme und Phasengrenzen
Da die Phasengrenzflächen beim Mars relativ nahe an der Kern-Mantel-Grenze liegen, haben sie einen nicht zu vernachlässigenden Einfluß auf Auf- und Abströmungen im Mantel. Man kann sich das am Beispiel der Entwicklung einer thermischen Instabilität an der Kern-Mantel-Grenze, aus der sich einmal ein Mantelplume entwickeln soll, folgendermaßen plausibel machen: 
  • Ein Bereich an der Kern-Mantel-Grenze besitzt eine etwas höhere Temperatur als seine Umgebung (thermische Anomalie) und hat aufgrund der dadurch bedingten Dichteverringerung die Tendenz aufzusteigen (Archimedisches Prinzip).
  • Erreicht der dadurch ausgelöste Aufstrom eine endotherme Phasengrenze (z.B. Perowskit- γ-Spinell), dann entsteht in der Phasengrenzfläche eine Aufwölbung, da in der jetzt relativ zur Umgebung höheren Temperatur der Phasenübergang bereits in geringeren Tiefen einsetzt. Das Material des Plumes (Perowskit) ist nun dichter als das umgebende γ-Spinell, was den Auftrieb behindert. Andererseits führt die bei der Umkristallisation freiwerdende latente Wärme zu einer leichten Erwärmung, was zwar dem Effekt entgegenwirkt, ihn aber nicht aufheben kann.
Als Fazit läßt sich feststellen, daß eine endotherme Phasengrenze in der Nähe der Kern-Mantel-Grenze die Entstehung von Aufströmungen unterdrückt. Das passiert aber auch, wenn ein Plume eine exotherme Phasengrenze durchstößt, da bei diesem Vorgang latente Wärme aufgenommen werden muß und der Plume dadurch leicht abkühlt, was wiederum seine Auftriebskräfte verringert. 

Bei Abströmungen ist der Netto-Effekt ähnlich. Trifft ein kühlerer Abstrom eine kernnahe endotherme Phasen-grenze, so wird er in sie eindringen und die Phasenumwandlung findet erst in einer etwas größeren Tiefe statt. Da jetzt leichteres Material (γ-Spinell) von dichterem (Perowskit) umgeben ist, werden die Abwärtsströmung und damit auch dieser Teil des Konvektionszyklus behindert.

Die Existenz kernnaher Phasengrenzflächen kann also die Mantelkonvektion derartig beeinträchtigen, daß es schließlich nur zu wenigen Aufströmungen, also Mantelplumes, kommt. Modellrechnungen bestätigen diesen Befund, obwohl selbstverständlich auch noch andere Parameter die großräumigen Konvektionsmuster beeinflussen (Breuer, 1998). Harder und Christensen (1996) haben sogar direkt gezeigt, daß Modelle mit kernnahen (insbesondere endothermen) Phasengrenzen u. U. zu einem Konvektionsmuster mit nur einem oder zwei Aufströmungen führen, was im Fall des Mars recht gut die riesige Tharsis-Aufwölbung und die Elysium-Vulkanprovinz reproduzieren kann. 

Mantelplumes und Marsvulkanismus
Die beiden (unterschiedlich) großen Vulkanprovinzen des Mars, Tharsis und Elysium, sind die augenscheinlichsten Zeugen der Manteldynamik des Planeten. Insbesondere die Tharsis-Region (Durchmesser ca. 4500 km) stellt mit ihren riesigen Schildvulkanen eine beträchtliche Aufwölbung dar, die sich im Mittel über 10 km über das mittlere Niveau des Planeten erhebt und sich sogar in den Schweredaten, die durch Doppler-Tracking verschiedener Marsorbiter gewonnen wurden, deutlich widerspiegelt. Die Region ist sehr alt, aber nach neueren Untersuchungen mit Unterbrechungen bis fast zur heutigen Zeit (geologisch gesehen) vulkanisch aktiv. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu irdischen Vulkanbauten, die erdgeschichtlich gesehen, nur eine relativ kurze Lebensdauer haben und aufgrund der Plattendrift auf der Erdoberfläche auch nicht (im Gegensatz zu den Marsvulkanen) ortsfest sind (Beispiel Hawaii-Inselkette). Das alles deutet auf eine große Stabilität des „hot spots“ und des dazugehörigen Mantelplumes unter der Tharsis-Aufwölbung hin. 

Beispiel aus einer numerischen Simulation der Mantelkonvektion im Marsinneren, bei der die  Parametrisierung so gewählt wurde, daß sich ein Mantelplume ausbilden kann, der im oberen Bereich (hier weiß dargestellt) durch Druckentlastung Magmen bildet und damit „hot spot“-Vulkanismus induziert.  © WALTER KIEFER (2003)

Bei der Interpretation von Modellrechnungen muß man immer beachten, daß in die Entwicklung von Konvektionsmodellen viele Daten eingehen (z.B. Kerndurchmesser, Temperatur der Kern-Mantel-Grenze, Materialeigenschaften, Raynolds-Zahl etc.), für die es noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Andererseits lassen sich aber gerade daraus, wenn sich die Ergebnisse mit Beobachtungsdaten vergleichen lassen (z.B. lokale und globale Schwerefeldparameter, Oberflächenmorphologie), sinnvolle Abschätzungen für die noch unbekannten Größen gewinnen und auf diese Weise quasi iterativ neue, bessere Parametrisierungen bei der Modellbildung erreichen.

Hemisphärische Dichotomie
Ein weiteres topographisches Merkmal der Marsoberfläche ist ihre auffällige hemisphärische Dichotomie: Die Südhalbkugel und Teile der Nordhalbkugel bestehen aus alter, dicht mit Impaktkratern bedeckter Kruste, die im Mittel auch ~4 km über dem mittleren Planetenradius liegt. Die nördliche Tiefebene dagegen scheint viel jünger zu sein, wie die deutlich reduzierte Kraterdichte beweist. Es ist durchaus möglich, daß diese Erscheinung bzw. der Fakt, daß auf der Südhalbkugel sehr alte Krustenbereiche bis heute überlebt haben, auch etwas mit den Konvektionsmustern im Marsmantel zu tun hat. Einige Mantelmodelle sind z.B. in der Lage, Strömungsmuster zu reproduzieren, die aus wenigen zylindrischen Plumes sowie aus großflächigen Bereichen, wo Mantelmaterie langsam auf- bzw. absteigt, bestehen. Die globalen Strömungsmuster lassen sich dann beispielsweise durch Kugelfunktionen mit der sphärischen Harmonischen l=1 darstellen (WISE et.al., 1979), wobei die „Aufstiegsbereiche“ mehr mit der nördlichen Halbkugel (geringere Krustenmächtigkeit) und die „Abstiegsbereiche“ mehr mit der südlichen Halbkugel außerhalb der Vulkanprovinzen koinzidieren. Ursache dafür könnten thermische Prozesse sein, die bis in die Zeit der Kernbildung zurückreichen. Neuer-dings wird aber auch verstärkt die Möglichkeit eines Megaimpakts diskutiert, der in der Frühgeschichte des Mars stattgefunden hat und die noch heute sichtbare Dichotomie verursacht haben soll (ANDREWS-HANNA, ZUBER, BANNERD, 2008). Es ist also durchaus möglich, daß dieser Impakt (sollte er wirklich passiert sein) auch einen gewissen Einfluß auf die thermische Entwicklung des Planeten und damit auch auf die Ausbildung der globalen Konvektionsströmungen im Marsmantel genommen hat. 


Dichotomie der Marsoberfläche: Die blau dargestellten Gebiete befinden sich unterhalb und die rötlich dargestellten Gebiete oberhalb des mittleren Niveaus des Planeten.  © NASA

Nächster Post (3):  Thermische Geschichte


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Hausmutter


Die Hausmutter (Noctua pronuba) ist eine unserer etwas größeren Eulenfalter, die quasi überall vorkommt. Sie kann leicht an ihrer schlanken Form und die mit einer schwarzen Binde abgeschlossenen gelben Unterflügeln erkannt werden. Die Färbung und Schärfe der brauen Oberflügel ist sehr variabel. Die Raupen leben polyphag an einer Vielzahl niederer Pflanzen.


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Trapezeule


Im Spätsommer beginnt die Zeit der meist unscheinbaren "Herbsteulenfalter". Mangels an geeigneten Blüten saugen sie gerne des Nachts an Baumsäften. Eine Art, die in Laubwäldern in manchen Jahren massenhaft auftritt, ist die in ihrer Flügelfärbung variable Trapezeule (Cosmia trapezina). Ihre Raupe ist als "Mordraupe" verschrien, da sie sich nicht nur rein veganisch von den Blättern verschiedener Laubhölzer ernährt...


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Dienstag, 23. August 2011

Nebelschildkäfer


Von den Schildkäfern gibt es in Mitteleuropa 30 Arten. Es handelt sich dabei um auffallend flache und sich rein von Pflanzen (Käfer und Larve) ernährende Käfer. Eine relativ häufige Art, deren Larven manchmal an Rüben schädlich werden können, ist der aufgrund seiner Färbung benannte Nebelschildkäfer (Cassida nebulosa).


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Montag, 22. August 2011

Gemeine Stengeleule


Ein Nachtfalter, der manchmal auch bei Sonnenschein unterwegs ist - die Gemeine Stengeleule (Amphipoea fucosa). Ihre Raupe nagt an den unteren Stengelteilen und z.T. unter der Erde an den Wurzeln so mancher niederer Pflanzen. Dort bleibt sie oft unbehelligt vor hungrigen Vögeln, Mähmaschinen und Raupenfliegen, weshalb sie auch sehr häufig vorkommt.


Und hier noch etwas größer ...


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Planet Mars (1)

Bild NASA, HST


Ein Sandhaufen ist ein Haufen aus Sand.
 (auch auf dem Mars, nur ist dort der Sand überwiegend rötlich und wahrscheinlich giftig)

Der Mars ist der 4. von 8,5 Planeten, wobei der Pluto nachdem er erst unbekannt war, dann nach seiner Entdeckung als Planet zählte, dann implodierte und somit nicht mehr als Planet zählte, jetzt schlußendlich nach seiner Wiedergeburt als halber Planet gezählt wird. Allerding ist Mars auch ein Schokoriegel. Bei den 8,5 Planeten nicht mitgezählt ist die aus Antimaterie bestehende Gegenerde mit ihrem Mond. Das Wort Mars kommt von dem deutschen Wort Marsch und ist eine Anspielung auf den Einmarsch der Marsianer in alle Länder der Erde...

Erklärung eines Sandhaufens und Einleitungsartikel zum Planeten Mars in der Stupidedia (www.stupidedia.org)


Prolog:
Wie schon erinnert, mag es auf Mars im Durchschnitt eben so warm sein, als auf der Erde. Da aber das Sommerhalbjahr beinahe so lange währt, als auf der Erde ein ganzes Jahr, so muß im Sommer die Hitze, im Winter die Kälte weit höher steigen als bei uns. Man wird von manchen Fruchtarten in jeden Sommer zwei oder drei Ernten halten. Edle Weine und Südfrüchte kommen in dem langen Sommer zu einer Reife, ihre Weine bekommen ein Feuer, einen würzigen Geruch und Wohlgeschmack, von dem wir uns keinen Begriff machen können. ...

Da jeder Körper zehnmal leichter ist als auf der Erde, so muß es den Marsbewohnern sehr leicht werden, sich selbst und große Körpermassen von einem Orte zum anderen zu bewegen. Vielleicht bedürfen sie dazu nicht einmal der Chausseen, ihre Hauptheerstraße ist die Luft. Ihre Luftballone tragen 10mal mehr als die unsrigen, sie bedürfen, um sie zu füllen, nicht eine so feine, kostspielige Luftart wie wir. Wie wir in der ersten Sekunde durch 15, so fallen sie nur durch 6 Fuß; ein Sturz aus beträchtlicher Höhe bringt daher Wenigen Gefahr.  Die Kunst in der Luft zu schiffen, lag ihnen näher, ward, früher erfunden, eifriger und mit lohnenderem Erfolg ausgebildet.

Handel und Wandel sind in der schönsten Blüthe; man ist lebhaft beschäftigt, die Produkte der verschiedenenen warmen und kalten Länder gegeneinander auszutauschen. Fahrten in fremde Marstheile, Reise um den ganzen Mars, welche  5mal kleiner ist als die unsrige, sind etwas sehr Gewöhnliches.  Es kennt jeder Marsbewohner alle Städte und Merkwürdigkeiten seines Planeten aus eigener Anschauung. Dagegen besitzt man vielleicht auf dem Mars, weil die mündliche Mitteilung so leicht ist, weil alle Geschäfte durch persönliche Zusammenkünfte abge-macht werden können, weder der Schreibe- noch der Buchmacherkunst. ...   

Da Mars 5mal kleiner ist als die Erde, so sind muthmaßlich auch seine Menschen 5mal kleiner, Zwerge nach unsern Begriffen, aber wohlgebildete, wohl gar mit Flügeln versehene, um sich ohne weiteres in die Luft erheben zu können.

Reise durch das Weltall - Mars
Die Fackel – Literaturblatt zur Förderung geistiger Freiheit,  Saint Paul, 1859 


Einführung

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war sich ein Großteil des Bildungsbürgertums einig, daß es auf dem Planeten Mars  „Marsmenschen“ gibt. In manchen Kreisen debattierte man ernsthaft die Frage, wie man mit ihnen Verbindung aufnehmen und mit ihnen kommunizieren könnte. Die Vorschläge – oftmals von durchaus seriösen Wissenschaftlern vorgetragen – erscheinen uns heute nur noch als mehr oder weniger kurios. So gab es ernsthaft den Vorschlag, daß man in Sibirien große Kahlschläge in Form von Buchstaben (kyrillisch?) und Wörtern anlegen sollte, die von den „Marsastronomen“ mit ihren Fernrohren zu erkennen wären. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß ein spezielles Medienereignis (wie man heute sagen würde) am Halloween-Tag des Jahres 1938 einen nicht geplanten Verlauf nahm. An diesem Tag wurde das Hörspiel „Invasion vom Mars“  nach HERBERT GEORGE WELLS (1866-1946) Roman „Krieg der Welten“ über den amerikanischen Rundfunksender CBS ausgestrahlt. Es wurde von dem berühmten Schauspieler und Regisseur ORSON WELLES (1915-1985, „Citizen Kane“) derart realistisch arrangiert, daß in den Oststaaten der USA eine wahre Massenpanik unter den Zuhörern ausbrach. Natürlich wissen wir heute, daß es keine „Marsmenschen“ gibt. Die Frage, ob es auf dem Mars aber zumindest primitive Lebensformen auf dem Organisationsniveau einfachster Bakterien gibt, konnte aber bis heute (2011) noch nicht abschließend beantwortet werden. Jedenfalls kann man den Menschen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt haben, ihre Überzeugung nicht übelnehmen, denn immerhin wurden zu jener Zeit von so bekannten Astronomen wie GIOVANNI SCHIAPARELLI (1835-1910) in Italien und später PERCIVAL LOWELL (1855-1916) in Amerika riesige Bewässerungssysteme (wie zumindest Letzterer glaubte) – die bekannten „Marskanäle“ - entdeckt. Daß es sich dabei lediglich um erklärbare optische Täuschungen handelte, vermuteten manche Fachleute bereits damals. Die Gewißheit über diese Vermutung wurde aber letztendlich erst in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erbracht, als die ersten künstlichen Raumflugkörper den roten Planeten erreichten und Bilder von dessen Oberfläche zur Erde funkten.

Aber gerade diese „Marsmännlein“, die nach verbreiteter Überzeugung die Prädikate „klein“ und „grün“ besitzen, haben zumindest lange Zeit das allgemeine Interesse an diesem Planeten wachgehalten. Man denke in diesem Zusammenhang nur an das berühmte „Marsgesicht“, welches 1976 von dem amerikanischen Viking 1 – Orbiter fotografiert wurde und seitdem die Phantasie vieler Menschen angeregt hat. Die Bücher, die darüber von sogenannten „Astrophysikern“ geschrieben wurden, erreichten ähnliche Auflagen wie die pseudowissenschaftlichen Bestseller eines ERICH VON DÄNIKEN oder IMMANUEL VELIKOWSKY („die Zerstörung Trojas wurde vom umherirrenden Planeten Mars bewirkt“). Selbst als sich 1998 das „Marsgesicht“ als gewöhnlicher Tafelberg entpuppte (und nicht als Artefakt einer längst untergegangenen Zivilisation), waren viele Marsgläubige nicht zu überzeugen. Das scheinbar Ungewöhnliche und Geheimnisvolle zieht eben doch mehr in den Bann als nüchterne Wissenschaft, obwohl Letztere durchaus spannender und interessanter sein kann als mancher gemeinhin anzunehmen bereit ist.

Der Planet Mars fällt am Himmel durch sein intensives rötliches Licht auf. Das ist die Farbe des Blutes und damit auch der Grund, warum er in den „Theogonien“ verschiedenster Völkerschaften fast immer mit einem Kriegsgott assoziiert wurde – am bekanntesten davon sind Nergal bei den Babyloniern, Ares bei den alten Griechen, Mars bei den Römern und Tyr bei den nordischen Völkern Europas. Das schwingt auch heute noch in der Astrologie mit, wo er für Unglück, Tod und Zerstörung steht. 


Es soll auch noch daran erinnert werden, daß gerade die über viele Oppositionen ausgeführten Marsbeobachtungen von TYCHO BRAHE (1546- 1601) es JOHANNES KEPLER (1571-1630) ermöglicht hat, die drei allgemeinen Gesetze der Planetenbewegung mit unendlicher Mühe aus Tychos Zahlenreihen herauszulesen. Das ihm das gelang, ist nur der relativ großen Bahnexzentrizität der Marsbahn (e=0.09) und dem Umstand zu verdanken, daß die Marsbahn nur 0.5 AU größer ist als die Erdbahn. Es ist nicht nur von geschichtlichem Interesse, die Methodologie und die Gedankengänge Keplers, die er in seinem Werk „Astronomia Nova“  breit darlegt, zu verfolgen. Wenn man nur ein wenig Gespür hat für die Zeit und für die Lebensumstände, in der Kepler gelebt hat, kommt man nicht umhin, die Entdeckung seiner Planetengesetze als eine wahrhaft überragende Leistung des Fleißes und des menschlichen Intellekts anzuerkennen. Und auch und gerade auch dann, wenn heute jeder Student im ersten Studienjahr in der Lage ist, sie auf einem Blatt Papier aus den mechanischen Grundgesetzen abzuleiten.

Mit dem verstärkten Einsatz des Fernrohrs in der astronomischen Forschung, die insbesondere in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihren Anfang nahm, geriet auch der Mars in das Blickfeld der Wissenschaft. CHRISTIAAN HUYGENS (1629-1695) hielt 1659 die ersten auffälligen Oberflächendetails in seinem Beobachtungstagebuch fest (er gilt z.B. als Entdecker der „Große Syrte“) und versuchte aus deren Verfolgung die Rotationsdauer des Planeten zu ermitteln. Sein Wert von ~24 Stunden wurde später von GIOVANNI DOMENICO CASSINI (1625-1712) anläßlich der Aphelopposition von 1666 weiter verbessert, wobei sein Wert von 24 Stunden und 40 Minuten dem exakten Wert von 24 Stunden, 37 Minuten und 22 Sekunden schon sehr nahe kam. 

Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Astronomie, bei dem der Planet Mars eine wichtige Rolle spielte, war die erste genaue Bestimmung der Entfernung der Erde von der Sonne anläßlich der günstigen Marsopposition des Jahres 1672. Es war natürlich bekannt, daß, wenn man die Entfernung des Mars von der Erde bestimmt, über das 3. Keplersche Gesetz auch sofort die Entfernung der Erde von der Sonne angeben kann. Was lag also näher, als die günstige Marsopposition auszunutzen, um die Marsparallaxe von zwei verschiedenen Orten auf der Erde aus zu messen. Zu diesem Zweck wurde extra eine Expedition nach Cayenne in Französisch-Guayana unter Leitung von JEAN RICHTER (1630-1696) ausgerichtet und gleichzeitig an der neu gegründeten Pariser Sternwarte exakte Positionsbestimmungen des Mars vorgenommen. Anhand der sehr guten Messungen konnte die Entfernung Erde – Sonne, also die Astronomische Einheit, mit einem Fehler von lediglich 7% bestimmt werden. Ab diesem Zeitpunkt bekamen die Astronomen die erste wirklich realistische Vorstellung über die Entfernungs- und Größenverhältnisse im Sonnensystem. Man konnte ausrechnen, wie groß die Sonne ist und auch die wahre Größe der Planeten war kein Geheimnis mehr. Und ohne die Entfernungen im Sonnensystem zu kennen, wäre natürlich auch die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit aus Beobachtungen von Jupitermondverfinsterungen durch OLAF RÖMER (1644-1710) im Jahre 1676 nicht möglich gewesen. 

Mit in der Auflösung immer besser werdenden Teleskopen wurde den topographischen Strukturen auf dem Marsscheibchen mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Vordergründig ging es um eine Verbesserung der Grunddaten des Planeten wie z.B. die Rotationsdauer und die Lage der Rotationsachse im Raum. Aber auch Änderungen im Erscheinungsbild der „Flecken“ und natürlich der Polkappen wurden genauestens registriert und daraus die Schlußfolgerung gezogen, daß der Mars in vielerlei Hinsicht der Erde ähnelt und ausgeprägte Jahreszeiten besitzt. In diesem Zusammenhang soll besonders WILHELM HERSCHEL (1738-1822) Erwähnung finden, der in den Jahren 1777 bis 1783 den Mars mit seinen selbstgebauten Spiegelteleskopen intensiv beobachtet hat. Seine Erkenntnisse, z.B. daß der Mars nur eine sehr dünne Atmosphäre ohne Wolken besitzen muß, hatten genauso wie seine erstaunlich genaue Bestimmung der Rotationsperiode (er lag lediglich um zwei Minuten falsch) sehr lange Bestand. Im 19. Jahrhundert begann dann gewissermaßen die Kartographie des Mars. Aus Zeichnungen wurden Karten abgeleitet und die beständigen Strukturmerkmale mit Namen versehen (RICHARD ANTHONY PROCTOR, 1869). Höhepunkt dieser Bemühungen war die Entdeckung der sogenannten „Marskanäle“ durch GIOVANNI SCHIAPARELLI (1835-1910) anläßlich der Marsopposition 1877. Ursprünglich wollte er mit diesem Begriff nur sehr schwer sichtbare lineare Oberflächenmerkmale beschreiben, die er als lineare Bruch- oder Talstrukturen interpretierte und deshalb (auf italienisch) „canali“ nannte (da er annahm, daß sie sich bei dem Abschmelzen der Polkappen im Frühjahr mit Wasser füllten). Nachdem diese Strukturen in der folgenden Opposition (1879) auch von anderen Astronomen gesehen wurden, begann sich auf einmal eine ganz andere Interpretationsmöglichkeit durchzusetzen – nämlich die, daß es sich bei den „canali“  um „künstliche Bewässerungsanlagen“ einer von Trockenheit gebeutelten Marszivilisation handelt. Ironischer weise liegt der Ursprung dieser Interpretation (die natürlich von vielen Freunden der Astronomie begeistert aufgegriffen wurde) in einer Fehlübersetzung des italienischen „canali“ in das englische „canals“ anstatt des richtigen „channels“. Und diese Interpretation sollte die Astronomie noch bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts beschäftigen, bis endgültig klar wurde, daß die Wahrnehmung der „canali“ weitgehend auf optischen Täuschungen beruhte. Bis dahin schien es aber ziemlich sicher zu sein (und diese Meinung wurde insbesondere von PERCIVAL LOWELL (1855-1916) und dem etwas esoterisch angehauchten CAMILLE FLAMMARION (1842-1925) vertreten, der diese Idee erfolgreich popularisierte), daß es sich bei den Marskanälen um künstliche Wasserstraßen bzw. um breite Vegetationsstreifen um Wasserstraßen handelt. Noch in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhundert versuchten sowjetische Wissenschaftler spezifische spektrale Merkmale des Planeten mit einer jahreszeitlich wechselnden Vegetation zu erklären.

In das Oppositionsjahr 1877 fällt noch eine weitere wichtige Entdeckung – die Entdeckung der beiden Marsmonde Phobos und Deimos durch Asaph Hall (1829-1907) am United States Naval Observatory in Washington D.C., wo ihm der größte Refraktor jener Zeit (66 cm Objektivdurchmesser) für seine Beobachtungen zur Verfügung stand. Durch die Beobachtung dieser Monde konnte erstmalig die Masse des Mars sicher bestimmt werden.

Bis zum Beginn des Zeitalters der interplanetaren Raumfahrt stand insbesondere die Anwendung astrophysikalischer Methoden bei der Marsbeobachtung im Brennpunkt der Forschung. Man versuchte Fragen nach der Zusammensetzung der Marsatmosphäre, nach dem Stoff, aus dem die Polkappen bestehen und ob die jahreszeitlich wechselnden Schattierungen der Albedostrukturen vegetativen Ursprungs sind, zu beantworten. Und was auch wichtig ist, die Fotografie hielt Einzug in die Marsforschung, ohne jedoch die visuellen Beobachtungen ganz ersetzen zu können.

So entwickelte sich ein Bild des Planeten, welches sich doch weitaus drastischer von der Erde unterschied, als es sich die Marsbeobachter des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben träumen lassen: ein kühler (-85°C bis +15°C), arider Planet mit einer dünnen Atmosphäre, die sehr viel Kohlendioxid enthalten muß (CO2-Absorptionsbanden im Spektrum) und nur manchmal Wolken zeigt, sowie jahreszeitlich wechselnde Polkappen aus Wassereis und etwas  gefrorenem Kohlendioxid. Außerdem wurde die Existenz von Vegetation Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts endgültig ausgeschlossen. Zuvor ist dieses Thema sehr hitzig diskutiert worden und führte sogar zur Etablierung eines neuen Wissenschaftszweiges, der „Astrobotanik“ (z.B. in der damaligen Sowjetunion).

Die Erkenntnisse über den roten Planeten, die in diesen Blogbeiträgen vorgestellt werden, beruhen fast ausschließlich auf den Forschungsergebnissen künstlicher Raumflugkörper, die seit 1964 den Planeten besucht haben oder dort heute noch arbeiten. Über 30 Raumsonden wurden bisher zum Mars geschickt. Etwas über die Hälfte sind zwar aus den verschiedensten (und z.T. banalen) Gründen gescheitert. Die Ergebnisse der erfolgreich verlaufenden Missionen sind jedoch beachtlich und haben den Mars zum besterforschten Planeten unseres Sonnensystems neben der Erde gemacht. 

Das nächste große Ziel ist eine bemannte Mission, die nach den gegenwärtigen Planungen in etwa zwei bis drei Jahrzehnten auf der Tagesordnung stehen soll. Inwieweit das realistisch ist, läßt sich noch nicht einschätzen. Man kann also gespannt sein, wann und wie und ob es gelingt. Die Astronauten jedenfalls, die dieses Wagnis auf sich nehmen werden, sind wahrscheinlich bereits geboren. Nur ahnen sie noch nichts von ihrem großen Abenteuer… 

Nächster Post (2):  Mars als Planet


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Sommerblumen - Dürrwurz-Alant


Nur ab und an hat man das Glück, den Dürrwurz-Alant (Inula conyza) aus der großen Familie der Korbblütengewächse zu entdecken. Dieses Exemplar konnte ich an einer Mauer der Burg Friedstein im Böhmischen Paradies fotografieren.



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Sommerblumen - Wiesen-Storchschnabel


Der stattliche Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) liebt nährstoffreiche Standorte wie Frischwiesen, Wegränder und Unkrautfluren. Seine Blütezeit fällt in den Hochsommer, also in den Juli und den August. Seine Blüten werden gern von Insekten besucht.





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Sonntag, 21. August 2011

Kleiner Feuerfalter

 Aufnahme:  Werner Schorisch, Zittau

Der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) ist ein Bläuling, nur halt nicht so blau wie die Kornblume, auf der er sitzt. Er kommt überall dort vor, wo auch die Futterpflanzen seiner Raupen wachsen. Das sind verschiedene Ampferarten wie der Wiesen-Sauerampfer oder der Kleine Sauerampfer. Man kann ihn besonders im Hoch- und Spätsommer bei seinen emsigen Blütenbesuchen beobachten.


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Burg Friedstein im Böhmischen Paradies



Heute habe ich wieder einmal die Ruinen der Burg Friedstein unweit von Kleinskal (Mala Skala) im Böhmischen Paradies besucht. Diese Felsenburg ist der Inbegriff einer alten Ritterburg, so wie man sich gewöhnlich eine vorstellt: Abenteuerlich auf einem steilen Felsen errichtet, ein hoher Wartturm, Reste einer starken Burgmauer und eines Bergfrieds, eine Vielzahl unteririscher, grob in den Sandstein getriebene Höhlungen und ein netter älterer Herr hinter der Pforte, der den Eintritt kassiert. 

Die Burg Friedstein erreichen Sie am einfachsten entweder von Turnau (Turnov) aus (Straße in Richtung Gablonz) oder, wenn Sie die Autobahn von bzw. nach Reichenberg (Liberez) benutzen, vom Abzweig Liebenau (Hodkovice na Mohelkou) aus – einfach den Schildern (Frydstejn) oder dem GPS folgen... Sie können natürlich auch von der Straße von Turnau nach Eisenbrod in Kleinskal links abbiegen, um dorthin zu gelangen (bzw rechts, wenn Sie aus der anderen Richtung kommen ;-). Auf jeden Fall ist die Burg einen Ausflug wert.

Ich will jetzt hier keine große Beschreibung dieser Burgruine abliefern, sondern vielmehr etwas über ihre Geschichte erzählen – und auch das nur recht knapp. Denn es gibt leider nicht allzuviel zu berichten, denn das meiste ist im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen. Ihr noch durchaus recht guter Erhaltungszustand disharmoniert irgendwie mit der Kärglichkeit des überlieferten Wissens über die Bauherren, die Bestimmung und die Bewohner dieser Burg. 

Den Ort Friedstein haben die Geschichtsforscher mit dem mittelalterlichen Stadtflecken Zasada identifiziert, die erstmalig im Jahre 1385 in einer Urkunde erwähnt wurde. Nach den Hussitenkriegen nahm dann der Ort – genauer ein lockeres Dorf, den Namen der ihr Bild beherrschenden Burg an – Friedstein. Eine ihrer ersten Besitzer (aber wahrscheinlich nicht die Erbauer) waren Ritter vom Geschlecht der Kowan. Sie hatten ihre Stammburg in der Nähe von Jungbunzlau (Mlada Boleslav) in dem Dorfe Kowan (Kovan) bei Boretsch (Borec), von der aber nicht einmal mehr Spuren erhalten geblieben sind. Ihre letzten Nachrichten datieren in die Mitte des 15. Jahrhunderts, als sie schon „öd“ da lag und von den Bewohnern der Umgebung wahrscheinlich als günstige Quelle für Steine für den Hausbau genutzt wurde. 

Im Jahre 1350 lebte Sulek von Kowan, dessen Sohn Sulek II von Kowan als Kirchenstifter aufgefallen ist. Es kann, muß aber nicht sein, daß einer von beiden Friedstein erworben hat. Denn ihre nächsten Nachkommen, die Brüder Wenzel und Bobusse von Kowan nannten sich selbst die „Herren von Friedstein“. Wann die Burg genau erbaut wurde, läßt sich nicht mehr feststellen. Um 1363 muß es sie schon gegeben haben, denn es hat sich überliefert, daß die Herren von Draschitz (ein niederes böhmisches Adelsgeschlecht, die u.a. Domherren bzw. Bischöfe von Prag waren)  Eigentümer der Veste waren. 1376 ging dann der Besitz an Johann von Bieberstein (1342-1424) über, der in Friedland und auf Burg Hammerstein an der Lausitzer Neiße residierte. 

Während der Hussitenkriege bekämpften die katholischen Brüder von Kowan mit all ihren Möglichkeiten die Hussiten, was natürlich deren Zorn auf sie zog. Bobusse von Kowan wurde deshalb im Juli 1432, als er auf Burg Friedstein weilte, von einem Hussitenheer unter dem bekannten Hussitenführer Jan Capek ze San belagert. Es kam jedoch (die Umstände sind leider unbekannt) zu einem Vergleich mit den Kelchnern, wodurch die Burg vor einer Zerstörung bewahrt wurde. Bobusse von Kowan nutzte die Zeit darauf, die Burg noch wehrhafter zu gestalten. Er schloß sich später, nach dem er den ultraquistischen Glauben angenommen und den katholischen abgelegt hatte, Georg von Podiebrad (1420-1471) an, der von 1458 an bekanntlich König von Böhmen wurde. Bei einer Vielzahl von Kriegen erwarb er sich hohe Verdienste und bekam vom König Ladislaus Postumus am 13. Juli 1454 sämtliche der Krone gehörende Güter und Herrschaften Friedstein, Rothenstein und Kowan als Schenkung (zuvor waren es Lehen). Bobusse von Kowan starb im Jahre 1459. Solange seine Kinder noch minderjährig waren, verwaltete Johann von Hasenburg auf Kost die Ländereien und die Burg Friedstein. Später wurden sie von den Erben an den Herrn Zub von Landstein auf Bradlec verkauft und schließlich gelangte sie um 1500 in den Besitz des Ritters Johann Dubecky von Dubec. Dieser reiche Adelige hatte jedoch keine männlichen Nachfahren, was im Folgenden zu einer etwas wirren Besitzfolge führte. Letztendlich gelangte Friedstein um 1543 in den Besitz der Familie von Wartenberg. Genauer, Adam von Wartenberg (die Wartenberger hatten traditionell den Titel des Mundschenks am königlichen Hof in Prag inne). Leider hatte er sich im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) gegen den Habsburger Kaiser Ferdinand I gestellt, was ihm am 7. Juli 1547 alle seine Güter, darunter auch die Burg Friedstein, kostete. Die Herrschaft wurde mit der Herrschaft Böhmisch Aicha (Cesky Dub) vereinigt und für eine größere Menge Geldes (man spricht von 8571 Prager Groschen) an Johann Oppersdorf, Freiherr von Dub (und jetzt auch von Friedstein) vermacht. Er interessierte sich aber nicht mehr für die Burg. Außerdem war eine Zeit angebrochen, wo ein Adliger doch lieber in einem bequemen, beheizten Schloß lebte als in einer unbequemen, zugigen und im Winter eiskalten Burg. Friedstein wurde nicht mehr bewohnt und begann zusehends zu verfallen. Zwar konnte er sie 1591 noch einmal verkaufen, aber auch der neue Besitzer (ein Herr von Smirice) hatte weder Lust noch Geld noch anderweitige Ambitionen, etwas an der Burg zu unternehmen. Nur die Burgkapelle wurde noch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts sporadisch für Gottesdienste genutzt. Ein großer Teil der Steine dürfte auch in den Fundamenten der umliegenden Bauernhäuser verbaut worden sein.

Der Bau der Burg unter Ausnutzung eines natürlichen Felsens zu Beginn des 14. Jahrhunderts war sicherlich eine enorme Leistung. Allein der Burgturm mit einem Durchmesser von 9 Metern, einer Wandstärke von 2 Metern und einer (heutigen) Höhe von 15 Metern ist ein äußerst imposanter Bau. Man möchte sich auch gar nicht vorstellen, welche Arbeit es gemacht habe muß, mit einfachen Meiseln die vielen Räume aus dem gewachsenen Fels heraus zu arbeiten. Und noch schwieriger ist es sich vorzustellen, wie man vor 600 Jahren auf solch einer Burg gelebt haben mag.












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Samstag, 20. August 2011

Sommerblumen - Großer Wiesenknopf


Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist eine häufige Pflanze fetter, nicht zu trockener Wiesen.



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