Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf
In den Jahren 1862 bis 1890 wurde mit der Königlich-Sächsische
Triangulirung für das Königreich Sachsen ein Netz von Vermessungspunkten
geschaffen. Der 2. Weltkrieg führte dazu, dass einige
Triangulationspunkte nicht mehr auf deutschem Territorium liegen. Das
trifft auch für die Station Königshain zu.
Königshain, heute Działoszyn in Polen, liegt auf der anderen Seite der Neiße, etwa gegenüber von Ostritz.
Die nächstgelegenen Straßenübergänge für PKW liegen in Zittau bzw. in
Hagenwerder. In Königshain (Działoszyn) fährt man in Höhe der Kirche in
Richtung Maxdorf (Wyszków). Am Ortsausgang kann man links an einem
Feldweg parken.
Auf der rechten Straßenseite steht diese Infotafel zum
Triangulationspunkt Königshain, allerdings in einem bedauerlichen
Zustand. Von dem Schutzdach ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Im Anhang finden Sie die Übersetzung und einige Bilder von dieser Tafel.
Die Tafel ist der einzige Hinweis auf den historischen Vermessungspunkt. Es gibt keinen weiteren Wegweiser!
Fraglich war, wo der Triangulationspunkt liegt – und wenn er überhaupt noch existiert, in welchem Zustand er sich befindet.
Diese Koordinaten aus dem Internet sollten zum Ziel führen:
50°59′4.5″N, 14°58′0.9″E
Deshalb folgte ich dem Feldweg unter den Hochspannungsleitungen für etwa
800 Meter. Irgendwo rechts sollte der Punkt liegen, dort war aber kein
markanter Berg! Nur ein kleiner Hügel mitten im Feld, zu dem kein Weg
führt!
Durch das Feld gelangt man zu dem felsigen Hügel.
Und plötzlich tauchte im hohen Gras die Säule auf.
Sie befindet sich in einem erstaunlich gutem Zustand.
Dieses Foto auf der Infotafel ließ Schlimmes befürchten.
Die Rekonstruktion erfolgte 2011. Der alte Anstrich wurde entfernt und
die Originalinschrift erneuert und lesbar gemacht. Die verlorene
Steinabdeckung der Säule wurde ersetzt.
Der Triangulationspunkt wurde 1865 errichtet. Unter der Jahreszahl ist eine Höhenmarkierung zu erkennen.
Es ist die Station II. Ordnung mit der Nummer 37 (von 122) und damit die
erste nach den 36 Stationen der I. Ordnung. Die Nummerierung erfolgte
von Ost nach West.
Die Säule ist 1,3 Meter hoch und besteht aus Herwigsdorfer Granit.
Der Bau der Säule kostete damals 132 Mark.
Die Nordseite der Säule ist durch ein Dreieck gekennzeichnet.
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Lochstein für eine Signalstange.
Im Rahmen der Königlich-Sächsische Triangulirung wurden von der Station
Königshain Richtungsmessungen zu den benachbarten Dreieckspunkten
Hutberg, Schanzberg und Gückelsberg ausgeführt.
Triangulationspunkte waren weit sichtbar und bieten deshalb eine gute
Aussicht. Für den Heideberg (Porąbka, 352 Meter) trifft das heute nur
noch zum Teil zu:
Heufuder (Stóg Izerski, 1107 Meter) und Tafelfichte (Smrk, 1124 Meter), rechts Wittigberg (Smědavská hora, 1084 Meter)
Der Iserkamm vom Wittigberg (Smědavská hora, 1084 Meter), Siechhübel
(Jizera, 1122 Meter) und Taubenhaus (Hulobnik, 1070 Meter) bis zum
Mittagsberg (Polednik, 864 Meter) und Grubberg (Stržový vrch, 704 Meter)
Die bewaldete Abraumhalde vom Kraftwerk Turów. Hier hatte man früher noch freie Sicht.
Die Windkraftanlagen bei Engelsdorf (Andělka) auf dem Lohnberg (Větrný, 385 m)
Im Norden: Rechts die Landeskrone (419 Meter) bei Görlitz, links der Schwarze Berg (393 Meter)
Rechts der Schwarze Berg (393 Meter), dahinter die Königshainer Berge,
in der Mitte der Friedersdorfer Berg (395 Meter), ganz links der
Rotstein (455 Meter)
Der Rotstein (455 Meter) jetzt rechts, links der Sornßiger Berg (503
Meter) und dahinter Löbauer Berg (448 Meter) und Schafberg (449 Meter)
Lausche (793 Meter), Finkenkoppe (Pěnkavčí vrch, 792 Meter) und Weberberg (710 Meter)
Leider sind die Berge auf deutscher Seite nur durch die Hochspannungsleitungen hindurch sichtbar.
Deshalb versuche ich es weiter unterhalb vom Heideberg (Porąbka, 352 Meter)
Es wird aber nicht besser: Die Lausche (793 Meter) ist nur noch zwischen den Bäumen zu sehen.
Dafür sieht man jetzt den Hochwald (749 Meter).
Jetzt unter den Drähten: Die Landeskrone (419 Meter)
Ohne Drähte: Der Rotstein (455 Meter), links der Georgenberg (396 Meter)
Auch störungsfrei: Der Sornßiger Berg (503 Meter),
rechts dahinter Löbauer Berg (448 Meter) und Schafberg (449 Meter), links dahinter der Hochstein (534 Meter)
Die Rauchsäule vom Kraftwerk Turów
Die Lausche (793 Meter) genau über der Kirchturmspitze von Königshain
(Działoszyn), aber auch nur durch die Freileitungen hindurch!
Jetzt zwischen den Drähten: Der Hochwald (749 Meter).
Anhang:
Sechs Bilder und die automatische Übersetzung der Infotafel am Ortsausgang von Königshain
Historischer Triangulationspunkt Königshain (Działoszyn)
- ein geschütztes Kulturdenkmal
Die Vermessungssäule wurde auf dem höchsten Punkt des Hügels
aufgestellt, der sich an der Straße befindet, die Königshain
(Działoszyn) mit Friedreich (Wolanów) und Weigsdorf (Wigancice)
verbindet. Der Grundbesitzer, Herr Ronsch, erteilte die Genehmigung für
den Bau der Säule an dieser Stelle. Die Steinsäule besteht aus
grobkörnigem Herwigsdorfer Granit und ragt etwa 1,3 Meter über den
Boden. Der Bau der Säule wurde von Professor Nagels Assistent Helmert
überwacht und kostete 132 Mark.
Die Säule wurde gemäß den Empfehlungen der Baukunst im Jahr 2011 von
Herrn Sebastian Lichodziejewski im Auftrag des Verbandes Deutscher
Vermessungsingenieure Sachsen (DVW) und des Verbandes Polnischer
Vermessungsingenieure (SGP) restauriert. Der alte Anstrich wurde
entfernt und die alte Originalinschrift erneuert und lesbar gemacht. Die
verlorene Steinabdeckung der Säule wurde rekonstruiert. Die Arbeiten
wurden aus Mitteln des Landes Sachsen und beider Verbände finanziert.

Zustand vor der Erneuerung
Gradmessung und Triangulation im Königreich Sachsen
Bei der Landesvermessung 1862 bis 1890 wurden zwei Dreiecksnetze
geschaffen, das Netz für die Gradmessung im Königreich Sachsen (Netz I.
Klasse) mit 36 Punkten und die Königlich Sächsische Triangulirung (Netz
II. Klasse) mit 122 Punkten. Die Arbeiten standen unter der Leitung von
Prof. Christian August Nagel. Damit verfügte Sachsen auf dem Gebiet der
Landesvermessung über eines der modernsten Lagenetze in Deutschland. Für
den Maßstab der beiden Netze wurde bei Großenhain eine knapp 9 km lange
Basislinie gemessen. Im restaurierten Basisendpunkt bei Quersa erinnert
ein kleines Museum an diese Arbeiten.
Neben der Triangulation erfolgten auch astronomische Messungen und es
wurde ein erstes Landesnivellement zur Bestimmung von Höhenfestpunkten
ausgeführt.
Die Mitteleuropäische Gradmessung wurde schon bald durch den Beitritt
von vielen Staaten zur Internationalen Erdmessung erweitert, die eine
der ersten wissenschaftlichen Vereinigungen der Welt war.
Die vielfältigere Nutzung von geodätischen Festpunkten und Fortschritte
in den Messtechnologien in der Mitte des 20. Jahrhunderts erforderten
die Schaffung von neuen, besser zugänglichen Trigonometrischen Punkten.
Diese waren während der Vermessung oft mit hölzernen Hochsignalen
überbaut. Historische Vermessungssäulen verloren damit ihre praktische
Bedeutung. In der Gegenwart sind dreidimensionale
Koordinatenbestimmungen mit satellitengestützten Navigationssystemen,
wie dem GPS, in hoher Genauigkeit und in kürzester Zeit an fast jedem
Ort möglich.
Im Laufe vieler Jahre wurden von diesem Punkt aus geodätische
Vermessungen zu den benachbarten Punkten von Professor Nagel
durchgeführt - unter anderem zum: Hutberg, Schanzberg, Gückelsberg.
Nagelsäule Klasse II hier am Beispiel der Station 35 WEIDA, die analog zur Station 37 Działoszyn (Königshain) gebaut wurde.
Christian August Nagel
geb.: 17.05.1821 in Grünberg
gest. 23.10.1903 in Dresden
Nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften wurde August Nagel erster
ordentlicher Lehrer (1852) und Professor (1858) für Geodäsie an der
Königlich Sächsischen Polytechnischen Schule in Dresden. Er war der
Gestalter der Triangulation im Königreich Sachsen und Initiator sowie
praktischer Betreuer bedeutender Projekte, wie der Vermessung des
Erzgebirgischen Kohlenbassins und der Stadtvermessungen von Dresden und
Leipzig. Ab 1888 war er Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons
im Dresdner Zwinger.