Sonntag, 4. Oktober 2026

Wanderung zum Finsterstein

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Wenigstens einmal im Jahr soll es mit einem Tagesausflug ins Riesengebirge gehen. Der Aufwand, um gezielt an bestimmte Orte zu gelangen, ist von zu Hause beträchtlich. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir wieder einmal: nicht der kürzeste Weg zum Ziel ist der schnellste. Die malerische Vorgebirgslandschaft des Riesengebirges (Pod Krkonoši) kann darüber nicht hinwegtrösten, denn der Fahrzeuglenker kann sich aufgrund der kurvenreichen Strecke nicht daran erfreuen. Wir fahren also zunächst einmal nach Witkowitz (Vitkovice), im Niederdorf an der Kleinen Iser (Jizera) soll unsere Wanderung beginnen.

„Schon beiin Einfall des Stiepanitzer Bachs verschönern sich allmälig die Ufer der kleinen Iser, besonders immer weiter auswärts durch die an den steilen Wänden der Berglehnen hervortretenden Baum - und Strauchgruppen und kleinen Waldparthien, aus welchen zahlreiche Stein- und Felsenwände hervorschauen, über welchen am Heidelberge hinaus die zerstreuten Hütten liegen. So gelangt man nach Witkowitz, welches sich in weiter Ferne des Thales verzweigt und fast bis zu den Bauden des höchsten Kammes hinreicht. Das Thal wird hier enger und finsterer durch die zahlreiche Baumbekleidung der untern Gehänge, welche an einer Stelle so steil und felsig sind, daß der Fuß aus den einzelnen Felsenvorsprüngen nur mühsam Platz findet und sich mit vieler Beschwerde zur Höhe der obenliegenden Bauden emporarbeitet, oder von der Höhe zum Thale herniederklimmt. Der Fußsteig, welcher auf diesem Wege an der Höhe des waldigen Heidelberges hinzieht, empfiehlt sich, über die Dörfer oder Baudengruppen von Heidelberg, Benezkow, Mrklow und Schreibendorf führend, zum Theil durch reizende Aussicht in die nähere und entferntere Gegend, wo Krzischlitz mit seinen Kirchen, das durch Neubauten und Schieferdächer glänzende Starkenbach und eine Menge anderer Ortschaften mit den Ruinen der alten Schlösser Kumburg, Bradletz und Switschin sich hervorheben. Nur ein kleines, westlich auf die Höhe der von der Kesselkoppe ausgehenden waldigen Kammer führendes Wiesenthal enthält am Ausläufer des Kesselkammes den Haupttheil des Dorfes, welcher Kirche, Pfarre, Schule und ein Wirtshaus trägt, aber unten im düstern, waldigen Felsenthale in romantischer Umgebung ein anderes Wirtshaus und eine wohlgebaute steinerne Mühle an der rauschenden kleinen Jser enthält. Das ganze Dorf hat außerdem noch zwei Mühlen und 268 Häuser mit 1920 Einwohnern. Die Kirche wurde 1618 vom Grafen Harrach erbaut. Rechts erhebt sich aber mit dichter Waldung und vielen Felsenparthien der Johannisberg, ein Theil des gewaltigen Heidelberges, dessen andere Theile dieser östlichen Thalseite noch der Wachur und der Jankenberg sind. Am Johannisberge erhebt sich auch der hohe Felsen der kleinen, und weiter hinauf gegen den Heidelberger Ziegenrücken hin die gewaltige Steinmasse des großen Eschersteins, und weiter oben im Thale erhebt sich aus der Bergecke des Waldberges drohend die romantische, wilde Schwotzerkuppe, in deren Nähe die Felsen der Dreisteine an der Grenze von Witkowitz aufragen, Hier unter der Schwotzerkuppe liegt auf grüner Matte am rauschenden Flusse, einem herrlichen Walde gegenüber, das herrschaftliche, stattliche Forsthaus von Witkowitz, über welchem von Westen herein ein liebliches Thal, aus welchem die Koschel hervorkommt, in das Thal der kleinen Iser einmündet.“ (Das Riesengebirge, seine Thäler und Vorberge und das Isergebirge, Karl Friedrich Mosch, 1858)

Man könnte Mosch’s Beschreibung noch eine Weile folgen, aber ich meine, der Leser bekommt einen Interesse weckenden Eindruck von der Landschaft um Witkowitz, welches als eines der besten Ausgangspunkte in das westliche Riesengebirge gilt. Die wunderschönen typischen, restaurierten Riesengebirgshäuser runden das Bild ab. Westlich von Witkowitz streicht der Wolfskamm (Vlčí hřeben) zu Tale, östlich der Heidelbergkamm (Žalský hřbet), wo das ausgegebene Tagesziel liegt.

„Auf den Wolfskamm folgt, parallel zu demselben streichend, der Heidelbergrücken, der bei den oberen Schüsselbauden vom Krkonoschrücken ausläuft. Er beginnt mit 1 100 m Seehöhe, fällt bei Hohenelbe bis zur Seehöhe von 700 m nach Westen und Osten gleichmäßig und steil gegen das kleine Isertal und das obere Elbetal ab, ist flach gewölbt, fast durchaus mit Wald bedeckt und trägt eine Reihe teils sanft gewölbter, teils steiler, felsiger Kuppen, wie den Mooshübel, die Schwozerkoppe, den Finsterstein, Buchberg oder Johannesberg und endlich die schöne kegelförmige Kuppe des Heidelberges, mit welcher der Querrücken endigt.“ („Das Riesengebirge“ Dr. J. K. E. Hoser, 1908)

Vom Niederdorf wandern wir hinauf ins Oberdorf, wo die schön restaurierte Kirche St. Peter und Paul ein romantisches Bild vor dem Riesengebirgspanorama abgibt. Von den Höhen überschaut man das Tal der Kleinen Iser, am Ende türmt sich die Kesselkoppe (Kotel) auf, östlich zieht sich der Heidelbergrücken dahin. Am Hang desselben haben wir eine Baude ausgemacht, die uns geradezu anlockt. Das ist die Chata Tereza. Sie entpuppt sich als wahres Kleinod unter den Bauden. Von der Terrasse überblickt man das Tal der Kleinen Iser in Richtung Wolfskamm. Die Plätze sind reserviert, sodass wir das Panorama heute nur durch die Fenster der Gaststube bewundern können. Das köstliche Essen entschädigt uns restlos (und die gastfreundliche Wirtin).

Es folgt der Aufstieg zum Schöberberg (Šeřín) mit der Finstersteinaussicht. Den Weg säumt Heidelbeergesträuch mit reifen Früchten. Die Aussicht vom Finsterstein ist leider nicht mehr ergiebig, da Bäume die Sicht versperren. An- und Abstieg sind wenig anspruchsvoll, ziehen sich aber hin. Beim Abstieg erfreue man sich am Rovinka Bergpass an der Imbiss-Hütte Chata Rovinka, bevor es dann endgültig zurück ins Tal zum Ausgangspunkt der Wanderung geht.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.





Kirche von Witkowitz





Chata Tereza
















Finsterstein













Neuer Aussichtsturm auf dem Jüttelsberg

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz










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