Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz
Selten, aber immer wieder gerne, wandern wir ins Friedländer Land, oder auch als Friedländer Zipfel (Frýdlantský výběžek) benannt. Es begrenzt sich im Süden durch die Höhen des Isergebirges und ist im Norden, Osten und Westen von der polnischen Oberlausitz umschlossen. Das Gebiet gehörte früher zum Hinterwaldgau (Zagost).
„Die Gegend des Isergebirges war bis in das 13. .Jahrhundert noch ein mächtiger, dazu wilder und unwirtlicher Gebirgsurwald, ein Theil des allbekannten sechzig Tagereisen langen hereynischen Grenzwaldes, welcher Böhmen im Norden (wie ein breiter Festungsgürtel umfing. „In endloser, weit kreisförmiger Ausdehnung sich nach Osten und Westen erstreckend hatte dieser das Land zwischen Oueis und Iser und wohl noch darüber hinaus bedeckende Wald eine Breite von zehn Meilen"; dichtes Gehölz, dessen Wurzeln sich begegnend und gegenseitig drängend im Bogen auswärts krümmten, den Boden durchbrachen und oberhalb desselben förmlich Thore bildeten, fessellose Gewässer und tückische Sümpfe bedeckten den unebenen, theils steinigen, theils morastigen Boden. … Die Bewohner des Urwaldes waren verschiedenartige wilde Thiere, die Beherrscher Bären, Wölfe nnd Eber. Menschliche Bewohner gab es zu Ende des 12. .Jahrhunderts außer einzelnen .Jägern und Grenzhütern in dieser einsamen Wildnis keine. Der Cultur versperrte unsere Gegend noch auf Jahrzehnte den Weg. Rings um diese Urwildnis aber dehnten sich bereits cultivierte, fruchtbare Landstrecken aus, bewohnt von verschiedenen ackerbautreibenden Völkern.“ (Geschichte des Frieländer Bezirkes, Anton Kessel, 1902)
Diese Stämme besiedelten nach und nach die Gegend des Friedländer Landes und verwandelten sie im Laufe der Zeit in eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Region. Wir können uns auf unserer heutigen Wanderung ein Bild davon machen.
Wir beginnen unsere Tour in Bärnsdorf (Horní Řasnice) an der Rasnitz (Řasnice). Östlich des Bachlaufes erheben sich die Heinersdorfer (Jindřichovice pod Smrkem) Höhen, östlich das weitläufige Weidegebiet um den Humrich. Der Humrich ist unser erstes Tagesziel. Ordentlich haben wir unsere Route auf den markierten Waldwegen geplant. Da aber keine auf den ausgedehnten Wiesen zu sehen sind, kürzen wir einfach ab und streben querfeldein dem Waldrand entgegen. Und weil das so schön geklappt hat, wandern wir entlang des Waldrandes weiter mit dem Nutzen, dass sich großartige Ausblicke auf den gesamten Isergebirgskamm bieten. Der Wermutstropfen: es ist ziemlich diesig, sodass nur die Silhouette der Bergkette erkennbar ist. Im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit sahen wir von den Höhen um Bertsdorf (Pertolice) noch die schneebedeckten Gipfel des Isergebirges. In diesem Jahr ist von der weißen Pracht nichts mehr erhalten geblieben.
Ein alter Pfad mündet, aus dem Wald kommend, auf das Wiesengelände. Er führt genau zum Gipfelbereich des Humrich, der, seinem Zustand nach zu urteilen, wohl seltenst von Wanderern erklommen wird. Ein paar Meter führt der Steig durch felsiges Gelände nach oben, ein paar Gesteinszacken sind am Gipfel anzutreffen, die Aussicht ist eingeschränkt, aber es findet sich ein Plätzchen für eine Rast. Weiter geht es durch den Wald, wenig aufregend in Richtung Bullendorf (Bulovka). Den Steinberg (Bulovský kopec) bekrönt ein Wäldchen. Hier ist ein geeigneter Ort mit tollem Aussichtspotential für eine längere Rast. Schade, dass es immer noch ziemlich diesig ist.
Irgendwo, südlich im Wald, verbirgt sich der Arnsdorfer Wasserfall, ein unscheinbarer, aber interessanter Punkt von Interesse, der auf der mapy-Karte eingezeichnet ist. Kein Weg führt allerdings dahin. Den guten Erfahrungen vom Vormittag folgend, laufen wir wieder durch offenes Gelände in die Richtung, wo wir einen Zugang zu dem Waldgebiet vermuten, in dem sich der Wasserfall befindet. Unser Orientierungssinn hat uns nicht verlassen und so finden wir tatsächlich, in einem kleinen Waldtal versteckt, den Wasserfall am Arnsbach (Arnoltický potok), der über zwei Stufen etwa 5 Meter in die Tiefe fällt. Wir empfinden es als ein romantisches Örtchen, an dem der Wanderer gewiss Gefallen findet. Ganz unbekannt ist der Wasserfall den Einheimischen gewiss nicht, denn ein Rastplatz ist eingerichtet.
Uns bleibt nur noch der Weg zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Er führt auf landwirtschaftlichen Wegen über die weiten Wiesen oberhalb des Rasnitztales nach Bärnsdorf. Noch einmal erleben wir die eindrucksvolle Kulisse des Isergebirgskammes, der von der Tafelfichte (Smrk) dominiert wird.
Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.






































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