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Samstag, 2. November 2013

Wanderung um das Tal des Jeschkenbach (Ještědský potok)

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Der Jeschkenbach entspringt unweit des Auerhahnsattel (Tetřeví sedlo) am westlichen Gehänge des Jeschkengebirges und nimmt seinen Lauf durch die langgezogenen Ortschaften Kriesdorf (Křížany) und Seifersdorf (Zibridice). Dort wendet er sich nach Süden, bis er bei Wartenberg (Stráž pod Ralskem) von der Polzen (Ploučnice) aufgenommen wird. Bei schweren Regenfällen kann sich der Bach in ein gefährliches Gewässer verwandeln.

Radler wissen die Strecke vom Ausgespann bis hinunter nach Seifersdorf zu schätzen. Nach dem mühevollen Aufstieg zum Sattel rollt man kilometerlang entspannt durch das sanfte Tal. Nach dem Verlassen des Waldes breitet sich die Kulisse der Kegelberge und des Lausitzer Gebirges aus. Bald erscheinen beiderseits der Straße verstreut die ersten alten Gehöfte. Die Obstbäume, die hier stehen, tragen gewiss noch alte Sorten, die kaum mehr bekannt sind. Die sich nach Süden öffnende Wiesenlandschaft ist in Koppeln parzelliert, auf denen Pferde und Rinder ihr Futter finden. Wir wollen die Gegend einmal zu Fuß ergründen.

Die schönsten Wanderungen sind freilich die, bei welchen auch das Auge auf seine Kosten kommt. Bei dieser Tour, die an der Kirche in Kriesdorf beginnt, wird diese Erwartung mehr als erfüllt, denn die Wegführung verläuft über weite Strecken immer entlang des Waldrandes oder über die weitläufigen Wiesen, so daß man das großartige Panorama stets vor Augen hat. Die goldenen Farben, die der Herbst in die Landschaft zeichnet, verschönen dieses Erlebnis noch. Rechterhand taucht auf einem Seitenkamm eine bizarre Sandsteinformation auf. Das sind die Rabensteine (Krkávčí Skály). Die hohen zackigen Türme haben den Felsen auch die Bezeichnung Vajolet-Türme (Vajoletky) eingebracht, sehr ambitioniert, aber warum nicht ?

Der weitere Weg führt uns von hier bis an den Fuß des Jeschkenkammes. Zunächst erreichen wir die Bahnstation von Kriesdorf. Die Bahnlinie wird hier bis auf eine Höhe von etwa 500 m geführt. Sie durchquert hinter dem Bahnhof den Jeschkenkamm und mündet nach Verlassen des 814 m langen Tunnels in Christophsgrund (Kryštofovo Údolí) direkt auf ein Viadukt mit einer Länge von 194 m. Die Strecke wurde bereits im Jahre 1900 eröffnet und darf als besondere technische Leistung angesehen werden. Eine Bahnfahrt von Böhmisch Leipa (Česká Lípa) über Niemes (Mimon), Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí), Ringelshain (Rynoltice) und Schönbach (Zdislava) weiter bis Reichenberg (Liberec) ist schon allein wegen der schönen Landschaft, die von der Trasse berührt wird, ein empfehlenswertes Erlebnis.

Kurz vor dem Tunneleingang am Bahnhof Kriesdorf endet der Weg und man benötigt ein wenig Gespür für den Pfad am gegenüberliegenden Hang, der dann meistens am Waldrand bis zu den letzten Häusern von Kriesdorf und weiter zu einem entlegenen Ortsteil von Drausendorf (Druzcov) führt. Wir bleiben noch eine Weile auf diesem Weg. Am Preußenkreuz (U Pruského krize) treffen wir auf den historischen Kegelweg, dem wir ein kurzes Stück folgen, bevor wir den Weg nach Drausendorf einschlagen. Die Landschaft genießend, können wir uns ausreichend Zeit für den Rückweg über die ausgedehnten Wiesen nach Kriesdorf nehmen.

Das Preußenkreuz erinnert an einen jungen Rittmeister, der im österreichisch-preußischen Krieg 1866 hier in einem Lager verstarb und an Ort und Stelle begraben wurde. Die preußische Armee zog alsbald zur Freude der Bevölkerung ab. Das einfache Birkenholzkreuz verfiel, aber später wurde es zum Dank dafür, dass man den Krieg heil überlebte, durch ein neues Kreuz ersetzt und bis heute instand gehalten.





Auf dem Weg nach Kriesdorf ergeben sich oberhalb der Ortschaft Deutsch Pankraz (Jitrava) herrliche Ausblicke über das Lausitzer Gebirge und hinüber zu den Kegelbergen im Land unter dem Jeschken


Die Kriesdorfer Rabensteine


Blick von den Rabensteinen hinüber zum Jeschken



An den Rabensteinen


Herbststimmung auf dem Weg zum Jeschkenkamm





Der Waggon muss am Bahnhof Kriesdorf irgendwie von der Strecke abgekommen sein


Blicke ins Land


Blick zum Roll


Der Jeschken ist heute unser ständiger Begleiter



Der Ausschank hat heute geschlossen


Das Preußenkreuz


Blick über Drausendorf vom Kleis bis zur Lausche



Die Natur in ihren schönsten Farben


Zurück in Kriesdorf, im Hintergrund die Rabensteine


Kulisse von Deutsch Gabel vor Hochwald und Falkenburg (Sokol)

www.wincontact.de

Sonntag, 26. Mai 2024

Wanderung zum Roten Stein

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Der Rote Stein (Rotstein, Roter Fels/ Červený kámen) war das Überraschungsmoment dieser schönen Wanderung, welches ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Geplant war eigentlich eine Tour zum südlichen Jeschkenkamm, wo es im Frühjahr so herzerfrischend blüht.

Wir beginnen unsere Wanderung in Drausendorf (Druzcov), ein kleiner Weiler, der sich mit seinen hübschen Grundstücken zum Jeschkenkamm hinzieht. Die Strecke zum Gipfel des Jeschken verläuft weitgehend im Walde. Das Preußenkreuz (Pruský kříž) ist die einzige interessante Station am Wegesrand. Der Hinweis, man sollte doch die Gelegenheit nutzen, wenigstens weiter oben dem Rotstein einen Besuch abzustatten, ist daher sehr willkommen. Um so überraschender das mächtige Felsgebilde, zu dem man auf gesichertem Weg aufsteigen kann. Er ist Bestandteil der sogenannten Bergwerkfelsen (Horní Důlní skály).

Der Rote Stein ist ein markanter Quarzitaufschluss mit einer Länge von etwa 250 m südöstlich des Jeschkengipfels (Ještěd). Die Spaltflächen des Felsens sind mit Schichten aus roten Eisenoxiden überzogen - daher der Name Roter Stein. Von der Spitze des Felsens bietet sich ein schöner Blick auf den Gipfel des Jeschken und die Landschaft unter demselben. Erstaunlicherweise findet man (so gut wie) keine Informationen in der hier gern zitierten Literatur. Nur Siegfried weiß erzählt uns von seinen Erinnerungen:

Am westlichen Abhang unter dem Gipfel [des Jeschken] steht ein gewaltiger Quarzitrücken, der Rote Stein. Eine stille, verlassene Stelle, wo ich gern saß und auf die wellige Landschaft des Rollhügellandes weit unter mir schaute.

Die schöne Landschaft des Rollhügellandes lässt sich im Moment nur ahnen, denn eine ungemütliche Regenwand zieht aus Westen heran. Dafür baut sich auf der anderen Seite der Jeschkenberg gewaltig vor uns auf. Schöner kann man ihn eigentlich nicht sehen. Bald öffnen sich die Schleusen und es kommt nicht der erwartete Regen, sondern das, worauf wir in den Wintermonaten vergeblich gewartet haben, ein dichtes Schneegestöber. Liegen bleibt das weiße Zeug natürlich nicht lange. Auf dem weiteren Weg zum Jeschkengipfel gibt es etwas abseits des Weges noch eine Besonderheit, den Fliegerhübel (Mohyla letců). Hier findet man die Reste eines Flugzeuges, welches an dieser Stelle 1948 abstürzte und einen Gedenkstein an die 4 Insassen, die dabei ums Leben kamen.

Am Gipfel des Jeschken räumt sich der Himmel ab, so dass das gewaltige Panorama um den Berg herum sichtbar wird. Die Gaststätte im Jeschkenturm ist schwach besucht, wer aus dem normalen Volk kann sich die stolzen Preise noch leisten? Das ist wohl auch ein Grund, warum die Planbaude gar nicht erst geöffnet hat. Nur an Wochenenden steht sie derzeit den Gästen zur Verfügung.

Erwartungsvoll steigen wir ab in Richtung Swetla (Světlá pod Ještědem). Wir hoffen, noch die Obstbaumblüte zu sehen, die um Swetla herum zum richtigen Zeitpunkt zu erleben ist und die in diesem Jahr, eher als sonst, sehr weit fortgeschritten ist. Wir haben Glück, es blüht noch und vor allem, es hat sich ein tolles Wetter eingestellt, welches die Jeschkenlandschaft richtig in Szene setzt. Über Unterpassek (Dolení Paseky) und Rostein (Rozstání) thront der Jeschkenkamm und man sieht den Rotstein, der sich deutlich vom Kamm abhebt.

Die letzten Kilometer ist ein Waldstück zu durchqueren, dann öffnet sich die Landschaft. Im Tal die Häuser von Drausendorf, dahinter der Höhenzug des vertrauten Lausitzer Gebirges. Ein schöner Abschluss unserer Tour.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.     





Das Preußenkreuz




Am Rotstein







Schneegestöber im April



      Gedenkstätte am Fliegerhübel



Auf dem Jeschken








An der Planbaude





Blühende Landschaft um Swetla















Zu spät. Die Veranstaltung fand leider bereits gestern statt



Jeschkenansicht von Unterpassek aus






Zurück in Drausendorf



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