Freitag, 20. Januar 2012

Die Weihnachtskrippe zu St. Wenzel in Schluckenau im böhmischen Niederland


Als ich vorige Wochen einen Abstecher nach Schluckenau (Sluknov, Böhmisches Niederland) unternommen hatte, um die Pesttafel an der St. Wenzel-Kirche zu fotografieren, war unerwartet auch die Kirche selbst geöffnet. Der Grund war, wie man nach deren Betreten leicht feststellen konnte, die Weihnachtskrippe, die in den Westflügel der von 1711 bis 1714 erbauten Kirche eingebaut ist. Den größten Teil des Jahres ist sie hinter einem Vorhang verborgen und man kann sie nur um die Weihnachtszeit herum bis Anfang Februar besichtigen.Sie zeugt von einer schon seit mehr als 300 Jahren gepflegten Tradition in dieser Gegend.


Weihnachtskrippen, d.h. Nachbildungen der Geburt Christi, so wie sie die Evangelien (Matthäus und Lucas) überliefert haben, kamen im Spätmittelalter besonders in Italien auf. In Mitteleuropa sind sie etwa seit 1570 nachweisbar und zwar zuerst aus Böhmen (Prag) und etwas später in Süddeutschland (Bayern). Ab dem 18. Jahrhundert gehörte die Weihnachtskrippe in den katholischen Ländern dann schon zur normalen Ausstattung in Kirchen und im eigenen Heim zur Andacht während der Festtage. Ihre Herstellung erfolgte entweder in Heimarbeit oder wurde in sogenannten Krippenvereinen organisiert.


Im böhmischen Niederland, zu der auch bis 1845 die böhmische Enklave Schirgiswalde gehörte, entstand ein Zentrum des Krippenbaus und das kam so. Im Zuge der Gegenreformation begannen Jesuiten aus Leitmeritz die Gegend des Schluckenauer Zipfels mit den großen Orten Schluckenau, Fugau und Schirgiswalde wieder zu missionieren, und so entstand in der alten Kirche (die später abgebrannt ist und ab 1711 durch die neue Barockkirche St. Wenzel ersetzt wurde) die erste "Kirchenkrippe". Sie bestand über ein Jahrhundert bis zum "Krippenverbot" Kaiser Josef II. Die Menschen in Schluckenau und Umgebung wollten aber dieses Verbot nicht akzeptieren - so entstanden die sogenannten "Hauskrippen", die aber meist so gestaltet waren, daß sie eher das Leben der hiesigen Bevölkerung als das Leben in Betlehem zu Christi Geburt darstellten. Einige davon haben sich erhalten und können z.B. im Krippenmuseum zu Schirgiswalde, im Pfarrhaus zu Schluckenau oder im Krippenmuseum Christophsgrund bei Reichenberg zur Weihnachtszeit besichtigt werden. 

Ab 1818 besuchten fast 30 Jahre lang drei Holzschnitzer aus Südtirol Schluckenau und schnitzten in den Herbstmonaten vor Weihnachten Heiligen- bzw. Krippenfiguren, für die sie dankbare Abnehmer fanden. Das animierte letztlich begabte Einheimische, insbesondere Weber, selbst Holzfiguren zu schnitzen und sich damit ein Zubrot zu verdienen. Auf diese Weise entstand im 19. Jahrhundert im böhmischen Niederland quasi eine "Krippenindustrie" mit überregionalen Abnehmern. Dabei wurde ein hoher künstlerischer Anspruch durchgesetzt, der sich in lebensecht wirkenden Figuren äußerte, die so gestaltet wurden, wie man sich die Menschen und die Landschaft zur Zeit Christi Geburt in Nazareth und Betlehem "im Morgenland" vorstellte. Man sprach dann ganz konkret von "Orientalischen" oder "Morgenland"- Krippen. In dieser Form sind sie übrigens fast nur aus dem böhmischen Niederland bekannt. Man nimmt sogar an, daß einzelne Reisen von Künstlern in den Orient organisiert wurden, um das Flair "vor Ort" einfangen zu können. Man weiß z.B. genau, daß der Künstler, welcher den Hintergrund der nicht erhalten gebliebenen Krippe von 1818 gemalt hat, selbst mehrere Jahre in Palästina gewesen ist.


Insgesamt standen in der Schluckenauer Kirche im Laufe der Geschichte 5 Weihnachtskrippen. Von den ersten drei ist überhaupt nichts mehr erhalten geblieben. Insbesondere ist die älteste, von 1666, beim Kirchenbrand von 1710 völlig zerstört worden. Die Krippe von 1923 lieferte dagegen einen Großteil der Figuren der "heutigen" Weihnachtskrippe in der St. Wenzels-Kirche, die zum ersten Mal 1932 aufgebaut wurde und die seitdem jedes Jahr, auch während des Krieges und der Zeit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1945/46, zu Weihnachten zu besichtigen war.


Wenn man die Krippe als Diorama zum ersten mal sieht, fällt einen die überaus realistisch gestaltete Landschaft auf, die von dreidimensionalen Modellen fast stufenlos in ein plastisch gemaltes Hintergrundbild übergeht. Die Figuren, Menschen und Tiere, sind in einer ausgesprochenen Präzision geschnitzt und dezent bemalt, daß man nur Staunen kann. Man glaubt, daß der Geburtsort Jesus vor über 2000 Jahren wirklich so ausgesehen hat. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, lassen sich sehr viele, z.T. überraschende Details ausmachen. Ob grasende Ziegen und Schafe zusammen mit ihren Hirten, die Stadtbewachung am Stadttor oder Menschen, die verzückt aus ihrem Zelt heraus auf den als "Kometen" dargestellten Weihnachtsstern blicken...





Das Diorama nimmt insgesamt eine Fläche von 16 m² ein. Es wurde bis 1945 von dem Schluckenauer Krippenverein, der 160 Mitglieder hatte, betreut. Nach Krieg und Vertreibung blieb davon nur noch ein Mitglied übrig, der aber mit großer Hingabe Mitstreiter in der neu hinzugezogenen Bevölkerung gesucht und gefunden hat, so daß die Tradition lückenlos fortgeführt werden konnte.


Die Krippe wird währende der zwei Monate, wo sie zugänglich ist, dreimal aufgebaut bzw. verändert. Zuerst wird Jesu in der Krippe im Stall zu Betlehem dargestellt, dann, um den Dreikönigstag, die "Königsmadonna" mit dem Christuskind auf dem Schoß (erstes Foto) und den heiligen drei Könige, die ihn anbeten. Und zum Schluß, nach einem dritten Umbau, wird noch der Auszug nach Ägypten gezeigt.






"Königsmadonna" mit den heiligen drei Königen ...


Der Weinachtsstern als ("Halley'scher") Komet ...


Wer also etwas Zeit hat und in der Nähe wohnt - bis Anfang Februar kann die Krippe noch Sonntags von 14 bis 16 Uhr in Schluckenau besichtigt werden. Die Kirche jedenfalls ist nicht zu übersehen...

Teil II :  Auszug nach Ägypten

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Montag, 16. Januar 2012

1585: Der Schwarze Tod in Schluckenau...


Im Jahre 1585 starben in Schlocknau (Schluckenau, Sluknov) 648 Menschen und 465 in den umgebenden (eingepfarrten) Dörfern an der Pest. Diese Tafel befindet sich an der Westseite der St. Wenzels-Kirche von 1711 und berichtet von einer der großen Katastrophen jener Zeit.

Schluckenau liegt in Nordböhmen, im sogenannten Schluckenauer Zipfel.

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Samstag, 14. Januar 2012

Planet Mars (30) - Chronologie der Marsoberfläche I

Chronologie der Marsoberfläche
Die heutige Oberfläche des Mars ist das Ergebnis einer seit ~4.5 Milliarden Jahre anhaltenden Abfolge geologischer Prozesse und die Kunst der Geologen und Planetologen besteht nun darin, diese Abfolgen zu quantifizieren und in aufeinanderfolgende Epochen aufzugliedern, die jeweils für die Ausbildung einzelner der vielfältigen Landschaftsformen verantwortlich sind. Diese Aufgabe ist weitaus schwieriger als die gleiche Aufgabe für den Planeten Erde, auf den die Geologen quasi direkten Zugriff haben. Entsprechend grob und unsicher ist die Chronologie des Mars – aber ein Anfang ist gemacht. Da eine absolute Datierung z.Z. noch nicht (oder nur eingeschränkt – Marsmeteorite) möglich ist, beruht die Marschronologie im Wesentlichen auf Impaktkraterstatistiken und relativen Alters­bestimmungen sowie aus Vergleichen mit ähnlichen oder analogen irdischen Strukturen unter Berücksichtigung unter­schiedlicher Gradationsgeschichten. Aber auch die chemischen und mineralogischen Untersuchungen der Marslander und Mars­rover haben ihrerseits Bausteine für eine Marschronologie geliefert, die gerade die Frühgeschichte des Planeten in einem neuen Licht erscheinen lassen. 

Geologische Prozesse, welche die Oberfläche formten
Oberflächenformende Prozesse kann man einteilen nach den Kräften, die sie bewirken: Stammen die Kräfte aus dem Inneren des Planeten (Vulkanismus, Tektonik) oder sind sie durch dessen Hydro-/Kryosphäre (fluvial überformte Landschaften, glaziale und periglaziale Oberflächenformungen) bzw. dessen Atmosphäre (äolisch beeinflußte Landschaften wie z.B. Dünengebiete) bedingt, dann spricht man von endogenen Kräften. Sie setzen eine gewisse geologische Aktivität voraus (z.B. Vulkanismus und die den Vulkanismus vorbereitenden Prozesse im Planeten­mantel) bzw. die permanente oder zumindest temporäre Existenz einer Hydrosphäre oder entsprechend dichten Atmo­sphäre. 

Exogene Prozesse wirken von „außen“. Darunter versteht man in erster Linie Einschläge von planetaren Körpern wie kleinen Planetoiden, Kometenkernen oder von Meteoriten aller Größen­ordnungen soweit sie die Planetenoberfläche erreichen und dort Impaktstrukturen ausbilden. Gerade diese Prozesse sind für eine Datierung von großer Bedeutung, da die Anzahl der Meteoriten­einschläge pro Zeiteinheit eine seit der Entstehung des Sonnen­systems her abnehmende Funktion ist. 

Chronologie nach Impaktkraterstatistiken
Dem Verfahren der Impaktkraterstatistik zur (absoluten) Datierung von Planetenoberflächen wie die der Marsoberfläche liegt folgende, einfach zu verstehende Idee zugrunde: Aus kosmogonischen Betrachtungen folgt, daß sich die Planeten vor über 4.5 Milliarden Jahren durch Akkretionsprozesse aus Planetesimal in einer flachen Gas- und Staubscheibe um die Ursonne herum gebildet haben. Der Urmars – genauso wie die Urerde und die anderen inneren Planeten waren in ihrer frühesten Jugend aufgeschmolzene Magmakugeln, die abkühlten und dabei eine feste Kruste ausbildeten. Diese Urkruste war eine gewisse zeitlang einem starken Meteoritenbombardement aus­gesetzt und zwar solange, bis der größte Teil dieser meteori­tischen Körper aus dem inneren Sonnensystem verschwunden waren. Man nimmt nun an, daß sich zuerst sowohl große als auch kleine Impaktkrater gebildet haben (Phase I), dann nur noch hauptsächlich kleinere Krater (Phase II) und später insgesamt nur noch sehr wenige (Phase III). Als Resultat sollte sich im Mittel eine gleichmäßige Verteilung von Impakten auf einem Planeten einstellen. Betrachtet man jedoch den Mars, dann fällt auf, daß die Impaktkraterdichte sowohl was die Anzahl als auch die Größe entspricht, alles andere als gleichmäßig ist. In der nördlichen Hemisphäre und in den vulkanischen Regionen (Tharsis, Elysium) findet man nur sehr wenig Krater. In den Highlands dagegen kann man grob zwei Gebiete mit unterschiedlicher Kraterdichte in Bezug auf Impakte größer 300 km Durchmesser ausmachen. Nach den auf alten Marskarten zu findenden Bezeichnungen werden diese Gebiete Noachis (z.B. nordwestlich von Hellas mit einigen alten Ringstrukturen > 300 km im Durchmesser) und Hesperia bezeichnet. Die kraterarmen nördlichen Gebiete nennt man Amazonis. Diese Gebiete zeigen offensichtlich planetare Oberflächenbereiche unterschiedlichen Alters an. Da man aus Untersuchungen des Erdmondes (und z.T. des Merkurs) weiß, daß das Zeitalter des „schweren Bombardements“ vor ca. 3.9 Milliarden Jahre seinen Höhepunkt erreichte und danach die Einschläge rapide abgenommen haben, kann man für den Mars grob folgende geologische Zeitalter ableiten: 
  • Noachian (endete vor ~3.8 Ga) 
  • Hesperian (endete vor 3.55 ... ~1.8 Ga) 
  • Amazonian (begann zwischen 3.55 und 1.8 Ga) 
Diese Einteilung richtet sich nach großräumigen Ereignissen, die man als resurfacing bezeichnen kann. Offensichtlich haben im Laufe der frühen Marsgeschichte riesige Lavamassen großräumig ganze Landstriche überflutet und damit alte Krustenteile mit ihren Impakten ausgelöscht. Passend dazu konnten bereits mit der ersten Meßkampagne des MARSIS-Radars (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding) der ESA-Sonde „Mars Express“ im Gebiet der Tiefebene Chryse Planitia alte, durch vulkanische Oberflächenablagerungen abgedeckte Ein­schlagkrater nachgewiesen werden, die zeitlich dem Noachien zuzuordnen sind. 


Geologische Einheiten der Marsoberfläche, abgeleitet aus Krater­statistiken. A bezeichnet Amazonian, H Hesperian und N Noachian (E Early, L Last). Quelle Nimmo, Tanaka 2004

Gegenwärtig spielen jedoch weder vulkanische noch irgend­welche tektonische Prozesse bei der Oberflächenumgestaltung eine Rolle. Lediglich der Transport von Sand und Staub durch Wind führen zu einer langsamen, aber stetigen Erosion. Dazu kommen noch bestimmte glaziale Prozesse, die damit zusam­menhängen, daß es auf dem Mars eine Art von Permafrostboden gibt, in denen nach den Messungen der Sonde „Mars Odyssey“ sehr viel Wassereis gebunden bzw. eingelagert ist.

Daß ein sich kontinuierlich abkühlender Planet mit der Zeit nach und nach seine Fähigkeit zur aktiven endogenen Oberflächen­gestaltung einbüßt, ist eine Tatsache, die sich bereits aus einfachen energetischen Überlegungen ergibt. So gesehen müßte der Mars schon seit mindestens einer Milliarde Jahre ein „toter“ Planet sein. Neuere Untersuchungen legen aber nahe, daß vulkanische Prozesse auch im Zeitalter des Amazonian (lokal bis fast an die Gegenwart hinein – Olympus Mons. Neukum, 2004) noch aufgetreten sind. Sie könnten etwas mit asymmetrischen Wärmereservoirs im Planetenmantel zu tun haben. 

Da der Mars insbesondere während der ersten zwei Milliarden Jahre seiner Existenz geologisch aktiv war (Vulkanismus; hydrologische und glaziale Prozesse wie z.B. die Ausbildung von Ausflußtälern; verstärkte, mit der Zeit aber abflauende Ober­flächenüberformung durch Impakte), lassen sich gerade die Epochen des Noachian und des Hesperian in besserer zeitlicher Detailauflösung untersuchen als das vergleichsweise ereignis­ärmere Amazonian. Einmal spielten sich in den „früheren“ Epochen mehr und vielfältigere geologische Prozesse ab (Vulkanismus, wasserbedingte Erosionsprozesse) und zum anderen waren die klimatischen Verhältnisse gegenüber heute grundverschieden: 

Noachisches Zeitalter:
Zahlreiche Hinweise auf die Präsenz von flüssigem Wasser lassen diese Epoche als „warm“ und „feucht“ erscheinen. Sie endete vor ~3.8 Milliarden Jahren. 

Hesperisches Zeitalter:
Dieses Zeitalter ist durch starken Vulkanismus geprägt. Zu ihrem Ende zu trocknete die Marsoberfläche regelrecht aus und es wurde zu kalt für permanent flüssiges Wasser. 

Amazonisches Zeitalter:
Das Amazonian erstreckt sich vom Ende des Hesperians vor ca. 3.55 ... 1.8 Milliarden Jahre bis zur Gegenwart. Abflauender Tharsis-Vulkanismus. Starke äolische Aktivität. 

Durch intensive Forschungen gelingt es mehr und mehr, auch diese drei „Großen“ Epochen weiter zu verfeinern und zu strukturieren. Dazu werden im Detail die geologischen Strukturen in den grob datierten Oberflächenregionen in Augenschein genommen und – wenn möglich – erst einmal relativ zueinander („früher“ – „später“) in eine zeitliche Reihenfolge gebracht. Die Logik, die dahinter steckt, ist die, daß ein Impaktkrater, der den Rand eines anderen Impaktkraters überformt, jünger sein muß. Oder daß ein Lavafluß, der einen Impaktkrater teilweise ausfüllt, natürlich erst nach dem Impakt stattgefunden haben kann. Durch Analysen dieser Art und der akribischen Suche nach „Über­lappungen“ läßt sich regional eine zeitliche Abfolge konstruieren, die am Ende ein klareres Bild der geologischen Entwicklung einer Marslandschaft liefert. Das Ergebnis ist eine Stratigraphie der Marsoberfläche, die das „Heute“ aus geologischen Prozessen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, zu erklären vermag. Auf diese Weise konnte z.B. die Tharsis-Aufwölbung mit dem damit verbundenen Vulkanismus stratographisch in fünf unter­scheidbare zeitliche Stadien unterteilt werden (Anderson, Dohm, 2000; Hartmann, Neukum, 2001): 

1. Stadium
Kernlandschaften: Claritae, Tempe, Ascraeus
[Prä-Noachian und Noachian (4.5 – 3.7 Ga)]

2. Stadium
Kernlandschaften: Valles Marineris, Thaumasia, Warrego Valles
[Late Noachian – Early Hesperian (3.8 – 3.6 Ga)]

3. Stadium
Kernlandschaften: Teile von Syria, Tempe, Ulysses, Valles Marineris
[Early Hesperian (3.7 – 3.6 Ga)]

4. Stadium
Kernlandschaften: Alba, Nordwest und Südost Tempe
[Late Hesperian – Early Amazonian (3.6 – 2.1 Ga)]

5. Stadium
Kernlandschaften: Pavonis, Tharsis Montes
[Middle – Late Amazonian (2.1 - 0 Ga)]

Sie bringen etwas Ordnung in die äußerst komplexe und in vielen Teilen noch unverstandene Geschichte der tektonischen Aktivi­täten dieser außergewöhnlichen Region mit ihren Riesen­vulkanen und Grabenstrukturen.


Nächstes Mal: Chronologie der Marsoberfläche nach Gesteinsformationen

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Donnerstag, 12. Januar 2012

Felsenburg Arnstein in der hinteren Sächsischen Schweiz

Im Elbsandsteingebirge, sowohl im sächsischen als auch im böhmischen Teil, gibt es einige alte Felsenburgen. Heute möchte ich kurz den Arnstein in der Nähe von Ottendorf vorstellen, die, da gut ausgeschildert, relativ leicht zu finden ist. Ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung dahin ist die sogenannte Buschmühle im Kirnitzschgrund.


Der Arnstein war eine der bedeutenderen Felsenburgen im Elbsandsteingebiet. Wann sie genau gegründet wurde, ist unbekannt. Ein gute Schätzung ist um das Jahr 1350 (oder etwas früher), als man diesen recht unzugänglichen Gebirgsteil der damaligen Herrschaft Wildenstein langsam zu Siedlungszwecken zu erschließen begann. Auch hier hatten die einst mächtigen Herrn der Berken von Duba ihre Hand im Spiel. Der Name Arnstein läßt sich auf das mittelhochdeutsche Wort "Arn" für "Adler" zurückführen. Diese Namensdeutung ist aber nicht sicher, denn auch ein "Arnold" könnte Namenspatron dieser Burg gewesen sein.


Die Burg liegt an einem Abzweig des Weges entlang der Kirnitzsch, welcher heute noch vorhanden ist und von der Buschmühle nach Ottendorf führt. Sie war wahrscheinlich als Schutz- und Geleitburg konzipiert worden mit vielleicht 20 Mann Besatzung. Später entwickelte sie sich zu einem Raubnest und wurde deshalb vom Oberlausitzer Sechsstädtebund im Jahre 1436 belagert und auch teilweise zerstört. Danach sind Instandsetzungsarbeiten nachweisbar, wobei jedoch die Unterburg aufgegeben wurde. Kurze Zeit später wurde der Arnstein wieder als Ausgangspunkt ausgedehnter Raubzüge seiner Bewohner bekannt, was dazu führte, daß 1451 eine Übergabe an die sächsische Herrschaft erzwungen wurde. In deren Verlauf hat man alle Aufbauten endgültig zerstört, um die weitere Nutzung als "Raubritterburg" zu verhindern. Seitdem (also seit 561 Jahren) liegt sie nun in Trümmern...


Wenn man sich heute ein Bild von dieser einst durchaus stattlichen Burg machen will, so ist das gar nicht so einfach. Wie alle Felsenburgen in diesem Gebiet bestanden die meisten Gebäude und "Mauern" (besser Palisaden) aus Holz und sind längst vergangen. Nur die Balkenlager, in Stein gehauene Treppenstufen und andere, in den weichen Sandstein getriebene Höhlungen (z.B. die Zisterne), sind heute noch einigermaßen deutlich zu identifizieren. Auch eine Anzahl sehr alter Felszeichnungen (z.B. ein Malteserkreuz sowie eine Anzahl Kardinalskreuze) lassen sich  an den Felswänden identifizieren. Die Kardinalskreuze könnten, so eine Interpretation, auf einen der ehemaligen Besitzer hinweisen: Heinrich der III Berka von Duba (gestorben 1333) war Bischof von Olmütz 




ca. 5 m tiefe rechteckig ausgehauene (2 x 3 m) Zisterne ...



Die ehemals bebaute Fläche betrug ungefähr 200 m². Man muß sich vorstellen, daß die Gebäude in Holz in Blockbauweise errichtet worden sind. Mauerreste sind nicht nachweisbar.

Von hier oben hat man eine atemberaubende Aussicht auf die benachbarten Felswände, die selbst diese bei trüben Wetter und leichten Schneefall gemachten Aufnahmen erahnen lassen..







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Dienstag, 10. Januar 2012

Tropfenzauber ...


Leider hat die aus gefrittetem Sandstein vom Hohlstein (Duty Kamen) gegenüber Kleingrün (Drnovec) erbaute Kirche in Böhmisch-Zwickau (Cvikov) stark gelitten. Insbesondere die Dachrinnen sind äußerst schadhaft und können das Regenwasser nicht mehr ordentlich ableiten. Vielmehr platscht es aus großer Höhe in die ausgedehnten Pfützen, die sich am Rand der St. Elisabeth-Kirche, die in den Jahren 1553 bis 1558 im Barockstil erbaut wurde und Accessoires aus der 1577 abgebrannten Oybiner Klosterkirche enthält, gebildet haben, um dort für Bruchteile von Sekunden pittoreske Figuren aus flüssigem Wasser entstehen zu lassen...





und hier gibt es noch mehr Tropfen...


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Samstag, 7. Januar 2012

Das neue und alte Zittauer Rathaus

Aufnahme: Gerald Hamann, voriges Jahr, als im Januar in Zittau Schnee lag...


Das zentrale Gebäude von Zittau ist das Rathaus. Es handelt sich dabei um einen "neueren" Bau, denn das alte Rathaus (genauer gesagt, es gab davor noch zwei, aber darüber später mehr), welches viele Jahrhunderte bestand, wurde im Juli 1757 - dem Schwarzen Tag von Zittau - zusammen mit vielen anderen Gebäuden zerstört. Die Grundsteinlegung für das "neue Rathaus" erfolgte im Jahre 1840 und fünf Jahre später konnte es seiner Bestimmung übergeben werden. Der Kenner erkennt sofort am Baustil, daß es sich bei diesem Gebäude um einen Neorenaissancebau mit neoklassizistischen Einfluß aus der Schule des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841, ähnlich der Baugewerkeschule am Ring gegenüber dem Stadttheater und der heutigen Johanniskirche) handeln muß. Entwurf und Ausführung unterlagen dem Zittauer Baumeister Carl August Schramm (1807-1869), der selbst bei Schinkel studiert hatte. Bevor er das Rathaus in Angriff nahm, oblag ihm der Wiederaufbau der Zittauer Johanniskirche, die auch im Siebenjährigen Krieg fast vollständig zerstört worden war und nur notdürftig gesichert - zuerst als Ruine (bis ungefähr 1800) und dann als "immerwährende" Baustelle - die Stadt ein dreiviertel Jahrhundert "zierte".


Aufgrund statischer Schwierigkeiten wurde die Bauaufsicht dem "Architekturbüro Schinkel" in Berlin (so würden wir heute sagen) übertragen, der damit wiederum seinen Schüler Carl August Schramm einen ersten großen Auftrag verschaffte, an dem er sich bewähren konnte. Interessant ist, daß man bei den Aufräumungsarbeiten eine Anzahl alter Grabsteine gefunden hat, die heute an der Mauer zum alten Gymnasium zu sehen sind. Darunter den Grabstein des weithin berühmten Zittauer Bürgermeisters Nikolaus von Dornspach (1516-1580), von dem auch die Gründung des humanistischen Gymnasiums initiiert wurde.


Die neue Turmglocke der Johanniskirche ertönte jedenfalls am 13. Januar 1839 zum ersten Mal.

Diese Baumaßnahmen waren auch deshalb sehr erfolgreich, da sich Zittau nach den Wirren der Napoleonischen Krieges wieder erholt hatte und man zwischen 1830 und 1848 wirtschaftlich einen starken Aufschwung verzeichnete, der die Stadtkasse mit vielen Talern füllte. Kurz gesagt, Zittau konnte sich wieder exquisite Bauwerke wie die neue Johanniskirche, die Gewerbeschule und das Rathaus, leisten. 

Übrigens wurde nicht das neue Rathaus als Zweckbau für den Zittauer Rat 1845 als Erstes den Bürgern übergeben, sondern mit viel mehr Anteilnahme der Ratsweinkeller mit Fackelzug und anschließendem Gelage...

Zur Zeit Johannes von Guben (einem Zittauer Stadtschreiber) war das Rathaus ein hölzernes Gebäude am Markt unweit der Mandaufurt. 1354 wurde der Holzbau abgerissen und stattdessen ein steinernes "festes Haus" errichtet. Es hatte mehrere größere Räume. So einen Bürgersaal, die Rats- und Gerichtsstube, eine Kanzlei sowie das Ratsarchiv. Auch eine Rüstkammer sowie ein Gefängnis wurde nicht vergessen. 

Die erste größere "Renovierung" erfolgte 1532. Die ehemals kahlen Wände wurden jetzt mit Farbe versehen. Die Ratsstube erhielt eine neue gewölbte Decke, die mit Holz kunstvoll getäfelt war und ein gewisser Hans Sperber übernahm die dessen Bemalung.

1566 wurde außen eine steinerne Wendeltreppe angelegt, über die man in die oberen Etagen gelangte. Auch die bereits vorhandenen Türme wurden erhöht und eines davon mit einer Glocke versehen. Zu jener Zeit war das Dach noch mit korrosionsanfälligen Eisenblech gegenüber den Witterungsunbilden geschützt. 1597 konnte der Rat es sich leisten, diese Blechbedachung durch ein Kupferdach zu ersetzen, was damals die stattliche Summe von immerhin 500 Talern kostete. Aber das war offensichtlich kein Problem, denn Zittau galt ja unter den Sechs Städten schon immer als die "Reiche".

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden an der östlichen und etwas später an dessen südlicher Seite Gewerbeanbauten errichtet, welche u.a. die "Brot- und Schuhbänke" enthielten. Seit 1567 bestand zwischen dem Rathaus und dem benachbarten Henners'schen Bierhof eine Garküche, die insbesondere zur Versorgung der Menschen, die an den Markttagen in großer Zahl in die Stadt strömten, diente. Später kamen weitere Gewerbebauten hinzu, z.B. für die Seide- und Gewürzkrämer. Das Rathaus erfüllte quasi den Zweck eines städtischen Kaufhauses. 1567 wurden dann auch die sogenannten "Fleischbänke" unter das Rathaus verlegt, und nur der Begriff der "Alten Fleischbänke" erinnert heute noch an ihren ehemaligen Standort.

Der Hauptturm des alten Rathauses enthielt im unteren Teil das Ratsarchiv und darüber das durch eine starke eicherne Tür verschließbare Stadtgefängnis, das man im Volke "Die Gans" nannte. Die spärlich beleuchtete und ausgestattete Zelle hat im Laufe der Zeit auch eine Anzahl sehr angesehener Zittauer Bürger beherbergt, wie die Chroniken berichten... Außer "Der Gans" wurden in Zittau als Gefängnis noch "Der Wolf", die "Alte Schuldkammer" sowie die sogenannte "Büttelei" (das "Polizeigefängnis") zum "Verstricken" gebraucht.


Die wichtigste Einrichtung des alten Rathauses war aber ohne Zweifel die Weinstube und der geräumige Weinkeller, deren Erlöse allein dem Rat zugute kamen, denn der Weinschank war im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit ein ausschließliches Ratsprivileg. Deshalb traf der Oberlausitzer Pönfall von 1547 den Zittauer Rat auch besonders hart, als ihm der böhmische König Ferdinand I das Weinschankprivileg entzog. Es konnte erst später mit hohem Aufwand an Geld zurückerworben werden. Zwischenzeitlich hat man sich deshalb mit Bier begnügen müssen (dem Bürgergetränk jener Zeit), zu dessen Lagerung große und tiefe Keller unter dem Rathaus und den Bierhöfen der Bürgerhäuser angelegt wurden. Diese zahlreichen Keller bilden noch heute unter der Stadt eine geheimnisvolle Welt für sich und wurden nach und nach untereinander verbunden. Einen besonders Eindrucksvollen kann man z.B. im Blumengeschäft Waurick in der Johannisstraße bewundern. Einfach mal hingehen, einen Blumenstrauß und einen Wahnsinns-Räucherkäse kaufen und mal dezent fragen, ob man mal den Keller besichtigen darf. Es lohnt sich... Sie können es mir glauben.

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Panorama Zittau von Kleinschönau (PL) aus ...


Und hier nochmal in "Groß"...

Links im Hintergrund der Oderwitzer Spitzberg, genau hinter Zittau der Kottmar und rechts daneben der Pferdeberg bei Mittelherwigsdorf...

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Flachblättriger Mannstreu


In meinem Fotoarchiv habe ich eben noch diese botanische Kostbarkeit entdeckt, die ich am 15. Juli 2006 im Neißetal zwischen Hirschfelde und Kloster St. Mariental fotografieren konnte - den Flachblättrigen Mannstreu (Eryngiukm planum). Für diese Pflanze aus der Familie der Doldengewächse (was man ihr aber kaum ansieht) gibt es in der Oberlausitz nur ganz wenige Nachweise, und die meist vor dem Jahre 1900. Auf jeden Fall wurde sie schon mal am Neißeufer entdeckt, wie meine Recherchen ergeben haben. Ein gewisser Herr Kahle fand ein Exemplar davon im Jahre 1894 bei Bad Muskau.




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Montag, 2. Januar 2012

Planet Mars (29) - Erkundungen des Rovers "Spirit"

Erkundungen des Rovers "Spirit"
Der Gusev-Krater (Durchmesser 166 km) wurde als Ziel für den Mars-Rover Spirit ausgewählt, weil von Süden her das Ausflußtal Ma‘adim Vallis in einer deltaartigen Struktur in ihm einmündet. So erschien den Projektwissenschaftlern die Wahrscheinlichkeit hoch, gerade hier Spuren zu finden, die geologisch beweisen, daß dieser Krater in ferner Vergangenheit einmal mit Wasser gefüllt war, also einen flachen See gebildet hat. 


Adirondack war der erste von Spirit detailliert untersuchte Fels­brocken. Es handelt sich dabei um einen harten, feinkristallinen Basalt, der offensichtlich aus dem östlich gelegenen Tharsis-Vulkangebiet stammt. Um ihn unverfälscht analysieren zu können, wurde mit einem Bohrgerät zuerst die oberflächennahe Schicht abgetragen, bevor die Messungen erfolgten. Quelle NASA, JPL

Der Name des Kraters soll an den russischen Astronomen Matvej Matveevic Gusev (1826–1866) erinnern. Er war einer der ersten Wissenschaftler, welche Fotografien (insbesondere Mond) zur genauen Vermessung von Himmelskörpern eingesetzt haben. Die Landung von MER-A erfolgte (fast) problemlos am 4. Januar 2004. Anfangs versperrten Reste des Airbags die Ausfahrrampe des Rovers. Er konnte aber einige Tage später über eine der Ausweichrampen das Landegestell verlassen und mit der Erkundung seiner Umgebung beginnen. Er brauchte dazu nicht weit zu fahren, denn in nur zwei Meter Entfernung zeigte sich ein pyramidenförmiger, fußballgroßer Fels, der den Spitznamen „Adirondack“ erhalten sollte. Das erste Mineral, welches aus den Daten des Mößbauer-Spektrometers abgeleitet werden konnte, war Olivin. Später kamen noch Magnetit und Pyroxen hinzu womit klar wurde, daß es sich bei Adirondack um einen Basalt, also ein vulkanisches Gestein handelt. Auch war er der erste Stein, in dem auf einen fremden Planeten eine Vertiefung gebohrt wurde, um dessen innere Struktur zu ermitteln. Um über einen Durchmesser von 45 mm eine Vertiefung von nicht einmal 3 mm zu erhalten, brauchte der diamantbesetzte Bohrkopf immerhin drei Stunden – ein Zeichen für die außergewöhnliche Härte des feinkristallinen Gesteins. Danach konnten die Meß­köpfe des Mößbauer-Spektrometers und des APXS unbeeinflußt von Marsstaub ihre Analysen vornehmen.


Farblich höhencodierte Reliefkarte des Gusev-Kraters. Von Süden  her mündet in ihn über zwei kleinere, ältere Krater der Canyon Ma‘adim Vallis. Man vermutet, daß er darüber in ferner Vergangenheit einmal mit Wasser vollgelaufen ist. Der Landeplatz von Spirit liegt ein klein wenig südlich vom Mittelpunkt der fast kreisrunden, ca. 166 km großen Struktur. Quelle NASA, JPL

Das nächste größere Ziel für Spirit war der Bonneville-Krater, des­sen Kraterrand er am Sol 90 erreichte. Es zeigte sich, daß es sich um einen flachen Sekundärkrater handelte, der keinen nennens­werten Einblick auf das eigentlich interessante Grundgestein ermöglichte.

Deshalb hat man sich bei ihm nicht lange aufgehal­ten und das Gefährt zu den am Horizont sichtbaren, gut 2 km entfernten Columbia-Hills gesteuert. Dabei handelt es sich um einen ca. 5 km langen und ca. 3 km breiten Höhenzug, der sich 100 bis 120 m über die Ebene erhebt. Sein Name wurde zur Erinnerung an die beim Absturz der Raumfähre Columbia verunglückten Astro­nauten gewählt, wobei jeder der einzelnen „Gipfel“ den Namen eines dieser Astronauten erhalten hat. Als wichtigstes Ziel wurde die Erklimmung des Husband-Hills (nach Rick D. Husband, 1957-2003) gewählt, weil man sich von dort einen weiten Blick über den gesamten Gusev-Krater erhoffte.



Die Columbia-Hills am Horizont, aufgenommen vom Landeplatz des Mars-Rovers. Deutlich ist das Fernziel von Spirit erkennbar, der ca. 120 m hohe Husband-Hill.   Die einzelnen Gipfel der Hügelkette sind nach den beim Columbia-Absturz ums Leben gekommenen Astronauten benannt. Quelle NASA, JPL


Weites Land“ - Ein Blick vom Gipfel des Husband-Hills ...  Quelle NASA, JPL

Außerdem liegen dort kompakte, anstehende Gesteinskomplexe zutage, aus deren Analyse man sich nun die endgültige Beant­wortung der Frage erhoffte, ob es im Gusev-Krater einmal stehendes oder fließendes Wasser gegeben hat. Und die Wissenschaftler wurden in dieser Beziehung auch nicht enttäuscht. Das Team, welches die Meßergebnisse des Mößbauer-Spektrometers und des APXS interpretierte, konnte Mitte 2010 die Entdeckung karbonatreicher Gesteine an der Flanke der Columbia Hills bekanntgeben (Morris et.al.). Karbonatgesteine sind zuvor bereits mit Methoden der Fernerkundung vom Mars Reconnaissance Orbiter spektros­kopisch (Infrarot-Absorption, Nili Fossae-Region) entdeckt wor­den (Ehlmann et.al., 2008). Eine direkte Analyse vor Ort (wenn auch an anderer Stelle) versprach deshalb weitere wichtige und ergänzende Informationen über die frühere Klimageschichte des Planeten. Während auf der Erde Karbonatlagerstätten (in erster Linie Kalziumkarbonat) hauptsächlich im Meer durch Lebewesen mit kalkhaltigen Schalen gebildet werden, ist das auf dem Mars nachgewiesene Magnesium-Karbonat (Magnesitbzw. Eisen-Karbonat (Sideritanorganischer Natur. Es konnte zuvor in geringer Konzentration (<5%) bereits im Marsstaub nachgewiesen werden, was eine Bildung unter rein atmo­sphärischen Bedingungen bis dahin immerhin möglich erscheinen ließ. Die untersuchten Felsbrocken am Abhang des Husband Hills ergaben jedoch einen Anteil von 16 – 35 Gewichts-% von Mag­nesium-Eisenkarbonat an deren mineralogischem Aufbau. Sie ähneln daher ein klein wenig dem seinerzeit berühmt gewor­denen Marsmeteoriten ALH 84001 (wir kommen noch darauf zurück), in dem auch Karbonateinschlüsse nachgewiesen werden konnten. Da sich Karbonatgesteine gewöhnlich in wäßrigen Milljöhs, z.B. unter hydrothermalen Bedingungen, bilden, zeigt deren Existenz oberflächennahes Wasser zur Zeit ihrer Ent­stehung an. Und das muß ziemlich früh in der geologischen Geschichte des Mars (im Zeitalter des Noachian) gewesen sein. Auf jeden Fall weist der hohe Karbonatanteil in dem Felsbrocken, der den Namen „Comanche“ erhalten hat, auf eine sehr starke Wasseraktivität bei einem nahezu neutralem pH-Wert in einer dichten, warmen und feuchten Atmosphäre während ihrer Bildung hin. Damit scheint der Beweis erbracht worden zu sein, daß der Gusev-Krater einmal mit Wasser bedeckt war.



Der an einem Abhang des Husband Hills gelegene Felsen „Comanche“ erwies sich nach Untersuchungen mit den verschiedenen Instrumenten des Rovers „Spirit“ als reich an Magnesium-Eisen-Karbonat. Quelle NASA

Auf dem Weg zum Gipfel des Husband Hill konnten bereits ein paar weitere geochemische und mineralo-gische Hinweise auf die mögliche Existenz von Wasser im Gusev-Krater gefunden werden. Dazu gehört der Nachweis des Eisen-Minerals Goethit („Nadel­eisenerz“, α-FeO(OH)) mittels des Mößbauer-Spektrometers sowie die Entdeckung schwefelhaltiger Salze an einer Lokation, die man „Larry’s Lookout“ nannte, in einer Konzentration, wie man sie vom Mars noch nicht kannte (Webster, Beasley, 2005). 

Vom Gipfel des Husband-Hügels aus ging es dann weiter in Richtung des McCool Hills (nach William C. Mccool, 1961-2003). Auf dem Weg dahin konnten weitere Untersuchungen von Gesteinen mit z.T. überraschenden Ergebnissen gemacht werden. Zu erwähnen ist der Nachweis von silikathaltigem Sand an einer Stelle, die „Gertrude Weise“ (eine Spielerin der All-American Girls Professionel Baseball League) genannt wurde. Dieser helle „Sand“ besteht zu 90% aus nichtkristalliner Kieselsäure (also keinem Quartz). Man vermutet deshalb, daß dieser Platz den ehemaligen Austrittspunkt einer Fumarole kennzeichnet, wo im Zeitalter des Noachian, also vor mehr als 3.7 Milliarden Jahren, einmal säurehaltiger Dampf aufgestiegen und den umgebenden Boden entsprechend beeinflußt hat. Im 2. Halbjahr des Jahres 2007 mußte Spirit die Auswirkungen eines globalen Staubsturms auf seine Energieversorgung überstehen. Der Staub, der sich dabei in der Atmosphäre angesammelt hatte, ließ tagsüber nur noch wenig Sonnenlicht hindurch, so daß Spirit mit der durch seine Solarzellen gelieferten Energie sehr gut haushalten mußte. Trotzdem kamen die wissenschaftlichen Untersuchungen natürlich nicht zum Erliegen. So konnte nach Abflauen des Staubsturms der durch die Räder von Spirit in zwei Teile zerbrochene Stein „Innocent Bystander“ z.B. mit der Mikroskopkamera, näher betrachtet werden. Natürlich wurde auch eine Analyse mit dem Mößbauer- und dem Alphateilchenspektrometer (APXS) durchgeführt, die wiederum Überraschendes zutage brachten. Auch dieser Stein war in seinem Inneren reich an Silizium, was bekanntlich auf eine „feuchte“ Entstehungsgeschichte hinweist, denn auf der Erde entstehen solche Gesteine entweder im Bereich heißer (hydrothermaler) Quellen oder im Bereich von Fumarolen in Vulkangebieten. Die dort austretenden Wässer sind oft sehr sauer und damit in der Lage, eine ganze Anzahl von Mineralien aufzulösen. Nur Silikate bleiben weitgehend unbeeinflußt und können sich somit anreichern. 



Detailaufnahme der Marsoberfläche unweit des Landeplatzes von Spirit (Sol 68, 69). Die Farben entsprechen dem, wie sie ein Astronaut vor Ort wahrnehmen würde. Quelle NASA, JPL


Im Gegensatz zu Opportunity hatte Spirit immer mit irgend­welchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Einmal klemmte ein Rad, dann gab’s mal kaum Strom und schließlich fuhr er sich im Sand fest. Das war im April 2009. Alle Versuche, ihn wieder aus dieser mißlichen Lage zu befreien, mißglückten. Der Marswinter 2010 hat ihn dann offensichtlich den Rest gegeben. Das letzte Lebenszeichen von Spirit wurde am 22. März 2010 empfangen. Seitdem schweigt er. Das veranlaßte die NASA nach vielerlei Versuchen, doch noch mit ihm in Kontakt zu treten, den Rover am 24. Mai 2011 endgültig aufzugeben. Die offizielle Trauerfeier konnte im Internet im NASA-TV verfolgt werden. Opportunity fährt weiter und wird hoffentlich irgendwann sein großes Ziel, den Endeavour-Krater, erreichen...


Nächstes Mal: Geologische Chronologie der Marsoberfläche

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Sonntag, 1. Januar 2012

Happy New Year 2012 from Zittau / Saxonia

Aufnahme Werner Schorisch, Zittau




Aufnahme: Werner Schorisch, Zittau

Pyrotechnik im Einsatz ...

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