Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf
Über den 569 Meter hohen Gickelsberg (Výhledy) verläuft schon immer eine
Grenze: Früher zwischen Sachsen und Böhmen, heute zwischen Polen und
Tschechien. Seit 2014 gibt es hier eine Aussichtsplattform.
Heute ist der Zugang von Zittau über die tschechische Seite geplant. Die
Fernstraße 35 = E442 verlässt man in Kratzau ( Chrastava) und fährt
über Nieder Wittig (Dolní Vítkov) bis zu einem neuen Parkplatz in Ober
Wittig (Horní Vítkov). Von dort führt ein Weg zur schmalen Straße
oberhalb, auf der man zur Kirche Kirche Mariä Heimsuchung (Kostel
Navštívení Panny Marie). Auf dem gelben und grünen Wanderweg gelangt man
nach etwa 40 Minuten auf den Gipfel.
Der Gipfel vom Gickelsberg (Výhledy, 569 Meter) von Wetzwalde (Václavice) aus gesehen.
Der Parkplatz in Ober Wittig (Horní Vítkov) – Bei der Infotafel geht der Weg links hoch.
Die Kirche Mariä Heimsuchung (Kostel Navštívení Panny Marie) ist in einem schlimmen Zustand.
Der gelbe Wanderweg führt über Wiesen leicht bergan.
Der Rastplatz am grünen Wanderweg
on hier hat man gute Sicht zum Jeschken ((Ještěd, 1012 Meter), aber leider durch die Freileitung hindurch.
Auf dem grünen Wanderweg geht es zum Waldrand.
Die Ausschilderung zum Gipfel vom Gickelsberg (Výhledy)
Die Schranke verhindert die Zufahrt zum Berg.
Nach 1,5 Kilometern mit 175 Höhenmetern erreicht man das Gipfelplateau.
Der Gickelsberg war schon früher ein beliebtes Ausflugsziel.
Alte Postkarte um 1900:
Ober Wittig mit Kirche und Gickelsberg
Die erste steinerne Baude entstand 1863 auf dem unbewaldeten Gipfel.
Alte Postkarte um 1895
Bei einem Blitzschlag wurde 1897 der Wirt getötet und die dabei abgebrannte Baude wieder aufgebaut.
Alte Postkarte um 1897
Von der Baude hatte man einen schönen Ausblick auf das Iser- und Jeschkengebirge sowie auf das Lausitzer Gebirge.
Alte Postkarte um 1895
Mit der gutgehenden Baude war es durch die Vertreibung der deutschen
Einwohner aber vorbei. Nach Leerstand wurde sie 1948 von
tschechoslowakischen Grenztruppen abgerissen.
Alte Postkarte von 1897
Heute sind von der Baude nur noch einige Steinstufen vorhanden, und die wahrscheinlich damals davor gepflanzten Bäume.
Auf dem Gipfel vom Gickelsberg (Výhledy, 569 Meter) ist die
Vermessungssäule der Königlich-Sächsischen Triangulirung von 1864
erhalten geblieben.
Das Gipfelplateau wurde erheblich umgestaltet.
Wichtigstes Bauwerk ist die vier Meter hohe Beobachtungsplattform.
Foto vom Eröffnungstag am 18. Oktober 2014
Sie wurde über dem Basaltstock mit horizontaler Säulenbildung errichtet.
Zwanzig Stufen führen nach oben.
Im Südosten: Das Isergebirge
Im Süden: Der Jeschkenkamm (Ještědský hřbet)
Mit dem Langeberg (Dłużec, 867 Meter) und dem Kalkberg (Vápenný vrch,
790 Meter) – beide durch die Bäume hindurch – endet der einsehbare
Bereich.
Noch einmal größer:
Die Schwarzbrunnkoppe (Černá Studnice, 869 Meter)
Der Kaiserstein (Císařský kámen, 637 Meter)
Der Jaberlich (Javornik, 684 Meter)
Der Jeschken (Ještěd, 1012 Meter)
Wittigs Hof (Vítkův dvůr, Archäoskanzen Curia Vitkov), die
Rekonstruktion einer frühmittelalterlichen Adelsresidenz aus dem 12. und
frühen 13. Jahrhundert.
Der Pferdehof in Hohendorf (Restaurace Farma Vysoká)
Die Kirche Mariä Heimsuchung (Kostel Navštívení Panny Marie) in Ober Wittig (Horní Vítkov)
Die Aussicht ist durch den Baumwuchs nur auf einen Sektor von rund 90 Grad beschränkt.
Die Plattform ist auch offiziell nicht als Aussichtsturm, sondern als
Vogel-Beobachtungsstation oder „Ornithologisches Observatorium“
ausgewiesen. Die Tafel zeigt Fotos von Vögeln, die hier am häufigsten
vorkommen.
Statt einem Gipfelbuch gibt es hier ein EVIDENČNÍ KNIHA POZOROVÁNÍ,
(automatische Übersetzung: „BEOBACHTUNGSREKORDBUCH“), Also ein Buch zum
Registrieren beobachteter Vögel.
Das Plateau wurde in den letzten Jahren umgestaltet. Es entstand ein Pavillon …
… und ein gepflasterter Platz mit Feuerstelle und Sitzgelegenheiten.
Ein Foto vom Eröffnungstag der Aussichtsplattform am 18. Oktober 2014
Ein Ausflug zum Gipfel vom Gickelsberg (Výhledy) ist auch für Besucher empfehlenswert, die keine Vogelbeobachtungen planen.
Die Schranke auf dem Rückweg: DANKE FÜR IHREN BESUCH
Wer den Ausblick zum Lausitzer und Zittauer Gebirge vom Gipfel
vermisste, der wird beim Abstieg entschädigt: Vom Kalkberg (Vápenný
vrch, 790 Meter) bis zum Hochwald (749 Meter)
Limberg (Jezevčí vrch, 665 Meter), Falkenberg (Sokol, 593 Meter),
Pfaffenstein (Popova skála, 565 Meter), Kleis (Klíč, 759 Meter),
Hochwald (749 Meter) und Großer Buchberg (Velký Buk, 736 Meter)
Von weiter unten: Hochwald (749 Meter), Lausche (793 Meter), Tannenberg (Jedlová, 774 Meter)
Wenn man dieses beeindruckende Panorama sieht, dann kann man
verstehen, warum die Baude auf dem damals unbewaldeten Gickelsberg
(Výhledy, 569 Meter) so beliebt war.
Anhang:
Der Text von der Infotafel
VÝHLEDY/GICKELSBERG
Der Grenzhügel Výhledy (deutsch Gickelsberg, polnisch Guslarz) war
und ist für Wanderer ein wichtiger Orientierungspunkt in der Landschaft.
Der nördlich von der Gemeinde Vitkov (ursprünglich Wittig) und südlich
des polnischen Ortes Jasna Góra (ursprünglich Lichtenberg) gelegene Berg
erhebt sich 569 m über den Meeresspiegel. Sein Gipfel ist nur wenige
Dutzend Meter von der tschechisch-polnischen Grenze (früher von der
Grenze zwischen Sachsen [Deutschland] und Böhmen [Österreich-Ungarn])
entfernt.
Am 17. September 1799 besuchte den Gickelsberg der künftige österreichische Kaiser Josef II. mit seinem Gefolge.
GEOLOGIE
Die Umgebung des Berges Výhledy besteht aus Eruptivgestein aus dem Erdaltertum, dem
sogenannten Rumburger Granit (ca. 500 Mio. Jahre). Im Laufe des Tertiärs
(vor etwa 20 Mio. Jahren) drang Magma durch dieses Gestein und
erstarrte zu Basaltsäulen, die heute einen Felssporn auf dem Gipfel des
Berges bilden. Ihren Ursprung hatte diese vulkanische Aktivität in der
Kollision der afrikanischen und eurasischen Platte, die gegen Ende des
Mesozoikums (ca. 70 Mio. Jahre, Alpenfaltung) einsetzte. Der Hügel
selbst wurde jedoch erst später im Tertiär durch Erosion ausgeformt (da
der jüngere Basalt den Witterungseinflüssen besser trotzte als der
umliegende Granit).
ORIENTIERUNGSPUNKT
Im Jahr 1864 wurde auf dem Gipfel eine Granitsäule aufgestellt, die
einen Vermessungspunkt der königlich-sächsischen Triangulierung markiert
(Aufschrift: Station Gickelsberg der Kön. Sächs. Triangulierung, 1864).
Nach 1945 verschwand der Stein. Im Jahr 2003 wurde er wiederentdeckt
und neu aufgestellt. Er dient bis heute als Orientierungspunkt bei der
Erstellung von Landkarten.
AUSFLUGSRESTAURANT
Die erste hölzerne Baude errichtete der Marionettenspieler Köhler
auf dem Gipfel des einst unbewaldeten Hügels. Im
preußisch-österreichischen Krieg wurde sie aber durch preußische
Soldaten zerstört. Das erste steinerne Ausflugsrestaurant baute dann
1872 der Bäcker Josef Wildner. Ausgerichtet war das Restaurant mit Blick
nach Norden, nach Sachsen hin. Der Hügel mit seiner Gastwirtschaft zog
Ausflügler, Spaziergänger und Wanderer förmlich an und der Betrieb lief
gut, auch wenn die Eigentümer wechselten. Einer von diesen, der Gastwirt
Josef Thuma, wurde sogar am 3. Juli 1897 in der Baude vom Blitz
getötet. Nach dem damit einhergehenden Brand wurde das Restaurant wieder
aufgebaut. Der kahle Gipfel bot einen schönen Ausblick auf das Iser-
und Jeschkengebirge sowie auf das Lausitzer Gebirge und weit in das
benachbarte Sachsen hinein. Im Winter trafen sich hier die Liebhaber des
Skisports. Letzter Mieter war F. Porsche aus Nové Město pod Smrkem
(deutsch: Neustadt an der Tafelfichte). Die Geschichte war der gut
gehenden Gaststätte jedoch nicht gewogen. Es kam der Krieg und nach
diesem die Vertreibung der deutschen Einwohner. Die neuen Bewohner
konnten den Reiz dieses Ortes aber nicht wiederentdecken. Die Baude
wurde demoliert und 1948 von den tschechoslowakischen Grenztruppen
schließlich abgerissen. Heute sind von dieser nur noch Steinstufen
vorzufinden.
WIND UND SEINE NUTZUNG
Von starken Winden am Kamm unterhalb des Hügels Výhledy zeugt auch die
Tatsache, dass im 19. Jahrhundert Anton Hillebrant nördlich vom Gipfel
eine Windmühle errichtete, die 1910 niederbrannte.
Im Jahr 2017 wurde zwischen den Orten Vitkov und Václavice ein Windpark mit 13 Windkraftanlagen errichtet.
VOGELBEOBACHTUNGSPLATTFORM, NEUENTDECKUNG DES GENUS LOCI
Im Jahr 2014 wurde auf einem Felssporn eine Plattform errichtet, die der Beobachtung der
hießigen Vogelwelt dient und eine beschränkte Aussicht auf die weite
Umgebung bietet. Die Ortsgruppe des Tschechischen Wandervereins sowie
der Ortsteilrat von Vítkov veranstalten alljährlich eine Sternwanderung
zum Berg Výhledy (Gickelsberg), wo sich Dutzende Wanderer aus
Tschechien, Polen und Deutschland treffen. Im Jahr 2017 wurde die
Wanderung bereits zum 38. Mal veranstaltet.