Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz
Kürzere Touren sind
im Winterhalbjahr gefragt. Das heißt nicht, dass es dabei nichts
Neues zu entdecken gibt. Heute starten wir an der Kirche in
Seifhennersdorf und wandern durch unbekannte Gassen in Richtung
Frenzelberg. Wer hätte das gedacht, dass sich Seifhennersdorf so
ewig hinzieht und wie viele hübsch restaurierte Fachwerkhäuser
hier
anzutreffen sind, viele davon hübsch weihnachtlich geschmückt.
Beim Aufstieg zum Frenzelberg könnte man auf schöne Ausblicke
hoffen, aber leider nicht bei dem heutigen dunstigen Wetter. Ein
unerwartet großer Steinbruch am Gipfel des Berges versetzt uns
dann
aber doch in Erstaunen.
„Im Westen der
Seifhennersdorfer Flur erhebt sich der Frenzelsberg oder
Röthigberg
hart an der Staatsgrenze zur ČSSR. Seinen Nephelintephrit, ein
Basaltgestein, verwendete man früher für Stütz- und Ufermauern
und
als Straßenschotter.
Schon 1770
entnahm das Amt Rumburg das Gestein zum Bau der jenseits der
Grenze
vorbeiführenden Chaussee. In dem aufgelassenen Bruch läßt sich
die
säulige Absonderung noch gut erkennen. Auf Grund seiner
Mineralzusammensetzung dient das Gestein in der wissenschaftlichen
Gesteinskunde nach internationaler Vereinbarung als Normaltypus
der
Nephelin-Tephrit-Gruppe des Basalts.
Zum beliebten
Ausflugsziel wurde der Berg, nachdem auf dem bewaldeten Gipfel
1877
ein Schanklokal errichtet worden war. Hier hielten 1890 die
Arbeiter
ihre erste Maifeier ab, eine zweite folgte 1896 und eine weitere
1930. Nach dem ersten Weltkrieg baute die Ortsgruppe des
Touristenvereins „Die Naturfreunde“ die Baude zu einem
Naturfreundehaus mit Jugendherberge aus, das 1933 beschlagnahmt
wurde
und dann verfiel.
Schon immer
spielte der Berg in den Vorstellungen der Bevölkerung eine
Rolle.
Eine Sage erzählt von einer Schatzhöhle, eine jüngere von
der Hebung einer Kriegskasse. Den älteren Einwohnern gilt er als
Wetterberg. Sein Gestein, auch Blaue Steine genannt, verhütet
nach
der Volksmeinung angeblich Unglück.“ (Werte
unserer Heimat, Band 16, 1975)
Über das Mandautal
hinweg ist schon unser nächstes Ziel sichtbar: der Burgsberg
(Hrádek)
in Warnsdorf (Varnsdorf). Dahin richten wir unsere Schritte, die
Kocour-Brauerei schweren Herzens links liegen lassend.
„Der Name
Burgsberg stammt wohl daher, weil dieser Berg als Schutz- und
Aussichtsort an der von Meißen nach Böhmen führenden Landstraße
gebraucht wurde. Spuren von einer Burg haben sich hier keine
gefunden; auch mangeln hierüber die örtlichen Nachrichten, außer
der alten Sage von dem Einsiedler Wernar.“ (Alois Palme,
Warnsdorf mit seinen historischen Denkwürdigkeiten: mit zwei
Ansichten, zwei Situationsplänen und vier Zeichnungen mit
Denkmälern
und Wappen, 1851)
Auch Amand Paudler
schlich auf den Berg, um sich den Gerstensaft in der
Burgsbergswarte
munden zu lassen.
„Wir kletterten
den Berg glücklich empor und gelangten zur Warte, welche wenige
Wochen zuvor - am 15. Mai 1904 - festlich eröffnet worden war.
Ich
will sie nicht weiter beschreiben. Nur das soll bemerkt sein,
daß
man, obwohl der Burgsberg (437 m) gerade nicht allzu hoch ist,
doch
eine schöne Aussicht hat. Über Hennersdorf hinaus liegt der
Kotmar.
Es folgt nach der rechten Hand der Warnsdorfer Spitzberg (539
m),
jenseits von Warnsdorf der Hochwald (748 m), die Lausche (791
m), der
Tollenstein (667 m), der Tannenberg (770 m), Schönborn (518 m)
mit
seiner Kirche, der Wolfsberg (588 m) und der Rauchberg (511 m).
Wir
übersehen also eine ganz namhafte Anzahl von Aussichtstürmen.
Warnsdorf selbst ist beinahe nach allen Richtungen von Feldern
und
grünen Wiesen umgeben. Ein recht friedliches Bild!
Die
Bergwirtschaft bietet je nach Geschmack eine prächtige
Unterkunft,
größere Räume und kleinere Winkelchen und lauschige Ecken. Es
ist
in dieser Beziehung für jederlei Wunsch und jederlei Bedarf wohl
gesorgt. Das Essen war gut, die Bedienung aufmerksam und das
Pilsner
war das frischeste und beste, das ich während des verflossenen
Sommers getrunken habe. Die Preise schienen mir kaum höher als
in
der Stadt zu sein.
Man wird sich
nicht wandern, wenn ich nach diesen meinen Erfahrungen
den Besuch der Burgsbergwarte und die Besichtigung des
Burgsberggemäuers den Naturfreunden
und
Altertumskundigen empfohlen haben
will.“ (Amand Paudler, Mittheilungen des Nordböhmischen
Excursions-Clubs, 1905 Nummer 42)
Die Burgsbergswarte
wurde über mehrere Jahre restauriert und erwartet ihre Gäste
wieder
seit dem Frühjahr 2025. Wir waren mit der Bewirtung ebenfalls sehr
zufrieden.
Eigentümer des
Burgsberges nebst Restauration ist nach Internetrecherchen der
„Stiftungsfonds
Hrádek-Burgsberg Varnsdorf“, gegründet von der Stadt
Warnsdorf,
die das Gebäude in die Stiftung einbrachte; die Stadt selbst
ist
also indirekt für die Verwaltung und das bekannte Ausflugsziel
zuständig, das auch ein Restaurant beherbergt, das von
verschiedenen
Betreibern geführt wird. Ähnlich
verhält es sich mit dem Hotel
auf
dem
Jeschken (Ještěd),
welches von der Region Reichenberg (Liberec) 2025 erworben
wurde, um
die Sanierung des in die Jahre gekommenen Objekts
voranzutreiben. Man
kann getrost davon ausgehen, dass das in der nächsten Zeit
stattfinden wird. In
Deutschland läuft das natürlich genau andersherum,
siehe Fichtelberghaus, welches der Erzgebirgskreis 2024 in
Privathand
veräußerte, weil er kein Geld zur Sanierung hatte.
Finde
den Fehler!
Die
GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.
Seifhennersdorfer Ansichten
Basaltbruch auf dem Frenzelberg
Seifhennersdorfer Ansichten