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Montag, 14. März 2022

Wanderung von Antonienthal über Hoffnung, Mühlstein, Weinkeller nach Morgenthau und zurück

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Nach längerer Zeit kündigt sich nun endlich wieder einmal schönes Wetter an, so dass wir daran denken können, solche Wanderungen anzugehen, die für diese Tage reserviert sind. Heute zum Beispiel könnte man sich auf den Weg zum Weinkeller (Vinný sklep) am Hengstberg (Kobyla) machen, um nachzuschauen, ob sich in der Höhle Eiszapfen gebildet haben. Als Startpunkt haben wir Antonienthal (Antonínovo Údolí) gewählt. Hier gibt es genügend Parkflächen, zumal das Behindertenheim am Eingang der Schlucht des Hammerbaches leer geräumt ist, scheinbar steht eine Renovierung bevor. Die Lage für ein Pflegeheim ist in dieser idyllischen Gegend ideal. Allerdings gehen die Ursprünge auf einen Industriebetrieb zurück (was heute in einem Landschaftsschutzgebiet völlig unmöglich wäre).

Die Fabrik ,,Antonienthal“ in herrlicher Lage gegen Hoffnung mit Teich und Turbine wurde wohl 1840-50 von den in Großmergthal wohnhaften Herren Schicht und Wiesner erbaut, welche eine Spinnerei gründeten, die später mehrmals in andere Hände überging. Am 4. November 1878 brannte sie ab. Nun wurde ein Stockwerk abgetragen. In den letzten Jahren bestand daselbst die Maschinenschlosserei von Wilh. Neuwinger. Während des Krieges lieferte der Betrieb Schrapnellhülsen. Im Oktober 1924 erwarb der Bezirk Zwickau die Liegenschaft, um sie als Armen-Asylhaus zu verwenden. Der 40 m hohe Kamin fiel am 5. Feber 1925.“ (*)

Bei dem derzeit leerstehenden Pflegeheim beginnt der Weg mit einigen abenteuerlichen Abschnitten durch das romantische Tal des Hammerbaches (Hamerský potok). Das Wasser des Baches wurde an verschiedenen Stellen gestaut und für den Antrieb von Sägemühlen sowie der o.g. Fabrik genutzt. Zu diesem Zweck wurden in den Felsen Mühlgräben und Tunnel angelegt, die noch heute zu sehen sind. Wir folgen ein Stück dem Hammerbach, verlassen dann aber das Tal in Richtung Hoffnung (Nadeje). Die landschaftliche Lage von Hoffnung, dessen wenige Häuser sich auf dem ausgedehnten Grund eines Talkessels verteilen, ist einmalig schön. Einerseits ist der Kessel durch das Tal des Hammerbachs begrenzt, andererseits durch den Höhenzug, der sich zwischen Dürrberg (Suchý vrch) und Glaserter Berg (Trávnický vrch) hinzieht. Auf dem Sattel zwischen diesen Bergen befinden sich die Reste der Burg Mühlstein (Milštejn). Den Aufstieg dahin hatten wir uns etwas anders vorgestellt, denn auch dieses Areal wurde großflächig abgeholzt mit der Folge, dass die Wege verschwunden sind und nicht abgeräumte Stämme das Durchkommen erschweren. Wir wagen den Steilaufstieg querfeldein, um dieser Ödnis zu entkommen, was am Ende wenigstens mit einem Rastplatz nebst guter Aussicht belohnt wird. Dafür lassen wir den Besuch der Burgruine heute ausfallen. Die Wege haben unter den Forstmaschinen wieder einmal stark gelitten und so sind wir froh, dass wir an der Flanke des Hengstberges endlich einmal einen gut begehbaren, unzerstörten Waldweg antreffen, der uns zum Weinkeller führt. Vom Weinkeller heißt es ja, im Winter bildeten sich vom abtropfenden Wasser schöne Eiszapfen. Im Prinzip ja, aber man kann sie zählen. Auf dem weiteren Weg hinunter in das schöne Gebirgsdorf Morgenthau bieten sich immer wieder schöne Ansichten von Kleis (Klíč) und Hamrich (Rousínovský vrch).

Der Ort liegt sehr anmutig im Gebirge, 3-5 km nordwestlich von Zwickau in dem herrlichen Tale des Friedrichsbaches, der ein starkes Gefälle hat und im unteren Teile des Dorfes den Hahnelbach aufnimmt. … Über die Entstehung des Ortes weiß man nichts Genaues. Die Ansiedlung soll von Röhrsdorf ausgegangen sein. Der Name wird sich von selbst ergeben haben, da hier im engen Tale der Morgentau lange liegen bleibt.“ Ansonsten ist im Heimatkundebuch von 1925 (*) noch zu erfahren: „Der Weltkrieg forderte von 86 Eingerückten 11 Todesopfer und 36 Verwundete. Wegen besonderer Tapferkeit wurden 28 Krieger ausgezeichnet.“ Solche Nachrichten werden - wie es ausschaut – gerade wieder hoffähig.

Morgenthau selbst ist ziemlich ausgestorben und das schöne Restaurant „Mühlstein“ wird heute nur noch als Pension genutzt, mit Essen und Trinken werden ausschließlich noch Hausgäste verwöhnt.

Der Rückweg führt uns wieder über einen angenehm zu begehenden Wanderweg mit Aussichten an der Flanke des Glaserter Berges zum Knespelberg (Knespelův vrch). Wir haben diesen Weg bewusst gewählt, weil hier jede Wanderung in dieser Gegend ihren krönenden Abschluss findet.

Der Wirtschaftsbesitzer Josef Knespel Nr. 13 erbaute deshalb aus aufgeschichteten Feldsteinen am Waldrande eine 380 m lange, 1,20 m hohe und 0,83 m breite Mauer, um das leidige Austreten des Hochwildes zu verhindern. Auf der Höhe des Berges weist dieser Steinwall eine Lücke auf, durch die ein Fahrweg in den Bergwald führt. Dieses Fleckchen Erde, „Knespels Tor" genannt, bietet besonders bei sinkender Sonne eine wunderbare Aussicht gegen Norden und Osten, wohl der geringen Mühe des Aufstieges wert. Eigenartig ist auch der Platz bei dem hohen Holzkreuze daneben, eine stimmungsvolle Andachtsstätte.“ (*)

Das romantische Holzkreuz ist noch vorhanden und die Sichtverhältnisse sind heute geradezu genial. Die tief verschneiten Kämme des Riesengebirges am Horizont, erinnern uns daran, dass noch Winter ist. Deswegen eignet sich dieser lauschige Flecken für einen längeren Aufenthalt besser in der wärmeren Jahreszeit, aber dann ausgiebig. Der Weg hinab nach Glasert führt vorbei an einigen schönen Fachwerkhäusern. Nicht mehr weit ist es nun zum Ausgangspunkt unserer Tour in Antonienthal.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Mühlgraben mit Tunnel am Hammerbach


Ein Stück durch das Tal des Hammerbaches





Ortslage von Hoffnung


Blick auf den Limberg


Ungeplante Ausweichvariante in den Hanglagen des Dürrberges




Jenseits des Kammes öffnet sich die Sicht zu Kleis und Hamrich



Am Felsüberhang Weinkeller





Der beklagenswerte Zustand des Waldes


… gibt aber Aussichten zur umliegenden Bergwelt frei






Im Morgenthau




Am Glaserter Berg vorbei zum Knespelberg





Aussichten vom Knespelberg



Hübsche Fachwerkhäuser in Glasert



Im Anthoniental




Dienstag, 15. Januar 2013

Wanderung zum Rabenstein und dem Schloßberg bei Hermsdorf

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Friedhof von Krombach

Ein zeitiger, sonniger Frühjahrstag lockt einen unweigerlich hinaus, um zu schauen, was vom Winter noch übrig geblieben ist. Außerdem verspricht die Fernsicht schöne Aussichten in die Böhmischen Berge. Besonders interessieren mich dabei die Wege, die in den Karten nicht als Wandermagistralen ausgewiesen sind und auf denen man die schöne Natur in aller Ruhe genießen kann. Diese Tour ist eine solche. 

Ziel war der Knespelberg bei Glasert (Travnik) und der Schloßberg (Zámecký vrch bei Heřmanice), den ich schon lange einmal erkunden wollte und auf den eigentlich kein richtiger Weg hinauf führt. Wir werden sehen, daß die Wanderung dahin weitere schöne Erlebnisse bereit hält. Bei Schanzendorf (Valy) taucht schon einmal der Kleis am Horizont auf und gibt immer ein lohnendes Fotomotiv ab. Am Ortsausgang von Krombach (Krompach) nimmt man gern zur Kenntnis, daß man sich hier wieder um den alten Friedhof kümmert. Über den alten Feldweg geht es hinauf zum Kulich-Berg, von dessen Südabhang sich ein herrliches Panorama von Grünberg (Zelený vrch) und Ortel bis hin zu den Bösigen ausbreitet. Bald kommt man zu dem idyllischen Weiler Vierhäuser (Čtyřdomi), von wo man durch ein gemütliches Seitental nach Juliustal gelangt (Juliovka) und von da weiter zur Hammermühle. Erwähnenswert ist, daß man das Wasser des Hammerbach bereits im 19. Jahrhundert regulierte. Noch heute sind die Mühlgräben und Leitungssysteme zu sehen, an denen Mühl- und Sägewerke sowie Turbinen betrieben wurden. Entlang des Hammerbaches verläuft ein (gelb markierter) Wanderweg nach Antonietal (Antonínovo Údolí), wo man Teile dieser Anlagen noch erkennen kann. Ich will aber mein Ziel nicht aus den Augen verlieren und gehe weiter den Fahrweg bis zur Sommerfrische Hoffnung (Nadeje), eines der schönsten Flecken des Lausitzer Gebirges. Bereits am Ortseingang von Hoffnung fällt der Blick auf den Rabenstein (Křížová věž), der aus dem Wald herausragt. Der Waldbestand in dem Tal, welches nördlich des Rabenstein zur Burgruine Mühlstein (Milštejn) hinauf führt, wurde jedoch 2010 durch einen Wirbelsturm vernichtet, so daß zum Dürreberg (Suchy vrch) hin gegenwärtig ein gewaltiger Kahlschlag anzutreffen ist und sich der Rabenstein zur Zeit in seiner vollen Größe zeigt. Der Felsen ist ein Wahrzeichen der Gemeinde Hoffnung und ein begehrtes Objekt für Bergsteiger. Am Ende des 19. Jahrhunderts soll ein Weber namens Joseph Weiss etwa 30 Jahre lang bis zu seinem Tod allabendlich eine Laterne auf dem Gipfel des Felsen entzündet haben. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, daß Bergsteiger diesen Gipfel mit Sicherung angehen. 

Kurz hinter dem Rabenstein ist der Knespelberg (Knespelův vrch) erreicht. Eine große Wiese, welche sich am Berghang von Glasert (Travnik) aus hoch zieht, lädt zu einer ausgiebigen Rast ein. Oben am Waldrand ist ein Kreuz mit Christusbild aufgestellt. Von hier genießt man bei guter Sicht eine wunderbare Aussicht bis hin zu den Kämmen des Isergebirges, dem Jeschkenkamm und den Roll. Am Kalvarienberg in Groß-Mergthal (Mařenice) ist die restaurierte Kapelle zu sehen. Diese ist mein nächstes Ziel. Die Kapelle befindet sich an malerischem Ort und war nach dem Zweiten Weltkrieg dem Trauerspiel des Verfall und der Zerstörung ausgesetzt. Sie wurde in den letzten Jahren restauriert und in 2010 wieder eingeweiht. Man findet ein perfektes Idyll, zu perfekt für meinen Geschmack und ich frage mich, ob nicht in diesem Fall Weniger Mehr gewesen wäre. Weniger entspräche eher dem Anliegen nach innerer Einkehr inmitten dieser reizvollen Bergwelt. 

Letztes Ziel ist der kaum begangene Schloßberg (Zámecký vrch) bei Hermsdorf. Der Aufstieg ist beschwerlich, von Süden führt kein Weg auf den langgezogenen Bergrücken, Sandsteinfelsen bekrönen die beiden Gipfel am südwestlichen und nordöstlichen Ende des Kammes. Früher soll hier auch eine Burg gestanden haben, zu der es keine Überlieferungen gibt. Der Waldbestand gibt kaum Blicke auf die Umgebung frei. Erstaunlich sind die Bunkeranlagen des Tschechoslowakischen Verteidigungswalles, die in den 30-ger Jahren des 20. Jahrhunderts bis in den exponierten Gipfelbereich des Schloßberges vorgetrieben wurden. Sicher waren diese 'ewigen' Bauwerke technisch anspruchsvoll, aber man kann es auch anders sehen: Der Wahnsinn kennt keine Grenzen und scheut keine Kosten ('Im Westen nichts Neues'). Der Verteidigungswall wurde nach Vorbild der Maginot-Linie entlang der gesamten Grenzen der tschechoslowakischen Republik errichtet und ist aus Sicht des damaligen nationalen Sicherheitsempfindens und der bekannten historischen Entwicklung sicher verständlich. Ich habe diese Anlagen von der Böhmischen Schweiz bis in die Beskiden gesehen. Aber gerade hier vor unserer Haustür sind diese schauerlichen Erinnerungsstücke Mahnung und Aufforderung zugleich, aus der Geschichte die entsprechenden Lehren zu ziehen und das, was sich zwischen Deutschen und Böhmen abspielte, nie wieder zuzulassen oder um es anders auszudrücken: dem Aufwiegeln der Völker gegeneinander entgegenzutreten.  

Der Rückweg führte mich dann über Großmutters Ruh (Babiččin odpočinek) und - zurück auf deutscher Seite - den Johannisstein, von wo ich doch inzwischen recht mürbe für heute noch einen letzten Blick über das Zittauer Gebirge erhaschte.  

 


Altes Haus in Juliusthal








Wiesen am Knespelberg






Kulich




Rabenstein (Hoffnung)



In Richtung Schanzendorf




Bunker der "Schöberlinie" auf dem Schloßberg


Gedenkstein auf dem Schloßberg


Gipfelfelsen des Schloßberges


Vierhäuser


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