Mittwoch, 16. Dezember 2020

Lunar Dome und die Chinesische Mondmission " Chang´e 5 " im Dezember 2020

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Matauschek


Was sind " Lunar Dome " auf der Mondoberfläche?

Lunar Dome ( Mondkuppeln) sind eine Art Schildvulkane, die sich auf der Mondoberfläche befinden. Sie werden typischerweise durch hochvisköse Lava gebildet , die aus Öffnungen an die Oberfläche ausbricht. Es folgt eine langsame Abkühlung , die zu solchen Kuppeln führen und über den Mond verteilt sind.

Zwei Beispiele für Dome sind - bei Krater Kopernikus und Krater Marius , welche relativ klein sind und in größerer Anzahl.


Es gibt aber auch größere Dome , die eigene Namen erhielten nach Astronomen wie "Mons Gruithuisen Delta oder Mons Gruithuisen Gamma". Auch ein Krater Namens Gruithuisen  liegt in ihrer Nähe. (Deutscher Astronom Franz von Paula Gruithuisen -1774-1852 ). Die Namen wurden 1935 für Krater und 1976 für Mons Gruithuisen Gamma und Delta von der IAU vergeben.

Der Krater Gruithuisen ist ein relativ kleiner Einschlagkrater mit 16 km Durchmesser und 1870 m tief. Er liegt in der Ebene zwischen " Oceanus Procellarum und Mare Imbrium ".
 
"Mons Gruithuisen Gamma" - größter Lunardom mit einer Höhe von 1000 m und einer Basis von 20 km x 20km . Der Bergrücken hat einen Gipfelkrater von 1 km Durchmesser.
 
"Mons Gruithuisen Delta"- ist ein unregelmäßig geformter Dome und ca. 20 km groß.
 


Übersicht über Lunar Dome mit eigenen Namen


"Mons Rümker" ein Vulkangebirge - Megadom-, seit 1935 von der IAU nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788 - 1862) benannt. Er stammte aus der Kleinstadt Burg Stargard bei Neubrandenburg.

Der Vulkanische Megadom ist ca. 800 m hoch und hat einen Basisdurchmesser von 73 km. Mons Rümker liegt im "Oceanus Procellarum" und ist nicht einfach in der Beobachtung ,günstige Librationswinkel! Diese Vulkangebiet war das Ziel der chinesischen Mondmission "Chang´e 5" im Dezember 2020.
 
  • Am 24.11.2020 hat eine chinesische Rakete vom Typ " Langer Marsch 5 " die Mondmission "Chang´e 5" -  (Mondgöttin 5") ins All befördert. Das Raumschiff der Chang´e 5 - Mission besteht aus 4 Modulen:
  • dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel
  • dem Landegerät mit der Aufstiegsstufe , zusammen sind 8200 kg schwer.
 
Mondphase - 2  Tage nach dem ersten Viertel.
 
  • Am 01.12.2020 landete die Sonde erfolreich im Vulkangebiet von Mons Rümker um dort Bodenproben zu entnehmen,  was bisher noch bei keiner Mondmission gelang. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die vulkanische   Aktivität und die Geschichte des Mondes. Die neuen Mondproben sind wesentlich jünger , man schätzt sie 1,2    Millarden Jahre alt. Im Gegensatz zu den von Apollo und Luna- Missionen gesammelten Gesteinproben , die man  auf ein Alter von 3,1 bis 4,4 Millarden Jahre datiert.
 
  Mondphase - 1 Tag nach Vollmond - beste Sichtverhältnisse auf dem Mond.
 
  • Am 3.12.2020 wurden die Mondproben mit Hilfe der Aufstiegsstufe von der Mondoberfläche zurück zur Muttersonde gebracht, die in 200 km Höhe den Mond umkreist.
  •  Am 05.12.2020 koppelte die Mondsonde Chang´e 5 erfolgreich an die Muttersonde im Mondorbit an.
  •  Am 06.12. 2020 verstaute man die Mondproben in die Rückkehrkapsel ohne Probleme und die Aufstiegsstufe  hat sich wieder vom Mutterschiff getrennt.
 
  Mondphase - 1 Tag vor letzten Viertel.
  •  Am 13.12.2020 erfolgt das erste von zwei Schubmanövern für die Rückkehr zur Erde. Mit der Landung auf der Erde wird mit dem 16. oder 17.12 2020 gerechnet in der inneren Mongolei.
 
Die Heimatstadt von Karl Rümker - Burg Stargard - verhandelt mit der chinesischen Weltraumbehörde über ein Mitbringsel (Mondgestein) der Mondsonde für das " Karl Rümker Museum ".  








Ich hoffe das Interesse vieler zu den Aktivitäten der Mondforschung und den vulkanischen Domen und Montes geweckt zu haben.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Auf dem Schmugglerweg vom Pfaffenstein zum Schwarzen Berg

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Ein sonniger Sonntag im November war angekündigt, eingebettet zwischen Tagen, an denen man ungern den Hund aus der Hütte jagt. Leider war das wieder einmal eine totale Falschprognose, aber so etwas von total, dass es ärger kaum kommen kann. Keine Aussicht vom Pfaffenstein (Popova skála), der im Nebel lag, und garstiger böhmischem Wind, der einen längeren Aufenthalt auf der Aussichtsplattform unmöglich machte – es musste kurzfristig eine Alternative her, um dem Ausflug noch zu einem guten Ende zu verhelfen. Da kommt mir der Schwarze Berg (Černý vrch) in den Sinn, der in meiner Gipfelsammlung noch fehlt. Nun ist es gar nicht so einfach zu erklären, wo sich dieser Berg eigentlich befindet, denn die Eintragungen in den Karten (z.B. mapy.cz) widersprechen den sonstigen Literaturangaben, z.B. Amand Paudler oder www.Luzicke-hory.cz. Die Karten zeigen einen Doppelgipfel nördlich von Finkendorf (Polesi) mit der Bezeichnung Černý vrch. Nach Josef Matouschek und Meinholds Karten handelt es sich dabei um die Hohe Haide. Der Schwarze Berg mit der Höhenangabe 535 m liegt aber nördlich davon und ist in den aktuellen Karten unbezeichnet. Ich halte mich an Paudler und Luzicke-hory.de.

Westlich unterhalb des Pfaffenstein treffen an einer Wegekreuzung mehrere markierte Pfade auf einander. Allein der schönste Weg ist unmarkiert, der Schmuggler- oder Pascherweg (Pašerácká stezka). Er führt südlich um den Pfaffenstein herum zu Tal, wo er sich dem Kaisergrund nähert. Es handelt sich um einen ausgesprochen angenehmen Wanderweg, der im oberen Bereich von interessanten Sandsteinfelsen flankiert wird. In keinen der üblichen Wanderführern ließ sich etwas über diesen Weg in Erfahrung bringen. Erst eine erweiterte Suche ließ mich fündig werden, siehe ebenda. Hier erfahren wir, dass sich in den Tiefen des Waldes und der Felsen nicht nur Räuber versteckten, sondern es wurde auch geschmuggelt. Viele arme Dorfbewohner aus nahe gelegenen Dörfern wie Ringelshain (Rynoltice), Finkendorf (Polesí ), Pass und Spittelgrund (Horní und Dolní Sedlo) mussten auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Der dichte Grenzwald mit seinen vielen Felsen, Schluchten und dunklen Ecken, die zum Verstecken genutzt werden konnten, war perfekt zum Schmuggeln und es war für die Gendarmen sehr schwierig, jemanden zu fangen. Die Schmuggler waren tapfere Männer, die keine Angst hatten, nachts in den dunklen Wald zu gelangen und oft große Risiken eingingen. Sie schlichen auf ihren eigenen geheimen Pfaden und mussten sich unauffällig und leise durch den Wald bewegen, um die Aufmerksamkeit der Grenzer nicht zu wecken. Der Pascherweg um den Pfaffenstein herum bot dafür gute Bedingungen.

Über einen kurzen Verbindungsweg erreichen wir den Kaisergrund (Krásný důl). Weiter geht es ein Stück durch das Tal. Bald verzweigt sich der Weg nach links und verläuft dann steil aufwärts durch ein Felsental an der Flanke des Rolleberg zum Bäckenherrgott (Pekařův kříž). Das hölzerne Kreuz befindet sich am Fuße des Schwarzen Berges. Ein Weg führt an seinem Gipfel vorbei, man muss aber aufpassen, damit man ihn nicht verfehlt. Zu dem kurzen, schön geformten Gipfelgrat des Schwarzen Berges bin ich hinauf gegangen, um eventuell die von Paudler beschriebene Aussicht zu erkunden. Man kann sich davon wohl eine Vorstellung machen, aber der Blick auf die Landschaft wird jedoch derzeit durch Wald verstellt, der den Gipfel umgibt. Immerhin findet man am Gipfel noch einen Bunker, den Paudler nicht gesehen hat. Damit stellt sich dann wieder ausgleichende Gerechtigkeit her.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.






Unterwegs zum Pfaffenstein






Auf dem Pascherweg








Am Gipfel des Schwarzen Berges





Der Aussichtsturm von Prichowitz (Leuchtturm von Jara Cimrman - Majak Jary Cimrmana)

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Im Ort Prichowitz (Prichovice), unweit der Europastraße E65 von Tannwald (Tanvald) nach Harrachsdorf (Harrachov) befindet sich an der Grenze zwischen Isergebirge und Riesengebirge noch ein Aussichtsturm.


Aufmerksam wurde ich auf ihn beim Besuch des Turmes auf der Stephanshöhe (Stepanka).
Von dort aus entdeckt man ihn gleich hinter der Kirche von Prichowitz (Prichovice).
Nur reichlich 3 Kilometer Luftlinie zwischen zwei Aussichtstürmen, das ist schon sehr ungewöhnlich.


Von Tannwald (Tanvald) auf der E65 kommend biegt man in Bad Wurzelsdorf (Korenov) rechts auf die Straße Nr. 290 ab. Am Parkplatz für die Besucher vom Turm auf der Stephanshöhe (Stepanka) fährt man vorbei und folgt der Ausschilderung „Muzeum“.


Zirka 200 Meter nach der Kirche von Prichowitz (Prichovice) gibt es einen langgestreckten Parkplatz. Man folgt zu Fuß der Parkstraße abwärts.


Auf einer Höhe von 785 Metern über dem Meeresspiegel liegt am Hang der neueste Aussichtsturm dieser Gegend. Das hölzerne Bauwerk ähnelt tatsächlich einem Leuchtturm.


Man gelangt am Freigelände des Museums vorbei zu Pension und Restaurant „U Capa“ (= Beim Storch).
Das historische Gebäude aus dem 17. Jahrhundert ist eines der ältesten im Ort.


Auch nach der Renovierung 2006 ist es eine urige Kneipe geblieben, mit junger Besatzung und schneller Bedienung.


Gaststube mit Ausblick


Bei schönem Wetter ist kaum ein Tisch im Außenbereich zu bekommen.


Blick ins Tal


Um das Restaurant „U Capa“ ist ein touristisches Zentrum entstanden.
Als Attraktion wurde 2013 dieser einzigartige Turm errichtet.
Seine Höhe beträgt 20,7 Meter, mit Windfahne 25,6 Meter.
Er wurde auf einem Monolith aus 110 Kubikmeter Beton errichtet.


In diesem Fundament aus Beton entstand das 162 Quadratmeter große Museum „Muzeum Jary Cimrmana“.
Jara Cimrman ist eine fiktive Kunstfigur, die sich zu einem virtuellen Nationalhelden entwickelte. Die stets ausverkauften Stücke im Jara-Cimrman-Theater widmen sich seinem angeblichen Leben und Werk.


Der Eingang zum Turm liegt im unterirdischen Museum. Auf den ersten Blick nicht erkennbar:  Der Treppenaufgang. Nach 19 Stufen geht die Wendeltreppe oberhalb der Betondecke in den Aussichtsturm über.


Für den Turm wurden 25 Kubikmeter Douglasienholz und 5,2 Tonnen feuerverzinkter Stahl verwendet.


Der Durchmesser der äußeren Bögen beträgt 4,7 Meter.


Die außen umlaufende Treppe hat einen Durchmesser von 4,2 Metern.
Im Aufgang werden viele Bilder von alten Ansichtskarten dieser Gegend ausgestellt.




Es führen 105 Stufen bis ganz nach oben, davon 19 im Museum als Zugang zum Turm.
Für diese Treppe wurden 4,2 Kubikmeter Eichenholz verarbeitet.


Die Aussichtsplattform hat eine Höhe von 18,0 Metern.
Die umlaufenden Orientierungshilfen sind sehr gut gestaltet.


Obwohl der Leuchtturm fast 200 Meter tiefer liegt als der benachbarte Turm  auf der Stephanshöhe (Stepanka) bietet er bei schönem Wetter eine weite 360-Grad-Rundumsicht.
Blick nach Nordosten über Prichowitz (Prichovice) zur Stephanshöhe (958 Meter)


Im Südosten liegen die Hänge des angrenzenden Skigebietes „U Capa“.


Blick nach Süden zum Böhmischen Paradies (Cesky Raj):
In der Mitte der Kosakow (Kozakov, 744 Meter)


Im Westen: Der Schwarzbrunnkamm mit der Schwarzbrunnkoppe (Cerna Studnice, 869 Meter)


Der Waldpark (Lesopark na Slunecni) im Nordwesten


Im Norden: Der Kamm vom Isergebirge


Beim Parkplatz endet die Rundumsicht.


Jetzt noch einmal größer:
Die Kirche von Prichowitz (Prichovice), darüber die Stephanshöhe (Stepanka, auch Hvezda, 958 Meter)


Die Spitze vom Aussichtsturm auf der Stephanshöhe (Stepanka, 958 Meter)


Rechts die Schwarzbrunnkoppe (Cerna Studnice, 869 Meter) mit Aussichtsturm und zwei Antennenmasten, links der Sendemast auf dem Berg Pustina (831 Meter)


Der Jeschken (Jested, 1012 Meter)


Der Sichhübel (Jizera, 1122 Meter)


Der Buchberg (Bukovec, 1005 Meter) bei Klein Iser (Jizerka)


Blick nach oben:  Der 5 Meter hohe Mast mit Wetterfahne


Abstieg über die obere Wendeltreppe


Der Blick 18 Meter in die Tiefe im Inneren des Turmes


Das Schwanken des Holzturmes wird durch 19 Millimeter dicke Stahlseile mit einer Gesamtlänge von 240 Metern minimiert.


Die Wetterfahne auf der Turmspitze


Der Leuchtturm von Jara Cimrman - Die Touristische Visitenkarte


Kuriosität im Außengelände:  Eine Schubkarre für den Winterbetrieb


Auf dem Gelände von „U Capa“ (Zum Storch) gibt es seit 2015 auch eine Minibrauerei.
Hier wird ein „vollmundiges, bernsteinfarbenes Lagerbier“ gebraut.
Sein Name:  „Svetobeznik JC“ = Weltenbummler J(ara)C(imrman)


Als Souvenir wird das Bier in ungewöhnlichen Bügelflaschen zu 0,75 Litern angeboten.
Dabei ist auch die Sorte IPA (India Pale Ale) mit dem Aussichtsturm auf dem Etikett.


Die gesamte Anlage rund um das Restaurant „U Capa“ ist in einem sehr gepflegten Zustand.


Mein erster Eindruck über diesen Turm von der Stephanshöhe (Stepanka) aus war ziemlich „herabschauend“ - Was soll das dort unten?
Nach dem ich selbst hier war muss ich feststellen, dass die gesamte Anlage mit Museum, Restaurant und Aussichtsturm eine wirklich empfehlenswerte und sehr gut erreichbare Touristenattraktion geworden ist.


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