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Dienstag, 26. März 2013

Wanderung zum Himpelberg und auf den Kaltenberg im Lausitzer Gebirge

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Die Gipfel des kleinen, aber reizvollen waldreichen Lausitzer Gebirges reichen nur knapp an die 800 m heran, davon erheben sich 10 Gipfel über 700 Meter. Das sind Lausche, Weberberg und Hochwald, über die jeweils die deutsch - tschechische Grenze verläuft sowie in Böhmen Kleiner und Großer Buchberg (Malý und Velký Buk), Friedrichsberg (Bouřný), Tannenberg (Jedlová), Kleis (Klíč), Finkenkoppe (Pěnkavčí vrch) und Kaltenberg (Studenec). Ziel der heutigen Tour ist der wenig begangene Himpelberg (Chřibský vrch) und später der Kaltenberg. Von Kaltenbach (Studený) aus wandern wir entlang des gleichnamigen Baches in Richtung Kaltenbergmassiv, wollen es aber gemütlich angehen und wenden uns zunächst Kreibitz (Chřibská) zu mit seinem hübschen Marktplatz. Ein Besuch des hinter der Kirche befindlichen Friedhofs lohnt sich schon wegen der schönen Epitaphien an der Friedhofsmauer. Durch das Kreibitzer Tal geht es, vorbei am idyllischen Friedhof von Ober Kreibitz, weiter in Richtung Schönfeld (Krásné Pole), wo wir ins Gebirge 'eintauchen'. Der gegen die Böhmische Schweiz hin auslaufende Kamm des Lausitzer Gebirges, der sich vom Tannenberg zum Kaltenberg in ost-westlicher Richtung erstreckt, wird aufgrund seiner zackigen Gestalt auch 'Kreibitzer Säge' genannt. Den besten Eindruck davon erhält man vom Fuß des Irigtberges (oder Irichtberg, Spravedlnost), der aber heute nicht zum Programm gehört. 

Schon die wenig benutzten Wege in Richtung Himpelberg verraten uns, dass wir hier kaum anderen Wanderern begegnen werden. Obwohl der Gipfel des Berges bewaldet ist, so gibt es doch während des Aufstiegs schöne Aussichten nach Süden hin und die hervortretenden Felsklippen hinterlassen einen mächtigen Eindruck, den man so kaum erwartet. Oberhalb der Blocksteinhalde am hinteren Gipfel lässt man sich gern nieder und genießt hier die Stille des Buchenwaldes. 

Der weitere Weg zum Kaltenberg ist zunächst wenig aufregend. Das ändert sich, nachdem die Ortslage Hasel (Liska) erreicht ist. Das Dorf zieht sich zwischen Goldbergmassiv (Zlatý Vrch) und Kaltenberg hinauf zum Sattel. Hat man genügend Zeit eingeplant, sollte man einen Abstecher zum Goldberg nicht auslassen. Der Gipfel wird durch ein beeindruckendes Basaltmassiv geprägt, aus dem die Säulen wie überdimensionale Orgelpfeifen hervortreten. Bis in die 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde der Basalt gebrochen, später wurde der Steinbruch jedoch geschlossen und unter Naturschutz gestellt. Dieses Naturwunder steht dem bekannteren Basaltmassiv, dem Herrenhausfelsen (Panská skála) in Steinschönau (Kamenický Šenov) kaum nach. Etwas mühsam kann man auf der Rückseite des Felsen über einen wilden Steig den Gipfel erklettern. Der Rundblick von hier oben ist einfach toll. Mit etwas Glück wird man hier und am Kaltenberg auch Gemsen antreffen. 

An der Abzweigung zum Goldberg erinnert ein Denkmal an die gefallenen österreichischen und preußischen Soldaten, die hier in mehreren Scharmützeln im Siebenjährigen Krieg ihr Leben ließen. Liest man die Würdigung (... welche hier in treuer Pflichterfüllung ... für Kaiser, König und Vaterland den Heldentod erlitten haben ...) ahnt man geradezu, mit welcher Begeisterung die Mannen für ihren Meister in den Tod gerannt sind. Und, was ist geblieben ? Für mich eine tolerable, aber unzeitgemäße Würdigung. 

Auf dem weiteren Weg streifen wir das Naturdenkmal Liska an der Schulter zwischen Kaltenberg und Schwarzem Berg (Černý vrch). Das Gebiet ist wegen einer Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten geschützt. Nun liegt noch der Kaltenberg vor uns. Für Graf Kinsky, Eigentümer des Besitztums, hatte der Berg solch eine Bedeutung, dass er die Zuwegung zum Gipfel mit Basaltsteinen unverwüstlich pflastern ließ. Der Gipfel des Berges wird von einer ausgedehnten Klingsteinhalde umgeben. Von seiner Ostflanke bietet sich ein unvergesslicher Blick über das gesamte Lausitzer Gebirge, von der Westseite der Halde zeigen sich der Rosenberg und der Übergang ins Böhmische Mittelgebirge. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Kaltenberg zunächst ein hölzerner Aussichtsturm errichtet, der 1888 durch einen eisernen Turm ersetzt wurde. Das auf dem Gipfel im Sommer bis in die 50-er Jahre auch eine Gaststätte betrieben wurde, ist heute kaum noch vorstellbar. Dann brannte sie ab. Im Laufe des letzten Jahrhunderts verrottete die Konstruktion des Aussichtsturmes, so daß er nicht mehr begehbar war und abgetragen werden sollte. Letztendlich konnten sich die Verfechter des Bauwerkes durchsetzen und die entsprechenden Finanzen für die Reparatur auftreiben, so daß dieses technische Denkmal 2009 wieder aufgesetzt werden konnte. Die Begehung ist wieder sicher, aber es fehlt leider an Höhe, um über die Wipfel auch hinüber zur Böhmischen Schweiz und zum Wolfsberg schauen zu könnnen.



Marktplatz in Kreibitz



Kreibitzer Kirche


Epitaphien auf dem Friedhof in Kreibitz


Blick auf die 'Kreibitzer Säge'


Friedhof Ober-Kreibitz


Unter dem Himpelberg


Buchenwald auf dem Himpelberg


Auf dem Gipfel des Himpelberg


Rast an der Blocksteinhalde auf dem Himpelberg




Basaltsäulen des Goldberges - eine geologische Attraktion




Denkmal für die Gefallenen des Siebenjährigen Krieges in Hasel


Gepflasterter Zuweg zum Kaltenberg


Blocksteinhalde am Kaltenberg




Treppe des neuen Aussichtsturmes auf dem Kaltenberg


Lebender und toter Wald



"Eingeschränkter Geltungsbereich"

www.wincontact32.de


Montag, 19. August 2024

Wanderung zum Himmertschberg

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Gewöhnlich ist der Kaltenberg (Studenec) das Wanderziel der Wahl im Westen des Lausitzer Gebirges. Allerdings ist die Aussichtserwartung im Verhältnis zur Bergeshöhe (736 m) ziemlich mau, denn der Bildausschnitt vom historischen Aussichtsturm ist durch die umstehenden Bäume sehr eingeschränkt. Nur von der Klingsteinhalde öffnet sich ein phantastisches Panorama nicht nur über die östliche Hemisphäre, aber für die Aussicht nach Süden muss man etwas halsbrecherisch über das steinerne Meer unterhalb des Gipfel balancieren. Zunächst müssen wir erst einmal den Gipfel besteigen, was wir von Kaltenbach (Studený) aus in Angriff nehmen.

Auf den Kaltenberg wollen wir. Wer kennt ihn? Viele sahen diesen mächtigen Berggipfel schon von ferne, wie er sich so wuchtig in der Ebene lagert und von den Gipfeln des Lausitzer Gebirges die Aussicht nach Süden versperrt. In den Wintertagen verbarg er sich in den Schneewolken als wüßte er, daß seine Stunde käme. Als die ersten Frühlingsblumen das Wetter prüften, und der Winterdunst verzogen war, da zeigte er sich wieder, der Kaltenberg. Nichts hat er eingebüßt von seinem Reize, neuerstanden scheint er zu sein. …

Die Wanderung über die verwitterten Basaltstücke entzückt weniger, aber der Wiesensaum zwischen Gold- und Ahrenberg läßt den Blick in die Weite schweifen. …

Nun folgt das letzte Stück, aber auch der anstrengendste Wegeteil. Der feuchte Basalt will gar nicht vorwärts kommen lassen. Kühl ist das Buschwerk, aber die schwellenden Knospen verraten Leben. Du grüßt auch schon das Blockhaus auf dem Gipfel. Trutzig wie ein Wächter im Stahlkleide steht der eiserne Turm daneben.“ (Du meine Lausitz: Streifzüge durch die Südlausitz und das nordböhmische Grenzland“, Fritz Günther, 1928)

Unser Weg zum Gipfel führt uns nicht auf der markierten Route südlich um den Berg herum, sondern auf der Nordseite durch stillen Buchenbestand. Die im Wald verstreuten Felsbrocken und Baumstümpfe sind von dichtem Moos überzogen und lassen uns durch eine grüne Kulisse gehen. Der Weg mündet auf den Sattel zwischen Kleinem Ahrenberg (Malý Javorník) und Kaltenberg. Den Weg zum Gipfel des Kaltenberges sind wir oft gegangen und es sei hier nur erwähnt, dass die ehemalige gastliche Hütte am Gipfel schon lange verschwunden ist. Wir stellen uns immer wieder die Frage, wie so etwas früher wirtschaftlich betrieben werden konnte. Die Ansprüche seitens der Gäste, als auch der Betreiber werden wohl bescheidener gewesen sein und geschäftsverhindernde Auflagen gab es sicher auch nicht. Die Rekonstruktion des historischen Aussichtsturmes ist jedoch besonders zu würdigen.

Wir wandern nun talwärts durch Hasel (Liska), wo auch die kultige Baude „Chata Babinka“ leider ihren Betrieb eingestellt zu haben scheint, an welche schöne Erinnerungen geknüpft sind. Wir wandern nun ziemlich weit hinunter ins Tal, schöne Ausblicke genießend, um alsbald nach Westen abzuschwenken. Man verlasse den Weg und orientiere sich an den Hanglagen des Himmertschberges (Wowczakův vrch/Lipnický vrch), dort hinauf richte man seine Schritte. Man erreicht einen Sattel zwischen diesem und dem Kaltenberg. Dort angekommen, sinkt man überwältigt von dem sich auftuenden Panorama vom Böhmischen Mittelgebirge bis zu den Felsen der Böhmischen Schweiz dankbar auf die Wiese und verbleibt hier so lange, bis man sich satt gesehen hat. Die früher so verehrte Aussicht von den Lehnen des Ottenberges (Větrný vrch), den wir als nächstes noch aufsuchen werden, verblasst dagegen geradezu.

Auf dem Wege zum Ottenberg können Interessierte noch einen Abstecher zu dem am 11.05.2024 neu geweihten Kreuz der deutsch-tschechischen Versöhnung an der Straße zwischen Limpach (Lipnice) und Kunnersdorf (Kunratice) und der wieder errichteten schönen Bauer-Kapelle am Ortsrand von Kunnersdorf einlegen. Die Weihe der sakralen Bauwerke erfreute sich eines unerwarteten Interesses und großen Auflaufs seitens der Bevölkerung.

Nach kurzem Aufenthalt am Ottenberg wandern wir auf schon früher ausgekundschafteten Wegen hinab in den Paulinengrund (Pavlínino údolí), welcher vom Kreibitzbach (Chřibská Kamenice) durchflossen wird.

Dieses enge und stellenweise bis 120 m tiefe Waldtal schlängelt sich zwischen steilen felsigen Abhängen hin und endet bei der ehemaligen Grieselmühle etwa 1 km südlich von Jetřichovice (Dittersbach). Durch diesen romantischen Canyon führt ein sehr beliebter Wanderpfad mit einigen Brücken, die 1864 von der Dittersbacher Abteilung des Gebirgsvereines für die Böhmische Schweiz gebaut worden ist.“ (http://www.luzicke-hory.cz/mista/index.php?pg=zmpavud)

Nach der schweren Flutkatastrophe 2010 war das Tal durch die Wassermassen verwüstet und kaum passierbar, Brücken hatte es aus der Verankerung gerissen und die Stahlkonstruktionen ragten schraubenartig in den Himmel. Davon ist nichts mehr zu sehen. Entspannt wandert es sich zwischen den Felsen an dem gemütlich dahin fließenden Kreibitzbach, ein gesichertes, abenteuerliches Stück über dem Bachlauf entlang einer Felswand ist dabei zu absolvieren. Ein kleines Rinnsal fließt alsbald dem Kreibitzbach zu, das ist der Kaltenbach (Studený potok) in welchen kurz darauf ein noch kleineres Rinnsal mündet, welches aus dem Tiefen Loch (Lipnický důl) hervor tritt. Dieses haben wir bereits früher einmal erkundet. Fast möchte man zweifeln, dass dieser Pfad heute noch begehbar ist. Für uns ist es heute nur noch ein kurzes Stück Weges bis zum Ausgangspunkt in Kaltenbach.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.



Auf dem nördlichen Teil des Ringweges um den Kaltenberg






Der Berg ist von Klingsteinhalden umgeben


Auf dem Sattel zwischen Kleinem Ahrenberg und Kaltenberg


Ausblick von der Steinhalde auf dem Kaltenberg


Die alte Kinskybaude und der eiserne Aussichtsturm


Abstieg über Hasel




Aufstieg zum Himmertschberg, den Goldberg im Rücken

Die Aussicht am Himmertschberg




Das Versöhnungskreuz bei Limpach

Die Bauer-Kapelle bei Kunnersdorf



Aussicht am Ottenberg


Schäferberg nebst Kaltenberg

Wanderung durch den Paulinengrund















 

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