Samstag, 6. Juni 2026

Wanderung auf neuen Wegen nach Wiskersch

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Die Anreise aus dem Raum Zittau in das Böhmische Paradies ist für eine Tagestour schon sportlich, vor allem das Auffinden eines Parkplatzes, insbesondere im Gebiet der Podtrosecké-Täler (Podtrosecká údolí). Sie will genau geplant sein. Und also sind wir froh, am Věžák-Teich (Rybník Věžák) einen Waldparkplatz ausbaldowert zu haben. Alles fängt gut an, bis kurz vor dem Ziel ein schnödes Baustellenschild die Weiterfahrt unmöglich macht. Ein weiter Umweg über Sobotka (Sobotka) lässt sich nicht vermeiden. Dafür gibt es dann ausreichend freie Flächen auf dem Parkplatz, womit an Wochenenden und in den Ferien nicht zu rechnen ist.

Der Věžák-Teich ist der erste in einer Reihe vom acht Teichen in den Podtrosecké-Tälern, eines der schönsten und ökologisch wertvollsten Naturreservate im Böhmischen Paradies. Besonders reizvoll sind Wanderungen, die von hier zur Ruine der Burg Trosky (Trosky) hinauf führen. Genau so attraktiv ist aber der Aufstieg nach Wiskersch (Vyskeř), den wir heute auf neuen Wegen absolvieren möchten. Zunächst geht es ein Stück entlang des Věžák-Teiches. einem bekannten, hochromantischen See. Er zeichnet sich besonders durch seine einzigartige Kulisse aus, bei der markante Sandsteinfelsen direkt aus dem Wasser ragen und sich auf der Oberfläche spiegeln. Schwäne und Kraniche führen hier ein ungestörtes Dasein.

Bald zweigt fast unbemerkt ein Pfad in das sogenannte Certoryje-Tal, ein felsiger, bewaldeter Canyon mit einer Länge von ca. 3,5 Kilometern. Zu Beginn zwängt sich der Weg durch schmale Felspforten bergan, um danach bis Drahoňovice gemütlich durch ein bewaldetes Tal zu gleiten, gefolgt von einem kurzen ruppigen Abstieg in das nächste Tal. Nach dem Aufstieg aus demselben taucht der Kreuzberg mit der Barockkapelle Sankt-Anna aus dem 17. Jh. auf einem Basalthügel über Wiskersch auf, zu dem ein Kreuzweg aus 14 Sandsteinsäulen hinaufführt. Malerisch thront die Kapelle auf dem Dach des Böhmischen Paradieses. Ein ungehinderter Rundblick wird hier dem Wanderer zuteil, kolossal der Blick auf die aus der Ebene aufragende Burg Trosky, die von hier oben eher den Eindruck eines Spielzeugs erweckt. Jeschken (Ještěd), Roll (Ralsko), Bösige (Bezdězy), Tabor (Tabor) und Kumburg (Kumburk) entdeckt das Auge in der Ferne. Beim besten Willen ist es mir aber nicht gelungen, eine besondere Erwähnung der Örtlichkeit in der Wanderliteratur zu finden. Bestenfalls erfährt man da, dass es ein Flecken für stille Naturen abseits der touristischen Hauptwege ist. Uns kommt das gewiss entgegen.

Eine andere Spezies gab sich hier aber vor ca. 50 Jahren die Ehre. In der Zeit zwischen 1966 und 1995 verfolgten bis zu 60000 Zuschauer ein spektakuläres Motorsportereignis. Rennwagen der Marken Skoda, Fiat, Zastava und später BMW jagten in diesen Jahren bei insgesamt 22 Rennen den Berg hinauf, wobei sie zuweilen widrigen Wetterverhältnissen mit Schnee ausgesetzt waren. Das Bergrennen von Wiskersch war nicht nur ein sportlicher Höhepunkt, sondern auch ein wichtiges Stück tschechoslowakischer Motorsport-Geschichte im Herzen des Böhmischen Paradieses. Mehr darüber erfährt der Motorsportfan hier.

Das Wetter auf dem Berg war heute eher kühl und stürmisch, so dass es uns gelegen kommt, ins geschützte Tal des Schechrow-Baches (Žehrovka) abzusteigen, durch welches wir die letzten Kilometer zum Ausgangspunkt unserer Tour zurücklegen.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man  hier.





Am Vezak-Teich







Durch das Certoryje-Tal


















Schnappschüsse in Wiskersch



















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