Posts für Suchanfrage Preußenkreuz werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Preußenkreuz werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. Mai 2026

Wanderung zum Zigeunerüberhang

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Innere Unruhe quält einen in der Annahme, den richtigen Termin für eine Wanderung zu den blühenden Obststreuwiesen im südlichen Jeschkenvorland wieder verpasst zu haben. im Großen und Ganzen kennen wir die Gegend, aber sie präsentiert sich zu jeder Jahreszeit in einem anderen Gewand und während der Baumblüte ist es am Schönsten hier.

Wir beginnen dieses Mal unsere Wanderung in Johannesthal (Janův Důl) und wandern vorbei an den blühenden Kirschenbäumen hinauf nach Swetla (Svetla). Man nehme sich Zeit, diese Blütenpracht zu genießen. Einer Wanderfreundin fallen die Farbnuancen der grünenden Büsche und Bäume in den Wäldern auf, die man nur zu dieser Jahreszeit in dieser Weise wahrnehmen kann.

Der weitere Weg zieht sich am Hang des Jeschkenkammes (Ještědský hřbet) erst moderat, dann steil nach oben in Richtung Plan. Alsbald biegen wir ab in Richtung Roter Stein (Červený kámen), um bei diesem Bilderbuchwetter einen Blick von oben auf die Berglandschaft und die in der Ferne liegenden Vulkankuppen zu werfen. Trotz des wolkenlosen Himmels ist die Fernsicht jedoch ein wenig eingetrübt. Trotzdem erkennt man noch gut die Kegelberge wie Roll (Ralsko) und Bösige (Bezdězy), die ferneren muss man sich hinzudenken. Im Rücken des Betrachters erhebt sich jedoch in voller Pracht der „Vater“ Jeschken (Ještěd), den man wohl von keinem Standort aus besser sehen kann. Über den herausragenden Aussichtsfelsen des Roten Steines erfährt man wenig Erhellendes in der Literatur. Wir begnügen uns daher mit der Übersetzung einer Erklärtafel, die am Fuß des Felsen angebracht ist. Darauf heißt es

„Wir befinden uns auf dem mächtigsten Felsvorsprung am südwestlichen Hang des Jeschken. Der Rote Stein besteht aus Gestein, das zur Gruppe der Quarzite gehört. Diese Gesteine entstanden vor etwa 350 Millionen Jahren während der variszischen Faltenbildung im frühen Paläozoikum. Der Rote Stein ist älter als das Isergebirge, das erst im Tertiär entstand. Damals wurde der Grund des paläozoischen Meeres angehoben und an die bestehenden Ufer gedrückt – „Gondwana“, den uralten Kontinent, der nur scheinbar dem heutigen „Eurasien“ ähnelte. Bei diesem Prozess entstanden an den Pressflächen enorme Drücke und Temperaturen, bei denen sich die marinen silikatischen Ablagerungen tatsächlich in Gesteine vom Typ Quarzit verwandelten. Der Stein ähnelt Quarzit, ist jedoch nicht kompakt, hat eine andere Struktur und unterliegt leichter Witterungseinflüssen. Die rote Färbung dieses Felsvorsprungs wird durch das Vorhandensein von Eisen in seiner dreiwertigen Form verursacht. Die dem menschlichen Blut ähnliche Färbung ist kein Zufall. Die Farbe des menschlichen Blutes ist auf das Hämoglobin zurückzuführen, das aus dreiwertigem Eisen besteht.“

Die mühsam erkämpften Höhenmeter müssen wir nun wieder hergeben, es geht an der Jeschkenlehne wieder nach unten, und zwar nach Oberpassek (Hoření Paseky). Herrliche Wohngrundstücke mit Weitblick in die Landschaft liegen hier am Hang des Bergmassivs. Und in den Gärten blüht es natürlich wieder lebhaft.

Kurz nach Eintritt in den Wald liegt noch eine Sehenswürdigkeit am Wege, über die in der Literatur wenig bis nichts zu erfahren ist: der Zigeunerüberhang (Cikánský převis). Zigeuner darf man heute nicht mehr sagen, also heißt die Höhle heute Jeřmanská skála. Es handelt sich um die Höchstgelegene prähistorische Siedlung der Isergebirgsregion. Sie war bereits in der Jungsteinzeit vor etwa 6.000 Jahren besiedelt. Archäologische Funde belegen, dass Menschen hier lebten oder sich zumindest zeitweise aufhielten. Der Überhang bot natürlichen Schutz vor Witterungseinflüssen und war daher als Wohnstätte ideal geeignet. Er ist heute ein beliebter Rastplatz für Wanderer und Ausflügler und wie man sieht, kann man unter dem Überhang auch Lagerfeuer entfachen. Bloß beim Aufstehen muss man Acht geben, sonst haut man sich mörderisch die Rübe ein. Zugleich lernen wir noch eine neue Vokabel, denn in der tschechischen Literatur ist zu lesen, dass der Zigeunerüberhang ein beliebter Tramping-Platz ist, also beliebt als Übernachtungsmöglichkeit bei Tramps. Bis zu 20 Leute sollen hier boofen können (wenn man sich zusammenkuschelt, vielleicht auch ein paar mehr).

Es geht nun noch hinauf zum Preußenkreuz (Pruský kříž) und von da auf direktem Wege hinunter zum Ausgangspunkt unserer Wandertour.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.



Von Johannesthal hinauf nach Swetla





Die blühende Landschaft um Swetla



















Am Roten Stein















Der Zigeunerüberhang



Das Preußenkreuz





Sonntag, 26. Mai 2024

Wanderung zum Roten Stein

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Der Rote Stein (Rotstein, Roter Fels/ Červený kámen) war das Überraschungsmoment dieser schönen Wanderung, welches ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Geplant war eigentlich eine Tour zum südlichen Jeschkenkamm, wo es im Frühjahr so herzerfrischend blüht.

Wir beginnen unsere Wanderung in Drausendorf (Druzcov), ein kleiner Weiler, der sich mit seinen hübschen Grundstücken zum Jeschkenkamm hinzieht. Die Strecke zum Gipfel des Jeschken verläuft weitgehend im Walde. Das Preußenkreuz (Pruský kříž) ist die einzige interessante Station am Wegesrand. Der Hinweis, man sollte doch die Gelegenheit nutzen, wenigstens weiter oben dem Rotstein einen Besuch abzustatten, ist daher sehr willkommen. Um so überraschender das mächtige Felsgebilde, zu dem man auf gesichertem Weg aufsteigen kann. Er ist Bestandteil der sogenannten Bergwerkfelsen (Horní Důlní skály).

Der Rote Stein ist ein markanter Quarzitaufschluss mit einer Länge von etwa 250 m südöstlich des Jeschkengipfels (Ještěd). Die Spaltflächen des Felsens sind mit Schichten aus roten Eisenoxiden überzogen - daher der Name Roter Stein. Von der Spitze des Felsens bietet sich ein schöner Blick auf den Gipfel des Jeschken und die Landschaft unter demselben. Erstaunlicherweise findet man (so gut wie) keine Informationen in der hier gern zitierten Literatur. Nur Siegfried weiß erzählt uns von seinen Erinnerungen:

„Am westlichen Abhang unter dem Gipfel [des Jeschken] steht ein gewaltiger Quarzitrücken, der Rote Stein. Eine stille, verlassene Stelle, wo ich gern saß und auf die wellige Landschaft des Rollhügellandes weit unter mir schaute.“

Die schöne Landschaft des Rollhügellandes lässt sich im Moment nur ahnen, denn eine ungemütliche Regenwand zieht aus Westen heran. Dafür baut sich auf der anderen Seite der Jeschkenberg gewaltig vor uns auf. Schöner kann man ihn eigentlich nicht sehen. Bald öffnen sich die Schleusen und es kommt nicht der erwartete Regen, sondern das, worauf wir in den Wintermonaten vergeblich gewartet haben, ein dichtes Schneegestöber. Liegen bleibt das weiße Zeug natürlich nicht lange. Auf dem weiteren Weg zum Jeschkengipfel gibt es etwas abseits des Weges noch eine Besonderheit, den Fliegerhübel (Mohyla letců). Hier findet man die Reste eines Flugzeuges, welches an dieser Stelle 1948 abstürzte und einen Gedenkstein an die 4 Insassen, die dabei ums Leben kamen.

Am Gipfel des Jeschken räumt sich der Himmel ab, so dass das gewaltige Panorama um den Berg herum sichtbar wird. Die Gaststätte im Jeschkenturm ist schwach besucht, wer aus dem normalen Volk kann sich die stolzen Preise noch leisten? Das ist wohl auch ein Grund, warum die Planbaude gar nicht erst geöffnet hat. Nur an Wochenenden steht sie derzeit den Gästen zur Verfügung.

Erwartungsvoll steigen wir ab in Richtung Swetla (Světlá pod Ještědem). Wir hoffen, noch die Obstbaumblüte zu sehen, die um Swetla herum zum richtigen Zeitpunkt zu erleben ist und die in diesem Jahr, eher als sonst, sehr weit fortgeschritten ist. Wir haben Glück, es blüht noch und vor allem, es hat sich ein tolles Wetter eingestellt, welches die Jeschkenlandschaft richtig in Szene setzt. Über Unterpassek (Dolení Paseky) und Rostein (Rozstání) thront der Jeschkenkamm und man sieht den Rotstein, der sich deutlich vom Kamm abhebt.

Die letzten Kilometer ist ein Waldstück zu durchqueren, dann öffnet sich die Landschaft. Im Tal die Häuser von Drausendorf, dahinter der Höhenzug des vertrauten Lausitzer Gebirges. Ein schöner Abschluss unserer Tour.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.     





Das Preußenkreuz




Am Rotstein







Schneegestöber im April



      Gedenkstätte am Fliegerhübel



Auf dem Jeschken








An der Planbaude





Blühende Landschaft um Swetla















Zu spät. Die Veranstaltung fand leider bereits gestern statt



Jeschkenansicht von Unterpassek aus






Zurück in Drausendorf



Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Interessante Blogs Blog-Webkatalog.de - das Blogverzeichnis