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Sonntag, 8. Februar 2026

Der Aussichtsturm auf dem Hochstein im Isergebirge

Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf


Nach Jahrzehnten ohne Bebauung entstand in den letzten Jahren auf dem Hochstein (Wysoki Kamień, 1058 Meter) im Isergebirge (Jizerské hory) durch Privatinitiative eine neue Bergbaude mit Aussichtsturm.
 

Man erreicht das Ziel am einfachsten über die Sudetenstraße 358 von Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój) nach Schreiberhau (Szklarska Poręba). Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Parkplatz an der berühmten Todeskurve. Man folgt dem gelben und roten Wanderweg nach Westen. Für die 3,2 Kilometer mit 260 Höhenmetern sollte man etwa 75 Minuten einplanen.
 

Der Parkplatz an der Todeskurve ist bei schönem Wetter immer gut besetzt.
 

Felsformation am Schwarzenberg (Czarna Góra, 964 m) auf halbem Weg
 

Plötzlich tauchen Baude und Aussichtsturm vor uns auf.
 

Der Aussichtsturm ist das neue Wahrzeichen vom Hochstein (Wysoki Kamień, 1058 Meter).
Durch die Hanglage hat er eine maximale Höhe von über 20 Metern. 
 

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts kamen zahlreiche Wanderer sowie Kurpatienten aus Bad Flinsberg (Świeradow Zdroj) auf den Hochstein. 1837 ließ die Familie Schaffgotsch, die damaligen Eigentümer, zur Versorgung eine hölzerne Baude errichten. 
Zeitgenössische Darstellung um 1850
 

Eine Baude mit dem ersten Aussichtsturm wurde 1875 errichtet. Sie brannte sieben Jahre später ab, wurde aber schnell wieder aufgebaut.
Alte Postkarte vor 1914
 

Die Baude wurde in den Folgejahren mehrfach umgebaut und mit einer Terrasse versehen.
Alte Postkarte von 1922
 

Der 1928 bei einem Sturm zerstört Aussichtsturm wurde durch einen höheren ersetzt, der bis 1945 in Betrieb war.
Alte Postkarte von 1932
 

Die Blütezeit endete mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Baude wurde verwüstet, aber 1947 wieder geöffnet. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1963 geschlossen, danach abgerissen und das Gelände eingeebnet.
Alte Postkarte von 1930
 

Im Jahre 1996 hat der Lehrer Jozef Golba aus Schreiberhau (Szklarska Poręba) den Platz gekauft, auf dem die alte Baude stand und verkündet: Ich baue eine neue!
In vielen Jahren mühevoller Arbeit wurde der Fahrweg ausgebessert, das Gelände vorbereitet und zunächst ein Kiosk errichtet.
Foto von 2023
 

Durch unermüdliche private Initiative wurde 2010 die neue (dritte) Hochsteinbaude eröffnet.
Foto von 2023
 

Hausgebackener Kuchen ist der Renner in der Baude!
 

So kehrte wieder Leben auf dem Hochstein (Wysoki Kamień, 1058 Meter) ein.
 

Doch die Baude war noch nicht das Ende der Bautätigkeit von Jozef Golba:
Im Jahr 2023 wurde daneben ein neuer, steinerner Aussichtsturm eröffnet.
 

Vom Umgang hat man bei gutem Wetter einen fantastischen Ausblick.
 

Der Eintrittspreis für den Turm:
Erwachsene 10 Zloty
Kinder 5 Zloty
 

Das Treppenhaus hat 63 Stufen.
 

Die Aussichtsplattform ist etwa 12 Meter höher als der Eingang.
 

Vom überdachten Umgang hat man freie Sicht in alle Richtungen.
 

Der Rundumblick beginnt mit dem Kamm vom Riesengebirge (CZ: Krkonoše PL: Karkonosze) im Südosten.
 

Der Süden von den Schneegruben (Śnieżne Kotły) bis zum Reifträger (Szrenica, 1361 Meter)
 

Im Südwesten: Vom Weifserberg (Mrtvý vrch,1062 Meter) bis zum Zámky (1002 Meter), in der Mitte Pustina (831 Meter) und Schwarzbrunnkoppe (Černá Studnice, 869 Meter), links mit der Schneiße: der Weiberberg (Babiniec, 998 Meter).
 

Im Westen: Hinterberg (Wysoka Kopa, 1127 Meter) und Weiße Flins (Izerskie Garby, 1084 Meter)
mit Quarzgrube, ganz hinten: Siechhübel (Jizera, 1122 Meter)
 

Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój), links Cornelsberg (Przednia Kopa, 1113 Meter) und Heufuder (Stóg Izerski, 1107 Meter), rechts der große Geierstein (Sępia Góra, 828 Meter)
 

Der Kemnitzberg (Kamienica, 972 Meter) im Nordwesten
 

Die neue Hochsteinbaude (Schronisko Wysoki Kamień) im Norden
 

Beim Schwarzenberg (Czarna Góra, 964 m) mit dem Wanderweg nach Osten zur Todeskurve schließt sich der Rundblick.
 

Jetzt größer:
Die neoromanische Fronleichnamskirche (Kościół Bożego Ciała) in Schreiberhau (Szklarska Poręba)  
 

Die Ruine der Burg Kynast (Chojnik)
 

Der Gipfel der Schneekoppe (PL: Śnieżka, CZ: Sněžka, 1603 Meter)
 

Hohes Rad (PL: Wielki Szyszak, CZ: Vysoké Kolo, 1509 Meter)
 

Die Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotlami, 1489 Meter)
 

Die Baude auf dem Reifträger (Szrenica, 1361 Meter)
 

Alte Schlesische Baude (Schronisko Pod Łabskim Szczytem) 
 

Jakobsthal (Jakuszyce)
 

Der Jeschken (Ještěd, 1012 Meter) aus 38 Kilometer Entfernung
 

Die stillgelegte Quarzgrube „Stanisław” am Berg Weiße Flins (Izerskie Garby, 1084 Meter) war der höchstgelegene Bergbaubetrieb Mitteleuropas (1050 Meter).
 

Der Gipfel vom Berg Heufuder (Stóg Izerski, 1107 Meter) mit Baude, Seilbahnstation und Sendemast
 

Der Sky Walk in Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój)
 

Nach der tollen Rundumsicht geht es wieder abwärts.
 

Jozef Golba hat seine Vision verwirklicht und nicht nur eine neue Baude, sondern auch noch diesen steinernen Aussichtsturm gebaut. Er verdient größte Hochachtung für diese Leistung! 
Dadurch entwickelte sich der Hochstein (Wysoki Kamień, 1058 Meter) in den letzten Jahren zu einem immer beliebteren Wanderziel.
 
Die WANDER CARD (mit Übersetzung):
Aussichtsturm auf dem Hochstein
Ein Steinturm mit einer 20 Meter hohen überdachten Aussichtsplattform, erbaut in den Jahren 2015-2023
 


Montag, 4. Dezember 2023

Wanderung zum Görsbach Wasserfall und zum Mittagsberg

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Traditionell schließen wir das Wanderjahr vor Beginn der Winterzeit ab und zwar mit einer Wanderung in den Herbstwald des Isergebirges (bis zur neuen Saison gibt es dann nur noch Spaziergänge in der heimatlichen Region). Dabei empfiehlt sich besonders das UNESCO Reservat der Buchenwälder des Isergebirges (Jizerskohorské bučiny), welches sich entlang der steil abfallenden Nordflanke des Gebirges vom Schwarz Berg (Kančí vrch) bis zum Kalmrich (Tišina) ausdehnt. Es bedarf allerdings ein wenig Fingerspitzengefühl und Glück, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, wenn die Laubfärbung im Gange ist und die Blätter noch nicht abgeworfen wurden. Während die Buchen nämlich im Tal noch grün sind, haben sie in den höheren Regionen wahrscheinlich schon einen Frost abbekommen, was der Laubfärbung Vorschub leistet. In den letzten Jahren hat es immer geklappt, und ein Blick auf den Zeitstempel der alten Bilder verrät uns, das wir Glück haben könnten wie in den letzten Jahren, als wir Mittagsberg (Polednik), Spitzberg (Špičák), Grubberg (Stržový vrch), Taubenhaus (Holubnik) und Käuligen Berg (Paličník) besuchten.

Heute steht wieder einmal der Mittagsberg auf dem Zettel, aber natürlich mit einer ganz anderen Routenplanung. Dafür haben wir lange getüftelt, weil die Haupttrassen zumeist drögen Forstwegen folgen, die sich in das Gebirge schlängeln und von den anderen weiß man nicht, ob sie noch auffindbar sind. Hält man sich an die offiziellen Wanderwege, bleiben manche Naturschönheiten verborgen, wie zum Beispiel der Wasserfall des Görsbach (auch Steinbachfall). Der Görsbach (Jeřice), entspringt am Mittagsberg, rauscht bis Buschullersdorf (Oldřichov v Hájích) zu Tale und fließt dann über Einsiedel (Mnisek) nach Kratzau (Chrastava), wo er in die Neiße mündet. Bei der Augustflut des Jahres 2010 richtete er schwere Schäden an der Infrastruktur an, aber auch schon in früheren Zeiten, zum Beispiel 1924/1926.

Wir sahen ja in diesem Jahr bereits einige beeindruckende Wasserfälle des Isergebirges, an der Schwarzen Desse (Černá Desná) und Tannwasserfall (Vodopády Jedlové). Der Görsbachfall reiht sich in diesen Reigen spektakulär ein. Der Görsbach fällt hier am Abhange des Bärhaupts über einen abschüssigen Felsen herab, fängt sich in einem natürlichen steinernen Becken, in welchem man an heißen Sommertagen gewiss eine willkommene Abkühlung finden kann. Dann schießt der Bach über das felsige Flussbett weiter hinab nach Buschullersdorf.

Da das Ziel der hohe Mittagsberg ist, müssen wir irgendwie hinauf zum Gebirgsplateau gelangen. Wenn man glaubt, dass die in mapy.cz verzeichneten Wege dann auch so in natura anzutreffen sind, ist man schief gewickelt. Das dient dann nur noch als Ausrede für die ahnungslosen Mitstreiter. Zwischen umgestürzten Bäumen und Granitblöcken kämpfen wir uns einen Steilhang hinauf. Entscheidend ist dabei immer nur, die Richtung zu halten, denn oben wird dann erfahrungsgemäß schon ein Weg anbinden. So ist es auch. Nach einem zweiten ähnlichen Anstieg erreichen wir dann den Ölberg (Olivetská hora), der in der Literatur bestenfalls am Rande Erwähnung findet. Am flachen Gipfel findet sich ein kleines Granitmassiv, unter dem sich Naturburschen ein Lager eingerichtet haben. Baumwuchs verhindert vom Felsen derzeit die Aussicht. Weiter geht es zum eigentlichen Ziel unserer Wanderung: dem Mittagsberg (Polednik). Wir nehmen den Reitsteig, der direkt über den Berg führt und Friedland mit Neuwiese verbindet. An Schönheit ist der Höhenzug um den Gipfel kaum zu überbieten. Majestätische Buchen mit ihren silbrig schimmernden Stämmen zieren das Areal. Dazwischen ruhen, wie hingeworfen, bemooste Granitbrocken und kleine Felsformationen. Mich wundert, dass in den mir bekannten Schilderungen über das Isergebirge der Mittagsberg bestenfalls als Randbemerkung erscheint. Endlich fand ich in Josef Preußlers „Wanderungen um Reichenberg, Erinnerungen an eine unvergessene Landschaft“ die Beschreibung einer Wanderung um den Mittagsberg. Im folgenden ein kleiner Auszug:

„Auch als einfacher Naturfreund, mit der Demut vor allem Gewachsenen im Herzen wird man hier mancher Erkenntnis teilhaftig. Wie Zeugen vergangener Jahrtausende, da das Isergebirge nur als harter Stein mit den wilden Mächten des Wetters, mit Sonne, Regen, Eis und Frost rang, ragen die Felszinnen durch den Humus des Hanges, als wollte der Boden hier bezeugen: »Seht, so sah mein Antlitz aus, ehe es das Schicksal furchte und zergrub und niederem Flechtenwuchs dienstbaren Halt bereitete. Dann kamen die Moose und lockerten mit ihren Leibern die harte Kruste zur Krume für nachrückenden Wald.«

Auf manchem Felsenhaupte filzt Moos und Heidelbeerdickicht eine lebendige Mütze und setzt sich zu eigenem Ergötzen, wie der Jäger auf seinen Hut den Spielhahnstoß steckt, ein junges Bäumchen auf. Das wächst heran, umklammert mit seinen Wurzeln den Felsen und beginnt in ihn einzudringen. Dann aber reißt der Sturm an der Krone, lockert den Halt des Stammes, bis endlich sein rasender Bruder den mächtig gewordenen Baumriesen wirft, daß er mit seinem Falle auch die zu ihm aufblickenden Mitgenossen zersplittert. Auf dem Felsenkopfe steilt eine Baumscheibe wider den Himmel und eine ungeheure Wunde deckt das nackte Felsenfleisch bloß. Da hilft das Wetter, die Wunde verharscht und abermals beginnt der Kampf der jungen Pflanzen um den Felsenhünen.

Das niedrige Moos wispert: »Wir sind viele und ungezählte, und in unserer Ausdauer nicht weniger stark als der steinerne Riese!«“

Wir verlassen den Reitsteig bei der Felsformation Staříkovy kameny (was wohl so viel heißen mag wie „Altmännersteine“) genauso unkonventionell, wie wir vom Görsbachfall aufgestiegen sind, also rein gefühlsmäßig dort, wo eigentlich ein Weg sein sollte. Zum Glück findet sich alsbald ein zumindest erkennbarer Forstweg, der uns zum Leidwesen der Knie steil hinunter nach Buschullersdorf führt.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Görsbach Wasserfall







Aufstieg zum Ölberg





Durch die Buchenwälder am Mittagsberg













































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