Dienstag, 7. Juni 2011

Von Kleinmergthal nach Kunnersdorf bei Zwickau (Nordböhmen)

Wenn man von der Lausche in Richtung des imposanten Limberges (Jezevčí vrch) schaut, erkennt man rechts davon die rechteckigen Wasserflächen zweier größerer Teiche, die an der Straße von Kleinmergthal nach Kunnersdorf gelegen sind. Sie sollen jetzt zum Ausgangspunkt einer Wanderung zu zwei interessanten Felsreliefs werden, die unweit davon in der Nähe der sogenannten „Dreihäuser“ (Třídomí) im Wald verborgen liegen. 

Um zu den Teichen zu gelangen, können Sie entweder von Kunnersdorf kommend in Richtung Großmergthal fahren bzw. von Großmergthal über Kleinmergthal am Dorfende bei der Straßengabelung links abbiegen. Vor dem mittleren Teich bietet sich eine Parkmöglichkeit, wenn nicht gerade ein heißer Sommertag ist (Badegäste) oder Angler den Platz okkupieren.

Die Teiche sind besonders auch zu den Vogelzugzeiten, also im Frühjahr und im Herbst, interessant. Da lohnt es sich, einen Feldstecher mitzunehmen. Neben den obligaten Stockenten kann man dann mit etwas Glück auch Haubentaucher, Reiherenten und Tafelenten beobachten. Auch findet sich manchmal ein Graureiher an der flachen Uferzone ein oder ein Roter Milan kreist über die Teiche. Im Sommer sind oft Schwäne präsent und am Ufer kann man die Rufe von Teichrohrsänger und Rohrammer hören. 

Um zu den Felsreliefs zu gelangen, wandern wir über den Damm auf die andere Seite (wobei eine kleine Brücke über die Zwitte überquert werden muß) und biegen dort rechts ab, bis wir auf den von Kunnersdorf kommenden Feldweg treffen. Dort müssen wir uns links halten. Nach wenigen Metern kreuzt sich der Weg, wobei wir rechterhand in den Wald auf den ehemaligen Fußweg nach Großmergthal abbiegen. Würden wir geradeaus weiter gehen, gelangten wir in ein schönes, langgezogenes Wiesental mit einem bemerkenswerten Anwesen, welches durch eine Sammlung von Schrottautos glänzt, die irgendein Philanthrop hier nach der Wende abgelagert hat und aus deren verrosteten Karossen mittlerweile Bäume wachsen …

Davor aber gibt es auf der linken Seite eine feuchte Stelle, wo im Frühjahr in großer Zahl Frühlingsknotenblumen (Märzenbecher) die Landschaft verschönern, was recht außergewöhnlich ist. Bekanntlich gibt es davon in freier Natur in der weiteren Umgebung nur noch größere Vorkommen im Polenztal im Elbsandsteingebirge sowie im Höllental bei Neugärten.

Doch kehren wir zurück auf unseren Waldweg nach Großmergthal. Daß er nicht mehr oft begangen wird, ist ihm anzumerken. Auf der rechten Seite erkennt man durch die Bäume Sandsteinfelsen und nach wenigen Hundert Metern bemerkt man rechts den Trampelpfad, der zu einem mehrere Meter hohen altarähnlichen Felsrelief führt. Er kennzeichnet die Stelle, wo noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein großer Felsblock, der Dreihäuserstein genannt wurde, stand. Er wurde durch einen Steinbruchbetrieb zum größten Teil abgetragen und man hat nur das 1740 entstandene „Relief der heiligen Dreifaltigkeit“ stehen gelassen. 

Es zeigt in einem naiven Stil im oberen Teil die „Heilige Dreifaltigkeit“ Gottvater, Jesus und, durch die Taube angedeutet, den heiligen Geist. Sie ist umgeben von einer Vielzahl von Engelfiguren und von Engelsköpfen. Der untere Teil, umrahmt von zwei Säulen, deutet das Himmelstor an, in dem die Jungfrau Maria mit dem Christuskind steht. Darüber, oberhalb eines Baldachins, ist noch deutlich eine in den Felsen gemeiselte Krone zu erkennen. 


Wenn man bedenkt, daß das gut 4 Meter hohe Relief schon weit über 250 Jahre hier steht, ist der Erhaltungszustand immer noch recht gut. Erschaffen hat es der hiesige Volkskünstler Franz Schier, der zu Lebzeiten als Tischler gearbeitet haben soll. Man vermutet, daß von ihm auch ein Teil der Steinmetzarbeiten stammt, die früher an der Kapelle auf dem Großmergthaler Kalvarienberg aufgestellt waren, jetzt aber zerstört sind.

Knapp 250 Meter weiter findet man in einer kleinen Seitenschlucht ein weiteres Relief, welches wahrscheinlich auch von Franz Schier stammt, aber nicht mehr ganz so gut erhalten ist. Es zeigt „Die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten“. Man erkennt noch deutlich Maria mit dem Jesuskind, die zusammen auf einem Esel sitzen, begleitet von Joseph und umgeben von verschiedenen Engeln. Das schon etwas angewitterte Relief befindet sich in einer flachen Nische von 1.5 x 2 m Größe und ist leicht zu übersehen.



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