Freitag, 14. September 2012

Impressionen aus den spätsommerlichen Vogesen

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau



Entlang des Osthanges der Vogesen erstreckt sich des elsässische Weinanbaugebiet. Das milde Klime des Rheintals begünstigt das Reifen hervorragender Qualitätsweine (besonders zu schätzen sind Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer, Muskateller, Pinot noir). Jetzt, Anfang September, steht die Ernte des neuen Jahrganges an, an den die Winzer hohe Erwartungen haben. Es scheint, als würden die Wünsche in Erfüllung gehen, denn die feuchten Sommermonate sorgten für gutes Wachstum während die Trockenheit und die Sonne der letzten Wochen die Reife der Trauben begünstigten. Nicht nur der Wein aus dem Fass ist von einer Qualität, der auch dem Normalverbraucher nicht entgehen kann, auch die Reben an den Weinstöcken haben ein köstliches Aroma, dem man auch in dem Bewusstsein, dass die Kulturen im Laufe des Jahres chemisch behandelt wurden, kaum widerstehen kann (einfach Hineinbeißen in die Traube !). Was liegt näher, als jetzt, kurz vor der Ernte, der Region einen Besuch abzustatten ?

Vor Antritt der Reise ist man versucht, sich mittels Reiseführer fortzubilden, um möglichst alle wichtigen Orte und Denkwürdigkeiten einsammeln zu können. Ein Kenner der Gegend empfahl uns : 'Lassen Sie sich einfach durchtreiben'. So haben wir es getan und etwas besseres konnte uns nicht passieren. Das Elsass will erlebt sein. Entlang der Weinstraße reiht sich ein Weinberg an den anderen, darin versteckt liegen die kleinen Weindörfer. Natürlich wird man von solchen Dörfern wie Eguisheim, Kaysersberg, Riquewihr oder Ribauville angezogen, aber auch die weniger bekannten Orte entfalten einen Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Die gemütlichen Gassen und Plätze, die mit Blumen geschmückten und liebevoll mit Accessoires dekorierten Fachwerkhäuser , die Brunnen, die geschmackvoll gestalteten Auslagen in den Geschäften, die verspielten Zunftzeichen an den Fassaden, die Cafes und Weinstuben, in denen man sich zu einer Tasse Cafe oder einem Glas Wein trifft, das alles vermittelt den Eindruck, als sei die Welt hier gerade stehen geblieben. Vielleicht wird dieses Empfinden noch dadurch verstärkt, weil es an der schneidigen Korrektheit und an geradliniger Linienführung fehlt, die uns Deutschen leider so wertvoll ist.

Man fragt sich, ob die Masse der hier feil gebotenen Waren und des Weines überhaupt an den Mann gebracht werden kann oder wie die vielen Gaststätten überleben können. Jedoch, es scheint zu gehen. Besser, man bestellt den Tisch zum Abendessen vor, will man nicht unverrichteter Ding wieder abgehen oder mit dem letzten Tisch im Separé vorlieb nehmen. Von den Vermietern wird man gern auf befreundete Weinhöfe, Restaurants, oder Geschäfte hingewiesen und die Winzer verraten auch, wo man einen besonderen Tropfen oder anderes Zubehör erhält, wenn man es selbst nicht vorrätig hat. Man hilft sich, so geht das Geschäft und mancher kann davon lernen.

Möchte man sich von den vielen optischen und kulinarischen Erlebnissen erholen, findet man Abwechslung bei einer Wanderung durch die Weinberge oder in den Vogesen. Von den Höhen der Vogesen blickt man bei schönem Wetter hinüber in den Schwarzwald und bei guter Sicht bis in die Alpen.

Noch etwas Geschichtliches am Rande. Auf einem Ausläufer der Vogesen, hoch und repräsentativ über den Weinbergen liegt die Haut-Koenigsbourg. Nachdem der Elsass im Ergebnis des Krieges 1871/72 an Deutschland fiel, schenkte die Stadt Selestat (Schlettstadt) die Ruine der einstigen aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg dem Kaiser Guillaume II (also unserem Wilhelm). Der nahm das Geschenk dankend an und ließ dann an dieser Stelle als Zeichen der Macht, aber wesentlich auf Kosten der elsässischen Region, die Ruine sanieren und einen neuen Prachtbau errichten. Irgendwie kommt das Prinzip bekannt vor und die Franzosen nehmen uns das heute noch übel (trotzdem spricht man noch ein wenig Deutsch im Elsass). Über architektonischen Geschmack mag man streiten, jedoch Bestandteil des Weltkulturerbes ist dieses Bauwerk bis heute nicht. 





















Kommentare:

  1. Wundervolle Bilder einer schönen Landschaft!
    Es war mir ein Vergnügen Ihnen auf virtuellem Wege durch die Vogesen zu folgen. Vielen Dank!
    Freundliche Grüße, Sathiya

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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