Sonntag, 11. November 2012

Die Helfenburg bei Auscha

Quelle: Google Maps

Wenn es einem bei einer Reise durch Nordböhmen einmal in das beschauliche Auscha (Ustek) unweit des mächtigen Geltschberges verschlägt, dann sollte man unbedingt einmal die Helfenburg besuchen. Es bieten sich dabei zwei Wege an. Fährt man von Auscha kommend Richtung Neuland (Ostre, erkennbar an den "Landmarken" der beiden Gipfelkapellen oberhalb eines Kreuzweges), dann wird man durch Beschilderung auf einen Parkplatz auf einer Wiese hingewiesen, von wo aus der Abstieg in den sogenannten Vogelgrund (benannt nach dem "Vogelborn", aus dem ein Bächlein Richtung Tetschendorf am anderen Ende des Tales fließt) in Angriff genommen werden kann. Der Weg ist etwas länger und beschwerlicher als von Raschowitz (Rasovice) aus, da man aus dem Talgrund wieder hinauf zur Burg steigen muß, während man von Raschowitz kommend so gut wie keine Höhenunterschiede zu überwinden hat. Ich empfehle den Weg von Raschowitz aus zu wählen, der als Wanderweg recht gut markiert und auch um einiges kürzer ist. 



Die noch recht gut erhaltene Burg liegt meistenteils verborgen auf einer schmalen, ca. 100 Meter langen Landzunge, die auf drei Seiten steil in den Vogelgrund abfällt. Nur ihr mächtiger Turm erhebt sich merklich über die Umgebung und ist auch aus größerer Entfernung noch zu sehen. So ist man doch um einiges überrascht, hier eine wirklich große Burganlage vorzufinden, deren mächtige Ringmauer noch vollständig erhalten ist.


Ob man nun von Raschowitz kommt oder aus dem Vogelgrund aufgestiegen ist, die Wege enden auf einem kleinen Platz vor dem Burgtor. Dieser Platz ist durch Auffüllung eines ehemals tiefen und bis zu 18 Meter breiten Burggrabens entstanden, der nur über eine große Zugbrücke überwunden werden konnte. Schaut man von hier aus hinauf zu dem gothisch gewölbten Burgtor, so sind dort noch die Öffnungen auszumachen, wo ehemals die Rollen für die Ketten der Zugbrücke angebracht waren. 


Knapp über diesen Ketten-Öffnungen sind zwei wuchtige Wappenschilder zu erkennen, auf denen noch kümmerliche und mittlerweile fast gänzlich verwitterte Skulpturen zu erkennen sind. Vor über 200 Jahren konnte man auf dem linken noch deutlich zwei Geierköpfe ausmachen, wahrend das rechte Wappen das Wappen des Erzbistums Prag darstellt: ein ehemals goldener Querbalken im schwarzen Felde. 



Burgtorwappen, gezeichnet 1837

Anhand dieser beiden Wappenschilde konnte seinerzeit der Burgenforscher Friedrich Bernau die sonst nur noch dem Volksmund als "Affenburg" bekannte Veste als die "Helfenburg" identifizieren. Denn das Wappen mit den Geierköpfen läßt sich eindeutig dem Kardinal Johann Ocko von Wlaschim zuordnen (1292-1380), der Bischof von Olmütz und Erzbischof von Prag sowie enger Berater Kaiser Karl IV war (1355 nahm er beispielsweise an dessen Rom-Fahrt teil). Am 15. Dezenber 1378 war er es auch, der die Totenmesse für den am 29. November 1378 in Prag verstorbenen Kaiser gehalten hat. Vier Jahre zuvor hatte - wie eine Urkunde beweist - Johann von Wlaschim ("Ocko" ist quasi ein "Spitzname", übersetzt "Äuglein", darauf hinweisend, daß er in seiner Jugend ein Augenlicht verloren hatte) die Helfenburg von einem Nachfahren der ursprünglichen Erbauer, den Berken von Duba, käuflich für die Erzdiozöse Prag erworben.


Rechts neben dem großen Einlaßtor befindet sich noch ein schmalerer Einlaß. Es kann sein, daß zu ihm eine eigene Zugbrücke gehört hat. Diese beide Toren sind heute vom Vorplatz der Burg aus nicht mehr erreichbar. Um in die Burg zu gelangen, muß man vielmehr die ebenerdige Maueröffnung benutzen, durch die man direkt neben der rechten Ringmauer in die eigentliche Burg gelangt. Dieses Tor war auch mit einer Zugbrücke ausgestattet, wie es sich anhand der gegenüber auf dem Landsockel noch erhaltenen Auflagemauer zumindest noch erahnen läßt. 

Der Zweck dieses unteren Tores läßt sich nur damit erklären, daß in Ermangelung einer Vorburg die Wirtschaftsgebäude im Inneren der Burg selbst gestanden haben. Durch diese Toröffnung konnten dann nicht  zu breite Fuhrwerke in die Burg gelangen, während man durch die oberen Tore wohl nur die innere Burg, jedoch nicht den tiefer gelegenen Zwinger betreten konnte.


Neben dem oberen, schmaleren Torbogen ragt auf einem ca. 15 Meter hohen mächtigen Sandsteinblock der gewaltige Bergfried empor. Er ist vollständig aus Sandsteinquadern erbaut und kann, wenn die Burg für Besucher geöffnet ist, auch bestiegen werden. Er ist ca. 6 Meter breit und ragt nochmals rund 20 Meter in die Höhe. Oben erweitert er sich in eine leichte Ausladung, die auf einem starken Gesims ruht. Da der Turm zu einem großen Teil erneuert wurde, ist es nicht sicher, ob diese Ausladung auch schon ursprünglich vorhanden war. Im Inneren befinden sich auf drei Stockwerken mehrere Gemächer mit einigen Fensteröffnungen. Urspringlich war der Turm nur über eine Brücke von der mittleren Hauptburg aus zugänglich. Die sich im inneren befindlichen wendelförmigen, rechts gewundenen Treppen sind äußerst schmal und erlauben immer nur eine Person den Durchgang. 


Durch diese schmale Öffnung gelangt man zur Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform des Wartturmes

Die Lage dieses Wartturms im Gesamtkonzept der Burganlage ergibt sich aus dessen strategischen Bedeutung. Ihm gegenüber befindet sich eine felsige Anhöhe, über die man Einblick und freies Schußfeld auf die innere Burg gehabt hätte, würde der mächtige Turm nicht zugleich als Deckung dienen. 


Neben den Turm erweckt nach Eintritt in den Burghof die noch vollständig erhaltene mächtige Ringmauer die Aufmerksamkeit. Sie hat einen Umfang von fast 300 m und ist an einigen Stellen (von außen betrachtet) über 12 m hoch. Man erkennt im regelmäßigen Abstand Zinnen und Balkenlöcher von ehemals hölzernen Anbauten. In den Zinnen selbst befinden sich schmale Schußspalten und hinter der Zinnenreihe ein noch gut erkennbarer und mit etwas Mut begehbarer schmaler Gang. 


Die keilförmig um die Burg geführte Mauer bildet nördlich eine Abrundung, in die teilweise gewachsener Fels integriert ist.


Unweit davon kann man eine kleine, heute mittels einer groben Holztür verbarrikadierte Ausfallpforte ausmachen. 


Von dem mehr oder weniger breiten Zwingerraum zwischen Mauer und Hauptburg erhebt sich eine vielfach gespaltene Felsengruppe, auf der die eigentliche Burg errichtet ist. Von ihr sind allenthalben noch größere Mauerreste (insbesondere des Palastes) sowie Höhlungen in den Felsen sowie ein tiefer Brunnen erhalten geblieben. Auf jeden Fall wurden hier Teile des Sandsteinfelsens geschickt und mit enormen Aufwand zu verschiedenen Geschossen, Wohn- und Wirtschaftsbereichen sowie Verteidigungsanlagen verbunden. Von den Holzaufbauten sind freilich nur noch die Löcher für die Stütz- und Tragebalken erhalten geblieben. 


Über eine neu errichtete Holztreppe ist der untere, östliche Teil der Hauptburg seit einiger Zeit auch ohne Kletterei wieder zugänglich. Über sie gelangt man zum immer noch über 30 m tiefen, mit einem Gitter abgedeckten Burgbrunnen. Man vermutet, daß er ursprünglich mindestens doppelt so tief war, aber dann nach und nach verschüttet worden ist. 


Die interessanten Kellerräume, z.T. über 7 m breit und 15 m lang und direkt aus dem Felsen geschlagen, sind leider durch eine verschlossene Eisentür versperrt, was eigentlich sehr schade ist. Denn sie stellen neben dem Turm die eigentliche Attraktion der Helfenburg dar. Der Palais selbst sowie die ebene begraste Fläche zwischen Palais und Turm sind nicht zugänglich.


Im Zwingerbereich befindet sich ein kleines Blockhaus. Der Platz davor wird von Jugendlichen gern für ein Lagerfeuer genutzt. Auch beginnt hier direkt an der Mauer der Aufstieg zum Wartturm.


Es scheint so, daß diese abgelegene Burg nicht durch kriegerische Ereignisse zur Ruine wurde, obwohl sie 1429 die Hussiten eroberten. Wahrscheinlich ist sie irgendwann im 16. Jahrhundert nach einem gelegten Brand (gelegt von kaiserlichen Söldnern im 30-jährigen Krieg) weitgehend aufgegeben worden und man hat sie dann nach und nach verfallen lassen.


Es gilt als sehr wahrscheinlich, daß die Helfenburg zu Beginn des 13. Jahrhunderts von dem mächtigen Geschlecht der Berken von Duba errichtet wurde. Ihre Nachfahren nahmen dann das Namensprädikat "von Helfenburg" an. Auch scheint sie im Jahre 1350 der Internierung des italienischen Volkstribun Cola di Rienzo (1313-1354) gedient zu haben (an ihn erinnert die Oper "Rienzi" von Richard Wagner), was sich aber nicht sicher beweisen läßt. 


Was die Besitzer der Helfenburg betrifft, sind Hans von Helfenburg (um 1370) und Hynek von Helfenburg (um 1380) als Namen überliefert. Ersterer verkaufte im Jahre 1375 - wie bereits erwähnt - die Burg an den Prager Erzbischof Johann Ocko von Wlaschim, der damit seine erzbischhöflichen Güter an der Nordgrenze seiner Diozöse erweiterte. In der Verkaufsurkunde kann man lesen: "Um den Nutzen unserer Kirche zu Prag zu bewirken und in Ansehung dessen, daß die unserem Schlosse Raudnitz und den unseren erzbischöflichen Gütern nahegelegene Burg Helfenberg manche Verhinderung und Schäden unseren erzbischöflichen Gütern wegen der Nähe unserer Stadt bringen und verursachen und wegen dieser Burg und den dieselbe bewohnenden Menschen, wenn sie in fremde Hände übergehen würden, unsere Kirche in viele Gefahren geraten könnte, haben wir, um die der genannten Kirche drohende Gefahr abzuwenden, damit selbe keinen Schaden nehme, die oberwähnte Burg und ihre Zinsungen, Einkünfte, Nutzungen und alle übrigen Zugehörungen für eine bestimmte Summe Geldes durch Kauf unserer Kirche und dem Erzbistume auf ewige Zeiten einverleibt, wie dies in der Land- und Lehntafel des Königreiches Böhmen und aus den darüber ausgestellten Briefen zu ersehen ist."

Um das Geld für diesen Kauf aufzubringen, verkaufte der Prager Erzbischof mit Urkunde vom 12. März 1375 das erzbischöflich Gericht zu Pilgram mit einigen Gütern sowie Pfründen an einem gewissen Bunko und dessen Erben, was 360 Schock Prager Groschen einbrachte. 


Auf diese Weise konnte der Grundbesitz des Erzbistums um über 14 Dörfer zwischen Lewin, Auscha und Duba erweitert werden. Außerdem wurde die Burg mit der noch heute sichtbaren Mauer umgeben und die beiden Wappentafeln über dem Eingangsportal angebracht.

Nach dem Tode von Erzbischof Johann ging der Besitz an seinen Nachfolger, dem Sohn seines Bruders (Paul von Wlaschim) über, dessen Name Johann von Jenstein (1347?-1400, Bischof zu Meißen, Erzbischof zu Prag) war. Bevor er 1394 die Helfenburg zu seinem Altersruhesitz machen konnte, mußte er sich gerichtlich mit den Erben Hans von Helfenburg auseinandersetzen, die ihre Ansprüche an der Burg erneuerten weil sie der Meinung waren, daß sich die Wlaschim's widerrechtlich in den Besitz der Burg gebracht hatten. Der Prozeß vor dem Prager Lehnsgericht zog sich von 1383 bis 1386 hin mit dem Ergebnis, daß nach einigen Güterverschiebungen und Bürgenauszahlungen die Burg und die Länderreihen im Erzbistum verblieben und auch Hynek von Helfenburg befriedigt war.


Johann von Jenstein war eine außergewöhnliche Persönlichkeit seiner Zeit. Er besuchte in seiner Jugend die Universitäten zu Prag, Padua, Montpellier und Paris und wurde sofort nach Beendigung der Studien (Bakkalaureat) von Papst Gregor im Alter von 26 Jahren zum Bischof von Meißen ernannt. Dabei muß erwähnt werden, daß er selbst nie in Meißen residierte, sondern lediglich den Titel getragen hat. Bereits drei Jahre später, genau am 20. Oktober 1378, übernahm er von seinem Onkel das Erzbistum Prag. Nach dem Tod des Kaisers war er dann für viele Jahre in der Regierung König Wenzels IV involviert, bis er 1384 in Ungnade fiel und das Amt des Kanzlers verlor. 


Haupttor, Innenseite mit Brücke zur Hauptburg


Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger und Nachfolger nahm er das Amt eines Bischofs sehr ernst. Er veröffentlichte viele kirchenpolitische und theologische Schriften und war an wichtigen Verwaltungsreformen in der Kirche maßgeblich beteiligt. Im Zusammenhang mit dem "Großen abendländischen Schismas" der lateinischen Kirche geriet er wieder in Opposition zum König, der versuchte, das Erzbistum Prag durch Errichtung eines weiteren Erzbistums in Westböhmen zu verkleinern und damit den Einfluß des Erzbischofs zu schmälern. Bei diesem Streit, der übrigens zum Tod des "bömischen Nationalheiligen" Johannes von Nepomuk führte (er wurde am 20. März 1393 zu Tode gefoltert und anschließend in die Moldau geworfen), geriet auch Johann von Jenstein in Lebensgefahr und konnte sich nur durch Flucht auf die Burg Raudnitz vor den königlichen Häschern retten. Kurz darauf begab er sich nach Rom an den päpstlichen Hof, um Papst Bonifacius IX zu veranlassen, gegen den böhmischen König zu intervenieren. Daran hatte dieser aber aus politischen Gründen kein Interesse, da Wenzel IV auf der Seite des römischen Papstes stand und nicht an Seite des Gegenpapstes in Avignon. Johann von Jenstein mußte also, ohne viel erreicht zu haben, nach Böhmen zurückkehren, wo er sich auf die Helfenburg zurück zog. Von dort aus erklärte er am 2. April 1396 seinen Rücktritt vom Amt des Erzbischofs zu Prag zu Gunsten seines Neffen Wolfram von Skworetz. 1399 reiste er wiederholt nach Rom, wo er am 2. April vom Papst zum Patriarchen von Antiocha erhoben wurde und am 14. Juni 1400 starb.


Mitten in den Hussitenkriegen wird für das Jahr ein Ritter mit Namen Aleich von Malikowic als Verwalter des bischöflichen Besitzes Helfenburg erwähnt (1423). Zwei Jahre später soll sie dann wieder in den Besitz der Herren von Duba gelangt sein, die sie aber schnell an den Ritter Johann Smirizky von Smirie (Schmiritz) abtraten. Der entsprechende Vertrag wurde auf der Helfenburg selbst ausgestellt und datiert auf den 25. November 1429. Im darauf folgenden Jahr zog sich der vom Papst Martin V aus seinen Ämtern enthobene Prager Erzbischof Konrad von Vechta (1370-1431), der zugleich auch Kanzler der Prager Universität war, unter dem Schutz der Familie Smirie auf die Helfenburg zurück, wo er sich in diesen kriegerischen Zeiten sicher dünkte. Von dort aus erteilte er trotz Verbot durch die römische Kurie der Universität wieder die Erlaubnis, Promotionen und Magisterprüfungen abzuhalten (August 1430) und ernannte den Magister Martin Kunesch zu seinem bevollmächtigten Vizekanzler. Sicher ist, daß Erzbischof Konrad am 5. Dezember 1431 gestorben ist. Ob auf der Burg Raudnitz an der Elbe oder auf der Helfenburg, ist nicht überliefert. Es gibt sogar das Gerücht, daß er auf der Helfenburg begraben sein soll.


Direkt aus dem Felsen gemeiseltes Wasserbehältnis mit Abfluß

Johann Smirizky von Smirie (1400-1453) war nicht nur Besitzer der Helfenburg. Auch die Burgen Raudnitz, Bösig und die Burg Hauska nannte er sein eigen. Zuerst ein überzeugter Hussit und hussitischer Feldherr, wechselte er später als Utraquist wieder zu den Katholiken und errang mit dem Heer der "Waisen" zusammen den blutigen Sieg über die beiden Prokops in der Schlacht bei Lipan (31. Mai 1434). Zur Zeit des Sächsischen Bruderkrieges machte er sich den mächtigen Georg von Podiebrad (1420-1471) zum Feind, als er 1449 dem Strakonitzer Bund beitrat. Georg von Podiebrad wurde vom Kaiser Friedrich III zum Landesmarschall von Böhmen ernannt und am 27. April 1451 in Prag zum Landesverweser bestellt. Das führte in der Folgezeit zu Auseinandersetzungen mit den Katholiken, die den noch nicht volljährigen Ladislaus Postumus (1440-1457) als König sehen wollten. In diesem Zusammenhang wurde Johann Smirizky von Smirie des Hochverrats angeklagt und am 7. September 1453 auf dem Altstädter Ring mit dem Schwert gerichtet. Georg von Podiebrad gelangete 1458, nach dem frühen Tod Ladislaus, zu böhmischen Königswürden (1458-1471).

Gleich nach dem nicht gerade ruhmvollen Tod Johann Smirizkys verkaufte seine Witwe die Herrschaft Raudnitz samt Helfenburg für 4000 Schock Prager Groschen an Heinrich von Rosenberg, der aber kurz darauf starb. Seine Brüder haben darauf hin die Helfenburg pfandweise Zdenko von Sternberg (1410-1476) überlassen, Er war zu jener Zeit oberster Burggraf von Böhmen, Jugendfreund und Anhänger Georg von Podiebrads und mit ihm durch seine Schwester Kunigunde von Sternberg verschwägert. Später, als Georg König wurde, kühlte sich ihr Verhältnis jedoch merklich ab (Stichwort "Grünberger Einigung"). Als es dann Ende 1466, Anfang 1467 zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, wurde einige Burgen, darunter auch die Helfenburg, kurz belagert und wahrscheinlich kampflos von des Königs Truppen eingenommen. Sie gelangte so in den Besitz der königlichen Kammer und wurde kurze Zeit später bereits neu verpfändet, und zwar an den erbitterten Gegner des Gegenkönigs Mathias Corvinus, dem Ritter Kapler von Selewic auf Winterberg. Aber auch er blieb nicht lange Besitzer der Helfenburg. Um 1475 muß sie bereits an Wilhelm (I) von Ileburg (1415-1489) gelangt sein (dieser Ritter beteiligte sich maßgeblich an der sogenannten Wartenberger Fehde gegen die Sechsstadt Zittau). Auf jeden Fall beschwerte sich der sächsische Kurfürst Ernst bei Wilhelm Ileburg, daß seine Besatzung der Helfenburg sächsische Kaufmannswagen ausgeraubt und auch einige sächsische Landeskinder erschlagen haben, Wilhelm von Ileburg schickte daraufhin ein auf der Helfenburg am 23. März 1475 verfaßtes Schreiben an den Kurfürsten, worin er versichert, daß er an der ihm zur Last gelegten Gewalttat unschuldig sei und das es lediglich ein Scharmützel zwischen den kurfürstlichen Leuten und den Herren Berka von Duba gegeben haben soll. Da der Kurfürst diesen Brief zurück wies und dabei betonte, daß an dem genannten Scharmützel der Vogt der Helfenburg, Georg Harnisch mit 6 Pferden beteiligt war, kam es zu einem weiteren Briefwechsel, Wie die Sachlage letztendlich für von Ilenburg und seiner Familie ausgegangen ist, läßt sich aufgrund fehlender Dokumente nicht mehr rekonstruieren. Auf jeden Fall war Wilhelm von Ileburg an einem Ausgleich mit dem sächsischen Kurfürsten interessiert, wie ein auf Anfang April 1475 datierter Brief seines Schwagers Burian von Guttenstein auf Breitenstein an den Kurfürsten beweist.

Wilhelm (I) von Ihleburg wurde später sogar königlicher Unterkämmerer in Prag. Als er am 11. September 1489 im damals sehr hohen Alter von 74 Jahren starb, wurde er in der Kirche zu Charwatz (Charwatice) bei Mscheno (Mšené-lázně) begraben.

Bis in das erste Viertel des 16. Jahrhunderts verblieb die Burg im Besitz der Familie Ileburg, die sich nun meistens "Eulenberg" nannte. Man weiß z.B., daß Agnes Gräfin von Helfenstein (1484-1550) und verwitwete von Eulenberg (ihr Mann war Wilhelm (II) von Ileburg) viele Jahre auf der Helfenburg lebte. Nach ihrem Tod ging die Burg und der dazugehörige Landbesitz an ihre Tochter Anna über (darunter auch die Ronburg und das Städtchen Drum) und damit an die Familie Kurzbach, in die sie eingeheiratet hatte.

Unter Wilhelm, dann Heinrich II. von Kurzbach waren die Herrschaften Helfenburg und Ronburg bis 1591 vereinigt. 1591 erwarb dann Johann Sezima von Austi auf Auscha die Burg. 1623, nach der Schlacht am Weißen Berg, wurde jedoch dessen ganzer Besitz konfisziert und die Helfenburg wurde in die Grundherrschaft der Jesuiten in Liebeschitz (Liběšice) integriert. 

In dieser Zeit war sie wahrscheinlich schon nicht mehr bewohnt, die letzte Erwähnung als Schloss stammt von 1591. Am 1. November 1620 plünderten die kaiserlichen Truppen unter Karl Bonaventura von Buquoy die verlassene Helfenburg und setzten sie dabei wahrscheinlich in Brand. Seitdem wurde sie nur noch ab und an besucht, wie eingeritzte Jahreszahlen zu beweisen scheinen, die man bei der Renovierung des Wartturmes gefunden hat.

Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 gelangte das Gut Liebeschitz an den religiösen Studienfond, von welchem es Ferdinand von Lobkowic im Jahre 1839 erwarb. 1887 ließ der Herrschaftsbesitzer Josef Edler von Schroll, der das Gut von den Lobkowicern 1871 übernommen hatte, umfangreiche Sicherungsarbeiten an der Ruine durchführen. Zu dieser Zeit war schon nicht mehr bekannt, daß diese Burg im Vogelgrund früher einmal "Helfenburg" genannt wurde. Der Grund ist im 30jährigen Krieg zu suchen, den viele Menschen in den umliegenden Dörfern nicht überlebt haben. So haben sich nur schwache Erinnerungen an eine Elfenburg oder Alfenburg erhalten, aus dem dann später "Affenburg" wurde. Als 1678 der Jesuit und bedeutende böhmische Geschichtsschreiber Bohuslav Balbin (1621-1688) Liebeschitz besuchte, bezeichnete er das Schloß "Hratken" bereits als öd und leer, was bedeutet, daß es damals schon weitgehend eine Ruine gewesen sein muß. 


Zum Abschluß soll auf jeden Fall erwähnt werden, daß erst Josef Edler von Schroll Ende des 19. Jahrhunderts die Ruine von Baumbewuchs befreien ließ. Außerdem ließ er den halb eingestürzten Wartturm erneuern (1887) und auf dem Platz vor dem Burgtor ein Hegerhaus mit Schanklokal errichten, welches aber nicht mehr erhalten ist.


Heute wird die Burg von einer Gruppe Freiwilliger unter Leitung des Regionalmuseums Leitmeritz betreut und instand gehalten. Insbesondere wurden in den letzten Jahren über Holztreppen und Brücken wieder Teile der Hauptburg zugänglich gemacht. Und bei schönem Wetter kann auch der mächtige Wartturm bestiegen werden, von wo man eine schöne Ausicht in Richtung Hoher Geltsch und Neuland mit seinen zwei barocken Kapellen hat.


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