Mittwoch, 26. Juni 2013

Auf dem Kegelweg vom Jeschken zum Milleschauer - 3. Etappe

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Hörnitz und Holger Totz, Herrnhut


VON BÖHMISCH-LEIPA NACH NEULAND BEI AUSCHA



Die dritte Etappe beginnt mit einem schweren Bedienfehler. Wir verlassen die Pension mit dem Ziel, im nächsten Markt Wasser zu tanken, denn die Temperaturen versprechen stetig anzusteigen. Auch am Ortsrand von Böhmisch Leipa ist noch immer kein Laden gefunden, der heute geöffnet hat. Die Hoffnung auf die nächsten Ortschaften zerschlägt sich ebenfalls, so daß wir bis Drum (Stvolinki) mit einem Minivorrat auskommen müssen. Auf den restlichen Etappen werden wir uns immer in den Pensionen mit Flüssigkeit eindecken.

Wir verlassen heute die Polzen, die sich in Richtung Sandau – Bensen abkehrt. Hinter Böhmisch Leipa ist der Fluß zu überqueren. Gerade noch rechtzeitig haben wir festgestellt, daß die Brücke am Münzberg (Mnišská hora) nicht mehr vorhanden ist, wie es die alten Karten dokumentieren. Wir laufen also über Eicha (Dubice) und ein Stück entlang der Polzen, bevor wir über den Münzberg nach Tiefendorf (Bořetín) gelangen. Auf der Straße hinauf nach Tiefendorf lohnt sich ein Blick zurück auf die Kegel, die wir bereits hinter uns gelassen haben.

Nun geht es hinauf auf den Koselberg (Kozly). Die Markierung ist hier sehr schlecht, so daß wir uns zunächst auf unser Gefühl (und das GPS) verlassen müssen. Auf dem langgezogenen Gipfel durchläuft der Weg Wiesengelände, welches zugewachsen ist, so daß auch hier Aufmerksamkeit gefordert ist. Beim Abstieg in die Ortschaft Kosel erscheint das nächste Ziel im Blickfeld, der Ronberg (Ronov), der sich ebenfalls auf seinem Gipfel mit einer Burgruine schmückt. In der Nachbarschaft zeigt sich der Buckel des Wilscht (Vlhošť), ein unübersehbarer Repräsentant der Daubaer Schweiz. Mit dem Anspruch auf Originaltreue nehmen wir es auch hier nicht so genau. Der Kegelweg führt nach Kolben (Kolné) und weiter entlang des Kolbenwassers nach Drum. Wir entscheiden uns für den gelben Wanderweg am Rande der Koselschlucht (Kozelská rokle), ein naturnaher Pfad mit schönen Ausblicken. Am Roßteich (Konsky Rybnik) eignen sich die steil in das Wasser abfallenden Felsen (Smrtka), auf die man über eine eingehauene Treppe gelangen kann, bestens für eine Rast. Wir eilen aber weiter nach Drum, denn das Wasser ist uns längst ausgegangen.

Frisch aufgefüllt ist die Begehung des Ronberg natürlich ein Muß. Beeindruckend ist hier die Aussicht über die Hohlener Teichlandschaft (Holanské rybníky). Beim Abstieg nähern wir uns beim Meierhof Strann (Stranné) der Daubaer Schweiz und gehen weiter nach Bleiswedel (Blíževedly). Wir befinden uns jetzt im traditionellen Hopfenanbaugebiet um Auscha und treffen auf weite Flächen, die mit den typischen Hopfen-Gestellen ausgestattet sind. In Bleiswedel verlassen wir den Kegelweg, der über Skalken (Skalka) und die Helfenburg nach Auscha führt. In der Literatur ist aber eine  Variante beschrieben, die unserem Weg ähnelt.

Da unser nächstes Quartier in Ostre auf uns wartet, entscheiden wir uns, den Ort auf direktem Wege anzusteuern. Dabei lernen wir, daß es ein Auschaer Sandsteingebirge gibt (Úštěcké pískovce), durch welches wir uns im wahrsten Sinne des Wortes hindurch navigieren. Trotz eines unübersichtlichen Wegesystems und einigem Hin und Her schaffen wir es, unmittelbar bei unserer Pension anzukommen. Die Pension Statek pod Kalvarií (http://www.ostre22.cz/) ist eine Perle und kann nicht genug gelobt werden. Und das Beste: hier gibt es Tschernosseker Wein. Wir werden noch darauf zurückkommen. Die Pension befindet sich unmittelbar am Kapellenberg (Kostelicky), von dem aus eine weite Sicht über Auscha und in das Böhmische Mittelgebirge möglich ist. Leider waren die beiden Kapellen in der Vergangenheit dem Vandalismus ausgesetzt, aber es scheint sich heute etwas zu tun. Wir zitieren dazu aus Wikipedia :

'Die beiden barocken Kapellen oberhalb einer steinernen Freitreppe, zu denen von Ostré ein Kreuzweg führt, wurden zwischen 1703 und 1707 durch den Leitmeritzer Baumeister Octavio Broggio im Auftrag der Jesuiten zu Liebeschitz erbaut. Nach einer letzten Restaurierung im Jahre 1928 erfolgte in den 1950er Jahren durch Kunstschänder eine Plünderung und Zerstörung der Anlage. Der verwahrloste Kalvarienberg wurde im Jahre 2005 vom wilden Baum- und Strauchbewuchs befreit.'

Welch barbarische Veranlagung gehört dazu, die Sandsteinplastiken von ihren Sockeln zu stoßen und diese zu zertrümmern ? Trotz allem hat der Platz etwas Romantisches und so genießen Kenner die wunderbare Stimmung, wenn die Sonne hinter den Bergen des Mittelgebirges untergeht. Die beiden Türme der Kapellen sind so markant, daß sie noch vom Lobosch und Milleschauer ausgemacht werden können (wenn man weiß, wo man suchen soll).



Wir trennen uns von der Polzen


Blick zurück von oberhalb des Münzberg


Blick über Tiefendorf


Der Wilscht von Kosel gesehen


Weg entlang der Koselschlucht


Der Ronberg erscheint


Blick von Drum zum unscheinbaren Koselberg


Die Kirche von Drum mit Ronberg


Blick vom Ronberg über die Hohlener Teichlandschaft


Blick vom Ronberg zum Wilscht und die Daubaer Schweiz


Hopfengestelle verbauen die Sicht zum Wilscht


Felsen am Broschkenwald


Zum Abschied vom Ronberg


Pestsäule in Bleiswedel


Der Neuländer Kapellenberg


Blick vom Kapellenberg über Auscha ins Böhmische Mittelgebirge


Blick vom Kapellenberg zum Geltschberg


Der Kapellenberg im Frühling


Erhaltene Sandsteinplastik am Kapellenberg


Zaungäste in Erwartung des Sonnenuntergangs am Kapellenberg


Die Helfenburg


Eingangstor zur Helfenburg


Blick vom Turm der Helfenburg zum Kapellenberg


Blick zurück zur Helfenburg


Pension Statek pod Kalvarií
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Prolog
Etappe 1: Vom Jeschken nach Neuland
Etappe 2: Von Neuland über Reichstadt nach Böhmisch Leipa
Etappe 3: Von Böhmisch Leipa nach Neuland bei Auscha
Etappe 4: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz
Etappe 5: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek an der Elbe
Etappe 6: Von Groß Tschernosek an der Elbe nach Kotzauer
Epilog

www.wincontact32.de

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