Freitag, 19. Juli 2013

Wandertour in das Friedländer Land (Frýdlantsko)

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Das Friedländer Land lässt sich am besten durch Zitate aus der Einleitung zum Album alter Ansichtskarten aus diesem Gebiet von Miloslav Neverly und Pavel Vinklat beschreiben.

'Das Friedländer Gebiet ist eine alte Landschaft. Der Bezirk, früher bekannt unter dem Namen Herzogtum Friedland...wurde durch Waldsteins Macht vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges geschützt – daher stammt auch die alte Bezeichnung Friedlandia felix, glückliches Friedländer Land. Die meisten Menschen stellen sich unter dem Begriff Friedländer Gebiet ein sanft gewelltes Hügelland vor, mit Feldern und Wäldern, Teichen und alten Alleen, die sich unter dem Namen Friedländer Ausläufer von den Nordhängen des Gebirges (Isergebirge) weit nach Norden hinzieht, wo es sanft in die Ebenen der Oberlausitz übergeht. Die Friedländer Herrschaft, jahrhundertelang einheitlich regiert, reichte aber einst bis zu den Gipfeln des Isergebirges. Dort entspringt die Wittig / Smědá, die die Landschaft durchfließt und im nördlichsten Teil des Friedländer Gebietes Böhmen verlässt.

Bis zum 30.06.1960 war das Gebiet ein selbstständiger Verwaltungsbezirk, einer der kleinsten in Böhmen, und die altehrwürdige Stadt Friedland / Frýdlant war sein Verwaltungszentrum. Einen Tag später vereinnahmte der Bezirk Reichenberg / Liberec das alte historische Gebiet, das einst zusammen mit ihm zur selben Herrschaft gehörte. Nur die Gebirgseinödgemeinde Klein Iser / Jizerka, wo vor Jahrhunderten die Friedländer Adelsgeschlechter Saphire suchen ließen, fiel dem Bezirk Gablonz a.N. / Jablonec nad Nisou zu. Das Friedländer Gebiet wurde also noch ärmer, stiller und vergrub sich in sich selbst. Heute ist es eine fast vergessene Landschaft.' (Man kennt diese Verwaltungsprozesse auch in der Oberlausitz, z.B. im alten Kreis Zittau, allerdings erst ein halbes Jahrhundert später).

Im Ergebnis des zweiten Weltkrieges und der damit einhergehenden Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung veränderte sich vieles.

'Niemand befestigte mehr die Flussufer, so daß das Frühjahrswasser der Wittig die fruchtbare Erde der Auen weit hinein in die Lausitzer Ebene trug; es entstanden neue Flussbetten, aus den alten wurden blinde Flußarme und wild verwachsene Tümpel. Die Dörfer waren verlassen, in den Grenzorten lebte fast niemand mehr. Doch man konnte diese verlassene Landschaft lieb gewinnen. Im Schilf der alten Waldstein-Teiche lebten seltene Vogelarten und in den unregulierten Wassern der Wittig schwammen geheimnisvolle, dem Meeresdorsch ähnliche Quappen. Für den Naturwissenschaftler und den Wanderer hat das Friedländer Gebiet einen großen Zauber.

Es gibt in Böhmen wohl keinen anderen Fluß, der sich so malerisch durch die Landschaft windet, ungefesselt durch Regulierung von den Menschen, wie es die Wittig an ihrem untersten Lauf durch den Ausläufer von Friedland ist. Auf vielen Kilometern zwischen der Gemeinde Višňová / Weigsdorf und der Staatsgrenze bildet er in den breiten, flachen Tälern Mäander zwischen den Wäldern, die sich an seinen östlichen und westlichen Ufern ausbreiten. … Zu trockenen Zeiten verläuft der Fluß fast unsichtbar, verborgen im tiefen Flußbett, hohe, lehmige Wände erheben sich über dem Wasserspiegel. Wenn aber das Isergebirge von sommerlichen Gewittern und Wolkenbrüchen heimgesucht wird, verändert sich der Fluß. Er überschwemmt das Tal und reißt alles mit sich, was ihm im Wege steht.'

Im Jahre 2010 kam es zur Katastrophe.

Dieses Gebiet haben wir uns für unsere heutige Wanderung ausgesucht. Bevor wir den Rundkurs antreten, statten wir noch den Heidsteinen (Pohanské kameny) oberhalb von Weigsdorf (Višňová) einen Besuch ab. Hier befand sich einst eine heidnische Kultstätte. Der Ort ist heute ohne Aussicht und von Wald umstanden, aber es geht eine mystische Stimmung von ihm aus. Wir nehmen dann Kurs auf Priedlanz (Předlánce), gehen entlang des Bullenbaches (Bulovský Potok) und verlassen das Tal in Richtung Berzdorf (Pertoltice).

Die Wege vor und hinter Berzdorf sind nur zu erahnen und es erfordert ein wenig pfadfinderischer Qualitäten. Aber, man bewegt sich jetzt überwiegend über sommerliche Wiesen und Felder und hat die Kämme des Isergebirges (Jizerské hory) im Blick. Vorbei an Fischteichen geht es hinauf nach Tschernhausen (Černousy). Nach der Bahnstation Tschernhausen führt der Weg in das Mäandergebiet der Wittig (Meandry Smědé). Am Eichenteich (Dubový rybnik) muss man sich entscheiden. Der grün markierte Wanderweg verlässt das Tal und zieht über die Felder wieder hinunter nach Weigsdorf. Je nach den eigenen Erwartungen kann man aber auch entlang des sich windenden Flußlaufes weitergehen und dort erleben, mit welcher Urkraft sich die Wittig ihren Weg durch das Tal bahnt. (Ich bin diesen Weg vor Jahren gelaufen, weiß aber nicht, in wie fern dies nach den letzten Fluten noch möglich ist). Wir entscheiden uns für die brave Variante auf dem grün markierten Weg und werden dafür mit herrlichen Ausblicken über das Friedländer Gebiet und hin zum Isergebirge belohnt.



Kirche Weigsdorf


Fachwerkhaus in Weigsdorf


Zum Einkehren zu früh...


Teich am Bullenbach


Unklare Wegverhältnisse bei Berzdorf


Unterwegs auf Berzdorfer Flur



Fischteich bei Tschernhausen


Marterl in Tschernhausen



Unterwegs auf Tschernhauser Fluren


Die wilde Wittig


Dubový rybnik


Blick über das Friedländer Land zum Isergebirge



Wahrscheinlich Heidegünsel...


Kletten am Wegrand


Sommerstimmung



Die Wittig bei Weigsdorf


Wittigaue...


www.wincontact32.de

1 Kommentar:

  1. http://friedlandinbohmen.jimdo.com/

    als Betreiber dieser Internetseite freue ich mich, Sie auf meiner Homepage begrüßen zu können. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen aus der Region der Stadt Friedland in Böhmen. Auf vielen Seiten möchte ich Sie möglichst umfassend über die Vergangenheit und Gegenwart informieren. Wenn Sie ein besonderes Anliegen haben oder eine Auskunft brauchen, dann melden Sie sich bei mir. Neben meinen Kontaktdaten können Sie auch gerne das Gästebuch nutzen, um Kontakt mit mir aufzunehmen. Gerne können Sie mir auch Fragen, Tipps und Anregungen zukommen lassen.

    Stanislav Beran

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