Freitag, 31. Januar 2014

Wanderungen in Nordböhmen - der "Kleine Schöber"

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Mit den heimischen Bergen ist man ganz gut vertraut, so daß man meint, die Region biete kaum noch große Überraschungen. Doch warten wir ab.

Wir machen uns zunächst auf den Weg von St. Georgental (Jiřetín pod Jedlovou) zum Tollenstein (Tolštejn). Von dieser gut erhaltenen Burgruine, die im 14. Jahrhundert zum Schutz der alten Handelsstraße nach Prag in strategisch idealer Lage angelegt wurde, genießt man einen wunderbaren Blick hinüber in das Oberlausitzer Hügelland und auf die umliegenden Berge des Lausitzer Gebirges. Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg von den Schweden belagert und zerstört. Die Anlage wurde nicht mehr aufgebaut, aber immerhin wurde im Zuge des sich entwickelnden Fremdenverkehrs Mitte des 19. Jahrhunderts eine Schankwirtschaft errichtet, die gottlob noch heute betrieben wird. So kann man nach einer Stabilisierung des Flüssigkeitshaushaltes nun weiter aufsteigen zum Tannenberg (Jedlová).

Eine sehr ausführliche und interessante geschichtliche Abhandlung über die Burg Tollenstein findet sich hier.

Mit seinen 774 Metern ist er nicht nur der dritt höchste Berg des Lausitzer Gebirges, von seinem Gipfel hat man eine grandiose Übersicht über das weite Umland in Sachsen und Böhmen. Den heutigen Ansprüchen entsprechend muss man leider die asphaltierte Piste in Kauf nehmen, die hinauf zum Gipfel führt und den einen oder anderen verlockt, bei der oben befindlichen Baude mit der Blechkarosse vorzufahren. Wir wählen allerdings für den Aufstieg den Wanderweg, der nördlich um den Berg herum geht. Wir wollen noch erwähnen, dass die Baude bereits 1891 in Betrieb genommen wurde.

Erstaunlich ist, dass sich in Tschechien zahlreiche kleine regionale Privatbrauereien etabliert haben und offenbar gegen den globalen Markt behaupten, der ansonsten durch die großen Konzerne der Getränkeindustrie beherrscht wird. Offensichtlich ist das möglich, weil unsere tschechischen Nachbarn mit einem gewissen patriotischen Geist ihre eigenen Produkte bevorzugen. Das ist wohl kaum nur Ausdruck des Preisunterschieds, denn bekanntlich stimmt auch die Qualität. In der Gastwirtschaft auf dem Tannenberg wird beispielsweise das Bier 'Kocour' einer kleinen Warnsdorfer (Varnsdorf) Brauerei kredenzt. Geschmacksfragen sind nicht diskutabel, also probiere man selbst.

Beim Abstieg vom Gipfel zeigt sich der westliche Hauptkamm des Lausitzer Gebirges bis hin zum Kaltenberg (Studenec). Aber gleich vor uns taucht am Fuß des Tannenbergs ein kleiner Wicht, eine fast unauffällige Erhebung auf - der Kleine Schöber (Malý Stožec) - das eigentliche Ziel der Wanderung.

Hat man den Abstieg vom Tannenberg erst einmal hinter sich und steht vor dieser Phonolithkuppe, sieht das plötzlich ganz anders aus, denn sie bringt es immerhin auch auf 659 Höhenmeter. Schon beim Aufstieg über eine Blocksteinhalde ist Vorsicht geboten. Die Wegführung zum Gipfel ist auf dem letzten Stück, zumindest für Ungeübte, eine gewagte Angelegenheit. Aber der Aufstieg lohnt sich wegen der tollen Aussicht, die hier oben herrscht. Ein Stück westlich unterhalb des Gipfels fängt sich der steile Abhang und bildet ein kleines Plateau, welches sich als idealer Ort für eine Rast mit garantiert lauschigem Ambiente empfiehlt. Wer sich vor dem gewagten Aufstieg über den schwach markierten Weg zum Gipfel scheut, dem sei verraten, daß es einen unmarkierten und unspektakulären Zugang zu diesem Rastplatz linksseitig entlang des Felsmassivs gibt.

Der Kleine Schöber findet als Wanderziel kaum Erwähnung und sei daher herzlichst empfohlen.




Kirche in Sankt Georgental


Blick vom Tollenstein zum Tannenberg


Ruine Tollenstein



In der Baude auf dem Tannenberg wird das heimische Kocour Bier gezapft


Blick vom Tannenberg zum Kleis (Klic), Kaltenberg und Tollenstein (jeweils folgende Fotos)




Aufstieg zum Kleinen Schöber


Blick über die Blocksteinhalde des Kleinen Schöber zum Tannenberg und zur Finkenkoppe (Pěnkavčí vrch)




Felsentürme am Gipfel des Kleinen Schöber


Aussicht über das Kreibitzer Tal


Blick zum Kaltenberg und Himpelberg (Chřibský vrch)


Unterhalb der überhängenden Felswand erreicht man den Gipfel auf einem sicheren Umweg


Rückweg nach Sankt Georgental über den Kreuzberg (Křížová hora)



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