Sonntag, 2. November 2014

Die Kirche St. Martin in Niederullersdorf in Böhmen (bei Friedland)


Nieder-Ullersdorf (Dolní Oldřiš) in Böhmen, gleich hinter Friedland in einem Grenzzipfel zu Polen - nur einen Tagesausflug mit dem Fahrrad von Zittau entfernt (Zittau - Wald-Bad Oppelsdorf - Reichenau - Friedland - Arnsdorf - Bullendorf (Bulovka) - Nieder-Ullersdorf (Dolní Oldřiš)) - noch nie dort gewesen? Ja, es lohnt sich schon allein wegen der Kirche St. Martin, über die ich nun etwas berichten möchte.


Erst einmal soviel. Wenn es einen Ort gibt, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen, dann ist das Nieder-Ullersdorf. Das dort in dieser Einöde überhaupt noch Menschen leben (24 sollen es sein), ist ein Wunder für sich. Der nächste größere Ort liegt in Fortsetzung der unterbrochenen Straße in Polen - Kipper (Miedzian, nordöstlich von Alt-Seidenberg). Aber immerhin, es besteht trotz der - gelinde gesagt - nicht ganz optimalen Zugangsstraße was den Straßenbelag betrifft, eine Busverbindung mit Friedland, die mehrmals am Tag bedient wird. Wenn man aber nun endlich in Nieder-Ullersdorf angekommen ist, wandelt man auf historischem Boden. Der kleine Ort ist einer der ältesten in der Grundherrschaft Friedland. Von ihr hat sich immerhin ein Dokument im Besitz der Meißner Bischöfe erhalten, welches auf das Jahr 1346 datiert ist. Seit dieser Zeit soll auch die Dorfkirche bestehen, die aber in den Jahren 1780 / 81 umgebaut wurde und damit die heutige Gestalt erhielt. Auffällig ist die noch gut erhaltene ovale Friedhofsmauer, in deren Zentrum die schlichte Barockkirche steht. Man gelangt zu ihr von der Dorfstraße aus vorbei an der heute leerstehenden und im Zerfall begriffenen Dorfschule. 


Durch ein geschmiedetes Tor gelangt man in das Innere der Anlage, die bis auf ein paar wenige Gräber jüngeren Datums sowie zwei größeren überwucherten Steinhaufen aus alten (deutschen) Grabsteinen und Grabeinfassungen so gut wie leer ist. Was dann jedoch doch überrascht, sind 4 verwitterte, aber doch ursprünglich sehr aufwendig gestaltete Epitaphe aus den Jahren 1570 bis 1612. Eines davon ist dem Grundbesitzer, Ritter und Stallmeister des Adeligen Christoph von Rädern auf Friedland (1591-1640), Abraham von Eberhard zugewidmet. Er war zu Lebzeiten eine wichtige Amtsperson auf Schloß Friedland, wie viele Dokumente beweisen, deren Inhalt er bezeugte. Ansonsten ist von ihm nur überliefert, dass er am 6. Januar des Jahres 1601 der Beisetzung des Freiherrn und Ritters Melchior von Rädern (*) als Führer des Klagerosses beigewohnt hat. Später wurde er die Rechte Hand des Sohnes des Verstorbenen, Christoph von Rädern, den er bis zu seinem Tod im Jahre 1612 (10.9.1612) treulich diente.

(*) in alten Schriften haben sich die von Redern immer mit "ä" geschrieben...



Sehr eindrucksvoll ist die vollständig erhaltene Kirchenmauer, wobei aber die in sie eingesetzten Grabsteinbeschriftungen alle ausgemeiselt sind.


Auf der Nordseite der Kirche sind vier Epitaphe von Mitgliedern der Familie der "Edlen von Eberhard" eingelassen, die alle noch aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg stammen.


Bei dem Ritter und Edelmann, der mit seinem Familienwappen hier dargestellt ist, handelt es sich um den am 10. September 1612 verstorbenen Abraham von Eberhard.


Hier zwei weitere Epitaphe, deren Inschriften zwar noch leserlich sind, sich aber trotzdem kaum mehr entziffern lassen (Michel von Eberhard?)





Von den Menschen, die vor Ende des zweiten Weltkrieges in diesem Ort lebten, arbeiteten, feierten, liebten und dort gestorben sind, ist nur ein Haufen kaputter Grabsteine geblieben...




Alte Grabeinfassungen und ein Haufen zerstörter Grabsteine...


Gleiche Stelle am 25.10.2009.


Blick in die Totenkapelle...


Leider habe ich vergessen, die zwei Sühnekreuze außerhalb der Umfassungsmauer aufzusuchen und zu fotografieren. Aber ein Foto hab ich:


Es stammt aus der Mitte des 14. Jahrhundert. Die Sage erzählt, daß hier zwei Medikamentenhändler in Streit geraten sind, wobei einer mit dem im Granitstein dargestellten Schwert erstochen wurde.



Die alte Dorfschule...


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