Sonntag, 22. Februar 2015

Wintertour 4 – Wanderung zum Oderwitzer Spitzberg und dem Großen Stein bei Spitzkunnersdorf

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Schon der Heimatkundler Alfred Moschkau (1848-1912) erkannte die Schönheiten seiner Oberlausitz und warb mit seinen Schriften für ihre Bekanntheit. Einleitend schreibt er 1891 in seinem 'Führer durch die Oberlausitz'

'Die Oberlausitz ist, und besonders in ihrem südlichen, gebirgigen Theile, an Naturschönheiten und interessanten, historischen Punkten so reich, dass sie seit Jahren zu den von Touristen besuchtesten Gegenden Norddeutschlands zu zählen ist. ...

… Als genussreichste Stunden für Fusswanderungen sind die am frühen Morgen, kurz vor Anbruch des Tages zu bezeichnen, die Beleuchtung der Berge und Thäler ist zu dieser Zeit am schönsten. Man halte gleichmässigen, nicht zu schnellen Schritt, vermeide den Genuss kalten Wassers und hüte sich vor Zugluft, besonders bei Ankunft auf einer Höhe. Hier geniesse man stets zuerst etwas Warmes und wechsele wenn möglich die Wäsche. Die Mitführung von Mundvorrat und einige Schlucke Weines oder guten Branntweins bei Fusswanderung ist sehr zu empfehlen. Waschen der Füsse mit Rum oder Kornbranntwein stärkt zu neuer Wanderung, wunde Füsse reibe man mit Hirschtalg ein. Blasen an den Füssen schneide man nicht auf, sondern durchziehe sie mit einem Faden. Gegen den sogenannten Reisewolf sind Einreibungen mit Talg und Waschungen mit kaltem Wasser die besten Mittel. Für längere Touren ist zur ersten Selbsthülfe bei oft gefahrdrohenden Krankheiten das Beisichführen einer kleinen homöopathischen Reise- resp. Taschenapotheke anzurathen. Dr. W. Schwabe, Centralhalle, Leipzig, Besitzer der weitberühmten homöopathischen Officin, hält solche in jedem Umfange (die kleinste, Etui mit 6 Mitteln und Buch von Dr. Fröhlich dazu, kostet nur ca. 2 Mark) am Lager.'

Wir geben Moschkau unbedingt Recht in seiner Auffassung, dass die schönsten Flecken der Oberlausitz sich hier im südlichen Teil der Region befinden und sind ihm zugleich zu Dank verpflichtet für eine Reihe praktischer Anregungen zum Wandern, wenngleich man sich für Rum und Kornbranntwein eine bessere Verwendung vorstellen kann. Die Verortung der Oberlausitz nach Norddeutschland hingegen ist gewöhnungsbedürftig und nur verständlich, wenn man eine alte Übersichtskarte zur Hand nimmt, Geografie im Wandel der Zeiten eben.

Als Startpunkt für die Tour haben wir Hainewalde ausgesucht und schlagen den Weg in Richtung Forstenberg ein mit dem Ziel Oderwitzer Spitzberg. Johann Gottlieb Korschelt (1818-1901) ein weitere Heimatforscher, der sich um die Bekanntheit der Gegend verdient machte, beschreibt den Spitzberg in seinem Buch 'Zittau und Umgebung und das Sächsisch-Böhmische Grenzgebirge' sehr schön 

'Der 509 Meter hohe Phonolithgipfel des Oderwitzer Spitzberges , auf dem sich eine Stationssäule der mitteleuropäischen Gradmessung und ein Balkon befinden, auf dessen Geländer die Aussichtspunkte durch Striche angedeutet und daher leicht aufzufinden sind, gewährt eine entzückende Rundsicht. Schön ist im Vordergrunde der Blick auf die sich lang hinziehenden Häuserreihen der großen Dörfer Oderwitz, Eibau, Walddorf und Ebersbach. In weiterer Entfernung sehen wir die Höhen bei Bautzen , den Löbauer Berg, den Kottmar, den Rotstein, die Landeskrone, Iserkamm, Riesengebirge, Jeschken, Kalkberg, das Zittauer Gebirge, Lausche, Tollenstein und auch die Spitzen der böhmischen und sächsischen Schweiz. Anstelle der bisherigen, einfachen Restauration ist gegenwärtig ein schöneres Gebäude getreten, dessen Eröffnung am 24. Mai 1892 erfolgte.

Alles davon ist heute noch zu sehen bzw. vorhanden, was will man mehr ? Ein ähnliches Schauspiel (ohne Restauration) widerfährt uns auf dem Großen Stein zwischen Spitzkunnersdorf und Leutersdorf. Auch von dieser Phonolithkuppe bietet sich ein grandioser Ausblick. Außerdem hat es unserem Herrgott gefallen, sich auf dem Gipfel des Berges mit dem in Basalt geformten Konterfei unseres Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zu verewigen. Die Liebe der Einheimischen zu ihrem Meisterpoeten ist so groß, dass sie seine Nase wieder anklebten, als diese Anfang der 1960-er Jahre durch Blitzschlag abgesprengt war. 

Vorbei an der Karaseckhöhle und über den Lindeberg streben wir dem Ausgangspunkt unserer Wanderung entgegen. Von den nach Süden ausgerichteten Lehnen am Lindeberg halten wir am Ende der Tour noch eine großartige Rundschau auf die vor uns liegenden Gebirgspartien. 

Die folgenden Bilder entstanden zu unterschiedlichen Jahreszeiten.




Aufstieg zum Spitzberg von Süden her, im Hintergrund Steinberg und Großer Stein

Am Gipfel des Oderwitzer Spitzberg




Auf dem Weg zum Großen Stein



Nordwestlich des Großen Steins liegt Leutersdorf …


Auf dem Gipfel des Großen Steins






Der Goethekopf


Ansichten von der Lehne des Lindebergs









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