Sonntag, 25. September 2011

Wolfsspinne


Die weitaus häufigste Wolfsspinne ist Pardosa lugubris (hier ein Weibchen). Man kann sie im Frühjahr und im Sommer oftmals in Scharen über trockenes Laub rennen sehen. Ihre gut ausgebildeten Augen verraten sie als Jagdspinnen, die ihre Beutetiere ausschließlich mit dem Gesichtssinn aufspüren. Häufig kann man Weibchen beobachten, die ihren Eikokon am Hinterleib tragen.






Samstag, 24. September 2011

Informationsquellen für den ernsthaften Amateurastronomen



Auch in der Astronomie gilt – wer viel liest, ist klar im Vorteil. Und heute, im Zeitalter des Internets, ist nichts leichter, als an Informationen zu gelangen, für deren Erlangung man früher mühselig Universitätsbibliotheken aufsuchen mußte. Heute reicht es vielfach, den heimischen Computer einzuschalten und eine Verbindung mit dem weltweiten Netz herzustellen. Das ersetzt natürlich nicht ein systematisches Lernen von Dingen, die man beherrschen möchte. Für zukünftige „Astronomen“ betrifft das Mathematik, Physik und die englische Sprache. Und auch für den ernsthaften Liebhaberastronomen ist es von Vorteil, wenn man von diesen Fächern einige Grundlagen verinnerlicht hat.

Der Umgang mit dem World Wide Web stellt mittlerweile eine eigene Kulturtechnik dar, die gerade junge Leute meist recht gut beherrschen. Nutzt man sie mit Verstand, dann kann man sehr viel über die Welt erfahren und auch viel dabei lernen.

In diesem Beitrag können nur ein paar wenige Anregungen gegeben werden. Zu groß ist das Angebot an Webseiten mit astronomischem Inhalt. Aber wer die genannten „Kulturtechniken“ kennt, wird mit Google und Co. meist die Informationen finden, die er gerade benötigt.

Wer gern rechnet oder viel rechnen muß und dafür Ausgangsdaten benötigt, sollte sich unbedingt die etwas außergewöhnliche „Wissensmaschine“ Wolfram Alpha anschauen:


Es lohnt sich auf jeden Fall, die in dessen Hilfe aufgelisteten Beispiele durchzugehen, um das Prinzip und die Leistungsfähigkeit dieses Werkzeuges zu erkennen und um es effektiv nutzen zu können. Besonders auch die Fähigkeit der Umrechnung von physikalischen Einheiten ist oft eine große Hilfe. Wer ein Tablet-PC besitzt, sollte einen Blick auf die Wolfram-Alpha-Apps werfen. Sie kosten nur wenige Euro und erlauben einen komfortablen Zugriff auf die Kapazitäten dieser faktenbasierten „Wissensmaschine“. Für „Erklärungen“ in epischer Form ist jedoch Wolfram-Alpha weniger geeignet. Trotz Schwächen ist die Wikipedia (in der deutschen und englischen Ausgabe, die man immer zusammen benutzen sollte) dafür weitaus besser geeignet.

Das Wissen der Menschheit steckt in Büchern. Google hat damit begonnen, diesen Schatz zu heben (zu digitalisieren) und (zumindest die, welche mittlerweile gemeinfrei sind) für jedermann über das Internet zugänglich zu machen. Ein Blick in Google Books lohnt sich immer:


(neuerdings auch über die Hauptsuchseite von Google über die linke Randfunktion „Bücher“ erreichbar).
Beachten Sie, daß auch viele neue Bücher bereits digitalisiert vorliegen, aber in Google Books nur teilweise angezeigt werden (Modus „Vorschau und vollständige Ansicht“). Vielfach reichen die angezeigten Seiten aus, um das momentane Informations­bedürfnis zu stillen oder um die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit eines Erwerbs über den Buchhandel voranzubringen. Und wie gesagt, Google Books enthält wahre Perlen - insbesondere für den an Astronomiegeschichte interessierten Leser. Geben Sie einfach einmal "Johannes Kepler" in das Suchfeld ein und wählen Sie vollständige Ansicht. Die hier aufgelisteten Bücher können Sie nicht nur am Bildschirm lesen, sondern auch als PDF’s herunterladen und ausdrucken...

Wenn wir gerade bei Google sind, darf auf keinem Fall Google Scholar vergessen werden:


Damit können mühelos wissenschaftliche Artikel (zumindest jedoch deren Abstracts) gefunden werden. Von vielen gibt es PDF-Dokumente, die man herunterladen und ausdrucken kann. Die hier zugängliche Informationsfülle ist atemberaubend und erspart einen oftmals den Gang in eine gut ausgestattete Universitätsbibliothek.

Vielen ist unbekannt, daß es für eine Anzahl von Fachzeitschriften sogenannte Nationallizenzen gibt, auf die man auf Antrag Zugriff auf ältere Jahrgänge erhält. In unserem Zusammenhang betrifft das z.B. die Zeitschrift „Nature“, in der viele Review- und Forschungsartikel zu astronomischen und astrophysikalischen Themen veröffentlicht sind. Deutsche Staatsangehörige können über diese Webseite


einen (ansonsten kostenlosen) Zugriff darauf beantragen.

Fast jedes Fachjournal hat mittlerweile eine eigene Webseite, wo ausgewählte Artikel gelesen werden können und wo zusätzliches Informationsmaterial zur Verfügung gestellt wird. An dieser Stelle sollen nur ein paar wenige Beispiele genannt werden, die insbesondere für Liebhaberastronomen von Interesse sein könnten:

Sterne und Weltraum

Spektrum der Wissenschaft

und ihr amerikanischer Pendant Scientific American

Sky and Telescope

Bei dieser Zeitschrift sollte man sich auf jeden Fall den Newsletter bestellen, wenn man zeitnah über neue astronomische Ereignisse und Entdeckungen per E-Mail informiert werden möchte.

Kostenlos als PDF-Zeitschrift erhält man den ESO-Messenger

Sehr interessant sind auch folgende Zeitschriften, in deren Archiven einzelne Artikel frei zugänglich sind:

Mercury

Astronomy now

Interstellarum – Die Zeitschrift für praktische Astronomie

Möchte man Astronomie auf hohem fachlichem Niveau verstehen oder sogar betreiben, dann kommt man nicht umhin, wissenschaftliche Fachpublikationen zu studieren. Für viele Zwecke helfen oftmals schon Abstracts (d.h. kurze Zusammenfassungen) weiter. Ein wichtiger Ausgangspunkt zur Recherche ist der Journal Query Page for the Astronomy database des ADS Abstract Services:


Und wenn man sich ganz aktuell über neueste Entwicklungen in der astronomischen (oder physikalischen oder mathematischen) Forschung im Laufenden halten möchte (noch bevor diese Erkenntnisse in internationale Fachpublikationen eingeflossen sind), dann kommt man um arXiv.org


nicht herum. Für diejenigen, die ein Tablet-PC ihr Eigen nennen, gibt es spezielle Apps (z.B. arXiv Droid für Android-Tablets) für den Zugriff. Aber Achtung. Jeden Tag kommen Hunderte neue Artikel hinzu. Ein Kurs für „Rationelles Lesen“ kann zur Bewältigung der Informationsflut von Nutzen sein:


Und hier querbeet noch ein paar Links auf Seiten, die in Form von blogähnlichen Einträgen täglich über neue Forschungsergebnisse auf mehr populärwissenschaftlichem Niveau berichten:

Scienceticker Astro

Space Daily

Scinexx

Es gibt natürlich noch viel mehr. Aber wofür gibt es Google?


Auch sogenannte Blogs haben sich zu einer gern genutzten Informationsquelle entwickelt. Und jeder ist eingeladen, selbst einen Blog zu betreiben (Wordpress und Blogspot machen es einfach). Hier sollen nur exemplarisch die Blogs, die unter „KosmoLogs“ gelistet sind, genannt werden. Sie werden in der Regel von Fachwissenschaftlern, Doktoranden oder Wissenschaftsjournalisten betrieben und erfreuen sich einer großen Publizität:


Und hier noch ein paar Beispiele:

Astrodicticum simplex des Astrophysikers Prof. Freistetter

Bad Astronomy

PhysikBlog

Auch der Autor betreibt einen Blog, in dem u.a. regelmäßig auch astronomische Beiträge erscheinen:

Auf Google Blogs kann man übrigens gezielt nach Beiträgen suchen:


Um sich schnell in ein Wissensgebiet einzuarbeiten, werden an Universitäten und Hochschulen seit alters her Vorlesungen und Kolloquien angeboten. Wenn man sich dafür interessiert (und sich aus vielerlei Gründen nicht an einer Hochschule einschreiben kann), dann bietet auch hier das Internet unerschöpfliches Material. Mit ein wenig Suchen findet man von vielen Vorlesungen Skripte, die frei zugänglich sind, z.B. im SkriptWeb:


Aber auch Vorlesungen selbst, aufgenommen mit Videokameras, tauchen immer mehr im Netz auf. Insbesondere die großen amerikanischen Universitäten wie Stanford oder MIT sind in dieser Hinsicht als vorbildlich zu benennen. Sie belegen jeweils eigene Kanäle in Youtube, wo man sich Vorlesungen zu allen möglichen Wissensgebieten ansehen und anhören kann. Wo hat man sonst Gelegenheit, von solchen Koryphäen wie Leonhard Susskind Physik zu lernen?

(Die mitgeschnittenen Vorlesungen finden Sie unter Playlists).

Die frei zugänglichen Vorlesungen, die am MIT gehalten wurden, finden Sie hier (auch unter Playlists):


Aber auch deutsche Universitäten veröffentlichen mehr und mehr ihre Vorlesungen. Ein Vorreiter ist die Universität Tübingen, die auf ihrem „Tübinger Multimedia-Server“ TIMMS schon eine sehr große Sammlung zusammengetragen hat:


In Bezug auf Astronomie sei hier besonders die Einführungs­vorlesung des Winter- und Sommersemesters 2008/2009 empfohlen, die man im Verzeichnis der mathematisch-naturwissen­schaftlichen Fakultät (Menüpunkt „Browsen“) findet. Unter „Themen“ bekommt man u.a. Zugriff auf die Ringvorlesung „Die Enträtselung des Universums“ im Rahmen des Studium Generale (2007/2008). Und auch die Keplervorlesung von 2008, gehalten von Riccardo Giacconi (Nobelpreisträger 2002) sollte man sich nicht entgehen lassen. Und als meinen Geheimtip möchte ich noch sehr die Vorlesungen der Kinderuniversität empfehlen - auch wenn sie nicht von Astronomie handeln.


Ein weiteres, internationales Projekt, Wissen für jedermann zugänglich zu machen, verfolgt Free University Lectures, in dem sie entsprechende Ressourcen (Videos, Skripte, Tonmitschnitte) ins Netz stellt. Darunter auich viel Material zu physikalischen und astronomischen Themen:


Kommen wir jetzt von den „Wissensquellen“ zu den „Ressourcen“, also zu den Webseiten, auf denen man Bilder, Beobach­tungsdaten, Zusammenstellungen, Kataloge und Zahlenmaterial finden kann.

Eine der größten Astronomischen Datensammlungen gibt es im Centre de Donnees astronomiques de Strasbourg:


Das ist eine der ultimativen Datenquellen für den ernsthaften (Liebhaber-) Astronomen. Hinter der bescheidenen Nutzerober­fläche verbergen sich so mächtige Werkzeuge wie die Datenbank für astronomische Objekte Simbad oder der interaktiven Sternatlas Aladin. Dazu eine riesige Zahl von Katalogen und Datenbanken (z.B. dem General Catalogue of Variable Stars). Auch auf eine Vielzahl von Literaturquellen kann von dieser Seite aus zugegriffen werden. So z.B. auf die für Veränderlichenbeobachter nicht uninteressanten BAV-Rundbriefe (BAV – Berliner Arbeitsgemein­schaft der Veränderlichenbeobachter). Aber schauen Sie selbst. Eine Einarbeitung in die angebotenen Tools kann sich durchaus auszahlen.

Bilder über astronomische Objekte gibt es im Internet in großer Zahl. Hier soll nur das Hubble Heritage Project Erwähnung finden:


Und natürlich darf das „Bild des Tages“ nicht vergessen werden:


Wer sich für die Sonne und für „Weltraumwetter“ interessiert, für denjenigen ist die Seite


einfach ein Muß. Hier kann man auch an einem verregneten Tag nachschauen, ob es Flecken auf der Sonne gibt oder nicht.

Kommen wir jetzt zu Sternatlanten. Auch in dieser Beziehung hat das Web einige echte Perlen zu bieten. Bei Google Earth, welches man sich von folgender Seite herunterladen kann


kann man seit einiger Zeit nicht nur auf die Erde, sondern auch in den Kosmos „zoomen“. Einfach mal ausprobieren.

Das Konkurrenzprodukt dazu ist Windows WorldWide Telescope, welches man sowohl im Browser als auch als standalone-Variante nutzen kann. Die entsprechenden Clients können von folgender Seite heruntergeladen werden:


Es stellt quasi ein Virtuelles Observatorium at home dar. Es lohnt sich vorher die auf der Webseite zugänglichen Demos (Tour's) anzuschauen, um einen kleinen Eindruck von diesem großartigen Stück Software zu erhalten.

Digitale Bilder mit wissenschaftlichem Anspruch können auf der Seite


per Dialog gewonnen und als Bild im GIF- oder dem in der Astronomie üblichen FITS-Format heruntergeladen werden. Dabei sind Bildausschnitte von maximal einem Quadratgrad möglich. Unter anderem steht hier der berühmte, mit dem Oschin-Schmidt­spiegel in verschiedenen Spektralbereichen aufgenommene und nun digitalisiert vorliegende Mount Palomar Sky Survey (POOS) der Allgemeinheit zur Verfügung.

Unmengen von Bildern und Meßwerten haben Raumsonden gewonnen. Fast alle sind mittlerweile irgendwie über das World Wide Web zugänglich gemacht worden (soweit es um amerikanische und z.T. europäische Sonden handelt). Legendär ist die vollständige Erfassung der Marsoberfläche durch die beiden Viking-Orbiter Ende der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die damals gewonnenen Aufnahmen hat Google zu einem großartigen interaktiven Marsatlas verarbeitet:


Damit kann man nun von zu Hause aus selbst Marsforschung betreiben. Wenn man wissen möchte, was die Satelliten und Rover Tag für Tag so auf dem Mars treiben, dann gibt es auch dafür neben den Homepages der einzelnen Marsmissionen spezielle Webseiten wie z.B.


Die größte Ressource an Bildmaterial von Raumsonden und Weltraumteleskopen stellt die NASA Image-Bibliothek zur Verfügung:


Dort werden nicht nur „Bilder“ gezeigt, sondern auch gleich ausführliche Erklärungen darüber mitgeliefert, was darauf zu sehen ist. Wer für eine Veröffentlichung oder für einen Vortrag astronomisches Bildmaterial benötigt, wird hier mit Sicherheit fündig.

Zum Abschluß soll noch auf eine weitere Form der Kommunikation unter Gleichgesinnten hingewiesen werden, die uns das Internet-Zeitalter beschert hat – die sogenannten Diskussionsforen. Hier kann man Fragen stellen und auf Antworten hoffen oder selbst Antworten geben. Hier können sich ganze Diskussionsstränge entwickeln, die zu neuen Einsichten verhelfen und einen anregen sich mit Fragen zu beschäftigen, auf die man selbst nie gekommen wäre. Auch kann man an diesen Stellen seine Beobachtungen und die dabei erbrachten Ergebnisse, seien es Himmelsaufnahmen, Lichtkurven von Veränderlichen oder andere interessante Dinge mit anderen Menschen, die die gleichen Interessen frönen, teilen. Auch dazu ein paar wenige Links:

Diskussionsforen auf Astronomie.de

AstroNews

NetPhysik

Also alles im allen genug Material, um seine Freizeit nützlich zu verbringen.




www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Mäusebussard


Heute war ein herrlicher Spätsommertag. Durch lautes Rufen ("hiääh") wurde ich auf einen Mäusebussard (Buteo buteo) aufmerksam, der hoch am blauen Himmel als kleiner Punkt vorüberzog. Glücklicherweise hatte ich mein 300-Tele mit und konnte so noch fotografieren, wie er in einen Sturzflug überging bis er hinter den Bäumen verschwunden war. Übrigens, es gibt fast nichts schöneres, als auf einer Wiese zu liegen und mit einem Feldstecher jungen Bussarden bei ihren ersten Flugversuchen zuzusehen ...




www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Ein Tag im Museum - Die Himmelsscheibe von Nebra


Irgendwann vor 3600 Jahren, ungefähr zu der Zeit, als Pharao Ahmose die Hyksos aus dem Nildelta verjagte, haben irgendwelche Leute, von denen weder Namen bekannt sind, deren Sprache wir nicht kennen und von denen auch sonst nichts weiter übrig geblieben ist, eine für sie wahrscheinlich wertlos gewordene Bronzescheibe mit einem heutigen Versicherungswert von 100 Millionen € auf dem Gipfelplateau eines flachen Berges, der sich "Mittenberg" nennt und in der Nähe von Nebra in Sachsen-Anhalt liegt, zusammen mit ein paar andere Bronzegegenständen hochkant verbuddelt. 



Dank Conrad-Elektronik, welche Metalldetektoren an jedermann vertreibt, wurde diese Scheibe - oder genauer - dieser Hortfund - von zwei Raubgräbern (dessen Namen und Intentionen im Gegensatz zu den Personen, welche die Bronzegegenstände vergraben haben, bekannt sind) in einer kleinen Steinkammer aufgefunden und von dort einfach des schnöden Mammons wegen geraubt (Bodendenkmale sind Eigentum des Bundeslandes, auf dem sie gefunden werden). 


Das war genau am 4. Juli 1999. Sie dachten erst, die Scheibe wäre der Mittelteil eines Holzschildes gewesen, was sich später, nach langjähriger Forschung, bekanntlich als falsch herausgestellt hat. Jedenfalls gewann die Metallscheibe von einer Hehlerhand zur anderen rapide an Wert, bis sie im Februar 2002 in der Schweiz von Scheinkäufern, die in Lohn und Brot des Landesamtes für Archäologie von Sachsen-Anhalt  standen, mit Hilfe der Polizei sichergestellt werden konnte. Zu dieser Zeit lag der Wert noch bei mickrigen 700000 DM. Heute ist der Wert dieser Bronzescheibe unschätzbar. 

Also, letzten Sonntag sind wir nach Kamenz gefahren, wo sich das Museum der Westlausitz befindet. Der Grund war eigentlich nur das schlechte Wetter mit angekündigten Starkregenschauern. Schon in Panschwitz-Kuckau, wo das bekannte Zisterzienser-Kloster St.Marienstern steht, welches nach Angaben der Sächsischen Zeitung eine neue Äbtissin bekommen hat (Schwester Maria Philippa Kraft), konnten wir an Laternenpfählen die Ankündigung einer Sonderausstellung bereits während der Fahrt erspähen. Da wir natürlich die Himmelscheibe kannten und diese auf dem Plakat abgebildet war, wußten wir sofort, um was es bei dieser Ausstellung gehen würde. Und es hat sich gelohnt. Sie war didaktisch sehr gut aufbereitet im Elementarium des Museums aufgebaut und am Ende konnte man sich noch einen interessanten Film per Beamer über diese früheste bekannte Darstellung der "Himmelssphäre" und deren Ausdeutung anschauen. 

Ausgestellt war selbstverständlich nicht das Original, sondern "nur" einige Repliken, die das Aussehen der Himmelsscheibe zum Zeitpunkt ihres Eingrabens, also zu der Zeit, als die Hyksos aus Ägypten verjagt wurden, zeigen. Davon dürften die Eingraber aber nichts mitbekommen haben. Genauso wenig übrigens von dem Ausbruch des Santorin auf der Insel Thera im Mittelmeer, der sogenannten Minoischen Eruption. Es sei denn, man konnte damals vom Mittelberg aus oder von der nur 20 km entfernten Kreisgrabenanlage von Goseck anomale Dämmerungserscheinungen beobachten. Leider konnten die Bronzezeit-Leute im Gegensatz zu den Ägyptern und Minoern weder lesen noch schreiben und fragen kann man sie auch nicht mehr...


Zu jener Zeit war die Himmelsscheibe noch nicht so schön grün wie heute. Diese Färbung beruht auf einem Überzug des Minerals Malachit, welches sich durch die lange Lagerung der Bronze in der Erde gebildet hat. Wie man sich vorstellen kann, wurde diese Scheibe nach allen Regeln der Kunst untersucht. So weiß man mit an Gewissheit grenzender Sicherheit, daß der Kupferanteil der Bronze der Himmelsscheibe vom Mittelberg bei Nebra aus Kupferstollen, die in den Mitterberg bei Mühlbach am Hochkönig in den Ostalpen (bei Salzburg) getrieben sind, stammt. Die 50 g eingearbeitetes Goldblech hat man damals, vor ca. 4100 Jahren (dem mutmaßlichen Herstellungsdatum der Himmelsscheibe), aus dem heutigen Rumänien, genauer aus Siebenbürgen, herangeschleppt. In Siebenbürgen kann man noch heute in einigen Flüssen Seifengold waschen. Bei uns in der Oberlausitz ist das auch möglich, aber nur in kleinen Bächen, z.B. am Valtenberg bei Neukirch. Lohnen tut es sich aber trotz stark gestiegener Goldpreise nicht wirklich.


Ja, was lernt man daraus über die Eingräber? Sie müssen schon damals, wo Mitteleuropa noch ein überaus dichter Buchenurwald war (an dem 1600 Jahre später Varus verzweifeln sollte), schon sehr mobil gewesen sein. 

Über die himmelskundliche Deutung dieses wertvollsten Artefakts aus der Bronzezeit möchte ich in diesem Blogbeitrag nicht weiter eingehen. Darüber gibt es im Internet sehr viel zu lesen. Besser ist es jedoch daß Sie, wenn Sie in unserer Gegend weilen, mal einen Abstecher in die alte Sechsstadt Kamenz machen. Die Sonderausstellung "Ein Himmel auf Erden - Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra" ist noch bis zum  8. Januar 2012  geöffnet. Und auch die anderen Ausstellungen sind durchaus sehenswert.



Detail der sogenannten "Sonnenbarke" mit feinen Randschraffuren:


Schiffsdarstellungen findet man öfters auf bronzezeitlichen Fundstücken...


www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Donnerstag, 22. September 2011

Gartenkreuzspinne


Bei mir im Garten lebt eine Kreuzspinne mit dem sinnigen Namen "Gartenkreuzspinne" (Araneus duadematus). Es ist ein sehr großes weibliches Exemplar, an dem ich mich nicht genug satt sehen kann. Jeden Abend baut sie innerhalb einer dreiviertel Stunde ihr imposantes Radnetz vor meinem Fenster um dann die ganze Nacht auf Beute zu warten. Morgens ist dann das Netz wieder verschwunden - sie hat es aufgefressen (man nennt so was Recycling).







Ockergelber Blattspanner


An schattigen Stellen, wo "niedere Pflanzen" wuchern (z.B. Brennesseln), findet man den Ockergelben Blattspanner (Camptogramma bilineata) meist in großer Menge. Um ihn aufzuscheuchen braucht man nur mit einem Stock leicht in einen Brennesselhaufen zu schlagen. Dann fliegt an einem günstigen Standort oftmals eine ganze Anzahl dieser hübsch gezeichneten Spanner auf, um sich gleich wieder irgendwo anders zu verstecken. Das macht es für den Fotografen nicht wirklich einfacher, denn sie wählen als Sitzblatt (wie die meisten Spanner) meist eine Blattunterseite. Aber wer will sich für eine Aufnahme eines manchmal massenhaft vorkommenden Schmetterlings schon in einen Brennesselhaufen legen? 


www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Mittwoch, 21. September 2011

Planet Mars (10) - Oberfläche - Grabenbrüche - Valles Marineris


Grabenbrüche - Valles Marineris 
Ein Superlativ der Marsoberfläche ist ein riesiges, rund 1/5 des Marsumfangs einnehmendes Canyon-System, für das es kein vergleichbares Objekt im Sonnensystem mehr gibt. Allein schon die Zahlen sind beeindruckend: Ost-West-Ausdehnung 4000 – 4500 km, maximale Breite ~400 km, Tiefe bis zu 10 km. Im Vergleich dazu ist der berühmte Grand Canyon in Arizona/USA mit einer Längenausdehnung von 450 km und einer Breite von ~30 km nur ein kleiner unbedeutender Riß in der Erdoberfläche, der gerade einmal eine Tiefe von 1.7 km erreicht. Auf die Erde übertragen würde der Mars-Canyon immerhin von der Westküste Nordamerikas bis fast zur Ostküste reichen.

Bei dieser Talstruktur handelt es sich nach allgemeiner Auffassung um einen riesigen Grabenbruch (vergleichbar mit dem Ostafrikanischen Riftsystem auf der Erde), dessen Entstehung im Zusammenhang mit der Tharsis-Aufwölbung zu sehen ist. Er verläuft weitgehend parallel zum Marsäquator und besteht aus einem System von Gräben und Depressionen unterschiedlicher Größe. Benannt wurde er nach der amerikanischen Marssonde Mariner 9. Zwar war diese Struktur als „canali“ bereits auf alten Marskarten auszumachen. Was sich dahinter verbirgt, war aber im Zeitalter der teleskopischen Erforschung des Mars noch weitgehend strittig. Visuell  ist sie unter idealen Sichtbedingungen lediglich als eine unauffällige dunklere Albedostruktur wahrzunehmen. Erst die Aufnahmen von Mariner 9 aus dem Jahre 1971 zeigte diese riesige Bruchstruktur in ihrer ganzen Ausdehnung, weshalb sie auch von der IAU mit dem Namen „Valles Marineris“,  also „Mariner Täler“, bedacht wurde.

Topographie der Mariner-Täler
Die Mariner-Täler beginnen im westlichen Tharsis-Hochland in einem in viele Täler chaotisch zerissenen Landstrich, dem „Labyrint der Nacht“ (Noctis Labyrinthus). Im zentralen Teil bilden die steil abfallenden Täler eine netzwerkartige Struktur, zwischen denen große und kleinere Platten zu erkennen sind und die alle ungefähr die gleiche Höhe (zwischen 7.5 und 8 km) besitzen. In diesen zentralen, labyrintartigen Teil streichen, von Norden kommend, eine Vielzahl von einzelnen Tälern hinein (Noctis Fossae), die sich vernetzen und eine in der Tendenz nach Süden weisenden Bogen bilden, der einen Teil von Syria Planum umschließt. In Richtung Osten werden die Talweiten größer und man erkennt eine große, innen mit chaotisch stehengebliebenen Gesteinsblöcken übersäte Depression, die anschließend in die ersten beiden parallelen Haupttäler des Valles Marineris, Tithonium Chasma (nördlich) und Ius Chasma (südlich), übergeht.

Im mittleren Teil des Valles Marineris bilden drei große Tal-strukturen eine in ihrem Zentralteil verbundene und dort ca. 600 km breite Depression: Ophir Chasma, Candor Chasma und in Fortsetzung des Ius Chasma, Melas Chasma. Geologisch ist dieser Bereich des Valleys besonders durch das Vorkommen von mächtigen Schichten von Ablagerungen auffällig, die immerhin im westlichen Teil von Candor Chasma eine Mächtigkeit von ~6 km erreichen. Im westlich anschließenden, mit der Tendenz nach Norden verlaufenden Juventae Chasma, konnte auf Aufnahmen der Sonde Mars Express sogar eindeutig sulfatreiche Ablage-rungen (wahrscheinlich Gips) entdeckt werden, für deren Entstehung flüssiges Wasser zwingend erforderlich ist. Sie sind damit ein wichtiges Zeugnis aus einer Zeit, als das Klima auf dem Mars noch feucht und warm war.

Etwas aus dem Rahmen fällt Hebes Chasma, welches sich nordwestlich von Ophir Chasma befindet und mit ihrer nördlichen Seite direkt an den Marsäquator grenzt. Die maximale Ausdehnung beträgt 320 km in Ost-West-Richtung, 130 km in Nord-Süd-Richtung und die Tiefe erreicht einen Wert von ~8 km. Im Zentrum dieses Chasmas (für „tiefe Erdspalte“) ist eine tafelbergartige Erhebung zu erkennen, die mit 7 km fast wieder die Höhe der umgebenden Hochfläche des Lunae Planum erreicht. Die gesamte Talstruktur ist vollständig von Steilhängen umgeben, so daß nicht einmal eine direkte Verbindung zum nordwestlich gelegenen Echus Chasma besteht. Man spricht in solch einem Fall von einer „abflußlosen“ Depression.

Von der ovalen Depression Melas Chasma ausgehend setzt sich der östliche Hauptteil des Valles Marineris in Form des fast 1000 km langen Coprates Chasma fort. Es ist zwischen 60 und 100 km breit und erreicht eine Tiefe von 8 bis 9 km. Nördlich wird sie durch die Ebene Ophir Planum und südlich vom Thaumasia-Hochland begrenzt. Morphologisch außergewöhnlich ist eine südlich zum Graben parallel verlaufende Struktur aus zahlreichen, z.T. kettenartig verbundenen Gruben, die einen Durchmesser von bis zu 22 km und eine Tiefe von 5 km erreichen. In ihren östlichen Ausläufer bilden sie sogar mehrere parallel angeordnete Risse unterschiedlicher Ausprägung, Diese Struktur hat den Namen Coprates Catena („catena“ – lateinisch für „Kette“) erhalten. Es ist ziemlich sicher, daß man es hier mit tektonischen Dehnungsstrukturen zu tun hat, bei denen Teile der oberen Marskruste zwischen dem aufgebrochenen Hochland entlang der tief reichenden Dehnungsbrüche eingesunken sind. 

Am Ende des Coprates Chasma schließen sich weitere, leicht nach Nordost verlaufende und nicht ganz so auffällige Chasmata an: Eos Chasma, Capri Chasma und als nördliches „Seitental“ Gangis Chasma. Sie sind bedeutend flacher als die Täler im Zentralteil des Valles und erscheinen auch in ihrer Begrenzung  viel irregulärer. In der Tendenz öffnen sie sich in Richtung des Chryse-Beckens, wobei das Terrain chaotischer wird und sich darüber hinaus  immer mehr Strukturen ehemals fluviatiler oder glazialer Aktivität (Ausflußtäler) bemerkbar machen.


Eine Reise durch das Tal der Superlative …
Der hochauflösenden Stereokamera HRSC der ESA-Sonde Mars Expreß verdanken wir einige großartige 3D-Panoramaansichten von Teilen dieses Grabensystems, welche einen visuellen Einblick in die komplexe Geologie dieser atemberaubenden Landschaft ermöglichen. Sie sollen deshalb im Folgenden verwendet werden, um schlaglichtartig einige repräsentative oder anderweitig interessante Teile des Valles näher vorzustellen, bevor die Theorien zu dessen Entstehung näher behandelt werden. 



Topographische Einheiten des Valles Marineris-Grabenbruchsystems. Sie verlaufen parallel zum Marsäquator und erreichen je nach Abgrenzung eine Länge zwischen 4000 und 4500 km, d.h. rund 1/5 des Marsumfangs.

Noctis Labyrinthus
Dem „Labyrint der Nacht“ sieht man es schon an, daß es als Ergebnis der Tharsis-Aufwölbung entstanden ist. Dabei bildeten sich durch horizontalen Streß Risse in der Marskruste, in deren Bereich Teile absackten und andere Teile in Form von größeren Blöcken stehenblieben. So entstand ein labyrintartiges Netzwerk in Form von bis zu 5 km tiefen Gräben, welche die stehengebliebenen Platten der ursprünglichen Oberfläche begrenzen.

Kartendarstellung von Noctis Labyrinthus. Die Täler, die von Norden einstreichen, bilden die Noctis Fossae. Im Süden umschließt das „Labyrinth“ den nördlichen Teil von Syria Planum.  Quelle NASA

80x85 km großer Ausschnitt von Noctis Labyrinthus. Quelle ESA, DLR

Überhöht dargestellte perspektivische Ansicht  des in der vorherigen Abbildung dargestellten Tals mit mehreren Kilometern hohen Steilhängen. Quelle ESA, DLR, Neukum

Der höchste Punkt von Noctis Labyrinthus (ca. 9 km) liegt ungefähr in der Mitte des Labyrinths. Das entspricht auch in etwa dem Konvergenzpunkt vieler Risse und Talstrukturen, wobei die meisten ungefähr radial zur Tharsis-Aufwölbung verlaufen. Im Westteil ist eine auffällige Krümmung zu beobachten, die dazu führt, daß das nahezu kreisförmige Syria Planum von West über Nord und Ost von dieser mosaikartigen Grabenstruktur halbseitig begrenzt wird. 

Tithonium und Ius Chasma
Der östliche Teil des Noctis Labyrinthus verbreitert sich zu einer größeren Depression, von der ausgehend die ersten beiden großen Hauptgräben des Valles Marineris, Tithonium und Ius Chasma, ihren Anfang nehmen. 

Tithonium Chasma, der nördliche und schmalere der beiden Gräben, endet quasi abflußlos in einer Reihe von kleineren Depressionen oder Einbrüchen, den Tithonia Catanae. Ius Chasma verbreitert sich dagegen, je weiter nach Osten man sich bewegt, wobei ein schmaler Bergrücken z.T. etwas asymmetrisch zur Mitte stehengeblieben ist. Tendenziell nimmt die Tiefe des Grabens von 0 Meter auf -3000 Meter über eine Entfernung von rund 900 km zu (bezogen auf die Normal Null-Line des Mars), bis er sich in das Melas Chasma verbreitert. Dort erreicht er eine maximale Breite von 110 km.  Auf der Südseite des Grabens erkennt man eine große Anzahl von tiefen Seitentälern, die sich canyonartig bis zu 100 km in die Ebene des Sinai Planum erstrecken.

Tithonium und Ius Chasma sind Grabenbrüche, die durch horizontale Ausdehnung der Lithosphäre entstehen, wenn Teile der Oberfläche entlang von Brüchen kollabieren. Quelle NASA

Entstehung von Grabenbrüchen durch Zugkräfte, die den Gesteinszusammenhang überschreiten. Quelle NASA, MOLA

Im Eingansbereich dieser beiden Täler wurden am Boden der Canyons Schichten dunkler Gesteine entdeckt, die man als Interior Layered Deposits bezeichnet und deren Natur noch weitgehend unbekannt ist. Man vermutet, daß sie vulkanischen Ursprungs sind. Auch sind sie offensichtlich durch erosive Prozesse beeinflußt, bei denen insbesondere auch glaziale Aktivitäten eine Rolle gespielt haben.

Typisch für die Randbereiche der Brüche, die in diesem Teil des Valleys bis zu 5 km abfallen, sind mächtige Hangrutschungen, die ganz wesentlich deren Morphologie bestimmen.  Sie bilden am Talgrund riesige Schuttfächer mit einer chaotisch erscheinenden Oberfläche, die an manchen Stellen sogar mit dünenartigen Strukturen überprägt sind. Diese Hangrutschungen führen im Laufe der Zeit zu einer Verbreiterung der Talstrukturen.


Westlicher „Eingang“ in Tithonium (oben) und Ius Chasma, aufgenommen mit der HRSC-Kamera von Mars Express. Quelle ESA, Neukum

Mittlerer und östlicher Teil des Tithonium- und  Ius Chasmas, aufgenom¬men mit der HiRISE-Kamera (High Resolution Imaging Science Experiment) des Mars Reconnaissance Orbiters.  Quelle  NASA, HiRISE Team

Ophir-, Candor- Melas- und Hebes-Chasma
Der mittlere Teil des Talsystems wird durch drei riesige Depressionen gebildet, die in Nord-Süd-Richtung miteinander verbunden sind und in dieser Richtung eine Ausdehnung von ~600 km erreichen. Dazu kommt noch Hebes Chasma, die eine eigene Entität bildet und keine Verbindungen zu anderen Einbruchstrukturen besitzt. Wäre sie mit Wasser gefüllt, würde man von einer abflußlosen Depression sprechen, die in ihrer Mitte eine große langgezogene flache Insel besitzt. Sie befindet sich nordwestlich von Ophir Chasma und hat eine Längenausdehnung von ~320 km und eine Breite von ~130 km. In ihrer zu den Haupttälern parallel verlaufenden Verlängerung erkennt man auf den Satellitenaufnahmen eine Reihe kleinerer, z.T. miteinander verbundener Einbruchstrukturen, welche den Namen Ganges Catena erhalten haben. 

Melas Chasma stellt eine nach Süden erosiv in zwei Einbuchtungen erweiterte Struktur des Hauptgrabens dar, der sich nach Osten als Coprates Chasma noch fast 1000 km fortsetzt. Hier erreicht der Grabenbruch auch mit über 10 km seine größte Tiefe. 

Ophir und Candor Chasma, die sich nur in ihrer Längenausdehnung stark unterscheiden, haben in etwa ein rechteckiges Aussehen. Sie sind durch einen Durchbruch miteinander verbunden. Ein Teil der Schuttmassen, die sich durch erosive Vorgänge in Form von Bergstürzen und Hangabbrüchen von den Talrändern gelöst haben, findet man in deren Inneren. Einige Teile von „geschichteten Formationen“ sind aber auch in Form von einzelnen Tafelbergen stehengeblieben, was man besonders gut im westlichen Candor Chasma erkennen kann. 

Eine detaillierte Untersuchung der Abbruchkanten und der Oberfläche der Talböden führte zur Entdeckung von geschichteten Sedimenten, die im westlichen Candor Chasma eine Mächtigkeit von ca. 6 km erreichen. Ob diese Sedimente überwiegend vulkanischen, äolischen oder fluvatilen Ursprungs sind, kann mit letzter Sicherheit noch nicht gesagt werden. Die oberen Gesteinsschichten scheinen jedenfalls aus vielen Lagen sogenannter Plateaubasalte zu bestehen, da sie ein anderes Erosionsverhalten zeigen als die darunterliegenden Schichten, die auch mehr zu Hangrutschungen neigen. Auch findet man im Talgrund der Chasmen tafelbergähnliche Formationen von dunkleren Ge-steinen, die sich z.B. im Candor Chasma ~1.2 km über deren Boden erheben. Sie gehören zu den Interior Layered Deposits, die man auch an anderen Stellen des Valles gefunden hat. Eine spektral-chemische Analyse mit dem OMEGA (Visible and Infrared Mineralogical Mapping Spectrometer) – Instrument auf Mars-Express zeigt, daß die dort anstehenden Gesteinsschichten offensichtlich reich an polyhydratisierten Sulfaten (CaSO4•2H2O) sowie Kieserit (Mg[SO4]•H2O) sind (Hauber et.al. 2006). Es könnte sich dabei um durch Grundwasser chemisch veränderte Lagen ehemaliger pyroklastischer Ablagerungen handeln, die aus einer frühen Phase des Tharsis-Vulkanismus stammen. Das ist auch deshalb nicht unwahrscheinlich, da sich ab dem Zentralteil des Valles Marineris geologische Hinweise auf die ehemalige Präsenz von Wasser in flüssiger und fester Form häufen. Auf jeden Fall hat Wasser bei der Ausprägung der Täler des Valles Marineris einmal eine gewisse Rolle gespielt.

Mittelteil des Valles Marineris mit von Norden nach Süden Ophir-, Candor- und Melas Chasma.  Links oberhalb von Ophir Chasma befindet sich das „abflußlose“ Hebes Chasma mit ihrer „langgezogenen Insel“ im Zentrum.

Abbruchkante im Bereich des Candor Chasmas, aufgenommen mit der hochauflösenden Stereo-Kamera HRSC auf Mars Express. Die steilen Wände, die das Chasma begrenzen, erreichen eine Höhe von ca. 8500 m. Quelle ESA, Neukum

Ausgedehnte sedimentative Strukturen wurden zuerst von MGS im westlichen Bereich des Candor Chasmas entdeckt und haben nicht nur unter den Planetologen eine gewisse Aufmerksamkeit hervorgerufen. Immerhin glaubt man hier direkte Hinweise auf eine Sedimentation in einem größeren stehenden Gewässer gefunden zu haben. Man erkennt auf der Aufnahme mehrere, sehr gleichmäßige plattenartige Schichten, die jeweils ungefähr 10 m dick sind und die an ihren Rändern deutlich Stufen bilden. Ihre Oberflächen sind weitgehend glatt und auch fest, was man daran erkennt, daß sie der Erosion einen gewissen Widerstand entgegen setzen. Sie zeugen von periodischen Prozessen der Ablagerung feinen Materials und deren Verfestigung, wie man es auch bei irdischen Gesteinsfolgen, z.B. sehr eindrucksvoll im Grand Canyon, sehen kann. 

Ausschnitt aus Ophir Chasma mit vielen unterschiedlichen und nicht immer leicht zu interpretierenden Geländeformen. Die Breite des Ausschnitts beträgt etwa 300 km. Quelle ESA, Neukum


Detail aus einer Region im westlichen Candor Chasma, welches deutlich geschichtete Sedimente zeigt, die erosiv (vielleicht durch Wind) herausgearbeitet sind.  Man geht davon aus, daß sie sich in einem ehemaligen flachen See abgelagert haben. Bildgröße 1.5x2.9 km. Quelle NASA, MGS

Die Frage ist, ob die Sedimente erst nach der Grabenbruchbildung (als in den Gräben flache Seen ähnlich denen der Ostafrikanischen Gräben auf der Erde bestanden) oder bereits davor abgelagert wurden.  Einige Geologen vermuten, daß die Sedimentation bereits lange vor der Grabenbruchbildung in einem Meteoritenkrater stattgefunden hat, der damals einen flachen See beherbergte. Später wurde er durch vulkanisches Material abgedeckt und erst die Grabenbruchbildung im Zuge der Tharsis-Aufwölbung hat diese Schichten lokal am Grabenboden wieder aufgeschlossen.  

Gegenwärtig werden insbesondere auf Grundlage der hoch-auflösenden Aufnahmen von Mars Express (HRSC) und Mars Reconnaissance Orbiter (HiRISE) verschiedene geologische Formationen, die als Sedimente interpretiert werden, im Bereich des Valles näher untersucht. Ziel ist die Entwicklung eines konsistenten Modells ihrer Entstehung.  Das einmal stehende Gewässer existiert haben müssen, wird durch eine Vielzahl von Indizien nahegelegt. Im Bereich Ophir und Candor Chasma ist deren gemeinsame Trennlinie offenbar mit Sedimentfolgen überlagert, was zeigt, daß sie jünger sein muß als der Durchbruch selbst (LUCCHITTA et.al. 1992). Auch zeigen diese Sedimente ein anderes erosives und optisches Verhalten als das Material der Canyonwände. Auch das gilt als ein Indiz dafür, daß es wahrscheinlich erst eine zeitlang nach der Grabenbildung abgelagert worden ist.  

Die ehemalige Existenz von 2000 bis 3000 m tiefen Grabenseen wird auch durch die noch zu behandelnden Ausflußkanäle, die sich beginnend in dem chaotischen Terrain von Capri und Eos Chasma in die nördlichen Chryse-Region (Chryse Planitia) erstrecken, nahegelegt. Und nicht zuletzt soll noch auf die bereits erwähnte Entdeckung sulfatreichen Materials hingewiesen werden, für deren Entstehung man dann keine komplizierten Theorien wie z.B. über die Existenz von zirkulierendem Grundwasser, heranziehen muß. Es handelt sich dann einfach um, wie auf der Erde, gewöhnliche Evaporite. Nur leider ist auch diese Erklärung nicht ganz stimmig, denn man hat bei einigen der sulfatreichen Sedimente eine Schrägschichtung (z.B. in Hebes Chasma, HAUBER et. al. 2006) festgestellt, die immerhin 22° erreicht. Das spricht gegen einer Ablagerung in einem See, insofern sich die Schichtneigung nicht anderweitig erklären läßt. 

Die Hypothese, daß es in den Haupttälern des Valles Marineris in ferner Vergangenheit einmal Seen gegeben hat (für Juventae Chasma gilt das als erwiesen, da sich dessen Inhalt teilweise nach Norden entleert und dabei nicht anders interpretierbare Spuren in Form des Maja Vallis hinterlassen hat), wirft viele interessante, aber auch schwierige Fragen auf.  Diese Fragen betreffen die frühe Entwicklung des Grabenbruchsystems (die einzelnen Chasmen mußten bis in eine Höhe von ~3000 m  noch abflußlos und auch noch nicht verbunden sein), die Frage, woher das Wasser stammt, welches die Seen gefüllt hat (Regenwasser in einer warmen Klimaperiode, Aufschmelzen von mächtigen Eisdepositionen auf der Oberfläche durch aufsteigende Magmen (MISHENA et. al. 2003), durch Aufschmelzung unterirdischer Eiseinlagerungen bei der Grabenbildung) und natürlich die Frage der zeitlichen Einordnung.


Nächstes Mal: Inventae Chasma, Coprates Chasma, Eos- und Capri Chasma ...

Hinweis:  Alle Postings finden Sie über die Randleiste des Blogs unter "Beliebte Reihen"

www.wincontact32.de    WINcontact 32 - Blog

Raupe eines Zimtbärs


Jetzt im Spätsommer kann man öfters dunkle, stark behaarte Raupen über Feldwege rennen sehen. Es handelt sich dabei um Raupen des recht häufigen Zimtbären (Phragmatobia fuliginosa), die nach einem günstigen Ort für die Überwinterung suchen. Die Verpuppung erfolgt erst im folgenden Frühjahr und die kleinen rostbraunen Falter mit ihren roten Unterflügeln kann man bereits ab Ende April beobachten.


www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Dienstag, 20. September 2011

Weißadereule


Überall, wo es Gräser gibt (die Lieblingsfutterpflanze ihrer Raupe), gibt es auch die Weißadereule (Mythimna pallens). Sie fliegt in zwei Generationen im Frühsommer und dann wieder im Herbst.

www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Montag, 19. September 2011

Grashüpfer mit Spiegelbild

 Aufnahme:  Werner Schorisch, Zittau

Dieser Grashüpfer aus der Gattung Chorthippus hat sich kurz auf einer Motorhaube niedergelassen, bevor er weiter gehüpft ist ...

  Aufnahme:  Werner Schorisch, Zittau
 Aufnahme:  Werner Schorisch, Zittau

www.wincontact32.de  WINcontact 32 - Blog

Sonntag, 18. September 2011

Planet Mars (9) - (Oberfläche) Elysium - Vulkane

Elysium – eine kleine, aber feine Vulkanprovinz
Erwähnt in Friedrich Schillers (1759-1805) „Ode an die Freude“ bezeichnet „Elysium“ in der griechischen Mythologie die „Insel der Seligen“, die, vom Okeanos umflossen, den Seelen der toten Helden eine Heimat bietet. Auf dem Mars bezeichnet sie eine Landschaft, die ähnlich wie Tharsis von einer Anzahl größerer Vulkane beherrscht wird. Sie ist aber nicht nur durch die Vulkane interessant. Der südliche Teil von Elysium Planitia hat auch eindrucksvolle Zeugnisse aus einer Zeit hinterlassen, wo mächtige Wasser- und Schlammfluten landschaftsformende Kräfte freigesetzt haben.


Elysium-Vulkane
Bei den drei großen Elysium-Vulkanen handelt es sich (von Norden nach Süden) um Hecates Tholus, Elysium Mons und Albor Tholus, der besonders durch seine ~30 km messende Caldera auffällt. Sie bilden ein flaches gleichschenkliges Dreieck, wobei Elysium Mons (der sich rund 16 km über die Nullinie der Marsoberfläche erhebt) das Zentrum der Elysium-Aufwölbung kennzeichnet. Mit einer mittleren Höhe von 5 km ist sie jedoch nur halb so hoch wie das flächenmäßig bedeutend größere Tharsis-Plateau. Auch scheint sie nach Kraterzählungen auch älter als die Tharsis-Aufwölbung zu sein.


Die drei großen Elysium-Vulkane Hecates Tholus, Elysium Mons und Albor Tholus (unten). Quelle JPL, NASA

Hecates Tholus
Der nördlichste der drei großen Elysium-Vulkane hat einen Durchmesser von 183 km und erhebt sich ~5300 m über seine Umgebung. Seine Flanken, die etwas steiler sind als die der großen Schilde auf Tharsis, zeigen Strukturen, die auf Lavaströme, Vergletscherungen sowie – wie radial verlaufende talartige Strukturen zeigen – auf die Arbeit fließenden Wasser hinweisen. Auch scheinen pyroklastische Eruptionen in der Vergangenheit beim Aufbau des Vulkans eine Rolle gespielt zu haben. Insbesondere im Westteil glauben einige Geologen Hinweise dafür gefunden zu haben (Hauber et.al. 2005). 


Westliche Flanke und Gipfelcaldera von Hecates Tholus. Die Reihen von „Pitch-Kratern“ stellen eingestürzte Lavakanäle dar. Die feinen, radial zum Fuß des Vulkans verlaufenden Rinnen werden als Abflußkanäle gedeutet die entstanden sind, als bedingt durch geothermische Aktivität eine den Vulkan bedeckende Eisschicht abgeschmolzen ist (Fassett, Head, 2005). Untersuchungen, insbesondere an der großen westlichen Depression an der Vulkanbasis, zeigen, daß letzte glaziale Prozesse vor 5 bis 25 Ma stattgefunden haben müssen (Hauber et.al. 2005). Quelle JPL, NASA, MGS

Im Vergleich zur Größe des Vulkans ist die Gipfelcaldera mit einem Durchmesser von ~10 km relativ klein (man vergleiche mit Albor Tholus). Ihre Tiefe liegt bei ~600 m. Trotzdem zeigt sie eine recht komplexe Struktur, die mehrfache Einbrüche der leicht asymmetrisch ausgerichteten Magmakammer dokumentiert. Durch Impaktkraterstatistiken konnten Neukum et.al. (2004) für die äußere und größte Struktur ein Alter von ~ 1Ga abschätzen. Die darin eingebetteten Kollapsstrukturen sind ~300 Ma sowie ~100 Ma alt. Von dort ausgehend ist auf den Flanken eine Vielzahl von Abflußrinnen zu sehen, die beim Abschmelzen von Gletschereis entstanden sein sollen. 


Hekates Tholus mit seiner asymmetrischen, mehrere Einbrüche dokumentierenden großen Gipfelcaldera. Quelle NASA

Elysium Mons
Genaue flächendeckende Höhenmessungen mit Hilfe des Laser-Höhenmessers von MGS (MOLA – Mars Orbiter Laser Altimeter) der Elysium-Region zeigen, daß Elysium Mons nur die Spitze einer riesigen Aufwölbung von ca. 2000 km Durchmesser ist, die in ihren äußeren Flanken auch noch die anderen beiden großen Vulkane aufnimmt. Elysium Mons selbst ist ein flacher Kegel mit einer Hangneigung zwischen 0.1 und 0.9°, wobei der stärkste Anstieg auf der Nordwestseite zu beobachten ist. Der zentrale Vulkankegel hat einen Basisdurchmesser von 375 km, erreicht eine Höhe von 14 km und endet in einer sehr gleichmäßigen runden Caldera, die sonst keine weiteren Substrukturen zeigt. Sie ist ungefähr 100 m tief und besitzt einen Durchmesser von ~14 km. Von ihr gehen eine Anzahl eingebrochener Lavaröhren und Risse aus. Es scheint, daß der größte Teil der ausgetretenen Lava über derartige Drainagesysteme zum Fuß des Vulkans abgeleitet wurde, denn am Calderarand sind nur schwache Hinweise für flächenmäßige Lavaabflüsse auszumachen. Auch wurden auch hier im westlichen Bereich des Vulkans morpho­logische Strukturen gefunden, die auf eine ehemalige Eisbe­deckung hindeuten. Elysium Mons ist, obwohl er im Zentrum der Region steht, der Jüngste und auch der Größte der drei Vulkane. Zuerst entstand Hecates Tholus und etwas später der 850 km südlicher gelegene Albor Tholus.


Gipfelcaldera von Elysium Mons. Quelle JPL, NASA

Albor Tholus Der Basisdurchmesser von Albor Tholus beträgt ~160 km und seine Höhe 4.5 km. Sein auffälligstes Merkmal ist die große (Durchmesser 30 km) und tiefe (~3 km) sowie aus mehreren kleineren Einsturzkratern bestehende Gipfelcaldera. Datierungen auf der Grundlage der HRSC-Aufnahmen von Mars Expreß ergaben für die einzelnen Einsturzkessel ein Alter von ~2.2 Ga, ~1.6 Ga, ~600 Ma und ~500 Ma (Neukum et.al. 2004). Aus diesen Aufnahmen ließ sich auch eine beeindruckende 3D-Ansicht errechnen, auf der man sich den bemerkenswerten Umstand, daß die Tiefe der Caldera fast der Höhe des Vulkans entspricht, plastisch vor Augen führen kann.


Die ~3 km tiefe Gipfelcaldera von Albor Tholus ist im Vergleich zu irdischen Vulkanen dahingehend ungewöhnlich, daß sich ihr Boden nur 1.5 km oberhalb der Vulkanbasis befindet. Quelle ESA, Neukum


Albor Tholus auf einer Aufnahme des Viking Orbiters. Quelle NASA

Apollinaris Patera südöstlich von Elysium Planitia
Zum Abschluß soll noch ein weiterer erloschener Vulkan außer­halb der Elysium-Aufwölbung erwähnt werden. Er befindet sich an der südöstlichen Grenze zu Terra Cimmeria nördlich des Gusev-Kraters, der nach den Untersuchungen des Marsrovers Spirit in der Frühgeschichte des Mars einmal mit flüssigem Wasser ausgefüllt war. Dieser Vulkan, Apollinaris Patera, ist ungefähr 5 km hoch und besitzt eine riesige Caldera von fast 80 km Durchmesser. Da er ziemlich genau an der Grenze der „Mars­dichotomie“ liegt, ist sein Basisdurchmesser nicht einfach zu bestimmen. Er liegt ungefähr zwischen 200 und knapp 300 km.


Das Alter von Apollinaris Patera wurde zu 3.7 Ga bestimmt, womit er zu den ältesten Marsvulkanen gehört. Quelle NASA



Nächstes Mal: Grabenbrüche - Valles Marineris

Hinweis:  Alle Postings finden Sie über die Randleiste des Blogs unter "Beliebte Reihen"

www.wincontact32.de    WINcontact 32 - Blog
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Interessante Blogs Blog-Webkatalog.de - das Blogverzeichnis