Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf
Mittwoch, 21. Juli 2021
Mäusebussard
Mittwochs-Akademie: Sonnenflecken
Dienstag, 13. Juli 2021
Wanderung auf den Aarhorst und durch die Prutschelschlucht
Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz
Gern erinnern wir uns an die Tour durch die Ritinaschlucht (Soutěska Rytina), die uns auch aussichtsreiche Momente bescherte. Diese Gegend gibt es einfach her. Eine noch viel imposantere Klamm durchfurcht die steilen Hanglagen des zur Elbe abfallenden Böhmischen Mittelgebirges unweit davon. Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der kleine Wanderparkplatz unterhalb des Aarhorst (Varhošť) am Sattel zwischen Kundratitz (Kundratice) und Tschersing (Čeřeniště). Der Aarhorst ist unser erstes Ziel. Ich liebe es, wenn es aus dem Auto heraus sofort in einen Steilaufstieg hinein geht und wenn einem gleich beim Start die Puste ausgeht. Allerdings wird man von der Aussicht vom Turm auf dem Berg wahrlich grandios entschädigt, besonders natürlich bei der heute gegebenen Fernsicht. An 8 verschiedenen Stellen, wird dem Touristen in der Literatur (Wikipedia) versprochen, bekäme er hier die Elbe zu Gesicht, deren gekrümmter Lauf an verschiedensten Stellen hinter den Bergen des Mittelgebirges hervortritt. Na gut, wir haben nur sieben gezählt, aber darauf kommt es in der Gesamtschau nicht an und außerdem wissen wir, dass ohnehin nicht alles stimmt, was in Wikipedia erzählt wird.
Wir steigen nun ab nach Birnai (Brna). Steil geht es an den Hängen des Fauleberg (Lenoch) zu Tal. Seitlich führt ein schmaler Pfad zu den Aussichtspunkten der Mache (Macha). Die große Mache ist der südwestliche Felsvorsprung...
„... eines steil zur Elbe abfallenden Hochplateaus. Frei wie auf einem Balkone steht man über dem, eine weite sichtbare Strecke des Elbestromes und genießt eine entzückende Aussicht. … Nach etwa 100 Schr. weiter kann man links einen Abstecher auf die kl. Mache, den nö. Vorsprungs desselben Plateaus, machen. Von hier übersieht man insbes. die wildromantischen Schluchten des Kollebner Thales.“ (Franz Hantschel)
In steilen Serpentinen geht es nun hinab nach Kolleben (Kolibov), von hier weiter (in nicht erwartetem Auf und Ab) nach Birnai. Nach kurzer Stärkung an der (geschlossenen) Kneipe „U Kapličky“ steigen wir nun in die steile, malerische Prutschelschlucht ein. Die beste Beschreibung dieser Klamm liefert die Sächsischen Zeitung, Ausgabe vom 20.05.2014
„Auf 629 Meter Höhe, dem Gipfelpunkt der Tour, folgen wir nun drei Kilometer der grünen Markierung hinunter durch Nemci und die Prucelska rokle (Prutschelschlucht) nach Brna (Birnai) an die Elbe. Nach dem Ortsende geht es relativ steil auf schmalem Pfad abwärts in die Schlucht – empfehlenswert bei trockenem Wetter und in der laubfreien Zeit, wegen der Sicht ins landschaftlich schöne Tal. Es geht nun immer an der Berglehne des südlich liegenden Skrivanci vrch (Lerchenberg) mit der sogenannten Certova jizba (Teufelsstube) entlang hinab. Der Prutschelbach hat seine Talschlucht bis zu 150 Meter tief aus dem rechten Elbtalhang herausgewaschen. Vom Weg aus ist sein Verlauf im oberen Teil der Schlucht teilweise überhaupt nicht auszumachen – nur sein Rauschen aus der Tiefe ist zu vernehmen. Wild wie der Bergbach ist auch die Schlucht. Am nördlichen Hang bauen sich gewaltige Steinwände, Waldhänge und Felsen mit dem Namen Trpaslici kameny (Zwergensteine) auf, welche hier am Elbtalhang auf alten Karten auch als „Quarklöcher“ bezeichnet werden wegen ihrer eigenartigen Struktur. Manche Steine zeigen sich auch als zackige Gebilde, die man die „drei Jungfrauen“ nannte. Weiter unten, wo der Weg seine Steilheit verliert, begleiten die Ausläufer der Kleinen Wostrei das schluchtenartige Tal. Wie eigentlich Bach und Schlucht zu dem Namen Prutschel gekommen sind, lässt sich nicht nachweisen - aber bekannt sind beide, weil sie in ihrer Gesamtheit eine eigenartige Naturschönheit bilden, die von aufmerksamen Wanderfreunden besonders bewundert werden sollte. Dem Naturliebhaber erschließt sich dabei das Geheimnis, dass das Tal mit seiner schluchtenartigen Form in sich birgt: mit den seltsam geformten Steingebilden, mit den Höhlungen und Löchern in den Felswänden, mit den rauschenden Wasserstürzen, mit dem dichten Strauch- und Buschwerk, welches sich ungehindert von Menschenhand hier entwickeln kann. Das Prutscheltal gilt unter Kennern als Geheimtipp.“
Auch wir hätten uns bei der Hitze heute gewünscht, die Prutschelschlucht von Nemschen (Nemci), also von oben nach unten zu durchwandern. Von den beschriebenen Felsformationen haben wir kaum etwas gesehen, teils, weil sie sich jetzt im Sommer hinter dem Laub der Bäume verbergen, teils, weil jeder genug mit sich selbst beschäftigt war, um die Steilanstiege bei der Hitze zu bewältigen. Von Nemschen aus wandern wir nach Tschersing und auf das Hochplateau zwischen Babina I und Welbine (Lbin), von wo sich noch einige schöne Ausblicke auf die Kegelberge bei Leitmeritz bieten. Von hier ist es nicht mehr weit bis zu zu unserem Parkplatz.
Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.
Der Aussichtsturm auf dem Tannwalder Spitzberg
Ein Gastbeitrag von Rainer Gründel, Zittau-Olbersdorf
Das Isergebirge ist reich an Aussichtstürmen. Das gilt insbesondere um den Ort Albrechtsdorf im Isergebirge (Albrechtice v Jizerskych horach), wo es gleich drei Aussichtspunkte unterschiedlichster Bauweisen gibt.
Der älteste dieser Türme befindet sich auf dem Tannwalder Spitzberg (Tanvaldsky Spicak, 810 Meter).Auf dem üblichen Weg über Reichenberg (Liberec) und Gablonz (Jablonec nad Nisou) verlässt man die Fernstraße Nr. 14 in Morchenstern (Smrzovka). Durch den Viadukt fährt man gefühlt immer geradeaus bis zum Parkplatz Horni Tanvald. Der Aufstieg zum Gipfel ist von hier 2 Kilometer lang und dauert eine knappe Stunde.
Natürlich geht es noch viel einfacher:Von Georgenthal (Jiretin pod Bukovou) kann man auch im Sommer mit dem Sessellift nach oben gelangen.
Von dieser Pension gegenüber vom Parkplatz führt der blau markierte Wanderweg über den südlichen Sattel bis zur asphaltierten Zufahrtsstraße. Auf dieser (grüne Markierung) gelangt man dann zum Gipfel.
Kurz vor dem Ziel
Schon immer war der Spitzberg ein beliebtes Ziel.
1908 wurde der Bau eines Aussichtsturmes beschlossen. Trotz vieler Schwierigkeiten konnte der 18 Meter hohe freistehende steinerne Turm bereits 1 Jahr später eröffnet werden. Die Baukosten betrugen damals 9000 Kronen. 1910 wurde ein Restaurant angebaut.Die Gebäude wurden in den Jahren 1929/1930 bedeutend erweitert. Die äußere Gestalt der Baude ist bis heute so erhalten geblieben.
Daran erinnert diese Granitplatte neben dem Eingang
Nebenan ist die Höhe eingemeißelt:
809 m ü. MTafel im Eingangsbereich
Im Selbstbedienungsrestaurant erhält man diese attraktive Eintrittskarte mit Panorama.
Der Eingang zum Turm befindet sich in der ersten Etage.
Die Treppe im Turm hat 69 Stufen.
Die Aussichtsplattform ist 14 Meter hoch.
Leider ist der Turm mit einer Vielzahl Antennen regelrecht zugemüllt.
Blick nach Westen mit dem Jeschken (Jested, 1012 Meter) im Hintergrund
Der Sessellift von und nach Georgenthal (Jiretin pod Bukovou)
Dahinter Josefsthal (Josefov Dul) im Nordwesten
Am Horizont dominieren Schwarzer Berg (Cerna hora, 1085 Meter) und Siechhübel (Jizera, 1122 Meter)
Im Winter die schwarze Piste nach Albrechtsdorf (Albrechtice)
Die obere Liftstation
Links der neueste Turm auf dem Lichtenberg (Svetly vrch, 729 Meter)Rechts hinten der Kamm vom Riesengebirge
Die neu asphaltierte Zufahrtstraße zum Gipfel
Ganz hinten die Kesselkoppe (Kotel, 1435 Meter), rechts davor der Buchenstein (Hvezda, 959 Meter)Der Schwarzbrunnkamm (Cernostudnicni hrbet), dahinter der Gipfel vom Kosakov (Kozakov, 744 Meter)
Das Panorama von der Schwarzbrunnkoppe (Cerna Studnice, 869 Meter) bis zum Jeschken (Jested, 1012 Meter)
Jetzt größer:
Vom Jaberlich (Javornik, 684 Meter) über Raschener Kamm (Rasovsky hrbet) und Lubokeier Kamm (Hlubocky hrbet) bis zum Jeschken (Jested, 1012 Meter)Der Jeschken (Jested, 1012 Meter) mit dem 88 Meter hohen Turm, genau darunter der Aussichtsturm auf dem Proschwitzer Kamm (Prosecsky hreben)
Der flache Bergrücken in der Mitte ist der Bramberg (Bramberk, 797 Meter)
Der Aussichtsturm auf dem Bramberg (Bramberk, 797 Meter)
Über Josefsthal (Josefov Dul) liegt der große Stausee.
Der Damm vom Stausee
Die Kirche von Josefsthal (Josefov Dul)
In der Mitte: Siechhübel (Jizera, 1122 Meter)
Am Gegenhang von Albrechtsdorf (Albrechtice): Der Lichtenberg (Svetly vrch, 729 Meter)
Hier wurde zum Jahresbeginn 2021 dieser Turm eröffnet.
Die Baude auf dem Reifträger (Szrenica, 1361 Meter)
Veilchenstein (Violik, 1472 Meter), Schneegrubenbaude (Schronisko nad Snieznymi Kotlami, 1489 Meter) und Hohes Rad (Vysoke Kolo, 1509 Meter)
Vorn der Teufelsberg (Certova hora, 1021 Meter) mit Skipiste und Anlaufturm der SkiflugschanzeDer Aussichtsturm auf der Stephanshöhe (Stepanka, 959 Meter)
Aussichtsturm und Sendemasten auf der Schwarzbrunnkoppe (Cerna Studnice, 869 Meter)
Im Dunst gerade noch erkennbar: Der Doppelgipfel der Bösige (Bezdez, 604 bzw. 577 Meter)
Der Viadukt in Morchenstern (Smrzovka)
Der Aussichtsfelsen Fanterstein (Faterova skala) auf dem Spitzberg
Abstieg
Auf dem Spitzberg gibt es zahlreiche Felsen, die man früher begehbar gemacht hat.
Den Fanterstein (Faterova skala) erklimmt man über eine Leiter.
Blick vom Fanterstein (Faterova skala) bis zum Schwarzen Berg (Cerna hora, 1085 Meter) und Siechhübel (Jizera, 1122 Meter)
Der Sessellift aus Georgenthal (Jiretin pod Bukovou) bringt im Sommer neben Wanderern vor allem Biker mit nach oben.
Denn was im Winter die Skipisten sind, das ist im Sommer der Bikepark mit Singletrails aller Schwierigkeitsgrade.Denkmal auf dem Spitzberg mit der übersetzten Inschrift:
Hier fanden die 1.Mai-Demonstration am 1.5.1890 und das tschechisch-deutsche Volkslager für das allgemeine Wahlrecht am 18.6.1893 statt.Die Touristische Visitenkarte vom Tannwalder Spitzberg:
Gipfel, Seilbahnstation und Baude mit Aussichtsturm, 18 Meter hoch, eröffnet am 4.8.1909Die Touristische Visitenkarte vom Tannwalder Spitzberg mit einer Luftbildaufnahme
Ein Ausflug zum Tannwalder Spitzberg ist zu jeder Jahreszeit eine Empfehlung:
Mehrere Wanderwege, Sessellift, Skipisten und Bikepark, einfache gastronomische Versorgung und ein Rundumblick vom Aussichtsturm.Der Vorteil der beschriebenen Wanderung zurück zum Parkplatz Horni Tanvald: Man kann von hier aus leicht zur neuen Aussichtsplattform auf dem Kleinen Spitzberg (Maly Spicak, 678 Meter) gelangen. Wenn man sich Mühe gibt erkennt man sie beim Abstieg zwischen den Bäumen.
Anhang
Der (korrigierte und leicht verkürzte) deutsche Text auf einer Infotafel über den Spitzberg:
Der Tannwalder Spitzberg lädt sowohl im Winter als auch im Sommer ein
Der
Tannwalder Spitzberg (810 m) ist das größte Skizentrum im Isergebirge.
Er ist ein beliebtes Ausflugsziel während des ganzen Jahres. Die
hiesigen Abfahrtspisten aller Schwierigkeitsgrade sind für alle
Skifahrer geeignet. Sie bilden den Nordteil von Tannwald. Am Hang des
Kleinen Spitzbergs und des Großen Spitzbergs entspringen vier Bäche, von
denen drei in den Fluss Kamnitz und einer in den Fluss Desse münden.
Nähere Informationen finden Sie unter http://www.skijizerky.cz.
Der Spitzberg früher
Seit 1886 gab es auf dem Gipfel eine Gaststätte Nr. 279, die im Oktober 1905 ausbrannte. Am 4. August 1889 wurde ein Felsenaussichtspunkt während eines Volksfestes auf dem Spitzberg zugänglich gemacht. Auf dem Spitzberg fand eine ungenehmigte historische 1. Mai-Feier der Tannwalder Region statt, und zwar im Jahre 1890 unter einer großen Teilnahme von deutschen und tschechischen Arbeitern. Am 18. Juni 1893 wurde der Gipfel zum Zeugen von der Volksversammlung für das allgemeine Wahlrecht und für die Arbeitszeitkürzung. Der Aussichtsturm Spitzberg selbst wurde am 4. Juli 1909 eröffnet und trug den Namen Jubiläumsaussichtsturm des Kaisers Franz Joseph I. zu Ehren der sechzigjährigen Herrschaft des Monarchen. Den Ausschau mit der Aussicht auf alle Himmelsrichtungen, den Robert Hemmrich entwarf, ließ der Deutsche Gebirgsverein für das Jeschken- und lsergebirge bauen. Schon ein Jahr später wurde auch der Bau der Berghütte mit einem Restaurant und Gästezimmern beendet. Das heutige Aussehen gewann die Hütte im Jahre 1930.
Der Spitzberg heute
Der
Tannwalder Spitzberg wird als ein Wintersportort für das Abfahrtsrennen
ausgenutzt. Im Jahre 2003 wurde die Vierersesselbahn bis auf dem
Spitzberggipfel in Betrieb gesetzt. Die Bahnlänge beträgt 1170 m, die
Überhöhung 270 m, die Transportkapazität ist 2400 Personen pro Stunde
und als die erste solche Anlage bei uns hat sie den Antrieb unter der
Erde. Die Sesselbahn ist sowohl im Winter als auch im Sommer in Betrieb
mit der Möglichkeit die Fahrräder zu transportieren. Der naheliegende
Parkplatz hat eine Kapazität von 500 Autos.
Mit den neuartigen 1. Mai-Wanderungen auf den Spitzberg mit ökologischer
Orientierung wurde im Jahre 2000 begonnen. Auf dem Gipfel des
Tannwalder Spitzbergs gibt es seit dem 7. Dezember 1997 eine Webcam, die
die Winterungsbedingungen in der Umgebung aufnimmt. Die aktuellen
Informationen können die Fernsehzuschauer in der Fernsehsendung Panorama
in CT 2 sehen. Auf dem Gipfel des Spitzbergs gibt es auch ein Denkmal
für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001.






