Freitag, 4. Mai 2012

Eine Etappe am Jakobsweg 2011 in Spanien ...

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau


Nachdem ich 2006 den derzeit am häufigsten begangenen klassischen Jakobsweg, den „Camino Francés“ (einschl. Navarrischer Weg) von „St.-Jean-Pied-de-Port“ nach „Santiago de Compostela“ quer durch Nordspanien als „Fußwanderer“, mit 804 Km, mit großer Zufriedenheit bewältigt hatte, war es 2011 die „Via de la Plata“ (auch Römerstraße oder Silberstraße genannt) die mich fünf herrliche Wanderwochen in einer angenehmen Herausforderung faszinierte.

Die Via de la Plata in Verbindung mit Teilen des „Mozarabischen Weges“ (Granja de Moreruela über Ourense bis Santiago de Compostela) ist ein Straßen-Wegenetz zwischen Süd- und Nordspanien von ca. 1000 Kilometern Länge und begann für mich am 29.April 2011 in Sevilla und endete am 06.Juni 2011 in Santiago de Compostela (39 Tage reine Gehzeit, d.h. etwas über 5 Wochen).

Die von den Römern im 2. Jh. v.Chr. ausgebaute Via de la Plata hatte in erster Linie militärische Bedeutung.

Nach der Überlieferung wurde dieser Weg ab dem 8 Jhd. zu einem der vielen Jakobswege und durchquert die Regionen Andalusien, Extrematura, Kastilien und Leon, sowie Galicien.

Die Faszination dieser Weitwanderung war für mich, neben der Bewältigung der physischen Belastung und den Einschränkungen des gewohnten Komforts, das Erleben einer beeindruckenden Natur in herrlichen Landschaften, sowie die Besichtigung von bedeutenden kulturhistorischen Bauwerken. Aber auch die Begegnung mit anderen Mitstreitern, die das gleiche Ziel hatten wie ich, war etwas ganz Besonderes.

Es gäbe Vieles darüber zu berichten warum man solch einen entbehrungsreichen und strapaziösen Weg überhaupt antritt, gleiches gilt für die geschichtlichen Zusammenhänge der Via de la Plata, dies soll aber hier nicht das Thema sein.

Da ich diesen Weg im Frühling und ohne Blessuren erlebte, war diese Unternehmung für mich eher ein Genus der Sinne.

Viele sehr interessante, saubere und eindrucksvolle Städte zwischen Sevilla und Santiago de Compostela liegen an der Via de la Plata.

Allein Sevilla ist eine Reise wert! Inzwischen haben viele Spanieninteressierte, nicht zuletzt durch Hape Kerkelink, von Santiago de Compostela schon gehört oder sogar kennen gelernt. Auch von der imposanten Stadt Salamanca wird der eine oder andere schon gehört haben.

Bei Mérida wird es vielleicht schon etwas schwieriger. Aus diesem Grund möchte ich zu dieser Etappe und diesem beeindruckendem Ziel, dass ich am 08. Mai 2011 erreicht habe, etwas erzählen.

Die Einteilung der Etappen habe ich so gewählt, dass es nach Mérida eine besonders kurze Strecke wurde um diese schnellst möglich zu bewältigen (nur ca. 16 Km), vor allen Dingen um mehr Zeit für entspannte Besichtigungen in dieser geschichtsträchtigen Stadt zu haben.

Die mediterrane Stadt Mérida bezeichnet man durch ihre römischen Hinterlassenschaften auch als „Spanisches Rom“. Diese Stadt ist heute die Hauptstadt der Region Extrematura.

Besonders hervorzuheben sind folgende Baudenkmäler aus der Römerzeit:

  • “Puente Romano“ (Die längste Brücke der Welt aus der Römerzeit)
  • „El Teatro Romano“ (Bot im 2. Jhd. 6000 Zuschauern Platz, wird auch heute noch genutzt)
  • “Anfiteatro Romano” (Im Amphitheater fanden blutige Tier- und Gladiatorenkämpfe statt)
  • „Tempelo Romano de Diana“ (Diana war in der röm. Mythologie die Göttin der Jagd)
  • „Aquädukt von Los Milagros“ (Spektakuläres Bauwerk das zur Wasserversorgung diente)

Die Puente romano ist von den noch erhaltenen Bauwerken aus der Antike die längste Brücke der Welt. Sie überquert in Mérida den Fluß Guadina und hat eine Gesamtlänge von 783 Metern mit etwa 70 Bögen und ist nur noch für Fußgänger freigegeben.

Auch eine maurische Festungsanlage (Alcazaba) ist hervorzuheben. Diese Anlage befindet sich am Brückenkopf der Römerbrücke und wurde um 835 von Abd ar-Rahman II. erbaut (damaliger Herrscher des Kalifat und Emirat von Córdoba in der Extrematura).

Ihre Mauern sind aus Granitgesteinen römischer und westgotischer Ruinen entstanden. Diese Festung wurde im Ergebnis der Reconquista an den Jakobsorden übergeben.

Mérida war ein strategisch wichtiges Zentrum der Reconquista. Der Orden des Heiligen Santiago kontrollierte Mérida und errichtete den Klosterkomplex „Conventual Santiaguista“, dem der Alcazaba angeschlossen wurde.

Künftigen Besuchern dieser Stadt kann ich nur einen längeren Aufenthalt empfehlen, was mir leider nicht vergönnt war, da ich mich an diesem Ort noch im ersten Drittel meiner Wanderung, mit ungewissem Ausgang, befand.

Zitat über Mérida aus Wikipedia: …“Im Römischen Reich war die Stadt unter dem Namen Emerita Augusta Hauptstadt der Provinz Lusitania. Sie wurde im Jahr 25 v. Chr. von Kaiser Augustus als Kolonie für Veteranen Römischer Legionen gegründet. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche repräsentative Gebäude errichtet: Theater, Amphitheater, Circus, Tempel, Brücken und Aquädukte. Über Jahrhunderte, bis zum Untergang des Römischen Reiches, war Mérida ein wichtiges wirtschaftliches, militärisches und kulturelles Zentrum.“…

Zur Orientierung über die Lage von Mérida hier eine Landkarte und ein Schema:



Quelle der Karte: Mit freundlicher Genehmigung von Anne Landmesser


Neben bedeutenden sakralen Bauwerken z.B. die „Basílica de Santa Eulalia“ gibt es eine Reihe von wichtigen Museen, u.a. das „Museo Nacional de Art Romano“, dass das umfangreichste für römische Kunst des Landes ist.

Nicht nur für den technisch interessierten Besucher ist die antike Wasserversorgung der Stadt Mérida, in Form des Bauwunders dem „Aquädukt von Los Milagros“, ein weiterer Besichtigungshöhepunkt. Das hier kurz vorgestellte Bauwerk ist eines von drei Aquädukten, die diese Stadt einst mit Wasser versorgte. Von diesem spektakulären Bauwerk stehen immerhin noch 38 gewölbte Pfeiler auf einer Länge von ca. 830 Metern.

Das Aquädukt passt sich den Geländeformen an und erreicht dabei eine Höhe von bis zu 25 Metern (wird in heutiger Zeit von Störchen bewohnt).

Das Wasser wurde aus einem ca. 5 Kilometer entfernten Stausee, dem „Lago de Proserpina“, der eigens dafür angelegt wurde, herangeführt (heute mit Camping- und Bademöglichkeiten).

Mérida wurde von der UNESCO 1993 zum Weltkulturerbe ernannt.

Auch in Mérida hat mich wieder die angenehme Lebensart der Iberer beeindruckt. Neben dem Stolz und der Liebe für ihr Land sowie ihre Kultur, ist es aber auch die Gelassenheit und die Unterhaltung in Bars, Kneipen und Straßencafés, bereit am frühen Morgen, was auffällt. Die gesunde und abwechslungsreiche mediterrane Küche zu genießen ist ein weiteres hervorzuhebendes kulturelles Merkmal. Auch die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden ist eine Bereicherung für eine Reise in diese Halbinsel. 

Vom reichhaltigen historischen Kulturerbe der Römer, sowie einigen Impressionen dieser Etappe, sollen hier nun einige Bilder erzählen, die spontan und situationsabhängig entstanden sind. 
´

Der Sonnenaufgang - ein erster Glücksmoment auf dem Camino in Spanien 


Immer wieder trifft man auf den nicht heimischen Eukalyptus 


Bei einer Trinkpause treffe ich den Mitwanderer Charles aus Frankreich 


Typisches Landschaftsbild zwischen Torremegia und Mérida (16,3 Km)


Zwischen Weinfeldern u. Olivenhainen führt „mein“ Weg auf rotbrauner Erde


Wegmarkierungen des Jakobsweges (Symbol für den Cáparra-Triumpfbogen)


Die Silber-Mauermiere (Paronychia argentea) als häufiger Begleiter am Weg


Zum ersten Mal gerät das Tagesziel Mérida ins Blickfeld


Die antike Römerbrücke „Puente romano“ (1 Jhd.) quert den Fluß Guadiana



Geschafft, der ehemalige Alterssitz für abertausende röm. Legionäre ist erreicht


Die kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus


Herberge überfüllt, also ist das „Hostal Senero“ mein Ziel (rotes Gebäude)



Die Stadterkundung beginnt unter schattenspendenden Palmen


Vorbei geht’s am Parador (die Hotels für gehobene Ansprüche, mind. 4 *)


Saubere und sehr gepflegte Straßenzüge ist typisch für Spaniens Städte


Immer wieder stößt man auf Plätze mit Springbrunnen und antiken Skulpturen


Detailreiche Säulen mit schönen Kapitell, wie hier des römischen Forums


„Roman Provincial Forum“ (ein interaktives Satellitenbild sieht man hier)


„Diana-Tempel“ mit 23 zehn Meter hohen Säulen mit korinthischen Kapitellen


Immer wieder Parkanlagen, die das Stadtbild wunderbar auflockern


Am „Plaza de Roma“ vor den Mauern der Festungsanlage (Alcazaba)


An der „Puente romano“ ...


Eine rote Mittagsblume (Carpobrotus acinaciformis)



„Amphitheatere“










Fotos zu “El Teatro romano de Mérida”, Japanische Mispel (Eribotrya japonica)
 

Satelitenaufnahme mit „El Teatro romano“ und „Amphitheatere“


Statue Santa Eulalia, die Schutzheilige für Mérida


Bild 38 (4378) Statue von Octavio Augusto



Feigenkaktus (Opuntia ficus indica)


„Aquädukt von Los Milagros“


Granatapfelbaum (Punica granatum)


Ricinus (Ricinus communis)


„Aquädukt von Los Milagros“


Spritzgurke (Ecballium elaterium)


 „Aquädukt von Los Milagros“


Oleander (Nerium oleander)




„Aquädukt von Los Milagros“




Glücksbaum (Brachychiton populneus)


Letzte Eindrücke von Mérida beim morgendlichem Aufbruch (06.30 Uhr)


Vorbei am „Aquädukt von Los Milagros“ (06.40 Uhr)


In der Bildmitte kann man schon den Stausee „Lago de Proserpina“ erahnen


Vom „Lago de Proserpina“ wurde in der Antike Mérida mit Wasser versorgt


Letzter Blick zum „Lago de Proserpina“

www.wincontact32.de

Kommentare:

  1. Könnte man Lust bekommen, dort selbst mal lang zu wandern

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    1. Wenn die Entscheidung heranreift zu Gehen, kann ich mit meinen Erfahrungen helfen.
      Wenn es soweit ist einfach bei mir melden.

      M.f.G.
      W.S.

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  2. Wenn die Entscheidung heranreift zu gehen, kann ich mit meinen Erfahrungen helfen.
    Wenn es soweit ist einfach bei mir melden.

    M.f.G.
    W.S.

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  3. Hans-Joachim Brunk6. Mai 2012 um 16:46

    Schöne Bilder, Werner, und schöne Schilderung; mein Kompliment! Ich könnte
    gleich noch einmal mit Dir losziehen auf diesem Weg. Wir haben uns aber erst später getroffen, denn ich kam von der Via de Levante und stieß erst in Zamora auf die Via de la Plata. Gestartet war ich in Valencia. Die Via de la Plata von Sevilla aus bin ich schon zweimal gelaufen und nun von Zamoras aus das dritte Mal, was für die Attraktivität des Pilgerns auf den Caminos spricht, für mich jedenfalls. Insgesamt habe ich schon ca. 8000 km Jakobswege auf der Iberischen Halbinsel hinter mir - und ich könnte morgen gleich wieder loslaufen! Pilgererlebnisse auf den Jakobswegen prägen einen Menschen für das Leben.
    Ein Pilgergruß von
    Hans-Joachim.

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    1. Hallo Hans-Joachim,
      ich danke Dir für die netten Worte zu meinem Beitrag und den Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit auf den emotionsreichen Weg.
      Eine von unseren Erfahrungen ist, dass der Jakobsweg „süchtig“ macht, d.h. nach einer Wiederholung drängt.
      Wenn also die Camino-„Droge“ aufgezehrt ist, müssen wir der Sucht, in Form eines erneuten Weges, wieder Nahrung geben!
      Du kannst mir ja hierzu in einer separaten Mail einmal Deine Pläne verraten. L.G. Werner

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  4. Lieber Werner,
    ich weiß nicht mehr wie viele Jahre es her ist, daß wir beide den Beitrag im Fernsehen über den Jakobsweg gesehen haben. Nun warst du schon zwei mal dort und faszinierst mich immer wieder mit deinen schönen Aufnahmen und Berichten.
    Eines Tages werde ich mich aufraffen! Liebe Grüße!
    Henner

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    1. Lieber Henner! Von Zielen, die derzeit noch in ferner Zukunft liegen kann man ja schon einmal träumen. Vielleicht erfüllt sich ja der eine oder andere Traum, ich wünsche es Dir.
      In allernächster Zeit sollten wir den Termin für eine Tageswanderung festlegen. Wir werden die „Meßlatte“ so hoch ansetzen, dass Dir dieser Tag Vergnügen bereiten wird und Du gern eine Wiederholung möchtest, dann ist der erste Schritt für die Erfüllung dieses Traumes gemacht.
      Ich freue mich auf Deinen Anruf hierzu.
      L.G. Werner

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  5. Hallo Werner Schorisch!
    Nach einem Privatvortrag bei Ihnen zu Hause nun diese beeindruckende Reportage.
    Die gut fotografierten Reste von Römerbauten beeindrucken mich besonders. Was haben diese Römer alles an Können und Wissen besessen. Wundervoll. Und so geht es in der Geschichte - dieses Römervolk bringt auch einen Berlusconi hervor.
    Danke für die Reportage.
    Alfred Braun

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    1. Hallo Herr Braun, es freut mich, dass ich Ihnen mit meiner Dokumentation eine kleine Freude bereiten konnte.
      Gleichzeitig kann das hier gezeigte eine Anregung sein für eine weitergehende Unterhaltung.
      In diesem Sinne, bis bald.
      L.G. W. Schorisch

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  6. Lieber Werner. Wir waren ja auf der Römerstraße, aber was die alles gebaut haben, wusste ich nicht. Dass Du ein großer Pilger bist wusste ich ja, aber den ebenso großen Botaniker kannte ich noch nicht. Der Abend mit Dir in der Herberge und der Tag bei Euch in Zittau sind unvergesslich. Was wäre aus Zittau geworden, hätte es nicht die "Wende" gegeben. Dass mit der Camino-Sucht kann ich nur bestätigen. Ich habe in jeder Hosentasche einen Stein aus der Bucht von Fisterra, immer wenn ich den Stein spüre, bin ich irdendwo auf dem Camino unterwegs.....
    Liebe Camino-Grüße - Willi der Ravensberger

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    1. Lieber Willi, es tut gut Deine Zeilen zu lesen. Ich hoffe, dass mein Beitrag für den einen oder anderen Leser Anregung ist, sich für den Weg zu interessieren, vielleicht sogar zu gehen, und dabei auch die großartigen Naturerlebnisse bewundern zu können.
      Ganz sicher lohnt es sich vor einer kleinen Blume oder einem Käfer auch einmal auf die Knie zu gehen um sie zu fotografieren, oder einfach nur, um über die beeindruckenden Details zu staunen. Diese Wunder der Natur zu entdecken ist zugleich eine Lebensaufgabe, auch um sie zu bewahren.
      Ich bin in der glücklichen Lage Dir heute einen „Geheimtipp“ zu verraten. Ich möchte Dir den Blog >>Naturwunder<< von M.Scholz ans Herz legen, einfach um ab und zu ein wenig darin zu blättern.
      L.G. Werner

      P.S.:
      Was ist die Schönheit der Natur,
      ohne das fühlende Herz,
      das sie zu empfinden vermag?
      (Sophie Mereau)

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  7. Lieber Werner, ein toller Rückblick auf unseren gemeinsamen Weg.
    Er wird unvergesslich bleiben aber auch in Bezug auf Traurigkeit.
    Hatten wir hier, in Merida, ja zum letztenmal Kontakt mit unserem Pilgerfreund Sepp.

    LG
    Manfred u. Hilde

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