Sonntag, 3. Juni 2012

Eine Wanderung um den "Grünen Berg" bei Zwickau in Nordböhmen Teil 1

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau


Unser Ausflug einschließlich einer Wanderung beginnt mit einer kurzen Autofahrt von Zittau kommend über Lückendorf ins Böhmische, Richtung Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí).

Vor Erreichen dieser Stadt, stoßen wir auf die Fernverkehrsstraße 13 bzw. E442. Hier biegen wir nach rechts in Richtung Tetschen (Děčín) ab. Nun sind es nur noch ca. 8.5 km bis zu einem Motel bei Kleingrün (Drnovec), wo wir unser Auto abstellen können. Achtung, die Einfahrt ist leicht zu übersehen. Die Adresse fürs Navi etc.: 

Motel Dutý Kámen 
Drnovec 56 
CZ-47154 Cvikov 
tel.: +420 487 751 952


Wenn man den Betreiber der Anlage freundlich fragt, kann man sein Auto ganz sicher auch im eingefriedeten Gelände abstellen.

Im Übrigen findet man im Bereich des Motels auch ein gutes Restaurant, wo man sich nach der nun beschriebenen Wanderung ausgiebig stärken kann.




Quelle: www.dutykamen.cz (mit freundlicher Genehmigung)



Gleich zu Beginn unserer Tour wenden wir uns dem ersten Highlight der Wanderung zu, dem in östlicher Richtung liegenden ca. 500 m entfernten „Hohlstein“ (Dutý Kámen). Der Hohlstein ist ein ca. 600 m langes Felsriff aus Sandstein mit einer ungefähren Höhe von 30 m. Diese geologische Besonderheit - eine 3-4 m mächtigen Gesteinsader - ist  im Tertiär durch einen Eruptivvorgang entstanden.

Durch den Baumbestand ist dieser interessante Hügel von der Straße aus eher unauffällig und somit leicht zu übersehen.

Diese ersten 500 m dorthin kann man auf einem grün markierten Pfad, parallel zu der Fernverkehrsstraße, zurücklegen, ehe es dann den kurzen Höhenunterschied zu überwinden gilt. Hier kann man im Frühling einen größeren Maiglöckchenbestand bewundern. 

Auf dem Kamm des Holsteines gehen wir immer in südlicher Richtung und stoßen recht bald auf eine Steinbank, die aus einem Felsblock herausgearbeitet wurde. Dieser Platz mit der Steinbank nennt sich „Karolinenruh“ (Karolínin odpočinek). In der Rückenlehne dieser Bank kann man mit etwas Fantasie im Schriftzug immer noch Korolinenruh entziffern und darüber das Relief einer Krone erkennen.Was für ein Aufwand! War hat so etwas hergestellt und warum?

Vielleicht haben sich hier Steinmetze aus dem ehemaligen Steinbruch (im östlichen Bereich des Hohlsteines) verewigt und sich somit selbst ein Denkmal gesetzt. Oder war es eine Auftragsarbeit?


Unweit dieser Steinbank sieht man schon die geologische Besonderheit auf dem Hohlstein und zwar linker Hand den 2.5 m hohen „Orgelpfeifenstein“ (Vějíř), der seinen Namen von den kleinen vier- bis sechsseitigen Sandsteinsäulen erhielt (ein Analogon ist die "Kleine Orgel" in den Mühlsteinbrüchen in Jonsdorf im Zittauer Gebirge).



Während unser beschaulichen Wanderung auf dem Hohlstein hat man auch immer wieder die Gelegenheit einen Blick zwischen den Bäumen auf die Umgebung zu werfen, wie man es z.B. im nachfolgendem Bild sehen kann. 


Hier im Bild wird die schöne Sicht über Zwickau i.B. (Cvikov) mit der Elisabethkirche, zu einem der markantesten Berge des Lausitzer Gebirges dem Kleis (Klíč) fokussiert. 

Im weiteren Verlauf unserer Tour kommen wir auch an Kletterfelsen vorbei, wie z.B. der „Bürgsteiner Nadel“ (Sloupská Jehla) mit hohem Schwierigkeitsgrad für die Sportkletterer.


Nach kurzer Wegstrecke weitet sich plötzlich der Pfad zu einem größeren Platz mit steilen Felswänden. 

Hier kann man ein Felsrelief vom aus Dresden stammenden Dichter Theodor Körner (1791-1813) bestaunen, das anlässlich seines hundertsten Todestages von örtlichen Künstlern und Mitgliedern des Gebirgsvereines für das nördliche Böhmen geschaffen wurde. 

Theodor Körner trat 1813 als Adjutant des Majors von Lützow in das Lützowsche Freiwilligenkorps ein, um gegen Napoleon für die Befreiung Deutschlands zu kämpfen, und schrieb dabei Gedichte. Er wurde schon im ersten Kampf schwer verletzt. Nach seiner Genesung ging er zu seiner Einheit zurück und fiel im August 1813, kaum 22 Jahre alt! Seine Verse erschienen im Gedichtband „Leier und Schwert“. Diese beiden Symbole sind auch im Kranz um das Körner-Relief gut zu erkennen.



Von diesem Platz mit dem beeindruckenden Relief führen uns nun 38 in den Fels gehauene Stufen auf ein Aussichtsplateau dem „Breiten Stein“ (Široký kámen). 

Auf diesem Plateau kann man eine weitere Steinmetzarbeit bewundern. Es ist eine Sitzbank mit einem achtseitigen steinernen Tisch, an dem sich seitlich eine Sonnenuhr und auf der Tischplatte eine astronomisch-geographische Orientierungstafel befand. Heute sind davon leider nur noch Fragmente übrig geblieben. 

Am Sockel des Tisches kann man aber in einem ovalen Emblem gerade noch das Datum und die Initialen der Errichter erkennen.


=> G.-V. F. D. N. B. (Gebirgsverein für das nördliche Böhmen)
=> A. KUNNERSDORF (Abteilung Kunnersdorf)
=> FR. ŘEHÁK (Franz Řehák)
=> 19.7.1914 (19.07.1914)





Und hier nochmal ganz groß
und ganz groß mit Beschriftung (Achtung: eventuell lange Ladezeiten!)

Nachdem wir uns gestärkt haben und vom Breiten Stein abgestiegen sind geht es in südlicher Richtung weiter zum Abstieg vom Hohlstein. 

Wenn wir hier den Wald verlassen haben ist zunächst über einen Pfad ein Wiesenstück von ca. 100 m zu queren. Danach stoßen wir auf einen Feld- bzw. Wirtschaftsweg, den wir nach rechts folgen um nach ca. 500 m, vorbei an einem Friedhof, wieder am Motel, unserem Ausgangspunkt, den ersten Teil dieser Wanderung abzuschließen. 

Die weiterführende Wander-Beschreibung erscheint in einem 2. Teil.



Kommentare:

  1. Hans-Joachim Brunk5. Juni 2012 um 18:08

    Du bist ja ganz besonders fleißig - nicht nur im Wandern und Photographieren sondern auch im Posten von interessanten Streckenschilderungen. Weiter so!
    L.G.
    Hans-Joachim.

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    1. Ich danke Dir für die netten Worte. Wie angekündigt, gibt es in Bälde den 2.Teil zu der beschriebenen Wanderung.

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  2. Sehr schöne Wanderung. Allein der Hohlstein ist einen Ausflug wert. Weiter so! L.G. Volker

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    1. Wie Recht Du hast! Dieses Wandererlebnis hat schon so manchen Naturfreund überrascht. Volker, ich danke Dir für die netten Worte. L.G. Werner

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