Dienstag, 19. Februar 2013

Das ehemals schönste Schloß des böhmischen Niederlandes - Hainspach



Der Ort Hainspach (Lipova) ist einer der nördlichsten Orte von Böhmen. Er hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts einmal über 2000 Bewohner, heute sind es noch wenig über 600. Wann der Ort von deutschen Kolonisatoren genau gegründet wurde, ist unbekannt. Die erste Urkunde, die dieses damals in den Urwald gehauene Waldhufendorf erwähnt, stammt von 1310. Daraus entstand eine erste Herrschaft Hainspach unter den Herren von Üchtritz. Wahrscheinlich ab 1569 übernahm es Georg Freiherr von Schleinitz, nach dessen Familie bekanntlich das "Schleinitzer Ländchen" um Sankt Georgenthal am Tollenstein benannt ist. Sein Vater, Johann von Schleinitz, war u.a. Bischof von Meißen und ein erbitterter Gegner Martin Luthers. 

Nach dem Tod des Freiherrn gelangte die Herrschaft Hainspach an die Herren von Slawata, deren Stammbaum aber bereits 1603 erloschen ist. Die Nachfolger waren die Grafen von Salm, deren Wappentier sinnigerweise einen Fisch darstellt. Was das Schloß betrifft, über das ich jetzt etwas ausführlicher berichten möchte, ist der Name Graf Leopold Anton zu Salm und Reifferscheidt (1699-1769) von Bedeutung. Er liegt in der Wölmsdorfer Wallfahrtskirche begraben. Sein Vater Franz Wilhelm erlangte durch Heirat mit Maria-Agnes von Slawata-Chlum und Koschumberg die Herrschaft Hainspach. Er selbst leistete seinen Militärdienst in einem Baden-Württembergischen Dragonerregiment, wo er bis zum Hauptmann aufstieg. Seine Kriegserlebnisse - er nahm im Alter von 18 Jahren an der Schlacht um Belgrad teil, wo er verwundet wurde und kurze Zeit später auch noch eine Pestinfektion überstand - machten ihn zu einem tief religiösen Menschen. 

In den Jahren 1737 bis 1741 ließ Graf Leopold am Rande eines 10 ha großen Teiches (sogenannter „Slawata-Teich“ - eine Strafarbeit der hiesigen Bevölkerung aufgrund des Bauernaufstands von 1680, der grausam niedergeschlagen wurde) ein dreiflügeliges Schloß erbauen, über dessen obere Schloßuhr damals der Spruch

CUM TURCIS PUGNANS IN TUTO STRUXERAT AEDES

prangte. Heute ist dieser (in Deutschland würde man sagen "politisch unkorrekte") Spruch verschwunden und auf der noch vorhandenen unteren Uhr ist kaum mehr das Ziffernblatt zu entziffern...

Die Pläne für das Schloß, welches lange Zeit als das schönste Schloß des böhmischen Niederlandes galt,  stammten von dem italienischen Maler Giraloma Costa (1671-1741), der in Böhmen auch als gefragter Baumeister tätig war. Eine Besonderheit des Schlosses ist, (und von dem es sich von ähnlichen Schlössern in Böhmen unterscheidet) der Umstand, daß es baulich nie verändert wurde - es ist lediglich nach den 70ziger Jahren des 20. Jahrhunderts eingefallen, nachdem die Nachnutzung als Kaserne der tschechischen Armee aufgegeben wurde... Heute überlegt man sich, ob es sich lohnt, dieses Objekt wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Aber wenn man das Gebäude so betrachtet, kann man fast sicher sein, daß dieses noble Vorhaben am Geld scheitern wird. Auch die Erben der letzten Besitzer, die Familie Ruziska, denen das Schloß bereits unter den Nazis konfisziert wurde, zeigen wenig Interesse an der stattlichen Immobilie. Also wird das Schloß weiterhin das machen, was es schon seit 45 Jahren macht, nämlich einfallen… 



Das Schloß hatte übrigens 12 Schornsteine, 52 Zimmer, 365 Fenster- und Türöffnungen sowie 7 Treppen.


Auf dem Weg zum Barockschloß


Der romantische Schloßteich...



Über dem Eingangsportal das Familienwappen, welches, eingerahmt von zwei böhmischen Löwen, das Familienwappen derer von Salm (die beiden Fische auf den Schilden sind leider verwittert) zeigt. Rechts und links wird an die Kriegserlebnisse des jungen Graf Leopold erinnert...






Die Uhr ist leider stehengeblieben...


Blick auf den Slawata-Teich...


Hinter dem Schloß befindet sich diese hundertjährige Lindenallee...



Kommentare:

  1. Eine recht fure Darstellung dieses Kleinods böhmischer Schloßarchitektur. Eines der schönsten und geschmackvollsten Beispiele, die ich je sah.EU, rette es!!! Es ist paradox, der Barockpark ist fein saniert mitvEU Bürgermitteln aber dss Schloß verfällt weiter!!!

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  2. Da ich in Sohland wohne und seit her einen guten Bezug zum grenznahen tschechischen Raum habe und auch beruflich geringe Aktivitäten bisher da umsetzen konnte, meine leider verstorbene Exschwiegermutter aus dem Raum Schluckenau stammte, ist mir der baulich - geschichtliche Bereich dieser Region sehr interessant geworden.
    Speziell auch das stetig sich verschlimmernde Einsturzgeschehen am und im Schlossareal zu Hainspach.
    Ich hatte bereits vor ca. 10 Jahren die Möglichkeit, es einmal innen begehen zu dürfen und verfolgte somit den steigenen und zunehmenden Verfall in den darauffolgenden Jahren, bis heute .
    Bis sich nunmehr etwas tat und man begann die umliegenden Bereiche zu entforsten, zu entrümpeln, zu bereinigen und neu zu gestalten.
    Nachfragen meinerseits, zum Stand der Aktivitäten der eigentlichen Schloßsanierung, blieben aber bis auf wenige namentlich zuständige Personen, im vagen.
    Doch ein ungeplanter Zwischenstopp am gestrigen Samstag, den 11. 11. 2017, versetzte mich in Erstaunen und brachte sehr überraschendes ans Tageslicht.
    Es gab Bauaktivitäten, starke Bauschuttberäumungen aus dem Innenbereich und bereits erkennbare erste Sicherungs- und Sanierungsarbeiten für einen neuen Wiederaufbau.
    Ich bekam sogar die Möglichkeit, mit dem Eigentümer und Bauherren zu sprechen und die Option, es erneut komplex begehen zu dürfen.
    Ich war überrascht, von den enormen Arbeitsbewegungen, die bereits getan wurden und wie aktiv die Entkernung in den doch noch immer sehr gefährlich anmutenden Objekt von statten gingen.
    Eine Offerte zu deutschen kompetenten Handwerkern übergab ich dem Bauherren persönlich, da ich merkte, dass mit kulturhistorischem Feingefühl, zu den eh nur noch geringen erhaltenswerten Details der Bausubstanz, sehr grobschlächtig umgegangen wird.
    Fotos und Detailaufnahmen konnte ich genug machen.

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