Montag, 24. Juni 2013

Auf dem Kegelweg vom Jeschken zum Milleschauer - 1. Etappe

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Hörnitz und Holger Totz, Herrnhut

VOM JESCHKEN NACH NEULAND



Die Tour startet auf dem Jeschken. Wir erlauben uns den Luxus, mit der Seilbahn zum Gipfel zu fahren. Jedem, der es nicht für opportun hält, auf einer Wandertour derartige Hilfsmittel einzusetzen, sei der Hinweis gegeben, daß der erste Abschnitt der Tour gleich die Königsetappe mit einer Tagesstrecke von 30 km ist. Vom Plateau des Jeschken bekommt man einen guten Eindruck von der zurückzulegenden Gesamtstrecke. Vom Jeschken kann man bei gutem Wetter den Donnersberg sehen. Der Jeschken gilt überhaupt als der beste Aussichtsberg in der weiteren Umgebung und genießt diesbezüglich sogar den Vorrang vor der Schneekoppe. '… wenn vor der übermäßigen Höhe von dieser letzteren die in der Tiefe liegenden Gegenstände fast verschwinden und undeutlich werden, so genießt man selbige auf dem Jeschkenberge mit größerer Reinheit und in der herrlichsten Übersicht' wird Dr. Hofer von A. Paudler zitiert und weiter 'Überall, wohin der Blick des Bergbesuchers sich richtet, gewahrt man Berge und Hügel und Gipfel und Kuppen und allerlei Berglehnen und mancherlei Felsgestaltungen: bis auf die letzteren alles besäet mit Feld und Wald und Auen und Menschengebäu. Und zwischendurch leuchtet wohl auch ein blinkender Teich, in dem die Sonne des Tages sich spiegelt und des Nachts der Mond sich selber entgegenlacht.'

Die ersten Kilometer gehen ausschließlich abwärst bis nach Johannestal (Janův Důl) und kurz bevor Oschitz (Osečna) erreicht ist, begegnen wir das erste Mal den Polzen, (Ploučnice), deren Lauf uns nun bis hinter Böhmisch Leipa (Česká Lípa) begleiten wird. Wir wagen den lohnenden Abstecher bis zur Quelle, denn das Quellgebiet zählt zu den ergiebigsten in ganz Europa. Auch in Trockenzeiten versiegt die Quelle nicht und man kann das Wasser in dem kleinen Teich, der sich darüber ausbreitet, wallen sehen. Die Polzen mündet in Tetschen (Decin) in die Elbe.

Hinter Bad Kunnersdorf tauchen wir das erste Mal in die Welt der Kegelberge ein, im Gegensatz zu den gewaltigen Vulkanbergen des Böhmischen Mittelgebirges als kleine runde Kuppen ausgebildet, die sich inmitten einer unbesiedelten Wald-Felslandschaft ausbreiten. Wir passieren zunächst den Krassaberg und den Dewiner Teich (Devinsky rybnik) um kurz darauf den Dewin zu erreichen und der Burgruine einen Besuch abzustatten, die über dem Hammer See (Hammerské jezero) thront. Die Aussicht ist beschränkt, aber die Ansicht der Reste der mächtigen Burganlage ist beeindruckend. Korschelt nannte die Burg eine der schönsten in ganz Böhmen, seit dem 30-jährigen Krieg steht sie jedoch als Ruine. Vom südlichen Ende der Anlage drängt sich der nächste Kegel, der Spitzberg regelrecht auf und ist zum Greifen nahe. Hingewiesen werden soll noch auf das in der Nähe liegende Felstheater (Divadlo) und die schöne Felsenburg Struhanken (Stohanek).

Der Kegelweg teilt sich in Hammer (Hamr). Eine Strecke führt über Wartenberg (Stráž pod Ralskem) nach Neuland am Rollberge (Noviny pod Ralskem), die andere vorbei an den Hirschbergen (Maly und Velký Jelení vrch) direkt nach Niemes (Mimon). Wir folgen zunächst dieser Variante, lassen die Hirschberge (Kegel !) hinter uns und wenden uns dann aber der Variante nach Neuland zu. Der Weg nach Niemes ist heute versperrt, weil er durch das Uranbergbaugebiet von Wartenberg führt. Auch wir tangieren dieses Gebiet und müssen etwa auf einer Distanz von ca. 4 Kilometer den häßlichsten Teil des gesamten Kegelweges passieren (damit haben wir es aber hinter uns !). Die neu installierten Rohrleitungssysteme entlang dieser Strecke lassen die Vermutung aufkommen, daß hier nicht nur eine Sanierung des kontaminierten Gebietes stattfindet sondern der Uranbergbau weiterhin betrieben wird.

Nachdem wir aus dieser Zone heraus sind und das Tagesziel nah ist, werfen wir noch einen Blick auf den Polzendurchbruch (Průrva Ploučnice). Die Polzen verlässt hier einen künstlichen, teils unterirdischen Kanal, der bereits im 16. Jahrhundert zur Flußregulierung angelegt wurde. Bei Schneeschmelze oder Hochwasser soll es hier mächtig sprudeln.Von dieser Stelle ab kann die Polzen bepaddelt werden.

Kurz danach erreichen wir unser heutiges Etappenziel, das Hostinec u Zlaté Lípy. Die Restauration ist zu loben und ist ein ausgesprochen geeignetes Quartier auf dem Kegelweg am Fuße des Rollberges. Kontaktdaten : http://www.hostineczlatalipa.cz/indexde.html



Blick vom Jeschken über die Strecke der kommenden Tage


Blick von  Johannesthal zum Roll über Krassaberg, Dewin und Spitzberg


Die Polzenquelle


Der Jeschken liegt hinter uns


Der Krassaberg


Der Teich am Devin


Teil der Burgruine Devin


Blick vom Dewin zum Lausitzer Gebirge, Lausche und Hochwald prägen die Silhouette


Blick vom Devin zum Hammersee und Audishorner Spitzberg (Útěchovický Špičák), rechts davon ist noch der Silberstein zu erkennen


Blick vom Devin zum Hammer Spitzberg (Hamerský Špičák)


Blick über den Hammer See zu Dewin und Spitzberg


Blick über den Hammer See zum Krassaberg


Rohrsysteme am Rande des Uranabbaugebietes


Über der Polzen taucht der Rollberg auf


Der Polzendurchbruch


Aufgang zur Fesenburg Struhanken


Felsformation am Felstheater (Divadlo)


Blick vom Hostinec u Zlaté Lípy zum Rollberg (Ralsko)



Prolog
Etappe 1: Vom Jeschken nach Neuland
Etappe 2: Von Neuland über Reichstadt nach Böhmisch Leipa
Etappe 3: Von Böhmisch Leipa nach Neuland bei Auscha
Etappe 4: Von Neuland bei Auscha nach Kutteslawitz
Etappe 5: Von Kutteslawitz nach Groß Tschernosek an der Elbe
Etappe 6: Von Groß Tschernosek an der Elbe nach Kotzauer
Epilog

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