Dienstag, 25. Juni 2013

Auf dem Kegelweg vom Jeschken zum Milleschauer - 2. Etappe

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Hörnitz und Holger Totz, Herrnhut


VON NEULAND ÜBER REICHSTADT NACH BÖHMISCH-LEIPA



Noch vor Beginn unserer Tour haben wir täglich einen Blick auf die langfristige Wetterprognose geworfen, weil Anfang Juni 2013 die Zeichen eher auf Sturm standen und die anhaltenden Regenfälle manche Wege unpassierbar gemacht hatten. Die Elbe, die noch zu überqueren ist, führte bekanntlich ein schweres Hochwasser. Heute war wieder so ein Tag mit ungünstigen Aussichten.

Der Regen verzog sich aber nach dem Frühstück, von da an herrschte Kaiserwetter und der Aufstieg auf den Rollberg konnte beginnen. Der Roll ist eines der landschaftlichen Wahrzeichen, die dominant die Szene beherrschen, ein wahrhaftiger Kegel, gekrönt von einer Burgruine. Der Schriftsteller Gottlieb Korschelt schildert in seinem Buch 'Zittau und Umgebung und das Sächsisch-Böhmische Grenzgebirge' über eine Seite lang begeistert das komplette Panorama, welches der Gipfel her gibt. Das wollen wir uns sparen und den geneigten Leser aufrufen, sich selbst ein Bild davon zu machen. Was Gottlieb Korschelt (1818-1901) jedoch noch nicht wissen konnte war, daß das Gebiet um den Roll bis Anfang der 90-er Jahre zu einem militärischen Sperrgebiet gehörte, welches von russischen Truppen besetzt und der Zugang nur eingeschränkt möglich war. Die Anwesenheit der Russen manifestiert sich noch durch diverse Schriftzeichen in kyrillischer Sprache.

Wir verlassen den Berg über die Vranover Felsen, vorbei am Molkenkrug (Džbán) und verlassen für einige Kilometer auch den Kegelweg, weil der Weg hinter Niemes (Mimon) ungeklärt ist und versuchen es daher über Barzdorf (Pertoltice pod Ralskem). Vorbei am Wachberg (Strážný) schlagen wir die Richtung zum Kamnitzberg (Kamenický kopec) ein, hinter uns immer die mächtige Silouette des Roll. Ein landwirtschaftlicher Weg zieht bald in nördliche Richtung und vorbei am Kamnitzberg, so dass wir diesen Berg auf Sicht ansteuern müssen. Im Anstieg ist es etwas unübersichtlich und daher anstrengend aber irgendwann haben wir auch wieder festen Boden unter den Füßen und erreichen bald Reichstadt (Zakupy). Schloß und eine barocke Sandsteingruppe am Markt sind hier sehenswert.

Schon der Wegabschnitt zwischen Barzdorf und Kamnitzberg, der über Felder führt, gestattet herrliche Ausblicke hinüber ins Lausitzer Gebirge. Das gleiche erleben wir auf den nächsten Kilometern über die Mariannenhöhe (Mariánská výšina). In diesem Abschnitt bauen sich nördlich der Weiherberg (Spálenisko) bei Wellnitz (Velenice), der Ortel, der Eibenberg (Tisový vrch) und der Slawitschken (Slavíček) in den Bürgsteiner Felsen (Sloupské skály) aus einer Perspektive vor uns auf, die wir so noch nicht gesehen haben. Die Felsenburg Bürgstein lassen wir aber heute einmal außen vor.

Bald erreichen wir Pießling (Písečná) und verlassen abermals den Kegelweg. Wir verzichten auf den Leipaer Spitzberg (Špičák), da es spät geworden ist und die Karte außerdem keinen Weg mehr von Pießling zum Spitzberg ausweist. Paudler (1844-1905) rühmt den Spitzberg ob seiner hervorragenden Qualität als Aussichtsberg, er hatte natürlich noch nicht gesehen, daß der Kegel heute von ziemlich gewöhnungsbedürftigen Plattenbauten umzingelt ist. Der Weg von Pießling nach Böhmisch Leipa ist asphaltiert und genial für Inlineskater, aber nicht für unsere Füße. Trotzdem genießen wir auch hier den Blick im Abendlicht in die hinter uns liegende Landschaft und die Bürgstein-Schwoikaer Schweiz (Skály u Sloupu a Svojkova), deren Felsen zu uns herüber leuchten.

In Böhmisch Leipa (Česká Lípa) erwartet uns am Markt die Pension U Hrabala, die wir ebenfalls nur weiterempfehlen können (Kontaktdaten : http://www.uhrabala.cz/0-de-homepage.html). Das Ambiente um den Marktplatz herum gefällt uns und kontrastiert angenehm zu der ansonsten durch Neubauten verstellten Stadt.

Fazit dieser Etappe : 
Es wäre angenehm, wenn der Kegelweg zwischen Niemes und Reichstadt, insbesondere über den Kamnitzberg wieder ausgewiesen wäre. Der Aufwand sollte sich lohnen.




Blick zurück : der Laufberg und der Ortel


Erste Felsen am Roll


Nach dem Regen klärt sich die Sicht : die Silhouette des Lausitzer Gebirges erscheint


Die Blocksteinhalde des Rollberges


Im Hintergrund die Bösige


Im Blick nach Westen unsere kommenden Ziele : Ronberg und Geltsch, links der Wilscht


Ruine der Burg Roll


Neuländer Limberg und Tölzberg, dahinter die Gipfel des Lausitzer Gebirges


Am Horizont die Gipfel des Lausitzer Gebirges


Der Molkenkrug


Wir verabschieden uns vom Roll


Alte Bekannte : Jeschken und Roll


Der Kamnitzberg


Der Roll und der kleine Wachberg


Die St. Josephus Kapelle am Kamnitzberg


Gipfel des Lausitzer Gebirges : Slawitschken und Kleis, dazwischen der Weiherberg


Schloß Reichstadt


Der Leipaer Spitzberg


Die Schwoikaer Schweiz


Der Marktplatz von Böhmisch Leipa


Am Markt in Böhmisch Leipa


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