Sonntag, 15. September 2013

Von Ober-Wittig auf den Gickelsberg (Nordböhmen)


Von Zittau aus eine Landmarke, von Ober-Wittig aus ein unauffälliger Hügel - der 569 m hohe basaltische Gickelsberg (Vyhledy), früher auch Gückelsberg genannt. Er liegt heute genau an der Grenze zu Polen. Auf seiner Ostseite zieht sich das langgezogene Dorf Lichtenberg bis an seinen aus Granit bestehenden Fuß.


Wir haben ihn wieder mal an einem sonnigen Spätsommertag von Ober-Wittig (Horni Vitkov) aus bei leider nur mäßiger Fernsicht bestiegen. An der Kirche, deren Auffahrt von der Dorfstraße aus nur schwer zu finden ist, besteht eine Parkmöglichkeit. 


Beim Aufstieg hat man einen schönen Blick auf den Kahleberg, wo neben den Resten einer alten Holländer-Windmühle heute eine Anzahl Windkraftanlagen stehen - nach meiner Beobachtung die einzigen in ganz Nordböhmen...


Raststätte mit Wegweiser...


Blick zurück nach Ober-Wittig. Das langgestreckte Dorf (gegründet 1290 durch Zittauer) liegt tief im Tal und ist deshalb nicht zu sehen.


Das eigentliche Ziel unserer Wanderung war der Trigonometrische Punkt auf den Gickelsberg von 1864. Er steht noch heute. Die Bergbaude daneben (erbaut 1860) war bis 1945 ein beliebtes Ausflugslokal mit herrlicher Fernsicht und böhmischen Bier. Sie wurde schließlich 1948, wie manche andere Bergbaude auch in Nordböhmen, wahrscheinlich wegen ihrer unmittelbaren Grenznähe - abgefackelt. 

Damit man die vielen Berge ringsum auch benennen konnte, wurde damals am Tresen des Gasthauses folgende Panoramakarte für wenig Geld verkauft:


Der prominenteste Gipfelbesucher war übrigens Kaiser Joseph II, der es sich nicht nahm, anläßlich seiner Reise durch Nordböhmen am 17. September 1774 auf den Gickelsberg zu reiten, um die sagenhafte Fernsicht zu genießen...

Heute ist der Gipfel zugewachsen, von der Bergbaude (erbaut 1860) gibt es nur noch ein paar unbedeutende Mauerreste und nur die am Gipfelpunkt auffallend schräg liegenden Basaltsäulen erwecken bei geologisch Interessierten (wie mich) noch etwas Aufmerksamkeit. Es soll aber Pläne geben, eine neue Gastwirtschaft zu errichten - diesmal mit Aussichtsturm. Eine wirklich gute Idee...




Abstieg nach Ober-Wittig...


Am Waldrand bietet sich eine herrliche Panoramasicht vom Jeschkengebirge über das Lausitzer Grenzgebirge bis hin zu den Bergen des Oberlausitzer Berglandes... Leider war die Sicht nicht ideal.


Hier sind ein paar wenige Holzbauten der "Wothanburg" (Curia Vitkov) auf dem Wittigberg zu erkennen.  Es handelt sich dabei um einen hölzernen Nachbau eines Landadelhofes aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und wird für "Mittelalterspektakel" oder als Kulisse für entsprechende Filmprojekte genutzt. Interessant für mich war, als ich die "Burg" vor einigen Jahren bei einer Radtour besuchte, ein nachgebautes Trebuchet.



Blick zum Kahleberg. Westlich vom Gickelsberg erheben sich noch die recht unscheinbaren Hügel Tschaudereck (364 m) und Steinberg (400 m).


Wirklich idyllisch gelegen und eine sehr schöne Landmarke ist die Dorfkirche von Ober-Wittig...




Leider ist hier mit der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung im Jahre 1945 die Uhr stehengeblieben. Seitdem nagt der Zweite Hauptsatz an dem über 380 Jahre alten Gemäuer...


Aber man glaubt es kaum. Das Betreten des Geländes ist verboten, weil die Kirche unter "Denkmalschutz" steht, wie man auf einem verwitterten Zettel im Eingangsportal lesen kann...



So sah das Areal früher einmal aus...


Von den Epitaphen ist nichts mehr erhalten und vom Gottesacker, mittlerweile vom Japanischen Staudenknöterich überwuchert, haben nur ein paar Koniferen überlebt - die aber aufgrund ihrer Größe und Form eindrucksvoll anzuschauen sind...


Wirklich sehenswert ist dagegen diese Widmungsplatte - hoch genug am Kirchturm angebracht, daß man sie nicht zerstören konnte...


Die Schriftzüge darauf sind durchaus noch lesbar...


Aus allen anderen wurden die deutschen Schriftzüge mit dem Meisel getilgt...

www.wincontact32.de


Kommentare:

  1. Einen Berg "Tschaudereck" gibt es entsprechend der Diskussion bei Wikipedia (2014) nicht.

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  2. Auf der Matouschek-Karte ist der/das Tschaudereck nicht zu finden, was keineswegs ausschließt, das es sich um einen ortsüblichen Flurnamen handelte.
    Dafür gab es rings um den Gickelsberg 3 Erhebungen mit Namen Steinberg.

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Auch ich habe mich inzwischen recht intensiv mit der "Tschauderecke" beschäftigt. Eine Matouschek-Karte hilft hier allerdings nicht weiter. Unter nachfolgendem Link kommt man zunächst erst einmal zu einem Kartenausschnitt mit diesem "Begriff": >> Tschauderecke im Bereich Gickelsberg (Isergebirge) siehe: http://www.mapy.cz/19stoleti?planovani-trasy&x=14.9574983&y=50.8489083&z=12. <<
    Ein erster Schritt zur Aufklärung sind hist. Messtischblätter und Topographische Karten für diesen Bereich, die man unter (www.slub-dresden.de => Sammlungen/Karten…) finden kann. Den Beweis, dass dieses Flurstück möglicherweise einst einem gewissen "Tschauder" gehört hat, wird man wohl nur im zuständigen Katasteramt für Lichtenberg (Jasna Góra) finden. Sicher ist aber wohl, das die Tschauderecke kein Berg ist.
    Viele Grüße Werner

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