Mittwoch, 1. Oktober 2014

Auf den Spuren Amand Paudlers: Wanderung auf dem Kammnebenweg - Teil 5

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz, und Holger Totz, Herrnhut

Der Leser dieser Seiten wird sich erinnern, dass die Etappen 1 – 4 dem Heimatkundler und Theologen Prof. Amand Paudler gewidmet waren. Der Rest dieser Tour geht auf eigene Rechnung. Paudler beschränkt sich mit seinem bekannten Werk auf die Strecke zwischen Rosenberg und Jeschken. In Raschen (Rašovka) am Jeschkenkamm steigen wir heute wieder in die Tour ein und haben uns vorgenommen, innerhalb von 3 Tagen Schreiberhau (Szklarska Poręba) im Riesengebirge zu erreichen. 

Paudler beschreibt nur das ursprüngliche Kernstück des Kammwegs. Vom Erscheinen seines Buches 1904 bis zum Kriegsende wurde das Konzept weiter entwickelt und so ein touristischer Pfad vom Erzgebirge bis zum Altvatergebirge erdacht. Hinter dem Jeschkengebirge durchquert dieser Weg Isergebirge, Riesengebirge, Adersbach- Wekelsdorfer Felsenlandschaft, Braunauer Wände, Heuscheuergebirge, Adlergebirge und Schneegebirge bis hin zum Altvater. 

Bis zum Jaberlich (Javornik) verfolgen wir diesen Weg, und eigensinnig wie wir sind, verlassen wir ihn nach 3 km am Riesenfass wieder. Also bleibt es nach unserem Konzept ein Kammnebenweg, allerdings mit Besonderheiten und landschaftlichen Schönheiten, die das martialische Isergebirge nicht zu bieten hat. Es zieht uns nach dem Böhmischen Paradies, genauer gesagt, in den nördlichen Teil, in das Tal der Iser um Klein Skal (Mala Skala) und weiter bis zum Kosakow (Kozakov). Eigentlich folgen wir damit exakt der Landschaftsbeschreibung Rudolf Kauschkas :

'Der Zug des Jeschekengebirges beginnt im Südosten mit der tiefen Einsenkung des Mohelkatales bei Liebenau. Aber das Gebirge steigt jenseits dieses Tales wieder in südöstlicher Richtung bis zur Höhe des Kopain (655 m) an, fällt dann bei Kleinskal ins Tal der Iser ab, streicht jenseits dieses Flusses wieder in gleicher Richtung fort und erreicht in der hohen Kuppel des Kosakovs (743 m) seine letzte große Erhebung. Dieser langgestreckte Gebirgszug hat seine schönsten und höchsten Felsen im Durchbruchsgebiete der Iser bei Kleinskal. Von der Ruine Friedstein zieht ein gegen Süden steil abfallender Sandsteinrücken zur Iser hinab, der von den kunstsinnigen Vorfahren der Herrschaft Kleinskal teilweise zu dem bekannten Felsenpantheon ausgestaltet wurde. … Aber jenseits der Iser ragt unvermittelt eine vieltürmige, riesige Felsgruppe über Wald und Wiesen, eine Dolomitenwelt im kleinen, grau und finster im Lichte des Regentages, doch unsagbar lockend, wenn der Frühling seine Blütenkronen ihr zu Füßen wölbt. Es sind die „Dürren Felsen“ (Suchy Skaly)'. 

Die Wanderung beginnt im dichten Nebel in Raschen, also grauenvoll, aber unser Chefmeteorologe verspricht uns Sonne noch im Laufe des Tages und siehe, bereits beim Abstieg von Saskal (Zaskali – welch ein Name!) Richtung Liebenau (Hodkovice) teilen sich die Nebel und die herrliche Mittelgebirgslandschaft entledigt sich der noch wabernden Nebelschwaden. Über Radonowitz (Radonovice) geht es hinauf nach Bösching (Bezděčín). Am Wegrand taucht ein nach allen Regeln bergsteigerischer Kunst gesicherter Kletterfelsen auf, ein Vorbote der Böschinger Skala (Bezděčínské skály). Oberhalb von Sestronowitz (Sestronovice) zeigt sich dieser Sandsteinsaum, der teils von Wald verdeckt ist. Ein besonders eleganter Kletterfelsen, die Guckel, wird von Kauschka hervorgehoben und zugleich vernichtet, denn 'In neuerer Zeit sind von besonders kühnen Kletterern Tritte in die schwierige Wand gemeißelt worden, so dass heute die Erkletterung des ehemals so umworbenen Felsens bedeutungslos geworden ist'.

Bald erscheinen vor uns die romantischen Ruinen der Burgen Friedstein (Frýdštejn) und seitlich Trosky. Ein herrlicher Wandersteig führt von Friedstein vorbei an der Felsenburg Vranov hinunter nach Kleinskal und im Gegenanstieg vorbei an den Dürren Felsen hinüber nach Besetitz (Besedice). Nun schaut der Kosakow herüber und das restliche Stück unseres Wegs bis nach Hamstein (Hamštejn) am langen Rücken des Kosakow ist sichtbar. Als wir die Penzion Hamštejn erreichen, fängt es doch tatsächlich noch zu regnen an, dennoch gilt das Versprechen unseres Meteorologen: 'es gibt noch einen Sonnenuntergang'. Und was für einen !

Die genial gelegene Penzion Hamštejn empfehlen wir gern weiter, auch als Gaststätte. Man spricht englisch.


Die Wanderung beginnt in Raschen am Restaurant "V Trnčí"


Ein herrlicher Blick streift von hier über das Land ...


… Aber nicht heute


… und auch nicht beim Riesenfass am Jaberlich


… aber dann, beim Abstieg nach Liebenau lichtet sich der Nebel



Schöne Fachwerkhäuser an den Hängen



Blick zurück zum Jaberlich


Radonowitz ist ein hübsches verstecktes Bergdorf


An der Böschinger Skala


Blick zurück zu Jeschken und Jaberlich, am rechten Rand schaut die Guckel hervor


Der Ort Friedstein am Hang des Kopain


Die Burg Friedstein taucht auf (links im Bild)


… und auch die Ruine Trosky


Ruine Friedstein


Vorbei an der Felsenburg Vrano hinunter nach Skal



Blick von den Klippen hinunter über Klein Skal



Das Pantheon über der Iser


Über Skal erheben sich die Dürren Felsen, eine beeindruckende Ausprägung der Lausitzer Verwerfung




Zwischen Skal und Besetitz sind zauberhafte Felsenformationen zu besichtigen


Das letzte Wegstück von Besetitz zur Pension Hamstein




Ein krönender Tagesabschluss






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