Mittwoch, 6. Juli 2016

Ein Naturerlebnis "Der Rollberg"... Hausberg von Niemes... (Nordböhmen)

Ein Gastbeitrag von Werner Schorisch, Zittau

Über den Rollberg (Ralsko) bei Niemes (Mimoň) in Nordböhmen und seine Burg, wurde schon viel geschrieben, so auch in diesem Blog. Wer sich also für die Geschichte dieser ältesten aus Steinen erbauten Burg Böhmens interessiert, sollte diesen Link folgen... Aus diesem Grund möchte ich diese Zusammenhänge in diesem Beitrag zu einem Wanderausflug auf den Rollberg auch möglichst unberührt lassen.


Zum Vergrößern in das Bild klicken.

Die Fahrstrecke mit dem Auto von Zittau zum Ausgangspunkt unserer Wanderung nach Rabendorf (Vranov) beträgt ca. 30 Kilometer und kann in der Regel in 40 Minuten bewältigt werden.


An der Autostraße 270 zwischen "Deutsch Gabel" und "Niemes" kommen wir an eine Kreuzung, an der unser Navi meint >links abbiegen< (um über Neuland am Rollberg (Noviny pod Ralskem) nach Rabendorf (Vranov) zu fahren).

An dieser Kreuzung steht das einladende "Gasthaus zur großen Linde" (Hostinec u zlaté lípy). Hier könnte man nach dem >Naturerlebnis Rollberg< auf der Terrasse gut Kaffeetrinken und beim Blick in Richtung Burgruine die Tour noch einmal Revue passieren lassen.

Zum genannten Gasthaus lohnt ein Blick in deren Internetauftritt http://www.hostineczlatalipa.cz/de/ .


Zum Vergrößern in das Bild klicken.

Beim genaueren Betrachten dieser Wanderkarte, die unsere Altvorderen benutzt haben, wird deutlich, dass wir uns auf dem historischen "Kegelweg" zum Gipfel dieses Berges bewegen werden.


Spätestens bei der Ankunft am kleinen Parkplatz in Rabendorf werden die Fotoapparate gezückt, denn ein kleiner aber eindrucksvoller Kletterfelsen >der Molkenkrug< (Dzban) zeigt sich hier dem Besucher.

Der gut ausgeschilderte Wanderweg könnte uns bei zügigem Schritt in einer guten Stunde zum Ziel auf den 696 m hohen Rollberg bringen, was bei diesem Tempo eine recht schweißtreibende Angelegenheit ist, denn es sind einige Steilstücke zu erwarten. Wenn man das Ganze etwas beschaulicher angehen lässt verlängert sich zwar die Zeit entsprechend, dafür entdeckt man möglicherweise das eine oder andere Kleinod aus Flora und Fauna.

Außerdem könnte man den Hinweisen auf den Informationstafeln, die am Fuße des Berges in Rabendorf stehen folgen und beim Aufstieg den schönen Aussichtspunkt "Julienshöhe" aufsuchen.


Der "Prächtige Blattkäfer" (Chrysolina fastuosa) schillert ja nach Lichteinfall sehr auffällig in seinen Regenbogenfarben.


Die nicht selten vorkommenden ca. 5 mm langen Käfer ernähren sich vorzugsweise von den Blättern der Brennnessel, der Taubnessel und dem Hohlzahn.


Auch das gibt's...


In diesem Bild wird die Beschaffenheit des Wanderweges deutlich, was zugleich ein Hinweis für die Auswahl des richtigen Schuhwerkes ist.


Im letzten Drittel des Weges zum Gipfel sind durch Geröllschutt-Abgänge Schneisen entstanden, die herrliche Fernblicke in die weite Landschaft ermöglich, wie hier in die südliche Richtung.



Zum Vergrößern in das Bild klicken (die Lichtstimmung ist hier etwas betont!).

Der Große- und Kleine Bösigberg (Velký- u. Malý Bezděz) dominiert im Bildhintergrund.

Vorn links ist der Grosse- und der Kleine Buchberg (V.- u. M. Buková) zu sehen, und hintern rechts zeigt sich der Wratner Berg (Vrátenská hora) mit Aussichtsturm.

Nicht zu übersehen ist in der Bildmitte die Start- und Landebahn des Militärflugplatzes der ehemaligen sowjetischen Luftstreitkräfte. Heute wird diese Piste zweckentfremdet in der Tuning-Szene für Motorsport-Aktivitäten genutzt.


Zum Vergrößern in das Bild klicken (die Lichtstimmung ist hier etwas verstärkt!).

Durch die Kontrast-Verstärkung in diesem Bild (und dem Bild davor) werden die Farbnuancen und Abstufungen, vor allen Dingen im Vordergrund, sehr gut unterstützt.


Der Gipfel ist vom Wanderpfad aus gesehen an dieser Stelle bereits in greifbare Nähe gerückt. Erste Teile der Burgruine werden sichtbar.


Kurz vor erreichen des Roll-Gipfels bietet sich ein schöner Fernblick in östliche Richtung zum 1012 m hohen Jeschken (Ještěd) mit seinem futuristischen Turm, dem Hausberg von Reichenberg (Librec).


Nach erreichen unseres Wanderziels, gilt natürlich unser erstes Interesse der Burgruine, die in der langen Zeit der "militärischen Sperrzone" (wie der gesamte Berg) der Allgemeinheit vorenthalten war. Auch heute noch kann man ein paar Worte aus dieser Zeit an den Mauern der Anlage in kyrillischer Schrift finden.


Eine abwechslungsreiche Vegetation auf kargen Felsoberflächen bildet wohltuende Farbtupfer zum düsteren Kontrast der Ruine.


Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia). Viele Insekten wissen dieses Nahrungsangebot zu schätzen, wie auch hier zu sehen ist.


Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre).

In der Zeit von Juni bis August findet man diese goldgelben Blütenblätter als leuchtenden Felsbewuchs auch hier auf dem Gipfelplateau des Rolls.


Detail vom Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre).


Der Blick in nördliche Richtung zeigt einmal eine etwas andere Perspektive zum höchsten Berg des Zittauer Gebirges, der "Lausche".


Beim Anblick der dicken Mauern stellt man sich schon einmal die Frage, wie und mit welchem Aufwand haben die "Bauherren" jener Zeit nur diese großen Steinblöcke den Berg hinauf geschafft?


Das die "Alten Rittersleut" von ihrem Turm eine traumhafte Rundumsicht hatten, wird all denen klar, die diesen Gipfel erklommen haben. Hier ein guter Bildeindruck auf den Wohnturm vom sog. "Schauhübel" aus gesehen.



Wer die Besteigung dieses Berges im Frühjahr planen kann der findet u.a. größere Ansammlungen von frischen und hübschen "Acker-Stiefmütterchen" (Viola arvensis)


Hier eine Nahaufnahme des attracktiven Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis).


Schmetterlinge verschiedenster Art in größerer Zahl, wie hier stellvertretend der "Kleiner Fuchs" (Aglais urticae) am Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare), kann man ebenfalls im Gipfelbereich gut beobachten.


Ende Juni beginnt in unmittelbarer Nähe der Ruine die Türkenbundlilie (Lilium martagon) ihre Blütezeit.


Eine aufgeblühte stattliche Türkenbundlilie am Rollgipfel. Der Türkenbund gilt in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung als besonders geschützt.


Ein Blütendetail der Türkenbundlilie. Ein "Naturerlebnis" der besonderen Art ist es, diese nicht sehr häufig anzutreffende Lilie vor die Linse der Kamera zu bekommen. Der "Roll" macht's möglich!


Panorama vom Gipfel des Roll's ohne und mit Beschrifung der Berge (groß - Bild anklicken!)






Kommentare:

  1. Wieder eine sehr schön beschriebene Tour. Man fühlt sich zurückversetzt in Zeiten als
    Schulkind - Wandertag im heißen Frühsommer ins Gebirge. Man sieht auf einmal, dies alles, was Natur ausmacht - Käfer, Blüten, dunkler Wald und die weite Aussicht.
    Und was gestern hier noch gefehlt hat, das ist heute vorhanden - das gelungene und beschriftete Panoramabild.
    KuWePe

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    1. Hallo KuWePe, vielen Dank für die "Blumen".
      Ja, der Rollberg ist in unserer Gegend ein interessanter- und leicht zu erreichender Berg (auch wenn der Aufstieg etwas anstrengend ist). Immer wieder sehe ich dort oben Ausflügler im Burggelände ihr mitgebrachtes Picknick am Feuer verzehren, und so haben auch wir eines Tages unseren Einwegegrill dort oben aufgebaut und mit dem Duft von gegrillter Bratwurst so manchen neugierigen Besucher angelockt, um diese romantische Stimmung mit uns gemeinsam zu erleben.
      Wie in diesem Gastbeitrag deutlich wird, ist die Aussicht auf dem Gipfel bei entsprechender Wetterlage in alle Richtungen traumhaft schön, es ist ein visueller Genuss, den man sich als Naturfreund einfach nicht entgehen lassen sollte. Viele Grüße Werner Schorisch

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