Dienstag, 5. Juli 2016

Wanderung zum Geierstein und Seidelberg (Isergebirge)

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Das Isergebirge erstreckt sich in der allgemeinen Vorstellung zwischen Reichenberg (Liberec) / Gablonz (Jablonec nad Nisou) auf der einen und Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój)/ Schreiberhau (Szklarska Poręba) auf der anderen Seite. Wenig Beachtung findet dabei der Schwarzbrunnkamm (Černostudniční hřeben), welcher durch das Einzugsgebiet der Neiße vom Hauptkamm des Isergebirges abgeschnitten ist, noch weniger Beachtung findet der nördliche Seitenkamm (Kemnitz Kamm/Kamienicki Grzbiet), welcher durch das Tal des Queis (Kwisa) abgetrennt wird. Am ehesten berührt man diesen Rücken bei einer Autofahrt von Bad Flinsberg nach Schreiberhau. 

Richtig neugierig auf diesen Höhenzug wurde ich aber bei der Fahrt auf einer Nebenstraße von Hirschberg nach Bad Flinsberg über den Ort Giehren (Gierczyn). Aus nördlicher Perspektive ist dem Gebirge eine Hügellandschaft mit weiten Wiesen, durchzogen von Hecken und Baumgruppen, vorgelagert. Das verspricht interessante Eindrücke aus nächster Nähe. 

Bei Touren durch unbekanntes Gelände sollte man nicht unbedingt alles dem Zufall überlassen. Leider findet sich zu dieser Region in der bekannten Literatur kaum Informatives, was umso erstaunlicher ist, als dass diese Region bis 1945 zu Deutschland gehörte. Also müssen wir es darauf ankommen lassen. 

Als Ausgangsort wählen wir Gräflich Ullersdorf (Orłowice) und steigen zunächst von hier direkt auf den Kamm zum Geierstein (Gajowa/Sępia Góra) hinauf. Zumindest vom Geierstein, heißt es, habe man einen tollen Ausblick hinüber zum Heufuder (Stóg Izerski) und über Bad Flinsberg. Jain, muss man sagen, denn langsam schließt sich der Wald unterhalb des Aussichtsfelsens und verbaut somit den ungehinderten Blick hinüber zum Hauptkamm des Gebirges. Leider vermiest noch aufziehendes Schlechtwetter den Eindruck.

Die nächsten Kilometer führen uns über einen drögen Kammweg ist östliche Richtung. Aber dann, beim Abstieg über die Hegewaldhäuser (Radoszków) nach Querbach (Precznica) ändert sich das Bild. Die Grundstücke in dem abgelegenen Querbach sind in einem erstaunlichen Zustand. Zahlreiche Informationstafeln unterrichten ausführlich über das ehemalige deutsche Siedlungsgebiet, was in Polen nicht gerade üblich ist. 

In Querbach beginnt ein Bergbaulehrpfad, der sich hinauf nach Förstel (Lasek) zieht (anfangs bedauerlicherweise schwer auszumachen). Einige Mundlöcher liegen direkt am Wege. Die Informationstafeln sind hier leider nur in polnischer Sprache verfasst. Es geht um Glimmerschiefer. 

'Giehren und Querbach liegen am Fuße des Iserkammes, 8 km von Friedeberg am Queiß entfernt, im Bereiche des schmalen Glimmerschieferbandes, welche den Gneisen nördlich des Iser- und Riesengebirgsgranites eingelagert ist. Der Glimmerschiefer bildet im Kontakte mit Gneis eine 1 ½ – 5 Meter mächtige Zone, welche sehr viel Granat-, Quarz- und Kalkspatadern und eine recht mächtige Lage von Zinn- und Kobalterzen enthält.' (Die Bodenschätze Schlesiens, Arthur Sachs, 1906)

Daher wurde hier noch bis ins 19. Jahrhundert Kobalt und Zinn abgebaut. Zeitnahe Untersuchungen haben aber ergeben, dass die Vorkommen nach heutigen Standards nicht mehr abbauwürdig sind. Ein Glück für die Landschaft.

Hat man die Höhe bei Förstel erreicht, öffnet sich die Landschaft für einen Tiefblick hinein in das niederschlesische Land von Greifenberg (Gryfów Śląski) bis zum Landeshuter Kamm (Rudawy Janowickie), auch der Probsthainer Spitzberg (Ostrzyca Proboszczowicka) erhebt sich am Horizont.

In Förstel entsteht am Hang des Gebirges gerade ein großes Bauwerk, aber bei der Recherche ergibt sich, dass hier schon früher in bevorzugter Lage eine recht moderne Touristenherberge stand, die Förstelbaude. Sie wird gerade rekonstruiert. Unweit davon ist in der Karte der Seidelberg (Łyszczyk [Kufel]) als Aussichtspunkt markiert. Den sollte man sich wegen des schönen Einblicks in die Seitentäler nicht entgehen lassen. Bis Regensberg (Kotlina) gibt es noch geordnete Wegverhältnisse. Der Abstieg nach Gräflich Ullersdorf durch wegloses Gelände ist dann doch eher etwas für Pfadfinder.

Fazit: Der Kemnitzer Kamm bietet wenig Abwechslung, aber die Nordflanke des Gebirges will unbedingt gesehen werden.

Die GPS-Daten zur Tour findet man hier.


Aussichtsfelsen Geierstein




Schutzhütte beim Geierstein


Der Kemnitz-Kamm bietet wenig Aufregendes



Dieses Grundstück in Querbach hat die besseren Zeiten hinter sich...


… aber es gibt auch sehr ordentliche Anwesen




Bei Querbach gibt es Glimmerschiefervorkommen, hier wurde Zinn und Kobalt abgebaut




Typische Landschaft an den nördlichen Hängen des Isergebirges





Die Förstelbaude jetzt und früher



Landschaft bei Förstel, Giehren und Regensberg











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