Mittwoch, 9. Januar 2019

Wanderung zum Kleis

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau / Hörnitz

Der Kleis gehört zur Gruppe der zehn Siebenhunderter Berge des Lausitzer Gebirges und verdient schon wegen seiner auffällig pyramidalen Form eine besondere Aufmerksamkeit. Er ist zugleich der südlichste Pfeiler des Gebirges und aufgrund seiner solitären Aufstellung von allen Seiten gut wahrnehmbar.

Der Kleis ist eine fast isolierte, 755 m. h, zuckerhutförmige Klingsteinpyramide, deren Steigungswinkel etwa 45'' betragt u. deren tafelartig geschichtetes u. unregelmäßig zerspaltetes Gestein teils „gleißend'' zu Tage liegt, teils mit Mischwald bedeckt ist. Auf der Südseite 40 m unter dem Gipfel bricht die Bergwand mit ungeheurem über 100 m h. Absturz ab. Diese Blockhalde bietet Gelegenheit zum Klettersport. Der Berg bildet die Grenzscheide des Basalt- u. Sandsteingebirges u. ist ein Wahrzeichen für das ganze n. Böhmen; auch spielt er in der Volkswitterungskunde eine große Rolle. … Den Namen des Berges hat man verschiedenartig erklären wollen; von „gleißen'', von einem Geschlechte „Gleiß“, vom tschechischen ,,plešný“ (so viel wie Plissenberg. Pleißberg) u. ..Klíč'' (Eckzahn, nach der Form des Berges).“ (Franz Hantschel)

Glücklich ist, wer den Gipfel des Kleis bei guter Fernsicht erklommen hat; er wird mit einem phantastischen Rundbild belohnt, wobei man einen umfassenden Eindruck von dem großen Waldgebiet und der feinen Gliederung des Lausitzer Gebirges erhält. Wir dürfen davon ausgehen, dass uns dieses Erlebnis heute zuteil wird, denn der Wetterfilm, der natürlich vorab konsultiert wird, zeigt einen abgeräumten Himmel.

Wir starten in Morgenthau (Rousinov), umrunden zunächst diese schöne Sommerfrische mit der Absicht, von den Felsen um die Ortslage herum einen Blick auf das Dorf einzufangen und den nötigen Schwung für den Aufstieg zum Zielberg aufzunehmen. Erste Fehlanzeige: die jungen Bäume an der Felsgalerie um Morgenthau herum sind bereits so weit herangewachsen, dass es schwierig ist, sich den Weg an das Gestein heran zu bahnen, ganz zu schweigen davon, hinunter zu schauen.

Wir durchwandern Röhrsdorf (Svor) und lassen den Kleis zunächst rechterhand liegen, so dass wir den Aufstieg von Süden her starten. Von unten werfen wir einen Blick auf die mächtige Klingsteinhalde, Klingstein- (Blockstein-)halden kennen wir von zahlreichen Gipfeln vulkanischen Ursprungs im Lausitzer Gebirge. Diese Steinschutthalden entstanden durch physikalische Verwitterung des Phonolithgesteins aus dem Inneren erloschener Vulkane.

Diese Art der Verwitterung bewirkt einen mechanischen Verfall der Gesteine in Teilchen kleinerer Korngröße, ohne dass dabei die Minerale chemisch verändert werden. Die physikalische Verwitterung kommt vor allem durch Druckabnahme, Temperaturwechsel, Spaltenfrost, Salzsprengung und mechanischen Druck von Pflanzenwurzeln zustande.‘ (Lehre der Bodenkunde, Scheffer/Schachtschabel)

Die Halden scheinen von beträchtlicher Mächtigkeit zu sein, denn außer Moosen und gelegentlich Fingerhut findet man keine Vegetation auf diesen Steinmeeren.

Eine Onlinekarte will Glauben machen, dass ein unmarkierter Pfad zum Gipfel des Kleis führt. Wir verpassen jedoch den Einstieg in diese nicht ganz ungefährliche Trasse und streben auf einem konventionellen Weg zum Gipfel. Zweite Fehlanzeige: von blauem Himmel ist nichts zu sehen, es herrscht eine Inversionswetterlage und Nebelschwaden umwehen von Norden her den Berg, so dass wir uns nach kurzer Rast zum Rückzug entschließen. Etwa eine halbe Stunde später bläut der Himmel und räumt sich innerhalb kürzester Zeit restlos ab. Man nennt das ‘gelackmeiert‘. Der Autor dieser Zeilen kann mit einem gewissen Langmut über dieses Malheur hinwegsehen, weil er das große Landschaftskino bereits früher einmal erleben durfte.

Ein bisschen missmutig setzen wir unseren Weg über den Hamrich (Rousinovsky vrch) fort mit dem Ansinnen, hier eine wenig bekannte Aussicht an der Ostseite des Gipfels zu ergründen, zu der man etwa an der höchsten Stelle des Ringweges absteigen muss. Ein paar Meter unterhalb des Weges befindet sich ein Felsvorsprung, von dem man eine ungehinderte Aussicht nach Osten und Süden erhält. Bei den jetzigen Witterungsverhältnissen entschädigt dies ein wenig für die vermasselte Gelegenheit am Gipfel des Kleis. Diejenigen, die sich den Abstieg zu dem Felsvorsprung nicht zutrauen, werden am Waldrand auf den tiefer gelegenen Wiesen oberhalb der Ortslage Röhrsdorf entschädigt. Wie auf Kommando und von unsichtbarer Hand gezogen, sinken die Herrschaften der heutigen Wandergruppe in Gras und lassen nun den genussreichen Ausblick auf das Halbrund zwischen Hochwald und den Bürgsteiner Bergen auf sich wirken. Es bedarf nun wirklich keiner Fernreise, um die Schönheit dieser Welt zu erfahren, sie liegt zum Greifen nah.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




In Röhrsdorf, vor uns der Kleis



 Die Bürgsteiner Berge


Am Fuße des Kleis


Die große Klingsteinhalde




esonders die Heidelbeeren haben unter dem trockenen Sommer 2018 gelitten





An der Aussicht am Hamrich kommt nicht nur die Sonne hervor, sondern es bessern sich auch die Sichtverhöltnisse


Oberhalb von Röhrsdorf breiten sich weite Wiesen am Abhang des Hamrich aus, von denen aus sich ein wunderbares Panorama entfaltet









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