Freitag, 4. August 2023

Wanderung durch die südliche Daubaer Schweiz nach Widim

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Ein schöner Sommertag – der Ruf nach der Daubaer Schweiz wird laut. Ziel ist der Süden der Region, der Fahraufwand dahin ist dementsprechend ein wenig höher, was nicht unerträglich ist, weil bereits die Anreise nach Schemanowitz (Šemanovice) über kleine Sträßchen, abwechselnd durch Felstäler und vorbei an reifenden Getreidefeldern fahrend, ein genussreiches Erlebnis ist (außer für den Fahrer, der muss auf die engen Straßen achten). Zwischen dem alten Bauerndorf Schemanowitz im Osten und Widim (Vidim) im Westen breitet sich eine weite, landwirtschaftlich genutzte Hochfläche aus, welche von Felsen- und Wiesentälern umgeben ist. Dieses Territorium möchten wir heute umwandern und neue Wege kennenlernen. Schemanowitz selbst ist an den Rand einer Schlucht gebaut. Da das Plateau sehr wasserarm ist, mussten die Bewohner früher ihr Trinkwasser aus weit entfernten Brunnen herbei holen.

Über die Felder wandern wir dem Dorf Zittnai (Sitné) entgegen, reife Kirschen am Wegesrand, die außer uns hier kaum jemand pflücken wird. Der Weg führt an eine Schlucht bei Zittnai heran, dort endet er auf der Karte, was eine gewisse Unsicherheit bei den Wanderfreunden hervorruft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir einen Weg in die Gründe hinab finden werden. Und so kommt es auch, man muss nur die richtigen Wanderkarten haben! Bisher sind wir immer angekommen. Auf einen wilden, unberührten Felsengrund folgt ein liebliches Wiesental, an dessen Ende man nach Nieder Widim gelangt.

Widim, aus dem Dorf Ober-Widim und einem Theile des Ortes Unter-Widim bestehend, steht hoch (360 m) auf felsigem Bergrücken. Seine 1878 an Stelle einer vorhussitischen erbaute Kirche ist weithin sichtbar. Nach Widim führt von Chudolas aus ein Waldweg, und auch von Tupadl aus gelangt man durch den „tiefen Grund" geradeaus auf einer neuen Straße in 1 Stunde nach dem Felsenorte. Widim besitzt ein prachtvoll eingerichtetes Schloss mit Park, das erst im Jahre 1897 durch den jetzigen Besitzer, den Teplitzer Fabrikanten Theodor Grohmann, umgebaut wurde, sowie einen Maierhof. Die nahen Waldungen sind von bequemen Jagdwegen durchzogen. Die nächste Umgebung von Widim weist zahlreiche pittoreske Felsengebilde auf, namentlich an der Straße von Widim nach Dobrzin. Die herrlichen Naturschönheiten sind durch Herrn Grohmann im Jahre 1901 mit bedeutendem Kostenaufwande erschlossen worden. Auf 28 massiv gebauten Brücken, welche ebenso viele Abgründe übersetzen, schreitet der Fuß des Wanderers dahin, sein Auge blickt bald schaudernd in die schwindelnde Tiefe, bald auf pittoreske Felsengebilde mit kolossalen Dimensionen, bald auf das schattige Laubdach des Hochwaldes. Entzückt und hochbefriedigt gelangt man so auf die „faule Brücke", d. i. ein Natursteg zwischen zwei Felsen hoch in der Luft, darunter eine gähnende, tiefe Schlucht, die sich der Sage nach bis unter das Schloss fortsetzt. Schreitet man sodann auf einem etwas tiefer gelegenen, ebenfalls an Naturschönheiten aller Art reichen Weg zurück, so gewahrt man an steiler Felsenwand eine Art „Marterl", ein Bild, welches die Stelle bezeichnet, wo vor etwa zwanzig Jahren die Tochter des Gutsverwalters abstürzte und wie durch ein Wunder gerettet wurde. Nach kurzer Wanderung langt man auf der Anhöhe beim „Buschkeller" an, einem in Stein ausgehauenen Gelass mit einem schornsteinähnlichen Luftgange und einem unmittelbar angrenzenden kleinen Felsenplateau mit einem Steintisch und in den Felsen gehauenen Sitzen. Dieser Buschkeller ist von der Sage reich umwoben und ist in der That ein herrliches Plätzchen. Ein kleines Gloriett bietet einigermaßen Schutz gegen Wind und Wetter und ladet zum Eintritt förmlich ein. Schöne Aussichten bieten der Steinbruch unter der Kirche, der Rabenberg, das sogenannte „Gebirge" und schließlich auch der Kirchthurm. Unweit des alleinstehenden Bräuhauses erhebt sich eine eigenthümlich geformte Felsengruppe mit Höhlen und Stiegen, welche man als „altes Schloss" bezeichnet. Vor einem halben Jahrhunderte sollen noch Mauerreste dort vorhanden gewesen sein. Die verschiedenen Felsenhöhlen sollen der Bevölkerung in Kriegszeiten zu Zufluchtsorten gedient haben. Von Widim kann man auf der Straße über Unterwidim in 20 Minuten nach Dobrzin und in 16 Minuten nach Schedoweitz wandern, wo links ein Weg von der Daubaer Straße gegen Nedoweska in 30 Minuten am Nedoweskaer Berge (466 m) mit vielgerühmter Rundsicht abzweigt. Von Nedoweska nach Draschen 10 Minuten. Ganz auf hohen Felsen stehen die Häuser.“ (Führer durch den Leitmeritzer Gau : Elbefahrt, Bahnfahrten und Fusswanderungen in Böhmens Paradies (1901), Julius Gierschick)

Ziel war eigentlich eine Visite des Felsenparks hinter dem Schloss, worauf wir aber aus Zeitgründen verzichten. Die aufwendig angelegten Bauwerke sollen sich aber in einem desolaten Zustand befinden. Das Schloss ist jedoch gut saniert, es dient als Altersheim. Eine Hospudka hat Widim auch zu bieten. Normalerweise schließt sie über die Mittagszeit. Davon konnte aber angesichts unseres Ansturms keine Rede sein. Sollte jedoch dieser Fall eintreten, so beachte man ein Stückchen unterhalb in einem Felsenkeller den Kiosk „Kvelb u Čerta“. Er führt eine große Auswahl an Getränken und Snacks, das alles im Selbstbedienungsmodus mit einer Kasse des Vertrauens. In Nieder Widim nehme man sich etwas Zeit, hier gibt es lauschige Fachwerkhäuser und somit schöne Fotomotive. Ein Fußpfad führt am Ende wieder durch die Felsen hinauf nach Schemanowitz. Herrliche Landschaftsszenen bieten sich noch einmal während der Heimfahrt vor der Kulisse der Bösige (Bezdězy).

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.





Zwischen den Tälern östlich und westlich von Schemanowitz spannt sich ein Plateau mit weiten Feldern (und Kirschbäumen)



Der Lavendel blüht, man fühlt sich an die Provence erinnert


Durch Fels- und Wiesentäler nach Widim









Widim – ein typischer Ort der Daubaer Schweiz inmitten einer Felsenlandschaft mit Schloss und Fachwerkhäusern









Eine Klobasa, wie wir sie schätzen (Vorsicht: sie möpselt nach)








Der Kiosk „Kvelb u Čerta“





Durch Felsentäler zurück nach Schemanowitz, da kann es auch schon mal einen Felssturz geben



















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