Sonntag, 18. Oktober 2020

Eine Wanderung um Strachel

 Ein Gaastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz


Strachel, wo ist das denn? Natürlich in der Daubaer Sachweiz oder besser gesagt am westlichen Rand. Wir hatten uns bereits vor Jahren einmal nach Strachel (Strachaly) begeben, weil wir eine sehr einladende Beschreibung dieser Gegen bei Amand Paudler gelesen hatten (siehe hier). Leider haben wir damals nichts von dem zu sehen bekommen, was uns der Autor versprochen hat, denn Böhmen lag unter dichtem Nebel. Da uns Paudler aber ansonsten als sehr vertrauenswürdiger und realitätsnaher Berichterstatter über die nordböhmischen Gefilde bekannt ist, starten wir also nun einen weiteren Versuch, um ein positiveres Bild von dieser Gegend zu erhalten. So ganz wohl war uns bei der Anreise trotzdem nicht, weil der Wetterbericht uns schon seit Tagen zum Narren hielt, aber es kam ganz anders. Bilderbuchartiges Frühherbstwetter war uns beschieden und damit gab es auch die erwarteten Aussichten.

Schaut man auf die Landkarte und den Verlauf unserer Route, erkennt man einen ziemlichen Zickzackweg, den wir gegangen sind, häufig über Wiesen und entlang an Feldrainen. Nach eingehendem Studium der Landkarte haben wir genau die Lagen angepeilt, von denen wir annehmen durften, dass man dort die schönsten Ausblicke erhält. Damit haben wir überwiegend richtig gelegen.

Über dem umgangenen Gebiet thront auf einer Anhöhe der Ort Strachel. Dessen Umgebung verspricht die besten Panoramen. Die Gegend wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirtschaft, die in unserer Heimat kaum Rücksicht auf natürliche Biotope nahm und alles dem Pflug zum Fraß vorwarf, ging hier noch recht rücksichtsvoll mit der Natur um. Gehölzgruppen und Hecken bilden noch Inseln auf den Schlägen, lockern die Landschaft auf und bieten der Tierwelt Rückzugsräume.

Obwohl der Naturlehrpfad „Naučné putování loupežníka Štětky“ von Wegstädtl (Štětí) durch diese Gegend führt, dem wir aber nur einmal begegnen, wird dieses Gebiet wohl selten vom Wandertourismus heimgesucht. Darauf jedenfalls lassen die kaum noch vorhandenen Wege schließen, die teils verwachsen, teils durch Windbruch versperrt sind. Mit anderen Worten, dort wo es durch Wald und Gebüsch geht, kann es zu einer abenteuerlichen Landpartie werden. Die Orientierung funktioniert dort hauptsächlich mit dem GPS-System, auf welches man sich verlassen können muss.

Wir beginnen mit unserer Wanderung in Sukorad (Sukorady). Bereits der erste Hohlweg durch den Tannengrund (Jedlový důl) stellt uns bald vor Probleme, weil umgestürzte Bäume häufig den Weg blockieren. Nach mehreren derartigen Hindernissen klettern wir steil aus dem Graben hinaus auf das oberhalb gelegene Feld und werden schon einmal mit den ersten tollen Blicken auf Ronberg (Ronov) und Wilschtberg (Vlhošť) belohnt. Der Weg nach Aujezd (Újezd) wird beidseitig von frisch gepflügten Feldern gesäumt. Das dunkle Braun der Ackerkrume, der blaue Himmel und das Gewölk schaffen kontrastreiche Stimmungen.

Die kleinen entlegenen Dörfer haben nicht den Charme derer im Inneren der Daubaer Schweiz, von Ausnahmen abgesehen trifft man derzeit nicht auf schön renovierte Gehöfte und Fachwerkhäuser. Auf dem Weg nach Schnedowitz (Snědovice), erwarten uns wieder abenteuerliche Wegabschnitte. Wir werden dafür mit einem schönen Panorama belohnt, welches durch das auffällig sich abhebende Kirchengebäude von Zebus (Chcebuz) und dem St. Georgsberg (Říp) auszeichnet, weiter im Westen die Hasenburg (Hazmburk) und die ersten Kegelberge des Mittelgebirges. Zebus wurde bereits im Jahre 993 erstmals urkundlich erwähnt.

Kurze Rast in dem ansonsten schmucklosen Schnedowitz, nur das hervorragend restaurierte Schloss sticht hervor. Hier residiert ein Institut für Sozialfürsorge für behinderte Erwachsene. Wir setzen unsere Wanderung fort in Richtung Lummel (Lomy), wo wir uns westlich orientieren, um uns die Aussichten zum Milleschauer (Milešovka), Lobosch (Lovoš) und Kletschen (Kletečná) zu „holen“, der Langeberg (Dlouhy vrch) schließt das Bild ab. Später tritt noch der Geltsch (Sedlo) hinzu. Es erwartet uns noch ein kurzer Anstieg bei Strachel, bevor der lange, noch einmal aussichtsreiche, aber mühselige Abstieg nach Sukorad beginnt. Der Hohlweg, der früher einmal hinab führte, ist stellenweise so verwachsen, dass man auf den Acker ausweichen muss. Im Wald zwischen Sukorad und Strachel verbergen sich nach Paudler noch weitere Geheimnisse, die wohl hier irgendwo zu finden sind.

Wandern wir wieder gegen Sukorad. So finden wir an der Wandlehne zahlreiche Sandsteinfelsen, gleichsam ein Felsentheater. Denn zu beiden Seiten der Schlucht oder des Grundes sind zahlreiche Sitze in die Felsenwände eingemeißelt. Auch ist hier ein Felsengemach, welches man „Einsiedelei“ oder „Eremitage“ nennt. Freilich ist kaum daran zu denken, dass je ein Einsiedler daselbst gewohnt haben sollte. Weit rathsamer scheint es, hier einen Belustigungsort zu suchen, wie sie im vorigen Jahrhundert bei den Adeligen unseres Landes, wie auch an den deutschen Höfen nach französischem Muster üblich waren. Hierfür spricht wohl auch das Lusthaus, welches sich hinter dem Einsiedelfelsgemache befand, von dem aber nur noch die Spuren der Giebelwände zu sehen sind.

Ferner ist von einem „Fuchsschloss“ die Rede, welches sich im Walde zwischen Sukorad und Hubina (Velký Hubenov) befand, in der Nähe dessen es „wilde Sandsteinklüfte und allerlei groteske wilde Felsgebilde und Steingestalten“ geben soll.

Aber wo soll man suchen, in keiner uns bekannten Karte ist davon etwas verzeichnet.

Bei einem Blick auf Landkarte ist es schwierig, sich vorzustellen, welch wunderbare Natur- und Landschaftseindrücke den Wanderer auf dieser Tour erwarten. Bei passendem Wetter und zur richtigen Jahreszeit wird er jedoch auf seine Kosten kommen und voller Freude heimkehren.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.






Fachwerkhaus in Sukorad


Einsame Wege um Sukorad



Erste Aussichten zu Wilhoscht und Maschwitzer Berg







Auf Aujezder Fluren








In Aujezd






Der Georgsberg, Zebus und Umgebung










Fachwerkhaus in Schnedowitz



Aussichten zu Geltsch und den Kegelbergen jenseits der Elbe





Der Ronberg






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