Dienstag, 12. Mai 2020

Wanderung zum Kälberstein und dem Bieleboh

Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich, Zittau-Hörnitz

Es ist streng geheim, aber ich kann verraten, dass nach den sogenannten „Lockerungsmaßnahmen Covid 19“ die Wandergruppe fast wieder vollzählig in Erscheinung tritt. Seltenheitswert hat, dass auch ich sehr einverstanden bin mit den in diesem Zusammenhang erlassenen Verhaltensgeboten, namentlich dem Social Distancing (neudeutsch für Abstand halten!) und Maskenpflicht. Allerdings möchte ich dies etwas konkretisiert verstanden wissen. Abstand halten sollte man von jenen, die sich in den Dienst des verhängten Zwangsregimes gestellt haben und das gleiche sollte auch für die Maskenpflicht gelten, damit diese ewig erkennbar bleiben, denn wie wir hören, soll ja nichts bleiben, wie es vor der Seuche war.

Wir haben uns das Ziel gestellt, die wichtigen Ziele in unserer schönen Oberlausitzer Heimat zu erkunden, so lange wir nicht zu unseren geliebten böhmischen Wanderzielen aufbrechen können. Heute ist die Region um den Bieleboh dran. Unsere Route führt uns zunächst von Beiersdorf südlich des Bergmassivs in Richtung Schirgiswalde, möglichst außerhalb der Waldzone, damit beim Wandern der Blick immer auf das sich vor uns ausbreitende Hügelland gerichtet bleiben kann.

Umfassende Fernblicke ergeben sich wechselnd von Lichtungen aus. Besonders nach Süden öffnet sich eine formenreiche Mittelgebirgslandschaft bis über die Staatsgrenze hinaus. Über das langgestreckte Sohland hinweg geht der Blick zu den blauen Waldkämmen, die vom Tanzplan überragt werden.“ (*)


Noch blühen an verschiedenen Stellen die Obstbäume, so dass wir uns an der frühlingshaften Natur ergötzen können.

Das Wetter spielt ein wenig verrückt, normalerweise ist ab 10 Uhr blauer Himmel angesagt, doch beim Aufstieg zum Kälberstein zieht unerwartet ein heftiger Hagelschauer auf, weitere Feuchtattacken des Himmels sollen folgen, so dass man gar nicht richtig weiß, für welche Kleidungsordnung man sich entscheiden soll.

Mit steilen Hängen, die teilweise einen Böschungswinkel von 20° aufweisen, steigt der massige Bergklotz des Kälbersteins aus dem Spreetal von Schirgiswalde auf. Der Gipfel erhebt sich 205 m über die Talsohle. Nach Crostau fällt der Hang ähnlich steil ab, vielfach stark mit Granitblöcken bestreut, die in lößlehmbeeinflusster periglazialer Fließerde „schwimmen“. … Mit dem Kälberstein setzt der Ostteil des südlichen Bergzuges, der im Bieleboh gipfelt, kräftig ein. Das Gestein ist fast durchgängig Zweiglimmergranit, der zwischen Pickaer Berg und Kälberstein von einem etwa 10 m mächtigen, fast 1,5 km langen Gang von schwarzgrünem Hornblendendiabas durchzogen wird. Granodiorit bildet auf dem Gipfel Klippen von etwa 8 m Höhe, herausgewitterte Reste der in der letzten Eiszeit besonders kräftigen periglazialen Abtragung.“ (*)

Die Klippen auf dem Kälberstein, an dem eine einfache Wanderunterkunft auf uns wartet, ist gerade der rechte Platz für die Mittagspause. Der zugängliche Hauptfels bietet leider keine Aussichtsmöglichkeit mehr, da die Sichtachse vom Aufwuchs der Bäume verstellt ist. Der Wunsch, wenigstens die Schneise frei zu schlagen, verbietet sich aufgrund des erkrankten Waldbestandes von selbst.

Wir wandern weiter hinab gen Schirgiswalde. Herrlich liegt der Ort mit seiner doppeltürmigen Barockkirche im Tal. Wir richten unsere Schritte allerdings in Richtung Crostau. Etwas irritiert sind wir vom Zustand der Wanderwege, die – obzwar in den Karten verzeichnet – stellenweise restlos verwachsen und schwer erkennbar sind. Schön an sich und gepflegt ist Crostau am Hang des Kälbersteins gelegen. Unser Blick ist auf den Mönchswalder Berg gerichtet und man überschaut Bautzen, unten in der Ebene angesiedelt.

Wenig Überraschendes bietet der weitere Weg bis zum Bieleboh. Nur die Schäden am Walde, der flächenweise schon abgeholzt ist, gehen einem ans Herz. Für den Schlussanstieg zum Bieleboh sind noch einmal die Kräfte zu mobilisieren.

Mit 499,4 m Höhe ist der Bieleboh die höchste Erhebung der südlich der Cunewalder Talwanne sich erstreckenden Bergkette, deren Verlauf im Gegensatz zum nördlich gegenüberliegenden Czorneboh nicht genau west-östlich, sondern westsüdwestlich- ostnordöstlich gerichtet ist. Die 11 km lange Bielebohkette beginnt mit dem bei Schrigiswalde steil aus dem Spreetal ansteigenden 485 m hohen Kälberstein und endet mit dem 467 m hohen Kötzschauer Berg. … Der Bieleboh besteht wie der Czorneboh aus kleinkörnigem Zweiglimmergranodiorit; doch ist hier die Ausbildung von Gipfelklippen und Blockmeeren nur unbedeutend. …

Von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften wurde der Gipfel seit jeher viel besucht. Nach 1830 veranstaltete der Beiersdorfer Kretschamwirt Schießfeste auf dem Berg. Der Gebirgsverein Oberes Spreetal erreichte es, daß Aussichtsturm und Gasthaus auf dem auf dem Bieleboh gebaut und am 06. Mai 1883 eingeweiht wurden. Als der Turm 1910 durch Blitzschlag ausbrannte, errichtete man ein Jahr darauf einen neuen, 3 m höheren.“… Viele Wanderwege berühren den Bieleboh, darunter der Hauptwanderweg Zittau-Wernigerode und der Gebietswanderweg vom Hochwald im Zittauer Gebirge nach Kamenz (Lausitzer Landweg). Ausgezeichnet ist die Fernsicht besonders nach Süden, wo sie das abwechslungsreich gegliederte Oberlausitzer Bergland bis zum Zittauer Gebirge und zu den Gipfeln der nördlichen ČSSR umfaßt, an klaren Tagen auch das Isergebirge (Jizerské hory), das Riesengebirge (Krkonoše) und das Osterzgebirge.“(**)

Derzeit ist eine Großbaumaßnahme am Gipfel im Gange. Hier errichtet das Naturressort Bieleboh der „Saal im Berge“. Man wird sich dabei etwas gedacht haben. Uns bleibt der Abgang zum Parkplatz, wobei sich noch herrliche Ausblicke über das Hügelland eröffnen.

*Alle Zitate aus „Werte unserer Heimat“, Bd. 12 (*), 24 (*)




Die GPS-Daten zu dieser Tour finden sich hier.




Der örtliche Corona-Aufpasser


Landschaft bei Oppach








An den Kälbersteinen




Zum besseren Verständnis für Stadtmenschen: auch wenn wir gerade von den Kälbersteinen kommen - hier handelt es sich um Schafe


Schirgiswalde




Verwilderte Wege zwischen Schirgiswalde und Crostau





Schlimme Waldschäden wohin man schaut



Ausblick vom Bieleboh



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