Sonntag, 31. August 2025

Wanderung zum Katzenrücken

 Ein Gastbeitrag von Björn Ehrlich


Den Katzenrücken (Kočičí hřbet) kennt sicher kaum ein Mensch. Wir betiteln die Tour aber trotzdem so, weil alle anderen heutigen Wegpunkte von uns schon einmal beschrieben wurden: Kortschner Berg (Korecký vrch), Großer Berg (Vysoký vrch), Schneideberg (Ostrý kopec) und Beschkabener Berg (Velký beškovský vrch) oder auch Beschkaben genannt. Wir sind also in der Daubaer Schweiz unterwegs. Im Fokus liegt heute der Schneideberg.

"Südlich von der Ortschaft Kortschen mit dem gleichnamigen Berge und südwestlich vom Tachaberg zieht sich in südöstlicher Richtung ein Sandsteinzug hin, der durch die Straße von Siertsch nach Nedam von den Abhängen des kleinen und großen Peschkabner Berges geschieden ist. Seine Haupterhebungen sind der Schneide-Berg und der Große Berg, ein Teil der Südlehne heißt Seidelberg. An der Nordlehne des Schneideberges ist eine mächtige Blockhalde sichtbar, deren Ausläufer in riesigen Blöcken bis fast an den Fuß des Kortschner Berges reichen. Hier wurden aus dem harten Sandsteine mit kieseligem Bindemittel bis vor wenigen Jahren Mühlsteine erzeugt, deren Absatz hauptsächlich nach Rußland ging. ... Auf der Gipfelfläche des Schneideberges angelangt, findet man auf einer Unterlage mürber Sandsteine die mächtigsten harten Blöcke, prächtige Stücke von vielen Kubikmetern Größe, die für eine monumentale Felsengruppe das herrlichste Material abgeben würden. … Am Kamm nordwestlich gegen den Großen Berg wandernd, entdeckt man noch zahllose gigantische Blöcke, immer vergesellschaftet mit gewöhnlichem Sandstein, oder diesen überlagernd. Der südlich gelegene Peschkabner Berg gewährt einen herrlichen Anblick, der noch durch die Wahrnehmung Interesse gewinnt, daß der steile Felsenkamm, an dem wir unsere Beobachtungen gemacht haben, in gleicher Höhe und mit gleich steilem Absturz sich bei ihm wiederholt, so daß der Siertscher Grund mit dem schönen Jungfernstein die Schlucht darstellt, welche durch Erosion das Quarzitvorkommen in zwei Teile zerrissen hat. Zu beiden Seiten des Grundes liegen im Wald und in den sonstigen Kulturen die Blöcke verstreut, wo sie an Ort und Stelle bearbeitet werden.“ (Mittheilungen des Nordböhmischen Vereins für Heimatforschung und Wanderpflege, Karl von Zimmermann, 1906)

Dies als Einstimmung. Wir wissen, dass die Tour einen ziemlich anspruchsvollen Charakter hat, zumal hochsommerliche Temperaturen angekündigt sind und sich keine Einkehrmöglichkeit am Wege befindet. Wir starten also in Siertsch (Ždírec) und wandern direkt dem Kortschner Berg entgegen. Früher führte ein Kreuzweg zu seinem Gipfel, von dem nichts mehr erhalten ist.

Der Berg ist zunächst das Ziel vieler Andächtigen. Am westlichen Waldsaume beginnend sind längs des geschlängelten Weges bis hinauf 14 steinerne, den Kreuzweg vorstellende Bildsäulen errichtet. Auf der Gipfelfläche des Berges befindet sich seit 1868 auf steinerner Unterlage ein eisernes Kreuz, welches 1883 durch einen Blitzschlag beschädigt, dann renoviert, neu eingefriedet und 1885 mit einem Blitzableiter versehen wurde. Das ursprünglich hölzerne Kreuz ist im Jahre 1836, die ebenfalls renovierten Statuen, St. Maria, Johannes und Magdalena darstellend, sind im Jahre 1837, die Kreuzwegstationen aber 1838 von dem damals in Kortschen Nr. 24 wohnenden Steinmetzen Franz Lausch errichtet worden, welcher zu Instandhaltung dieser Stiftung 20 fl. C. M. bei dem Gemeindeamte hinterlegte. Die projectierte Einrichtung eines „Ölgartens“ und einer Einsiedelei ist nicht zur Ausführung gekommen. ...Auch der Naturfreund wird beim Besuche des Berges durch die sehr schöne Aussicht über Erwarten befriedigt.“ (Bernau, Friedrich, „Der politische Bezirk Dauba“, 1888)

Insbesondere fällt unser Blick auf den westlich gelegenen Höhenzug des Großen- und des Schneideberges, der unser nächstes Ziel ist sowie auf den sich dahinter auftürmenden Beschkaben. Aus der Ortslage von Kortschen (Korce) schweift unser Blick von der Burgruine auf dem Wrchabener Berg (Berkovský vrch) über ein weites Rund mit abgeernteten Getreidefeldern bis zu den Höhen des Lausitzer Gebirges. Der Weg führt uns nun an den Großen Berg heran.

Auch der Große Berg ist an der Westseite mit hohen, schroffen Felswänden umsäumt, welche an dieser unbewaldeten Stelle weithin sichtbar zutage treten. Eine Eigenthümlichkeit dieses Berges ist noch, dass er zwei seitlich vulcanische Ausbrüche zeigt, von denen der südliche die „Steinrolle“, auch „das alte Schloß“, der nördliche, eine bewaldete Berghöhe, „Brandleite“ genannt wird. Der Sandstein des Großen Berges, insbesondere der härtere, liefert ein sehr brauchbares Material zu Steinmetzarbeiten: Thürstöcken, Stiegen, früher auch Mühlsteinen.“ (Bernau [ebenda])

Am Gipfel des Großen Berges erreicht man eine herrliche Felsaussicht mit großartigem Ausruhpotential. Am Rand der Felsen blüht die Heide. Um nun zum Aufstieg in den Schneideberg zu gelangen, geht man ein Stück zurück und achtet linker Hand auf ein ausgemeißeltes kellerartiges Gewölbe (Jeskyně Kameníkova jizba) im Fels, in dem man sich bereits früher häuslich eingerichtet hatte.

In den weichen Sandstein einer der gigantischen Felswände des Großen Berges wurde in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts eine etwa 6 qm an Flächenraum haltende Steinmetzenstube durch einen aus Lämberg bei Gabel stammenden und deshalb hier kurzweg als „Lämberger“ genannten Steinmetzen ausgehauen. In den Jahren 1824-29 wurde dieselbe im Sommer und Winter von Ignaz Goldbach, Mühlbauer und Steinmetzen aus Beschkaben, nebst dessen Frau und 7 Kindern bewohnt. Er beschäftigte sich mit Brechen des harten Sandsteines, welcher am Kamme in großen Blöcken zerstreut umherliegt, und der in der damaligen Zeit häufig zu Mühlsteinen verwendet wurde, von denen bis in die neuere Zeit noch einige vorhanden waren. Diese Mühlsteine waren jedoch viel zu grobkörnig, als dass sie ihr Absatzgebiet auf die Dauer hätten behaupten können. Diese Einsiedlerfamilie war zur Sommerszeit an Sonn- und Feiertagen das Ziel von Ausflüglern von Dauba und Umgebung, welche nebst der schönen Aussicht von den vorspringenden Felsen auch an Harfenspiel und Gesang sich ergötzen konnten. An diesen improvisierten Waldconcerten betheiligte sich auch ein Schuhmacher aus Kahlenberg mit einem Stelzfuße, der die sogenannte „Schweingeige“ (Geige mit einer Seite) spielte. Die Zuhörer saßen auf Rasen- und Steinbänken unter dem kühlenden Laubdache des damals noch bestandenen herrlichen Buchenwaldes und erquickten sich an dem frischen Labetrunk aus einer am nördlichen Abhange hervorsprudeln den Felsenquelle. Jetzt ist der Wald längst abgetrieben und die verwahrloste Quelle wird von den Steinmetzen zum Anfeuchten der Steine benützt.“ (Bernau)

Nach einem Blick in die Wohnhöhle geht es nun hinauf zu Schneideberg.

Der ziemlich schwer zu ersteigende Kamm trägt an zwei Stellen thurmähnlich übereinander gelagerte Sandsteinfelsen, die, von der Ferne nur theilweise sichtbar, überraschend auf den Besucher wirken. Auch der Große Berg ist an der Westseite mit hohen, schroffen Felswänden umsäumt, welche an dieser unbewaldeten Stelle weithin sichtbar zutage treten. Eine Eigenthümlichkeit dieses Berges ist noch, dass er zwei seitlich vulcanische Ausbrüche zeigt, von denen der südliche die „Steinrolle“, auch „das alte Schloß“, der nördliche, eine bewaldete Berghöhe, „Brandleite“ genannt wird.“ (Bernau)

Der Weg verliert sich hier teilweise zwischen den Felsen und abgestorbenen Bäumen. Man kann sich aber nicht verirren, weil es beiderseits steil abwärts geht. Es ist nur darauf zu achten, eine geeignete Stelle für den Abstieg zu finden, der durch Heidelbeergestrüpp hinunter zum Jungfernstein führt, um den sich eine der anrührenden Jungfernsagen rankt. Die Hitze macht sich unterdessen bemerkbar, kein gutes Omen für den steilen Anstieg zum Beschkaben, der durch eine Felsengasse zur Bergspitze führt. Die Aussicht ist eingeschränkt, aber die sich am Gipfel türmenden Felszinnen aus Quarzsandstein erwärmen die Seele des Bergwanderers. In der Nähe des Gipfels treten noch Basaltformationen an die Oberfläche. An den steilen Hängen des Berges befinden sich Felsstufen und Schluchten, die in das Beschkabener- und Siertscher Tal münden. Nach dem ersten steileren Abstieg führt der Weg über einen unscheinbaren Sattel zum Katzenberg (Kočičí hřbet). Man meint, nun endlich talwärts Richtung Siertsch abzusteigen, merkt aber bald, was es mit dem „Katzenrücken“ auf sich hat: ein Buckel am anderen, atemraubend geht es jetzt bei stehender Hitze auf und ab. Beiderseits des Weges geht es auch hier steil hinunter in die Täler. An einigen Stellen ergeben sich schöne Ausblicke zur Burg Hauska (Houska). Erst nach Erreichen einer Fahrstraße beginnt der Abstieg Richtung Borschim (Bořejov). Von da ist es nur noch ein kurzes Stück zurück nach Siertsch.


Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Unterwegs von Siertsch zum Kortschner Berg









Am Gipfel des Kortschner Berges





Herrliche Aussichten aus der Ortslage Kortschen und schöne alte Häuser im Dorf












Unterwegs zum Großen Berg







      „Steinmetzenstube“ unterhalb des Gipfels am Großen Berg





An der Felsaussicht des Großen Berges









Über den Kamm des Schneidebergs






















Zum Gipfel des Beschkaben












Über den Katzenrücken und Borschim zurück nach Siertsch






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