Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) hat sich heute als Bezeichnung für das Böhmische Niederland (České Nizozemí) durchgesetzt. Trotzdem hätten wir gerne geklärt, was es mit dem Deutung auf sich hat.
Für die Bewohner des böhmischen Beckens lag diese Region hinter dem trennenden Lausitzer Gebirge. Da das Gelände dorthin abfällt und die Region geografisch bereits außerhalb des eigentlichen böhmischen Kessels im Lausitzer Raum liegt, wurde es als „niederes Land“ wahrgenommen.
Mehr dazu erfährt man in der WIKIPEDIA. Räumlich ist uns die Gegend bekannt, jedoch entdecken wir auf unseren Wanderungen immer wieder neue Kleinode. Gleich zu Beginn unserer Tour in Groß Schönau (Velký Šenov) liegt seitlich des Weges hinauf zum Wachberg (Strážný vrch) eine historische Wallfahrtsstätte.
Der Kreuzweg wurde auf Initiative des Ambrosius Hille errichtet. Am 8. September 1856 weihte dessen Bruder, der Leitmeritzer Bischof Augustin Bartolomäus Hille, die Anlage feierlich ein. Die Anlage besteht aus 14 neoklassizistischen Nischenkapellen mit Rokoko-Elementen. Sie sind in einem regelmäßigen, quadratischen Grundriss entlang einer Waldlichtung angeordnet. Zum historischen Areal gehörten ursprünglich auch eine Kalvarienberg-Kapelle sowie eine Kapelle des Heiligen Grabes mit einer Skulptur des liegenden Christus. Nach der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage zusehends. Die Gebäude wurden schwer beschädigt und die Kalvarienberg-Kapelle komplett abgerissen – ihre Steine wurden zweckentfremdet beim Bau eines Kuhstalls genutzt. Zwischen 1997 und 2000 wurde der verbliebene Kreuzweg umfassend restauriert. Die Nischenkapellen erhielten im Jahr 1999 neue Motive. Die zerstörte Kalvarienkapelle wurde zwar nicht wieder aufgebaut, als neues Zentrum fungiert heute jedoch ein großes Eichenkreuz mit einer lebensgroßen Christusstatue. Von der ehemaligen Heilig-Grab-Kapelle zeugen nur noch die beschädigten Reste einer Christus-Skulptur. (Internetrecherche)
Wir wandern über den Wachberg hinüber nach Hainspach (Lipová). Die Friedhofskapelle und die Kirche der Hl. Simon und Juda präsentieren sich in einem ausgezeichneten Zustand, im Gegensatz zu dem ehemaligen Schlosskomplex, gelegen an einer herrlichen Teichlandschaft. Die zaghaften Renovierungsversuche am Schloss täuschen nicht darüber hinweg: Eine vollständige Wiederherstellung der Anlage wird wegen des enormen Aufwands wohl eine Illusion bleiben. Ausführlicheres zu diesem Schloss erfährt man hier.
Unser nächstes Ziel
ist die St. Joachim Kapelle auf dem Joachimsberg
(Jáchym). Bei
unserem letzten Besuch waren hier
Restaurierungsarbeit an der Wallfahrtsanlage im
Gange. Gerade ist die Kapelle großem Ungemach
entgangen: eine kapitale Buche wurde durch einen
Sturm entwurzelt. Der Herr muss die Hände über die Kapelle gehalten haben. Der
kolossale Stamm ging um Haaresbreite vorbei an
dem Bauwerk zu Boden. Nur ein Bildstock wurde
zertrümmert. Glück im Unglück.
Wir wandern weiter nach Lobendau (Lobendava). Der Weg durch die sommerlichen Wiesen in der hügeligen Landschaft ist der schönste Abschnitt unserer Wanderung. Irgendwie fällt uns auf, dass die Vegetation hier noch recht frisch aussieht und so gar nicht zu den ausgebrannten Flächen in diesem Sommer passen will. Zudem führen die Dorfbäche in Lobendau ordentlich Wasser. Zu erklären ist das wohl damit, dass das Niederland hier von dem verheerenden Unwetter, welches die Felsenbühne Rathen zerstört hat, noch einen Ausläufer abbekommen hat, der die Gegend ordentlich mit Wasser versorgte. Wir kehren ein im ehemaligen Deutschen Haus (heute Restaurace U Hraničáře) und zwar recht ausgiebig. Der Rückweg führt uns vorbei am kleinen Waldbad von Lobendau hinauf zur St Annen Kapelle auf dem Annaberg (Anenský vrch). Bei einem Rundgang versäume man nicht, am oberen Ende des Kreuzweges einen Blick auf Lobendau zu werfen.
Der Rückweg nach Groß Schönau ist recht unspektakulär. Ein kurzer Abstecher zur Wolfsquelle, die trinkbares Wasser zu Tage fördert, ist uns bei der Hitze des Tages willkommen, ebenso das Freibad an einem Granitsteinbruch in der Nähe von Groß Schönau. Leider haben die meisten die Badehosen zu Hause gelassen. Die letzten zwei Kilometer auf Straßen durch Groß Schönau sind bei den heutigen Temperaturen quälend.
Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.
Kreuzweg bei Großschönau
Impressionen aus Hainspach
Das Hainspacher Schloss
#Kapelle auf dem Joachimsberg
Impressionen aus Lobendau
Kreuzweg an der St. Annenkapelle



